essen to go Lieferservice

Lieferservice: Support your locals

Die Gastronomie hat es wieder erwischt. Viele Restaurants bieten nun die Speisen zum Abholen oder per Lieferdienst an.

Wir würden uns freuen, wenn Sie sich bei uns melden, um die Liste mit zusätzlichen Gastronomie-Betrieben zu erweitern: briefkasten@dermainzer.net, Stichwort: Lieferservice

 

Pollers Häusje  Abhol- & Lieferservice, Grabenstr.55,  Mainz-Gonsenheim
Freitag bis Sonntag, Mittwoch, den 11.11. „Gans to go“
Tel: 06131 43730, www.pollers.de

Karcher Hof , Karcher Weg 31,  Mainz
11 bis 14.30 Uhr Abholservice
17 bis 21.30 Uhr Abhol- & Lieferservice
Tel: 06131 58 48 233, www.karcher-hof.de

Landhotel Fetzer   Abholservice
Gaulsheimer Str. 14  Ingelheim
Dienstag – Samstag ab 18 Uhr,  Sonntag ab 12 Uhr
Martinsgans & Wildbret zum Abholen nur auf Vorbestellung
Tel: 06725 30130, www.fetzergastro.de

Bei Bruno Abholservice, Dekan-Laist-Str. 54 Mainz Hechtsheim
Montag – Freitag 11.30 – 13.30    17.30 – 20.30 Uhr
Tel: 06131 584 23 04, www.bei-bruno.de

Willems Abhol- & Lieferservice, Kapuzinerstr. 29 Mainz- Altstadt
Am Wochenende
Tel.: 06131 2109 171, www.gasthaus-willems.de

Willems Altstadtcafé  Abhol- & Lieferservice, Schönbornstr. 9A
Am Wochenende, Tel.061311438 210; www.gasthaus-willems.de

Ristorante Il Mondo, Essen to Go
Kurmainzstr.24, 55126 Mainz Tel: 06131 604352; www.ilmondo-mainz.de

FAVORITE Parkhotel, Gänse to Go
Karl-Weiser-Straße 1, 55131 Mainz, 06131-801577; www.favorite-mainz.de

Weinhaus Bluhm, Essen to Go und Lieferdienst, Mittwochs – Sonntags
Badergasse 1, 55116 Mainz, Tel. 0171 7493787,  www.weinhausbluhm.com

Margaretenhof, Essen to Go
Restaurant Wanny’s, Am Sportfeld 25, 55270, Schwabenheim,
Tel. 06130 2072797, restaurant@margaretenhof.info

Steins Traube, Essen to Go und Lieferservice,
Montag – Sonntag von 12- 20 Uhr Poststr. 4, 55126 Mainz,
Tel. 06131 40249,  www.steins-traube.de

Hahnenhof, Wallau­str. 18, Mainz/Neustadt (www.hahnenhof-mainz.de)

Landgasthof Kirschgarten, Essen to Go, Täglich 12 – 14 Uhr und 18 – 20.30 Uhr
Kleine Hohl 2, 55263 Wackernheim, Tel. 06132 899790, www.landgasthof-kirschgarten.de

Zum goldenen Engel, Abholservice
Marktplatz 3, 55237 Flonheim
Von 11.00 bis 16.00 Uhr
Tel. 06734 -913930, www.zum-goldenen-engel.com

Weinstube Kruger-Rumpf, Abholservice, Freitag und Samstag von 17.00 bis 19.00 Uhr
Rheinstraße 47; 55424 Münster-Sarmsheim
Oder nach vorheriger Absprache
Tel. 06721-45050, www.kruger-rumpf.com

Laurenz, Abholservice, Ab Dezember, MO-SA 17.00 – 21.00 Uhr
Weinbar Restaurant Vinothek, Gartenfeldstraße 9, 55118 Mainz
Tel. 06131 – 2168660,  www.laurenz-mainz.de

Trattoria am Kaisertor, Abhol- und Lieferservice, Mittwoch-Sonntag 16-22 Uhr
Tel. 06131-673242, www.trattoria-mainz.de

 




Ingelheimer Winzerkeller

Ingelheimer Winzerkeller: Nicht ganz perfektes Schmuckstück

Der Ingelheimer Winzerkeller bietet ein herausragendes Ambiente, diverse Räumlichkeiten zum Feiern und eine erstklassige regionale Weinkarte. Beim Essen fehlte uns der letzte Pfiff.

Das Anfang des 20. Jahrhunderts als Heimstatt der Nieder-Ingelheimer Winzergenossenschaft errichtete Gebäude beeindruckt. Von 2016 bis 2019 wurde es grundsaniert, und nun steht es da wie ein Solitär aus einer anderen Zeit. Bei näherer Betrachtung, besonders wenn man das Innere betritt, zeigt sich eine ungewöhnlich attraktive Symbiose aus alter Bausubstanz und moderner Materialien-Optik. Natur- und Backstein harmonieren mit Glas, Holz und Metall. Den großen Lichthof, der das geografische Zentrum des Komplexes bildet, schmücken zahlreiche, teilweise recht alte Kübelpflanzen, darunter stattliche Olivenbäume.

Geschickt sind hier zurzeit – und noch bis 18. April kommenden Jahres – in dieses palmengartenartige Ambiente mehrere Litfaßsäulen integriert, die spannende Informationen zu Burgen und Kaiserpfalzen im erweiterten Rhein-Main-Gebiet liefern.

Die Ausstellung ist Teil der zweigliedrigen Ingelheimer Präsentation »Säulen der Macht – Mittelalterliche Paläste und die Reisewege der Kaiser«, die mit der derzeitigen großen Mainzer Landesausstellung inhaltlich zusammenhängt.

Multifunktionales Gebäude

Die Ingelheimer Tourist-Information, eine Vinothek mit Weinen regional ansässiger Weingüter und schließlich ein Restaurant mit Weinbar, Weinsalon, Nord- und Südterrasse vervollständigen die hiesige Infrastruktur. Mister X und ich widmen sich – dreimal darf man raten – dem letztgenannten Ensemble. Wir nehmen in der Weinbar vis-à-vis der Theke Platz. Der Barkeeper/Kellner ist flott zur Stelle und erweist sich als informationsfreudig. Wir könnten uns gerne auch das Obergeschoss und den historischen Gewölbekeller anschauen. Beide Lokalitäten stünden für größere Feiern zur Verfügung. Uns ist allerdings erst einmal nach Essen zumute, und so ordert X die Winzersuppe mit Sauerteig-Croûtons zu 7 Euro. »Nun, vor mir steht offensichtlich eine Crèmesuppe – möglicherweise auf einer Mehlschwitze basierend –, die den weinbaulichen Aspekt ihres Namens anscheinend via einiger halber dazugetaner Träubchen widerspiegelt«, lautet das recht nüchterne Fazit meines immerwährenden Begleiters, der immerhin das mitservierte Graubrotkörbchen lobt.

Perfekt gereifter Handkäs

Da habe ich zunächst mehr Glück. Mein riesiger, heller, perfekt durchgereifter Handkäs ist geschmückt mit zarten Zwiebelchen, Blattsalaten, winzigen dunklen Oliven, Radieschenscheiben und Hälften kleiner Tomätchen. Eine hauchdünne Scheibe frittierten Graubrotes krönt dieses sehr ansehnliche Arrangement. Die feinwürzige Marinade erfreut darüber hinaus. Zusammen mit einem recht üppigen Brotkorb ergibt sich eine ausgezeichnete Vorspeise, die dem nicht arg Hungrigen auch mühelos als Hauptspeise dienen kann. 6,90 Euro kostet das Ingelheimer Handkäs-Arrangement.




So recht will es an diesem Donnerstagmittag nicht gelingen, Mister X kulinarisch zu überzeugen, geschweige denn zu begeistern. Sein Flanksteak in BBQ-Sauce ist zwar – wie in der Karte avisiert – rosa gebraten, aber ein wenig zäh. Zum Fleisch gibt es ein Maispüree, kleine Buttermaiskölbchen und Perlzwiebeln. Alles zusammen wird mit 26,50 Euro berechnet. »Der Preis korrespondiert hier nicht wirklich mit dem Freudefaktor«, höre ich mein Gegenüber murmeln.

Burger überzeugt nicht

Ich versuche es derweil mit dem Winzerkeller-Burger zu 16,90 Euro. Dieses Arrangement gleicht einem Turm aus Sesambrötchen, Spiegelei, Cheddar, plattem Rindfleisch-Klops und roten Zwiebeln. Kurzum: Ich empfinde den Teller schlichtweg als überfüllt, und das Hackfleisch ist derart eng gepresst, dass der Genusssuchende überhaupt keine körnige Struktur mehr erkennen kann. Nein, so stelle ich mir einen hochklassigen Burger nicht vor. Dazu werden immerhin sehr ordentliche Pommes gereicht, die man mit Ketchup und Mayo aus kleinen Heinz-Gläschen veredeln kann.
| Lou Kull

ESSEN7,0
TRINKEN8,0
SERVICE7,5
AMBIENTE9,0
PREIS/LEISTUNG7,0
GESAMT38,5 : 5 = 7,7 KAPPEN

Fazit

Der Ingelheimer Winzerkeller ist eine Art Gesamtkunstwerk, dessen Besuch aus unterschiedlichen Gründen lohnenswert sein kann. Besonders die Architektur beeindruckt. Uns interessierte zuvorderst das Restaurant. Dessen Ambiente ist sehr ansprechend, es vereint urig-alte mit modernen Gestaltungselementen. Den Service empfanden wir als bemüht, wiewohl nicht sehr professionell. Beim Essen nahmen wir gute Ansätze wahr, die jedoch nicht konsequent fortgeführt werden – siehe die Winzersuppe, das Flank-Steak und den Burger. Bezüglich der beiden letztgenannten Speisen scheint zudem das Preis-Genuss-Verhältnis nicht ganz im Lot zu sein; daran ändert auch die hübsche Optik nichts. Die Küche kann an guten Tagen sicherlich mehr.

Das Weinangebot im Ingelheimer Winzerkeller ist hervorragend. Es gibt 15 offene Weine und eine weit größere Zahl an Flaschenweinen, die allesamt das hohe Niveau renommierter und junger Weingüter aus Ingelheim und den umgebenden Orten überzeugend darstellen. Wir tranken zum Essen den trockenen Riesling von Bettenheimer zu 4,90 Euro für 0,2 Liter und den Chardonnay Gutswein von Neus, der mit 4,60 Euro für 0,1 berechnet wird.

Ingelheimer Winzerkeller
Winzerkeller Restaurant GmbH
Binger Straße 16
55218 Ingelheim
Tel. 0 61 32 / 999 91 60
info@winzerkelleringelheim.de
www.winzerkelleringelheim.de
Öffnungszeiten:
Mo bis Fr 11.30 bis 23 Uhr
Sa, So und feiertags 10 bis 24 Uhr
warme Küche bis 22 Uhr

 




Das Nest

Das Nest: Frischer Gastro-Wind in der Neustadt

»Das Nest« wirkt von außen eher unscheinbar, hat aber reichlich Platz in unterschiedlichem Ambiente zu bieten. Das Essen ist zumeist leicht und hübsch anzusehen. Ein echter Tipp!

Mister X und ich lieben Überraschungen – positive selbst­redend. Eine solche bietet »Das Nest« am Kaiser-Wilhelm-Ring in Mainz. Die Gegend nordwestlich des Hauptbahnhofs ist nicht die vornehmste, aber das tut schließlich nichts zur Sache. Hier laufen viele verschiedene Menschen durcheinander, was der baulichen Tristesse ein wenig Farbe verleiht. »Das Nest«, in Gehweite vom Bahnhofplatz entfernt, wirkt vom ersten Eindruck her unscheinbar, die ganze Dimension erschließt sich erst bei einem Rundgang.

Draußen, direkt an Bürgersteig und Straße, stehen auf einer Terrasse einige lange Tische und Bänke. Trotz Großstadt und Bahnhofsnähe ist hier straßenverkehrlich nicht viel los, da die meisten Autos über die parallel gelegene Boppstraße abfließen. Die hohen, alten Bäume in der Straßenmitte bieten angenehmen Schatten, einige Sonnenstrahlen erreichen die Terrasse dennoch. Hier lässt sich also recht ruhig und angenehm sitzen.

Drinnen zieht sich das Lokal wie ein Schlauch, der eine hip-urige Atmosphäre verbreitet. Moderne Metalloptik mischt sich mit derbem Mauerwerk. Gegen Ende des Schlauchs gibt es eine Öffnung ins Freie zu einer Hofterrasse, wo es allerdings sehr schattig und kühl sein kann – drumherum stehen halt hohe Mietshäuser.

Stotterstart durch Corona

Wir sitzen draußen. Der junge Mann, der uns bedient, ist unaufgeregt freundlich und sehr zuvorkommend, darüber hinaus kennt er sich offensichtlich mit den Gegebenheiten aus. So erzählt er auf Nachfrage, dass »Das Nest« bereits im Februar einen Start versuchte, durch Corona ausgebremst aber erst im Sommer so richtig mit dem Betrieb beginnen konnte. Des Weiteren erfahren wir, dass das Etablissement tagsüber als Café zu betrachten ist und des Abends beziehungsweise nachts zur Bar mutiert. Bei alledem hat »Das Nest« auch kleine Speisen im Angebot, die es für unsere Serie interessant machen.

Mittags gibt es ein wöchentlich wechselndes Gericht – »Mittagsvogel« genannt –, ansonsten kann sich der Gast aus dem übersichtlichen Standardangebot bedienen. Mister X nimmt als Vorspeise Rührei mit Speck. Die Rührei-Basis kostet 5,90 Euro, die weitere Zutat 1,50 Euro, macht zusammen 7,40 Euro. Diese Komposition ist hübsch anzusehen und offensichtlich schmackhaft. »Schön, was man mit Kenntnis und gutem Willen aus so einer einfachen Speise machen kann«, lobt Mister X unumwunden. Andere mögliche Ergänzungen zum Rühr- oder Spiegelei sind Käse, Tomaten, Avocado und Räucherlachs.

»Bin beeindruckt und hocherfreut«

Als Hauptspeise nimmt mein immerwährender Begleiter die Tages-/Wochenempfehlung: Mie-Nudeln mit Gemüse, Erdnüssen und sehenswert flachem Spiegelei obenauf. In dieser Vollversion werden 7,90 Euro berechnet, ohne Ei wär’s einen Euro billiger. Die asiatischen Nudeln kommen übrigens keineswegs asketisch daher. Vielmehr entdeckt man beim genauen Hinschauen viele kleine bunte Details: unter anderem Möhrenscheibchen, winzige Zucchinistückchen, kleine Zuckerschoten, Rucola-Streifchen, Paprika und schwarzen Sesam. »Ich bin beeindruckt und hocherfreut«, kommentiert X dieses Gericht.

Ich nehme keine Vorspeise, sondern nur den großen Salatteller für 8,10 Euro. Der Honig-Ziegenkäse dazu wird mit 1,50 Euro berechnet. Alternativ wären auch Räucherlachs (plus 2 Euro), Tempeh (zuzüglich 2,50 Euro) und – siehe da – gebratene Fleischwurst (plus 2,50 Euro) möglich. Auch ich sitze nun vor einem Zutaten-Gemälde von enormer Farbigkeit. Vier Roggenbrot-Dreiecke, halbe grüne Träubchen, schmale Apfelspalten, ritzerote Granatapfelkerne, Gurkenscheibchen und halbe Cocktail-Tomätchen begleiten die diversen Blattsalate aufs Pittoreskste. Das Dressing ist leicht und nicht zu herb, und auf dem Salathügel thront ein runder Ziegenkäse mit schwarzen Sesamstreuseln. Ich kann nur sagen: Köstlich!

So ziehen Mister X und ich frohgemut unserer Wege. Wir freuen uns bereits auf die Zeit, da das Restaurant-eigene Projekt »Nester« in die Realität umgesetzt sein wird. Dann werden kleine Gerichte verfügbar sein, die auf einer gemeinsamen Basis unterschiedliche Zutaten haben können: etwa Rote Bete und Babyspinat, Gemüseallerlei, Salsiccia mit Tomaten, Mozzarella und Chili.
| Lou Kull

ESSEN7,5
TRINKEN7,5
SERVICE8,0
AMBIENTE7,5
PREIS/LEISTUNG8,0
GESAMT38,5 : 5 = 7,7 KAPPEN

Fazit

»Das Nest« hat uns enorm überrascht. Es bereitet schlichtweg Freude, hier zu sitzen, zu klönen, vom Service freundlich angesprochen und sehr gut mit Essen und Trinken versorgt zu werden. Die Küche ist in gewisser Weise Richtung vegetarisch beziehungsweise vegan orientiert, übertreibt das Ganze aber nicht ins Ideologische. Die Zutaten sind offensichtlich durchgängig frisch und werden attraktiv und sehr schmackhaft zubereitet. Uns fiel zudem positiv auf, dass die Gerichte, die wir probierten, pikant und kreativ gewürzt waren. Ernährungs- und genussbewusstes junges und junggebliebenes Publikum ist hier bestimmt nicht fehl am Platz. In puncto Getränke ist »Das Nest« hervorragend aufgestellt. Es gibt diverse alkoholfreie Getränke – Tees, Säfte, Limonaden und so weiter –, eine sehr interessante Bierauswahl (unter anderem Rothaus-Pils und Paulaner Zwickel vom Fass, Eulchen-Märzen aus der Flasche), Kiezbaum-Cider und allerlei Spirituosen. Das Weintableau ist nicht üppig, aber gut gewählt. Wir tranken den trockenen Kalkstein Rosé vom Espenhof in Flonheim-Uffhofen zu 3,80 Euro für 0,2 und den ebenfalls trockenen Weißburgunder Steingewann von Hees im pfälzischen Auen zu 5,30 Euro.

Das Nest
Kaiser-Wilhelm-Ring 40
55118 Mainz
Tel. 0 61 31 / 480 71 19
info@das-nest-mainz.de
www.facebook.com/dasnestmainz
Öffnungszeiten:
Mo bis So, 10 bis 1 Uhr,
kein Ruhetag

 

Zur Speisekammer: Dorfgasthof in seiner schönsten Art




Zenz Wirtshaus

Zenz: Urig-modern am Bahnhofplatz

Das »Zenz« vermittelt ein spezielles Gasthaus-Gefühl. Die Speisen präsentieren sich überwiegend deftig, aber nicht schwer, die Getränkeauswahl ist riesig.

Heute stürzen wir uns ins Gewimmel der Großstadt. Wir be­suchen das »Zenz« am Mainzer Bahnhofplatz, wo sich die Bus­linien kreuzen und die Menschen eilen, um ihre ÖPNV-Fahrt zu erreichen. Es ist Mittag an einem sonnigen Sommertag. Das Gasthaus zeigt sich von seiner offensten Seite: Innen- und Außenbereich verschmelzen, zwischen Gastraum und Terrasse gibt es keine optische Barriere.

Die Zenz Wirtshaus GmbH gehört zur bayerischen Enchi­lada Gruppe, die hauptsächlich in Deutschland Systemgastronomie betreibt und zu der in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt auch »Aposto«, »Wilma Wunder« und »Big Easy« gehören. Das »Zenz« eröffnete Ende Mai dieses Jahres und folgt dem »Besitos« nach.

Das Gasthaus ist in mehrere Räume unterteilt, die sich stilistisch unterscheiden. Der große Gastraum spiegelt das Konzept des »Zenz« am deutlichsten wider. Alt und Neu, Uriges und Hippes werden miteinander kombiniert. Holz ist ein vorherrschendes Material, aber auch Metall in Kupferoptik. Die Wand hinter der langen Theke zieren historisch anmutende Kacheln im niederländisch-belgischen Stil, das riesige Abluftrohr an der Decke ist ein echter Hingucker.

Von Schweinebraten bis Grüne Soße

Die Speisekarte, die als DIN-A3-Flyer an jedem Sitzplatz liegt, kündigt vorwiegend Deftiges an. Da finden sich beispielsweise Schweinebraten (15,90 Euro), Kalbsfrikadellen (15,60), Brauerschnitzel (13,60) und Pfälzer Teller (mit Saumagen, Leberknödel, grober Bauernbratwurst, Rieslingkraut, Kartoffelstampf und Senfjus, 18,90). Das Lachsfilet (17,90) und die Eier in Grüner Soße (9,60) setzen diesbezüglich kleine Kontrapunkte.




Zusätzlich zur Standardkarte wird wochenweise ein kostengünstiger Mittagstisch mit etwa vier Speisen angeboten, aus dem ich mich bediene. Meine Wahl fällt auf die »Rote-Bete-Knödel« mit Walnuss-Salbei-Butter sowie bunten Sommersalaten mit weißer Balsamico-Vinaigrette zu 8,60 Euro. Die beiden Semmelknödel, die auf meinem schön angerichteten Teller liegen, haben nicht viel mit der avisierten Rote Bete zu tun. Nur insoweit, als einige Raspeln des Gemüses rundum verstreut liegen. In dem Spiegel zerlassener Butter ruhen einige Walnussstücke von stattlicher Größe. Der bunte Salat, der von einer angenehm milden Tunke durchdrungen ist, setzt sich unter anderem aus Lollo bianco, feinen Radieschenscheiben und Gurke zusammen. Zu diesem recht leichten Gericht trinke ich eine erfrischende hausgemachte Bergamotte-Limetten-Limonade mit Strohhalm aus einer Glaskaraffe (schätzungsweise 0,4 Liter zu 4,70 Euro).

Nicht sehr üppiges Biergulasch

Mister X hat das Biergulasch vom Kalb gewählt, zu dem ein kleiner Kartoffelknödel und ein ebensolcher Brezenknödel gereicht werden. Die Speise, die mit 15,90 Euro berechnet wird, kommentiert X folgendermaßen: »Dieses Ensemble ist in Gänze schmackhaft. Allerdings sind die Fleischstückchen außergewöhnlich klein und gering an der Zahl. Darüber hinaus wurden sie teilweise wohl etwas zu lange geschmort. Bei der Kleinheit der Stücke kann man kaum Rückschlüsse ziehen, um welches Fleisch es sich handelt. Optisch dominant in diesem Gulasch sind die Karotten.« Als begleitendes Getränk fungiert eine Birnen-Salbei-Limo zu 4,70 Euro.

Unser Begleiter widmet sich dem Malzbier-Backhähnchen, das aus panierter ausgelöster Hähnchenkeule besteht. Das Fleischstück ist auch in diesem Fall nicht üppig. Aber »sehr saftig«, wie unser Tischnachbar anmerkt. Der etwas süßliche Malzbier-Dip passt offensichtlich gut, und der Kartoffel-Gurken-Salat präsentiert sich deftig-frisch. Summasummarum kostet dieses Gericht 13,90 Euro. Dazu genießt unser Begleiter ein kräftig-rundes tschechisches Schwarzbier mit Namen Krušovice Cerne (0,3 zu 3,20 Euro).
| Lou Kull

ESSEN7,0
TRINKEN8,0
SERVICE7,5
AMBIENTE7,5
PREIS/LEISTUNG7,0
GESAMT37,0 : 5 = 7,4 KAPPEN

FAZIT

Das »Zenz« stellt zweifelsohne eine schöne Ergänzung der Mainzer Gastronomie-Landschaft dar. Offensichtlich werden beim Kochen gute Grundmaterialien verwendet, die laut Betreiber großteils aus der Region stammen. Positiv ist anzumerken, dass die Küche es versteht, deftige Speisen auf leichte Art und schmackhaft zu präsentieren. Allerdings haben wir bei unserem Besuch eher kleine Portionsgrößen erlebt, was auf Kosten des Preis-Leistungs-Verhältnisses geht. Die Wirtshaus-Optik des »Zenz« ist ansprechend und hat Pfiff.

Den Service haben wir als freundlich-unauffällig kennen gelernt. Auffällig hingegen ist das riesige Getränkeangebot, das diverse Cocktails, Gin aus Deutschland – darunter auch aus Mainz –, hausgemachte Limonaden und gut ausgesuchte rheinhessische Weine beinhaltet. Enorm ist die Liste der Bierspezialitäten – vom Fass und aus der Flasche –, die sich auf das Portfolio der Radeberger-Gruppe stützt. Somit sind auf der Karte unter anderem Allgäuer Büble, Braufactum, Krušovice, Oberndorfer, Altenmünster und Schlösser Alt vertreten. Auch das bernsteinfarbene Guinness Hop House 13 Lager wird offeriert. Die Preise für die Biere sind durchweg kommod.

Zenz Wirtshaus
Bahnhofplatz 4
55116 Mainz
Tel. 0 61 31 / 554 38 34
mainz@zenz-wirtshaus.de
www.zenz-wirtshaus.de
Öffnungszeiten:
täglich 11 bis 1 Uhr, kein Ruhetag

 




Weinhaus Wilhelmi

Weinhaus Wilhelmi mit schöner Terrasse

Im Weinhaus »Wilhelmi«, an der Mainzer Rheinstraße gelegen, genießen Sie Weine aus Rheinhessen und dem Rheingau und finden dazu immer das Passende auf der saisona­len, täglich variierenden Speisenkarte. Fast noch ein Geheimtipp, aber immer bestens besucht, ist die Terrasse an der Rückseite des Weinhauses, auf der Sie bis 24 Uhr verweilen können, wenn die dicken Mauern der umstehenden Häuser dann ihre Wärme abgeben. Christina Schickert, auch jetzt in der Corona-Zeit stets um das Wohl ihrer Gäste besorgt, hält für kalte Abende aber auch genügend Wolldecken bereit.

www.weinhaus-wilhelmi.de



Steckler’s

Steckler’s: Bodenständig, preiswert und gut

Das Steckler’s am Nieder-Olmer Stadion ist nicht umsonst bereits mittags gut besucht. Von Dienstag bis Freitag werden auch diverse Frühstücksvariationen angeboten.

Unser Restaurantausflug führt uns diesmal nach Nieder-Olm, genau: zu Steckler’s in der Pariser Straße. Die Gaststätte befindet sich direkt am Stadion des Ortes und umfasst zwei Räume, die gegenseitig durch große Glastüren einsehbar sind. Der Bodenbelag besteht aus braunmelierten Fliesen, die an die 70er Jahre erinnern. Die dunkelbraunen Holztische und die dazu passenden, kunstlederbezogenen Hochlehner­stühle signalisieren Modernität, an den Fenstern dämpfen weiße und grüne Spaghetti-Vorhänge das eindringende Licht.

Flink-freundliche  Servicekraft

Mister X und ich sind mitten in der Woche um die Mittagszeit hier. Das Steckler’s ist ausge­sprochen gut besucht. Kaum wird ein Tisch frei, ist er auch schon wieder besetzt. Offensichtlich ist Reservierung anzuraten. Warum das Restaurant so beliebt ist, erfahren wir im Laufe unseres
Besuchs: Hier kann man schlichtweg gut essen.

In unserem Raum saust eine weibliche Servicekraft unermüdlich und in beachtlichem Tempo hin und her, um allen Gästen gerecht zu werden. Sie schafft das mit einem stets freundlichen Lächeln und ohne einen Anflug von Hektik. So fällt es nicht schwer, sich hier wohlzufühlen.

Die Mittagskarte enthält ein reduziertes Angebot. Immerhin stehen sechs Fleischspeisen plus drei Burger-Variationen, ein Salatteller mit Hähnchenstreifen sowie Spätzle mit frischen Champignons, überbacken mit Käse, auf dem Tableau. Die Preise bewegen sich zwischen 6,50 und 9,70 Euro.

Außerdem gibt es ein Stammessen, das ich wähle. Dabei handelt es sich um ein Pusztaschnitzel mit Pommes und Salat für 6 Euro. Dieses Schweineschnitzel ist traditionell und solide zubereitet. Die Kruste stellt sich fest und relativ stark dar, was aber nicht unangenehm zu Buche schlägt. In der Soße finden sich Paprikastreifen, rote Bohnen, Mais und fein gehackte Petersilie. Alles in allem empfinde ich dieses Gericht als sehr ordentliches Mittagessen zu einem charmanten Preis.

Rumpsteak erfreut Mister X

Mister X widmet sich derweil einem Rumpsteak. Die Mittagskarte weist dafür – einschließlich Zwiebeln und Kräuterbutter – einen Preis von 9,70 Euro aus, wofür der Gast ein Fleischstück von 120 Gramm Gewicht bekommt. Mein immerwährender Begleiter fragt nach und nimmt die abendliche Version von 200 Gramm zuzüglich Pommes frites für insgesamt 20,20 Euro. X bestellt das Fleisch in medium rare und bekommt es fast perfekt mit Tendenz zu medium. Die obenauf liegenden glasierten Zwiebelscheiben sehen ausgesprochen appetitlich aus. »Das Rumpsteak ist von guter Qualität, sehr zart und schmackhaft«, höre ich von gegenüber ein mit Kopfnicken bekräftigtes Lob.

| Lou Kull

ESSEN7,5
TRINKEN7,5
SERVICE7,5
AMBIENTE7,0
PREIS/LEISTUNG8,0
GESAMT37,5 : 5 = 7,5 KAPPEN

Fazit

Bei Steckler’s in Nieder-Olm bekommt der Gast für relativ kleines Geld solide, schmackhafte Kost. Den Service haben wir als unaufgeregt, gästeorientiert, freundlich und kompetent erlebt. Wer abends essen geht, hat eine große Auswahl, die neben diversen Fleischspeisen auch ein Fischgericht – Zanderfilet mit Bratkartoffeln und Salat zu 14,90 Euro – und den Veggy-Teller, bestehend aus Kartoffelspieß mit hausgemachtem Quarkdip, Aubergine-Paprika-Paste, Blätterteigstick, Schafskäse, frischen Karotten, Couscous- und Tomatensalat (11,90 Euro), einschließt. Darüber hinaus werden acht verschiedene Pizze offeriert, die laut Karte mit hausgemachtem Kartoffelteig hergestellt werden. Die Weinkarte ist ansprechend. Die einzelnen Kreszenzen sind jeweils im 0,1- und 0,2-Liter-Glas sowie in der 0,75- oder 1-Liter-Flasche erhältlich.

Überwiegend ist das Nieder-Olmer Weingut Eulenmühle vertreten, einige Weine stammen von Clemens in Sulzheim. Wir tranken den trockenen Clemens-Riesling (0,2 zu 2,60 Euro) und den trockenen Portugieser von der Eulenmühle (2,40), die wir als bodenständige Essensbegleiter wahrgenommen haben. Übrigens wird von Dienstag bis Freitag auch Frühstück angeboten. Ein Steckler’s gibt es zudem in Oppenheim. Das Restaurant liegt in unmittelbarer Rhein- und Strandbadnähe, von der Terrasse blickt der Gast direkt auf den Fluss.

Steckler’s
Pariser Straße 155
55268 Nieder-Olm
Tel. 0 61 36 / 766 71 00
info@stecklers.de
www.stecklers.de
Öffnungszeiten:
Mo 15-22 Uhr, Di-So 9-22 Uhr, kein Ruhetag;
Frühstück: Di-Fr 9-10.45 Uhr,
Küche: Mo 17.30-20.45 Uhr,
Di-Fr 11-13.45 Uhr und 17.30-20.45,
Sa und So 17.30-20.45 Uhr

 




Schrebergarten

Veggie-Test: Schrebergarten

Als Mensch mit vegetarischer oder veganer Ernährung ist es nicht immer einfach in Restaurants etwas zu Essen zu finden. Viele haben die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt oder sperren sich, während andere diverse Leckerbissen anbieten, wie zum Beispiel im »Schrebergarten«.

Freunde fleischloser Ernährung finden auch in Mainz immer öfter Geschäfte, die sich darauf spezialisiert haben eine schmackhafte vegetarische Küche anzubieten. So auch der kleine Imbiss »Schrebergarten« am Gartenfeldplatz. Hier bekommt der Gast diverse Variationen von »Kumpir« angeboten – große Ofenkartoffeln, die mit verschiedenen Toppings serviert werden.

Wir wählen heute einen Kumpir »Bohnito« und einen »Thassos« (je 7,90 €). Der Kumpir »Bohnito« beinhaltet ein Chili sin Carne und wird mit Minzjoghurt und Nachos serviert, während die Version »Thassos« durch Feta, Tsatsiki und Soja-Gyros eher mediterran anmutet. Beide Kumpir sind geschmacklich grundsätzlich gelungen, auch wenn das Soja-Gyros etwas zu lange angebraten wurde und das Prädikat knusprig bereits überschritt. Dabei gefällt uns die mediterrane Kartoffel durch ihre herzhafte Zusammenstellung besser als die Kombination aus Chili und Minze, aber dies ist bekanntlich reine Geschmackssache. Wer hätte gedacht, dass Ofenkartoffeln so vielseitig sein können?

Lobenswerter Umgang mit Lebensmitteln

Lobenswert ist der Umgang mit oder eher die Vermeidung von Resten: wenn es gegen Ladenschluss geht kann es durchaus passieren, dass die für den Tag berechnete Menge Kumpir aufgebraucht ist und neue Gäste auf die Salate und Suppen ausweichen müssen. Alles in Allem ist das »Schrebergarten« gut geeignet um in gemütlichem, aber auch leicht beengtem Ambiente ein kurzes Mahl zu sich nehmen. Wir sind gespannt, was der Gartenfeldplatz noch für uns parat hält…

| MHO
www.mainzschrebergarten.de

 

Veggie-Test bei »Hans im Glück«




Lehmanns

Lehmanns: Progressiver Weinhaus-Stil

Das »Lehmanns« der Gebrüder Ivecen in der Mainzer Holzstraße beeindruckt durch chices Interieur, interessanten Speisen-Mix, Qualität, Kreativität und charmanten Service.

In der Mainzer Holzstraße herrscht gastronomischer Wan­del. Gefühlt ewig gab es hier das »Römerschiff«, später zog in dieselben Räumlichkeiten das »Chez Maman« ein, das nur ein knappes Jahr lang existierte, und nun bietet das »Lehmanns« seit Ende November 2019 in exakt diesen Zimmern sein Speisen- und Getränke-Tableau an. Die Betreiber – die Ivecens, zu deren Unternehmergesellschaft 3 Brüder Mainz UG auch das »Hintz & Kuntz« und »LeBonBon« gehören – bezeichnen das »Lehmanns« als WeinBistro und Vinothek.

Die Einrichtung ist klar und nüchtern modern, an den Wänden hängen beeindruckende, hinschauenswerte Fotografien, die stilistisch perfekt passen. Wir haben den Eindruck von jugendlicher Frische, die auch die uns betreuende Servicekraft rüber­bringt. Der junge Mann begrüßt uns mit Handschlag und einem heutzutage selten gewordenen offenen Lächeln. Darüber hinaus beweist er sogleich Pfiffigkeit. Die Speisekarte, die ich in DIN A4 aus dem Web ausgedruckt und ins Lokal mitgenommen habe, kommentiert er mit den Worten und diesmal einem entwaffnenden Lächeln: »Ah, große Buchstaben fürs Altersheim.« Touché!

Mal was anderes: Fünf Bistro-Rubriken

Ein derartiges Entrée macht Laune und Lust aus das, was kommen mag. Die Speisekarte ist angenehm übersichtlich, umfasst exakt eine Seite. Die aufgeführten Rubriken heißen »Kleines Bistro«, »Bistro Suppe«, »Bistro Salate«, »Großes Bistro« und »Süßes Bistro« – mal was anderes als Vorspeisen, Hauptspeisen und so weiter. Mister X und ich widmen sich zunächst der Abteilung »Kleines Bistro«. Mein immerwährender Begleiter nimmt das Tatar vom Rind mit Sauerrahm und Kapern zu 9,50 Euro. »Diese Fleischspeise ist völlig ohne Makel und sehr schmackhaft, die Kapern tun dem Gericht außerdem gut«, höre ich von gegenüber ein dickes Lob. Positiv vermerkt X zudem, dass auf seinen Wunsch nach Butter sofort ein frisches Stück derselben gebracht wird und Salz und Pfeffer in kleinen, hübschen Mühlchen bereitstehen.

Ceviche mit Kürbisquadern und Avocadospritzern

Ich wähle Ceviche aus Lachs mit Hokkaido-Kürbis (9,50 Euro). Der rohe Fisch schmeckt einen Hauch zitronig, die Kürbisquader sind geschmeidig-bissfest, und die Avocadospritzer, Dillzweiglein sowie die Kresse auf dem Teller vervollständigen den positiven optischen Gesamteindruck. Zu den Vorspeisen aus dem »Kleinen Bistro« wird ein Körbchen mit vier verschiedenen Brotsorten gereicht. Während die Servicekraft mit ungebrochener Höflichkeit Wasser nachschenkt, machen wir uns mit den Hauptgerichten aus dem »Großen Bistro« vertraut. X genießt das Basilikumrisotto mit Garnelen und Portwein-Radicchio. Die mediterran klingende Speise kostet 12,50 Euro. Selten habe ich ein so chices Risotto gesehen, das in herrlichem Basilikumgrün leuchtet. Das gezwirbelte Radicchioteilchen obenauf gibt dem Ganzen den letzten pittoresken Schliff. Mister X lässt mich probieren, und ich bin vom Geschmack und der Schlotzigkeit dieser Speise begeistert. Die vier großen Garnelen auf dem Risotto-Hügel erfreuen den Genießer zudem.

Jede Menge Waldpilze zu den Knödeln

Meine Semmelknödel mit Kräuter-Waldpilz-Ragout zeigen sich nicht ganz so spektakulär wie X’ Hauptspeise, dafür sorgt das Pilzsortiment mit Morcheln, Steinpilzen und Champignons in großer Zahl für Freude. Die helle Soße, in der sie liegen, schmeckt angenehm leicht. 7,50 Euro für diesen Genuss zu bezahlen, ist in der Tat eine Kleinigkeit.

| Lou Kull

ESSEN8,0
TRINKEN8,0
SERVICE8,0
AMBIENTE7,5
PREIS/LEISTUNG8,5
GESAMT40,0 : 5 = 7,9 KAPPEN

FAZIT

Auf ein Bistro wie das »Lehmanns« haben wir gewartet. In lockerer, freundlicher, heller Atmosphäre kann man genüsslich speisen, inmitten eines lebhaften Publikums mit vielen jungen Leuten und älteren Semestern. Die Akustik der Räume erzeugt bisweilen einen recht hohen Geräuschpegel, an den sich der Gast aber schnell gewöhnt. Der Service ist schlichtweg klasse, auch der Koch kam zwischendurch an die Tische, um sich nach dem Wohlbefinden der Besucher zu erkundigen. Die Speisen sind durchweg sehr hübsch drapiert, die Qualität des eingesetzten Materials ist einwandfrei, und auch klassische Gerichte werden kreativ-modern interpretiert. All das bekommt man für günstige Preise.

Außergewöhnlich gut stellt sich die Karte der offenen Weine dar. Alleine bei den Weißen gibt es 13 Positionen mit durchweg rheinhessischen Kreszenzen, die in 0,1- und 0,2-Liter Gebinden sowie in der Flasche erhältlich sind. Dabei ist eine ganze Reihe von Weingütern, deren Namen (noch) nicht groß klingen, deren Weine jedoch voll und ganz überzeugen. Wir erfreuten uns am trockenen Sauvignon blanc von Peter Maurer in Mommenheim (0,2 für
5 Euro), dem 2018er trockenen Grünen Veltliner von Becker (Mommenheim, 5 Euro), dem Grauburgunder trocken (ebenfalls aus 2018, 5,90 Euro) der Alsheimer Winzerin Juliane Eller und dem feinherben 2017er Gelben Muskateller aus dem Bodenheimer Weingut Gruber (5,90 Euro). Drei offene Rosé aus Rheinhessen und elf Rouge aus hiesigen Gefilden sowie aus Südafrika, Spanien, Chile, Argentinien, Australien und Italien sind des Weiteren im Angebot.  Wem das nicht ausreicht, der kann gerne in die Flaschenweinkarte hineinschauen und wird mit Sicherheit fündig.

Lehmanns
WeinBistro – Vinothek
Holzstraße 19
55116 Mainz
Tel. 0 61 31 / 945 36 30
www.facebook.com/lehmanns.mainz
Öffnungszeiten:
Di und Mi 18 bis 23 Uhr,
Do bis Sa 18 bis 1 Uhr,
So 16 bis 23 Uhr, Mo Ruhetag

 

Pascha Fisch: Preiswert, schnell, einfach, gut




Tobias Schmitt

Tobias Schmitt: Neuer Küchenchef in der Favorite

Es bleibt spannend in der Favorite. Die Karten im Gourmet Restaurant werden 2020neu gemischt. Mit Tobias Schmitt (32) übernimmt ein neuer, vielversprechender Küchenchef die Führung im Gourmet Restaurant des beliebten Mainzer Treffpunkts für Genießer.

Der Wiesbadener Tobias Schmitt freut sich auf die neue Herausforderung. Bisher war er Souschef unter 2-Sterne-Koch Andreas Krolik im angesagten Frankfurter Sternerestaurant »Lafleur« im Gesellschaftshaus des Palmengartens. Als Sohn von Harald Schmitt, der Wiesbadener Hotellegende und Ex-Chef der »Ente« will Schmitt Junior die Mainzer mit seinen kulinarischen Kreationen glücklich machen und auch die Wiesbadener über den Rhein locken. Nach Fastnacht startet er in der Favorite durch.

Daniele Tortomasi, sein Vorgänger am Herd in Mainz, zieht nach einem wilden Jahr weiter. Zum Jahresbeginn 2020 verließ er die Favorite mit unbekanntem Ziel. Mit Tobias Schmitt holt sich die Familie Barth jetzt einen erfahrenen Küchenchef ins »Favorite Restaurant«, der bereits seit 15 Jahren am Herd steht und vor fünf Jahren mit Chef Andreas Krolik ins »Lafleur« nach Frankfurt »gezogen« ist.

Infos: www.favorite-mainz.de

 

Favorite Parkhotel: Schwungvoller Start

 




Carlos Steakhouse

Carlos Steakhouse: Ein bisschen mexikanisch, kubanisch, spanisch

»Carlos Steakhouse« in der Mainzer Rheinstraße hat vom Interieur her dies und das. Die Speisen wirken recht bieder und lassen den vermuteten Pfiff vermissen. Ordentliche Qualität.

Das Gebäude Rheinstraße 47, schräg gegenüber dem Mainzer Rathaus, ist altehrwürdig und wirkt von außen kuschelig. Wir betreten das »Carlos Steakhouse« durch doppelte Flügeltüren, die schwergängig sind, ja beinahe eher sperren als öffnen. Nachdem dieser Kraftakt gelungen ist, halten wir uns rechts und nehmen Platz. Nach kurzem fällt Mister X und mir ein merkwürdiges Geruchsaroma auf. Der Kellner informiert uns auf Nachfrage dahingehend, dass dies wohl mit einem Fallrohr zu tun habe, das aufgrund der Denkmalschutzvorschriften nicht ausgetauscht werden dürfe. Wie auch immer, wir ziehen in den am weitesten entgegengesetzten Winkel des Lokals um und hier genießen wir die klare Luft.

Während ich mich so umschaue, fällt mir das Klischeehafte des Etablissements auf. So ziemlich alles, was mit der hispanolisch-lateinamerikanischen Welt zu tun hat, taucht hier in irgendeiner Form an den Wänden auf – einschließlich eines schwarzroten Stiermotivs und des uralten hellblauen Ami-Schlittens in einer verfallenen Gasse Havannas. Eröffnet wurde »Carlos Steakhouse« im Oktober 2018, quasi als Nachfolger des spanisch-katalanisch orientierten »Salseta«.

Feilschen um den Suppenpott

Mister X wählt zunächst die Linsensuppe. Sein Appetit ist heute eher gering, und nun beginnt ein Feilschen mit der Servicekraft um die Menge der Suppe. Die Diskutanten einigen sich schließlich auf die Hälfte des angebotenen Töpfchens. Als mein immerwährender Begleiter die Suppe probiert hat, fällt sein Urteil gar nicht schlecht aus: »Ich erkenne zwar nicht eine einzige Linse, aber der Linsengeschmack ist deutlich. Das Ganze ist offensichtlich püriert.« 5,90 Euro werden für das Süppchen, die »saisonale Tagessuppe«, berechnet.

Auf einem schmalen, rechteckigen weißen Porzellanteller wird meine Vorspeise serviert. Es handelt sich um gefüllte Avocado »Carlos« zu 8,90 Euro. Die Füllung besteht aus einer recht feinen weißen, interessant gewürzten Thunfischpaste, das Fruchtfleisch ist fest. Das beigefügte Salathäufchen wurde mit einem angenehm säuerlichen Salatdressing beträufelt. Unser beider Vorspeisen werden von jeweils einem Körbchen mit noch lauwarmem Fladenbrot begleitet.

Intensiver Kau-Einsatz beim Filet

Sodann widmet sich X dem argentinischen Rinderfilet. Zu dieser Hauptspeise gehören außerdem eine riesige Ofenkartoffel mit einer Art Rahm sowie ein kleiner Beilagensalat. Das Fleisch kommt, wie bestellt, medium rare gegart. »Er ist geschmacklich gut, allerdings sehr fest, sodass ich meine Kauwerkzeuge intensiv einsetzen muss«, kommentiert mein Tischgefährte, und vermutet, dass man das Fleisch vielleicht nicht lange genug abhängen ließ. Preis des Hauptspeise-Ensembles: 28,90 Euro.

Um auf der eingeschlagenen Linie zu bleiben, nehme ich den Grillspieß »Carlos« zu 17,90 Euro, der sich von dem mit Namen »Steakhouse« (15,90 Euro) dadurch unterscheidet, dass er ausschließlich mit Rindfleisch bestückt ist. Bei der »Steakhouse«-Variante sind Rind und Schwein gemischt. Zwischen den stark gewürzten Fleischstücken steckt gegrilltes Gemüse am Spieß und bis auf einen verknorpelten Rindfleischquader ist die Qualität in Ordnung. Die »Steakhousepommes« und der Beilagensalat mit Kraut, Gurken, Tomaten, Lollo Bianco, Lollo rosso und stark nach Knoblauch schmeckenden Möhren haben das Prädikat »Gut« verdient.

Am Ende der Kaiserschmarrn

Zu guter Letzt lassen wir uns den Kaiserschmarrn des Hauses servieren, der uns vom Kellner wärmstens empfohlen worden war. Leider hält die Mehlspeise den positiven Schmarrn-Erlebnissen, die wir schon mehrfach hatten, nicht stand. Die Version im »Carlos« wirkt eher karg und Convenience-artig. Beim Verlassen des Restaurants werden wir von den Flügeltüren daran erinnert, dass es auch schon nicht einfach war, herein zu gelangen.

| Lou Kull

ESSEN7,0
TRINKEN6,5
SERVICE7,0
AMBIENTE7,0
PREIS/LEISTUNG6,5
GESAMT34,0 : 5 = 6,8 KAPPEN

FAZIT »Carlos Steakhouse«

»Carlos Steakhouse« lässt küchenmäßig gute Ansätze vermuten, allerdings kann es durchaus sein, dass beim Ausgangsmaterial hier und da ein wenig gespart wird. Daher geben wir beim Preis-Leistungs-Verhältnis auch nicht mehr als die Note 6,5. Der Service ist unaufdringlich freundlich und bemüht, das Ambiente etwas klischeebehaftet. Gewundert haben wir uns über die Weine, die uns präsentiert wurden. Mein rheinhessischer Grauburgunder zeigte sich in der Nase und am Gaumen wie ein leicht petroliger Riesling, Mister X’ Weißburgunder hatte eher etwas von Scheurebe oder Sauvignon blanc. Umso mehr wurden wir verunsichert, dass die beiden Weine (jeweils 4,60 Euro für 0,25), wie auf der Karte avisiert, vom zu Recht hochdotierten Weingut Manz in Weinolsheim stammen. Wir sind nicht sicher, ob hier eine Verwechslung vorliegt.

Carlos Steakhouse
Rheinstraße 47 · 55116 Mainz
Tel. 0 61 31 / 277 13 77
info@carlos-steakhouse.de
www.carlos-steakhouse.de
Öffnungszeiten:
Mo bis Fr 11.30 bis 14.30 Uhr und 17.30 bis 22.30 Uhr
Sa 17.30 bis 23 Uhr
So 12.30 bis 22.30 Uhr
kein Ruhetag



GenussWerkstatt

»GenussWerkstatt« fasziniert

Die Köche Carl Grünewald und Sebastian Schmidt stehen gemeinsam mit Restaurantchef Oliver Habig hinter dem überzeugenden Menü-Konzept im Atrium Hotel.

An der Rezeption des Atrium Hotels werden wir von Restaurantchef Oliver Habig begrüßt. Und um ein paar Ecken in den Raum geleitet, wo seit diesem Jahr an drei Tagen in der Woche die »GenussWerkstatt« zelebriert wird. Die Atmosphäre ist etwas schummerig- Aber das gedämpte Licht wirkt zugleich auch angenehm. Lediglich vier Tische, die eine schwere dunkle Holzplatte tragen, stehen hier. Plüschig anmutende, ebenfalls dunke Sessel bieten insgesamt 20 Gästen Platz. Drei hohe Weinkühlschränke und eine Theke mit Warmhaltelampen und einer höchstwertigen italienischen Schinkenschneisemaschine sind weitere Einrichtungsgegenstände. Hier spielt sich an diesem Genussabend, der für uns viereinhalb Stunden dauern wird, allerhand an Zubereitungs-Szenarien ab.

Von Beginn an stehen Küchenchef Carl Grünewald und Oliver Habig erklärenderweise zur Verfügung. Mister X, unsere beiden charmanten Begleiterinnen und ich erfahren erfreulich viele Details über die Zutaten und die Zubereitung der einzelnen Gänge und nicht zuletzt über das Konzept, das hinter diesem Menü steckt. Der Gast sollte wissen: Er hat keine Wahl. Die Speisenabfolge steht fest, und es heißt schlicht, sich überraschen zu lassen. Das Menü umfasst zehn Gänge zuzüglich eines kleinen Geschenks »Für den Morgen danach«. Es kostet 80 Euro pro Person inklusive Wasser, die individuelle Weinbegleitung je Gang wird mit 8 Euro berechnet. Auf Wunsch wird auch ein veganes Menü gereicht, und ab einer Gruppe von acht Personen kann ein Abend außerhalb der üblichen Öffnungszeiten (Donnerstag bis Samstag) gebucht werden.

Brotzeit mit Honig vom eigenen Bienenvolk

Den Start markiert eine Brotzeit, die in kleinteiliger Form auf den Tisch kommt. In einem Keramiktopf wird als deftige Grundlage ein knuspriges, rund geformtes Roggen-Dinkel-Brot in einer Keramikschüssel serviert. Ein Höhepunkt dieses Ensembles ist sicherlich der frisch gepresste und gut gekühlte Rote-Bete-Saft mit Kerbel. Äußerst bemerkenswert auch: der Zwiebelkuchen mit Schnittlauch-Mayonnaise, die zart-milden Radieschen, die in Essig, Wasser, Holunderblütenextrakt, Zucker und Salz eingelegt wurden, sowie der Ziegenfrischkäse mit Honig vom eigenen Bienenvolk auf dem Dach des Hotels. Die braune karamellisierte Butter begeistert darüber hinaus.

Weiter geht es mit gedämpfter und eingelegter Petersilienwurzel, die begleitet wird von grüner Sauce aus der Gartenpetersilie, Gartenkresse, knusprigen Graupen und Schmand. Wer bislang nicht wusste, was Huchen ist, dem sei gesagt, dass es sich um einen Fisch aus der Gruppe der Salmoniden handelt. Dieser wird als Gang Nummer drei roh serviert, und zwar in Form schmaler, kleiner Röllchen, die mit megazartem Dill-Rettich umwickelt sind. Eine leichte Kümmel-Mayonnaise setzt das geschmackliche Krönchen obenauf.

Creme aus schwarzem Johannisstrauch

Über die feinen, mit Butter gebratenen Flusskrebse in einem Sud nur aus Wasser und Zwiebeln kommen wir zum vierten Gang. Dessen zentraler Bestandteil ein warmes, großes Stück Sellerie ist, das zwei Stunden lang bei 140 Grad Celsius unter mehrmaligem Drehen im Backofen geröstet wurde. Schwarzer Johannisstrauch stand Pate für die korrespondiere Creme aus seinem Holz und den Blättern.

Blutwurst, ein Schweizer Sbrinz-Käse sowie Schnittlauch-Kartoffeln aus Bamberger Hörnchen bilden sodann ein sogenanntes rheinhessisches Risotto, bevor die Küche der »GenussWerkstatt« zeigt, welche Köstlichkeiten sie aus Hohenloher Lamm zu zaubern weiß. In Butter ausgebackenes Bries und seine Brühe dienen als nicht auf der Karte stehender Zwischengang, danach brillieren kleine Stücke aus Rücken und Haxe mit fermentierten Bohnen und frisch gehobeltem Meerrettich.

Als wir nun ein hauchzartes Völlegefühl verspüren, erfrischen uns die Nachspeisen enorm. Herausragend die süß eingelegten Gurkenscheiben mit Joghurteis. Ein Saft aus Fenchel und Verjus setzt hier zusätzliche aromatische Akzente. Nicht minder spektakulär der darauf folgende Bratapfel aus der Ananasrenette mit Bohnenkraut und Eis aus karamellisierten Sonnenblumenkernen. Den Schlussakkord spielt ein Gebäck-Ensemble aus Windbeutelchen mit Mohncreme, Haselnuss-Baiser und einem Gugelhüpfchen aus Karotte, Walnuss und Joghurt. Als jeder von uns zum guten Schluss noch ein Töpfchen selbstgeschleuderten Honig und ein Glas mit feinstem Müsli in einer Papp-Schatztruhe überreicht bekommt, geht ein überraschender, faszinierender Abend in der »GenussWerkstatt« mit dem Gefühl unendlicher Nachhaltigkeit zu Ende.

| Lou Kull

ESSEN9,5
TRINKEN10,0
SERVICE10,0
AMBIENTE9,5
PREIS/LEISTUNG9,0
GESAMT48,0 : 5 = 9,6 KAPPEN

FAZIT

Die »GenussWerkstatt« im Atrium Hotel in Finthen verfolgt ein Konzept, wie wir es so noch nicht erlebt haben. Beste regionale Zutaten werden auf höchstem kreativem Küchenniveau zelebriert. Das führt neben der exquisiten Qualität jedes einzelnen Gangs zu einem vergleichweise niedrigen Endpreis von 80 Euro. Aber auch zu einem kleinen Abzug bei unserer Preis-Leistungs-Note, da andere Spitzenköche halt mit einem sehr kostenintensiven Materialeinsatz arbeiten. Wer ein herausragendes gastronomisches Ereignis erleben möchte, kommt an der »GenussWerkstatt« nicht vorbei. Es schließt den außergewöhnlich freundlichen und höchst informativen Service ein. Die hiesige Weinkarte kann man mit ihrer umfangreichen Spitzenauswahl an deutschen und internationalen Kreszenzen nur als Weltklasse bezeichnen. Unser perfekter Begleiter über den gesamten Abend war der 2018er Weißburgunder »R« von Battenfeld-Spanier in Hohen-Sülzen zu 40 Euro die Flasche.

»GenussWerkstatt«
im Atrium Hotel
Flugplatzstraße 44
55126 Mainz
Tel. 0 61 31 / 49 10
info@atrium-mainz.de
www.atrium-mainz.de
Öffnungszeiten:
Do bis Sa ab 18 Uhr

 

GenussWerkstatt im Atrium Hotel Mainz




Adam & Eden

Adam & Eden: Handwerklich ausgesprochen gut

Das »Adam & Eden« im AC Hotel by Marriott bietet an zentraler Stelle in Mainz solide Kost mit guten Zutaten, die schmeckt – allerdings zu nicht sehr günstigen Preisen.

Die Mainzer kennen es schlichtweg als ihr »Central«, das Hotel vis-à-vis des Hauptbahnhofs, das so lange leerstand und vor sich hin verrottete. Schließlich stieg die Marriott-Gruppe mit ihrer Marke AC Hotels ein und schuf unter Wahrung der erhaltenswerten Bausubstanz einen Hingucker an der zuvor tristen Ecke – wiewohl das direkte bauliche Umfeld noch immer jeder Attraktivität entbehrt. Im Zuge dessen etablierte der Hotelbetreiber auch ein Restaurant, das durch sein wintergartenähnliches Aussehen im Frontbereich des Gebäudes ins Auge fällt.

Es gibt zwei Zugänge – via Hotelentrée am Kaiser-Wilhelm-Ring und vom Bahnhofplatz aus. Optisch prägend ist die Sandsteinfassade des Hotels, an die sich der »Wintergarten« anschmiegt. Die Anmutung von Sandstein wiederholt sich als Sockel unter den großen Fensterfronten. Zweierlei Sitzmöglichkeiten stehen zur Verfügung: goldfarbene, mutig geformte Metallstühle und gediegen wie leicht zugleich wirkende Polstersessel. Über alledem hängen hip geformte Lampen. Exotisch anmutende Tischdeko und kleine Skulpturen auf den Fensterbänken schaffen ein eigenwilliges, wenngleich passendes Ambiente.

Kartoffelsuppe: Gesucht wird Foie gras

Wir nehmen zur Mittagszeit an einem Vierertisch Platz, von dem aus wir den Bahnhofplatz gut überblicken können. Vorweg werden uns drei verschiedene Brotsorten mit Salzbutter serviert, dazu aber leider keine Tellerchen. Mister X beginnt mit der Kartoffelsuppe zu 9,50 Euro, die auch unser Begleiter wählt. Quer über der Suppentasse liegt ein Spießchen mit hauchdünn geschnittener Entenbrust. In der Suppe, die laut X offensichtlich auf Velouté-Art durch ein Tuch gepresst wurde und »schön sämig« daherkommt, schwimmen halbe Haselnüsschen. Die Foie gras, die auf der Speisekarte angekündigt wurde, nehmen meine beiden Tischnach­barn nicht wirklich wahr. Erst auf Nach­frage wird klar, dass das graubraune Gesprenkel auf der Entenbrust aus Geflügelleber besteht. Insgesamt bewerten die beiden Herren dieses Suppen-Ensemble aufgrund seiner Dimension als »eigentlich eigenständige Mahlzeit« und »von solider, schmackhafter Art«.

Derweil bin ich mit meinem Salat der Saison hoch zufrieden. Die Salatauswahl ist vielfältig, die Portion üppig. Herausragende Akzente setzen die geräucherte, aus dem Ganzen in Stücke geschnittene Rote Bete, die eingelegten kleinen Birnen, die knackigen Walnüsse und Mini-Croutons sowie der feinwürzige Balsamico. 8,50 Euro werden für diese Salatkomposition berechnet.

Mister X und sein »Catch of the day«

X ordert als Hauptspeise den »Catch of the day«. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich ein wöchentlich wechselndes Fischgericht. In der Woche unseres Besuchs wird Wolfsbarsch angeboten, dessen Fleisch fein und dessen Haut knusprig ist. Mein immerwährender Begleiter nimmt dazu gebratenes mediterranes Gemüse, in dem unter anderem Zucchini und diverse Paprikasorten erscheinen. Preis dieses »Catch of the day«: 21 Euro.

Vor unserem Gefährten steht nun eine Version des heute angebotenen Business-Lunchs, der im »Adam & Eden« durchweg für 9,90 Euro angeboten wird. Es handelt sich um Asiatisches Gemüse mit Reis und Rühreistückchen sowie Erbsenschote, Paprika und diversen Kräutern. »Schöne Zutaten, gut gewürzt, feiner Geschmack«, lautet das Resümee des Essers.

Auch ich neige dem Business-Lunch zu, jedoch in Form der hausgemachten Frikadelle, die schön saftig ist und tatsächlich den Eindruck des Hausgemachten vermittelt, zumal fein gehackte Zwiebelchen und Kräuter im Fleisch zu entdecken sind. Ein geschmeidiges Kartoffelpüree und glasierte Karotten begleiten den ausgesprochen schmackhaften Fleischklops, der so manchen hochedel angekündigten Burger um Längen schlagen dürfte.

| Lou Kull

ESSEN8,0
TRINKEN8,0
SERVICE8,0
AMBIENTE8,5
PREIS/LEISTUNG7,5
GESAMT40,0 : 5 = 8,0 KAPPEN

FAZIT

Das »Adam & Eden Mainz« überzeugt mit einer durchweg soliden Küchenleistung bei Einsatz hochwertiger Lebensmittel. Dabei wird Bodenständigkeit eindeutig dem Chichi vorgezogen. Die Frikadelle etwa hätte hausgemachter nicht sein können. Über Kleinigkeiten wie die kaum schmeckbare Foie gras zur Kartoffelsuppe kann man hinwegsehen. Der Standort ist interessant, durch die großen Fensterflächen kann der Gast das Treiben auf dem Bahnhofplatz bestens beobachten. Den Service haben wir als unaufdringlich-freundlich kennen gelernt. Veritabel und erfreulicherweise überwiegend rheinhessisch orientiert ist die Weinkarte.

Wir verkosteten einen 2017er Riesling Oppenheimer Sackträger von Manz zu 7,50 Euro für 0,2 sowie den 2018er Dalheimer Sauvignon blanc von Gröhl zu 7 Euro, die beide unsere Speisen makellos und ausdrucksstark begleiteten. Darüber hinaus offeriert die Getränkekarte regionales Eulchen-Bier (zum Beispiel Helles vom Fass für 3,80 Euro/0,3 Liter). Die hausgemachte Limonade (0,4 zu 5 Euro) schmeckte süß-säuerlich und erfrischend. Wermutstropfen: Die Preise erscheinen uns im Bezug zur Leistung teilweise zu hoch, wie etwa bei der Kartoffelsuppe für 9,50 Euro. Hinweis: Wer reservieren möchte, landet mit der unten angegebenen Telefonnummer bei der Hotelrezeption; eine direkte Durchwahl zum Restaurant gibt es nicht.

Adam & Eden Mainz
Bahnhofplatz 8
55116 Mainz
Tel. 0 61 31 / 2 67 90
www.facebook.com/AdamEdenMainz
Öffnungszeiten: täglich 7.00 bis 1.00 Uhr



Steins Traube

Steins Traube: Genuss auf höchstem Niveau

»Steins Traube« in Mainz-Finthen legt nach der Neueröffnung noch einmal ordentlich zu und begeistert auf allen gastronomischen Ebenen von Küche und Weinkeller bis zu Service und Ambiente.

Außen am Gebäude Poststraße 4 in Mainz-Finthen hat sich nicht viel verändert. Die unscheinbare Klinkerverkleidung erweckt wenig Aufmerksamkeit. Dafür gehen dem Besucher die Augen auf, wenn er das Restaurant jetzt, nach der Renovierung, betritt. Modernität von edlem Geschmack erfüllt den Raum, der großteils mit hellem Holz verkleidet ist und in dessen Möblierung sogleich die mit curryfarbenem Stoff bezogenen Stühle und ihre mittelgrauen Pendants auffallen, die stilistisch ein wenig den frühen Siebzigern entlehnt zu sein scheinen. Alles wirkt angenehm dezent. So wie das Traubenlogo an der dem Eingang gegenüberliegenden Wand, das, wenn man’s weiß, die Namen von Alina und Philipp Stein preisgibt.

Das junge Ehepaar hat sich zuvor im Favorite Parkhotel Meri­ten erworben und zeigt nun im eigenen Restaurant, wie Gastronomie auf höchstem Niveau funktioniert. Alina als Restaurantleiterin, Philipp als Chef des mehrköpfigen Küchenteams. Von der Begrüßung bis zur Verabschiedung tut der Service des Hauses einfach nur gut. Hier wird dem Gast nicht leblose Professiona­li­tät entgegen gebracht, sondern glaubhafte Herzlichkeit, die von gelebter Professionalität getragen wird.

Fischpraline als Appetizer

Vorweg erfreut Mister X und mich die auf Stäbchen servierte Fischpraline, die von lauwarmem, frischem Brot begleitet wird, das innen herrlich dicht und saftig und außen knackig ist. Zu diesem Gruß aus der Küche wird köstliche Butter gereicht.

Mein immerwährender Begleiter startet mit dem Beef Tatar, das, wie er sagt, »wunderbar angemacht« ist. Das Fleisch hat die Form einer circa anderthalb Zentimeter starken Scheibe. Es wird von pochiertem Ei, etwas Pumpernickel, Rote-Bete-Ragout, Wildkräutersalat und einigen Senfsaatkörnern begleitet. Die einer Vorspeise angemessene Portion ist geschmacklich perfekt austariert und optisch ein pittoresker Hingucker zum Preis von 16 Euro.

Ich labe mich derweil an den hausgemachten Auberginen­ravioli mit Schmorpaprika, Artischocke, Fenchel und Parmesanschaum (13 Euro). Dieses Gericht begeistert mich auch dadurch, dass die einzelnen Bestandteile nicht ineinander verschwimmen, sondern geschmacklich für sich präsent sind und dabei ein
homogenes Ganzes bilden. Das formidable Sößchen verleitet dazu, auch noch den letzten Tropfen mit Brot aufzutunken.

Bourride aus der Cocotte

Mister X widmet sich nun der Bourride von Salzwasserfischen und Meeresfrüchten (26 Euro), in der Safran, Fenchel, Risoni und Paprika weitere Akzente setzen. Serviert wird diese meditterane Suppe in der Cocotte, einem dunklen Steingutgefäß, das eine reichliche Portion der wunderbaren Zutaten enthält. X schweigt und genießt, was höchste Zufriedenheit und unausgesprochene Auszeichnung für seine Speise signalisiert.

Ich wähle als Hauptgericht »Klassisches Wiener Schnitzel vom Kalb« (24 Euro), obwohl es nach meinem Dafürhalten gar nicht so klassisch daherkommt – ohne Kartoffel-Gurken-Salat, weder Sardelle noch Kapern obenauf. Aber ich lasse mich dann doch vollends von der Steins-Traube-Version überzeugen. Das Fleisch ist exzellent, die perfekt gewellte Panade verrät schon im Duft eine leichte, angenehme Buttrigkeit. Die La-Ratte-Bratkartoffeln – hauchdünne krosse Scheibchen mit feinst geschnittenen, ebenso krossen Speckfäden –, die gebackene Petersilie und die Preiselbeeren als auch der Blattsalat, in dem die Limette ein elegantes Süße-Säure-Spiel entfacht, erweisen sich als perfekte Umrahmung des Schnitzels. Besonders pfiffig ist die Idee, eine Zitrone in einem gelben Stoffsäckchen beizufügen, aus dem der Saft spritzerfrei gepresst werden kann.

Den letzten Kick zur kulinarischen Glückseligkeit verschaffen uns eine Kugel Limette-Sorbet mit Himbeer-Topping und zwei hausgemachte Pralinen. Davon eine als Bällchen aus weißer Schokolade mit Passionsfrucht-Füllung.
| Lou Kull

ESSEN9,5
TRINKEN10,0
SERVICE10,0
AMBIENTE9,5
PREIS/LEISTUNG9,5
GESAMT48,5 : 5 = 9,7 KAPPEN

FAZIT

»Steins Traube« sollte jeder besuchen, der etwas für exquisite, kreative Küche übrig hat. Philipp Stein und seine Frau Alina führen das Werk von Philipps Eltern in großartiger Weise fort. Sie legen bezüglich des gastronomischen Niveaus noch einmal richtig zu. Die Küche beweist, dass sie per­fekt bodenständig kochen kann. Und dass sie sich gleichzeitig mit ihrem handwerklich ideal umgesetzten Ideenreichtum eigentlich im Sternebereich bewegt. Besser als in »Steins Traube« kann Service nicht sein. Zum Rundum-Wohlgefühl trägt zudem das außergewöhnlich ansprechende Ambiente bei, das die Kreativität der Küche passend unterstreicht. Die Weinkarte ist schlicht Weltklasse. Sie offenbart sich vor allem im Flaschenwein-Tableau. Aber auch die offenen Weine überzeugen. Wir tranken und genossen unter anderem die hauseigene trockene 2018er Cuvée (0,2 für 7 Euro), die in Abstimmung mit dem Appenheimer Weingut Knewitz kreiert wurde. In ihr sind Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon blanc auf köstliche Weise vereint.

Steins Traube
Poststraße 4
55126 Mainz-Finthen
Tel. 0 61 31 / 402 49
alina.stein@steins-traube.de
www-steins-traube.de
Öffnungszeiten:
Di ab 18 Uhr
Mi bis So ab 11.30 Uhr (warme Küche bis 14 Uhr)
und ab 18 Uhr (warme Küche bis 22 Uhr)
Mo Ruhetag

 

Favorite Parkhotel: Schwungvoller Start




Willems

Willems: »Wir machen einfach gutes Essen«

Jan Willem Appeltrath entschleunigt die Altstadt-Gastronomie. In seinem »Gasthaus Willems« und dem neuen »Willems im Altstadtcafé« überzeugt er die Gäste mit einem klaren Konzept.

»Gastronomie soll Spaß machen« – so umschreibt Jan Willem Appeltrath die Philosophie, mit der er und sein junges Team seit rund zwei Jahren das »Gasthaus Willems« in der Kapuzinerstraße mit großem Erfolg führen und die jetzt auch Einzug in das von ihm übernommene Altstadtcafé gefunden hat, das nun unter dem Namen »Willems im Altstadt Café« firmiert. »Spaß« steht hier nicht für laute und hektische Events, sondern für das positive Gefühl gegenüber den hier angebotenen Speisen und Getränken. Das beginnt bei den verwendeten tierischen Produkten, die – wo es geht – mit dem Biosiegel zertifiziert sind und zieht sich über den Schwerpunkt »Regionale Produzenten« bis hin zu dem verwendeten Öko-Strom. Wenn man den jungen Gastronomen, der sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat, nach der Ausrichtung seiner Karten fragt, antwortet er lächelnd: »Wir machen einfach gutes Essen«.

»Entschleunigen« möchte Jan Willem Appeltrath in Restaurant und Café – ohne zwanghaft oder missionarisch zu wirken. Er möchte etwas von der Einstellung, die seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenüber den verwendeten Produkten haben auch an seine Gäste weitergeben. »Entschleunigung« – das bedeutet auch, sich Zeit für die Zubereitung und das Essen selbst zu nehmen. Seine Stammkunden kommen nicht trotzdem – sondern gerade deshalb. Raus aus der Hektik des Alltags: auch das ist mitten in der Altstadt möglich. Sogar beim Mittagstisch. Wenn gerade noch kein Platz frei ist, setzt man sich auf die gemütliche Holzbank und trinkt schon einmal in Ruhe ein Glas Wein.

Neue Ideen im alten Café

Was im Willems zum Erfolgsrezept wurde soll sich nun im »Willems im Altstadtcafé« wiederholen. Dazu waren allerdings erst umfangreiche Sanierungsmaßnahmen notwendig. Der kultige Kachelofen und die gekachelte Theke sind natürlich geblieben – die Wände wirken noch etwas kahl. Aber auch hier greift wieder die Devise des Hausherrn: Nichts überstürzen. Jan Willem Appeltrath möchte die neu entstandene Atmosphäre auf sich wirken lassen, bis er sich für weitere Objekte entscheidet.

Und das Publikum? Es hat den neuen Stil sofort angenommen – geht ihn mit. Bei unserem Besuch ist das Altstadtcafé voll: Familien mit Kindern, Paare jeden Alters, Freundesgruppen. Sie kommen zum Frühstück, das es bis 14 Uhr gibt, wegen des tollen, von der Mitarbeiterin Johanna Secker selbst gebackenen Kuchens – oder einfach zum entschleunigen.

Ab November hat das Café donnerstags bis samstags nun länger – bis 22 Uhr – geöffnet. Neue Besuchergruppen sollen damit angesprochen werden – für den Drink zum Feierabend und natürlich für »einfach gutes Essen«.

| MDL

»Gasthaus Willems«
Kapuzinerstr. 29
55116 Mainz
Tel. 06131 / 2109170
www.gasthaus-willems.de
»Willems im Altstadtcafé«
Schönbornstr. 9A
55116 Mainz
Tel. 06131 / 1438210
www.altstadtcafe-willems.de
Instagram: @altstadtcafe_willems
Facebook: Willems im Altstadt Café

 

Atrium Hotel Mainz: Neue Ideen und Akzente




GenussWerkstatt im Atrium

GenussWerkstatt im Atrium Hotel Mainz

Im Zeichen der Rückbesinnung auf das, was wirklich zählt, steht das Konzept des neuen Restaurants »GenussWerkstatt«. Es verzichtet ganz bewusst auf das à la carte Geschäft.

Serviert wird in der»GenussWerkstatt« ein einheitliches Menu-Erlebnis mit bis zu zehn Genuss-Abfolgen. Das neue Genusskonzept ist ganzheitlich. Und schließt auch die Präsentation der Speisen sowie die Gestaltung des Gastraums mit ein.

Das Restaurant »GenussWerkstatt« ergänzt das gastronomische Angebot des Atrium Hotel Mainz. Und es lädt zum ungezwungenen Genießen ein. Gerade einmal 20 Personen finden in der »GenussWerkstatt« Platz.

www.atrium-mainz.de

 

Atrium Hotel Mainz: Neue Ideen und Akzente




Goldstein

Goldstein: Deutsche Küche abseits gewohnter Standards

Traditionell deutsch aber auch kess inspiriert zu kochen, eingefahrene Wege zu verlassen, zum Mainstream auf Distanz zu gehen und etwas Neues zu wagen. Das ist der kreative Geist, der die Speisekarte des Restaurants Goldstein im Herzen der Mainzer Altstadt lebendig macht.

Das ist auch der Grund für den großen Kreis treuer Stammgäste, die sich regelmäßig mit Muse und Zeit zum gemeinsamen Essen treffen.

Kochhandwerk mit frischem Esprit

Im Goldstein wird alles haus- und selbstgemacht. Jedes Gericht ist solide Handarbeit. Vorgefertigte Salatdressings sind so verpönt wie Soßenmischungen aus der Tüte. Das gilt auch für Bratkartoffeln und Spätzle, wie für klassische Pürees, original Ravioli oder Maultaschen. Hier wird ein Schmorbraten noch gar geschmort und nicht technisch »schnellgeschmort«.

Erst der Einsatz bewährter Garmethoden entwickelt die Aromen, die unserem Gaumen ein genussvolles Mahl garantieren. Doch was für Fleisch gilt, zählt auch für Gemüse. Immer frisch aus der Region oder weiteren deutschen Landen, wird es aus dem saisonalen Angebot auf den Tisch gebracht. Natürlich bedeutet Frische auch, dass man zu einem schmackhaften Mahl etwas Zeit mitbringen sollte. Denn kross gebratene Bratkartoffeln aus frischen Kartoffelscheiben benötigen etwas mehr Zeit als Vorgegahrtes aus der Vakuumtüte. Die etwas längere Wartezeit belohnt Sie jedoch mit einem ausgefallenen Geschmackserlebnis. Außerdem ist ein Mahl zu kredenzen und nicht nur aufzuessen, entschleunigende Entspannung. So findet man mit guten Freunden und Partnern Zeit für anregende Gespräche, bei einem guten Glas Wein, einem würzigen Bier oder einer ausgefallenen Limonade.

Zum Konzept gehört auch, alle Zutaten zu den einzelnen Gerichten selbst vorzukosten. Vieles wurde auch bei Reisen entdeckt, für gut befunden und mitgenommen. So bezieht das »Goldstein« ländlich rustikale Limonaden und Fassbrause aus Mecklenburg-Vorpommern, drei verschiedene, naturtrübe Traubensäfte – rot, rosé und weiß – aus der eige­nen Region, sowie Whisky, Gin, Wodka und Schnäpse aus deutschen Edelbrennereien. Das Fleisch für ihre Schnitzel bezieht die Küche aus Rheinland-Pfalz. Besonders Herkunft und Qualität sind die Wertmaßstäbe, nach denen geurteilt wird. Und wie das Tier aufwuchs und gehalten wurde. Zudem werden bei allen Gerichten Lebensmittelunverträglichkeiten berücksichtigt. So sind viele Speisen glutenfrei und auch einige vegan zubereitet.

Experimentell originäres

Nach wie vor ist der »LIMburger«, einer deutschen Analogie zum Hamburger, der Publikumsliebling Nr. 1. und seit diesem Jahr auch als Veggi oder sogar als vegane Variante auf der Karte. Ebenso wie der passend zum Herbst typische »Wildburger« aus Hirsch- und Wildschweinhackfleisch mit einem geheimnisvollen Etwas. Kulinarische Überraschungen sind eben ein Charakteristikum des Goldsteins. Platzreservierungen sind zu empfehlen.

| HJW

Restaurant Zum Goldstein
Kartäuserstr. 3 · 55116 Mainz
Tel. 06131 236 576
www.zum-goldstein.de
Öffnungszeiten
Mo–Fr 17–23 Uhr
Sa und So 12–23 Uhr

 

Restaurant »Zum Goldstein«: Traditionelle Deutsche Küche mit frischen Ideen




Atrium Hotel Mainz: Neue Ideen und Akzente

Dr. Lothar Becker, Inhaber und Direktor des Vier-Sterne-Superior-Hotel Atrium in Mainz-Finthen hat erneut investiert und viele spannende Neuerungen in die Tat umgesetzt.

Durch großen persönlichen Einsatz, ein engagiertes, perfekt eingespieltes Team und nicht zuletzt durch Investitionen in Millionenhöhe hat sich sein Haus bereits in den letzten Jahrzehnten von einem familiengeführten Garni-Betrieb vor den Toren von Mainz zu einem der führenden Privathotels in Rheinland-Pfalz entwickelt.

Getreu dem Motto von John Henry Newman »Wandlung ist der einzige Beweis von Leben« gibt es im Atrium Hotel keinen Stillstand. Gerade wurde das gastronomische Konzept einem Relaunch unterzogen. Die neue GenussWerkstatt, ein Fine Dining Restaurant mit 20 Sitzplätzen, das auf Nachhaltigkeit setzt und mit einem 10-Gänge Menü punktet, entstand. Jetzt können die Gäste hier die besten Produkte der Region, zubereitet von Küchenchef Carl Grünewald, genießen. Begleitet wird das Menü mit großartigen Weinen von Restaurantleiter und Sommelier Oliver Habig.

Das bestehende à la carte Restaurant Adagio wurde umgestaltet und urbanisiert und soll mit seinem elegant-lässigen Interieur neue Akzente setzen. Ergänzt durch die Kaminlounge und das Sommergarten-Restaurant bietet sich dem Gast so eine breite gastronomische Vielfalt.

Nach Wunsch & ganz individuell

Auch aus dem Veranstaltungsbereich gibt es Neuigkeiten zu vermelden. Hier wurde ein neuer Brainstormingroom geschaffen. Vier weitere Tagungsräume wurden modernisiert und mit einem innovativen Beleuchtungskonzept ausgestattet. Wände und Decken wurden neugestaltet, eine automatische Fensterverdunklung eingebaut und ein Touchpanel zur Einstellung des Lichts installiert. So können sich Tagungsgäste jetzt ihren Veranstaltungsraum exakt nach ihren Bedürfnissen ausrichten. Ganz nach Wunsch lässt sich auch der Tagungsablauf gestalten, denn durch den neu geschaffenen direkten Zugang zum Garten und den Terrassen können die Tagungsteilnehmer jederzeit Pausen einlegen und frische Luft schnappen.

Ganz nach dem Motto Meet&Meat wurde die Sommerterrasse des Atrium Hotels umgebaut und erweitert. Ein neues Grill-Haus entstand, ausfahrbare Sonnensegel installiert und Designmöbeln sorgen dafür, dass auch das Auge sich freuen darf. Jetzt können die Gäste diesen Bereich ganzjährig nutzen, ihre Konferenzpausen draußen verbringen und im Grünen Hochzeit feiern oder zu Grillfesten einladen.

Und die Mitarbeiter? Sie sind das Wertvollste, denn ohne sie wäre das Atrium heute nicht das, was aus ihm geworden ist. Deshalb begegnet man ihnen allen auf dem Atrium Team Board auf dem Weg zum zweiten großen Tagungsfoyer – ein Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung, das Dr. Lothar Becker ganz bewusst gesetzt hat.

| MDL

Atrium Hotel Mainz · Dr. Lothar Becker e.K.
Fluglatzstr. 44 · 55126 Mainz-Finthen
Tel. 06131 491-0 · www.atrium-mainz.de



Vinothek Bingen am Rhein

Vinothek Bingen am Rhein: Auf einem guten Weg

Standortwechsel für Meisterkoch André Choquet: Vom »Schlösschen am Mäuseturm« zur »Vinothek Bingen am Rhein«. Seine Höchstform hat er noch nicht errreicht, ist aber auf einem guten Weg.

Das Panorama überwältigt: Der ruhig dahinfließende Rhein, dahinter die steilen Hänge des Taunus und oben thront die Germania mit ernstem Blick Richtung Westen, um vor dem früheren Feind, den Franzosen, zu warnen. Gott sei Dank haben sich die Zeiten geändert. Heute blickt sie immer weiter nach Westen und sieht Donald Trump. Kann gut sein, dass die Germania kopfschüttelnd ihre Plünnen rafft und den Sockel verlässt.

Die Binger haben die Landesgartenschau 2008 genutzt, um das Rheinufer schön und langfristig zu gestalten.

Erste Überraschung, alle Tische im Speisesaal der Vinothek sind reserviert. Mit der typischen Mainzer Hochnäsigkeit, dass nämlich auf dem flachen Land nichts los ist, können wir im Nebenraum noch ein kleines Plätzchen ergattern. Die Einrichtung ist großzügig mit hellem Holz gestaltet, dieses abgesetzt vom grauen Hintergrund.

Schmackhafte Vorspeisen

Den Koch, André Choquet, kennen wir noch aus dem »Schlösschen am Mäuseturm«, wo er uns mit seiner Präzision begeisterte. Wir sichten die Speisekarte, die gegliedert ist nach »Klassiker, Saisonales aus der Vinotheken-Küche, rheinhessische Weinbegleiter aus Omas Einmachgläsern und Desserts«. Wir wählen aus: einmal das zweierlei hausgemachte Brot (1,50 €) und einen Feta-Walnuss-Dip (3 €) und, als zweites, eine Bärlauchsuppe (6 €), die in der Speisekarte als »Vollmundige Velouté: Bärlauch mit Pinienkernen, Olivenöl und kräftigem Parmesan gemixt und versetzt« angekündigt wird.

Eine große Tasse kommt mit dampfend grüner Suppe, durchsetzt mit vielen kleinen grünen Stückchen des Bärlauchs. Ein intensiver Geruch umnebelt mich mit dem starken Aroma des Bärlauchs.

Die Suppe ist schmackhaft, angenehm sämig, gut gemacht – allein meine Suche nach den Pinienkernen bleibt bis auf einen halbierten Pinienkern erfolglos. Später erklärt mir André Choque, dass er zuerst ein Pesto aus Bälauch, Pinienkernen und Parmesan gemacht habe. Ein paar vereinzelte geröstete Pinienkerne hätten die Suppe trotzdem für mich interessanter gemacht. Mein Gegenüber ist sehr zufrieden mit dem Feta-Walnuss-Dip, allein das selbstgemache Sauerteigbrot weiß nicht komplett zu überzeugen: beide Krusten sind nur zaghaft ausgeprägt.
Jetzt sind unsere Hauptspeisen im Anmarsch. Mein Begleiter hat ein Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln bestellt. Sein Urteil: angenehm zart mit krosser Panade und leichtem Buttergeschmack und erfrischend mit den zwei Zitronenschnitzen, sehr schmackhaft, die knackigen Bratkartoffeln sind bis auf einige verbrannte Stückchen wohlschmeckend. Mir wird ein strahlend weißerButterfisch gebracht, gebettet auf einem Kresse- und lila Kartoffel-Salat in einer Honig-Senf-Marinade und gekrönt mit orangem Forellenkaviar. Ein wunderschöner, farbenfroher Teller. Die zwei Stücke Fisch sind extrem weiß, das ca. zwei Zentimeter hohe Stück Fisch hat eine feste Konsistenz, ist aber leider etwas zu stark durch und deshalb zu trocken. Schade.

Gut sortierte Weinkarte

Das beschreiben wir dem Koch, der auf seinem Rundgang auch bei uns Halt macht. Er bedauert das: Der Fisch wurde im Sous-vide bei exakt 62 Grad gegart. Das war wohl etwas zu viel. Beim nächsten Mal wird das sicherlich geändert. Darauf freuen wir uns. Aus der umfangreichen Weinkarte wählen wir den 2017er Riesling Quarzit vom Binger Scharlachberg aus dem Weingut Bretz, eine trockene Auslese, die für 2,50 € für das »Piffche«, daherkommt. Der Wein ist fruchtig, relativ hell in seiner grünlich gelben Farbe. Die sechs Vinotheken-Weingüter bieten Weine aus Rheinhessen, dem Mittelrhein, der Nahe, und dem Rheingau an. Der Service ist überdurchschnittlich jung, engagiert und sehr freundlich. Wenn eine Frage nicht sofort beantwortet werden konnte, so wurde nachgefragt und wir bekamen anschließend die ausführliche Antwort.

Wir verlassen die Vinothek am Rhein bei strahlendem Sonnenschein und wissen, dass wir wiederkommen. Dann wird der Koch den Umzugsstress aus dem verträumten vorherigen Lokal in die wesentlich größere Vinothek wohl geschafft haben und zur alten Höchstform zurückfinden.

| Mister X

ESSEN7,5
TRINKEN8,0
SERVICE8,5
AMBIENTE8,0
PREIS/LEISTUNG7,5
GESAMT39,5 : 5 = 7,9 KAPPEN

Vinothek Bingen am Rhein
Hindenburganlage 2
55411 Bingen am Rhein
Telefon: 06721 3098992
info@vinothek-bingen.de
www.vinothek-bingen.de
Öffnungszeiten:
In den Sommermonaten
Mai bis September
Dienstag bis Sonntag ab 11.00 Uhr
Ruhetag: Montag



Beachclub

Terrassensaison: Gastronomische Diversitäten

Erfrischendes und Nachdenkliches zur Terrassensaison

Restaurant oder Club, Straußwirtschaft oder Biergarten, Lounge oder Beach: Das gastronomische Freiluft-Angebot in unserer Region expandiert qualitativ wie quantitativ von Jahr zu Jahr und stellt uns immer wieder vor die gleiche Frage: »Wo gehen wir denn heute Abend hin?« In welcher Location genießen wir heute die Abendsonne und das frische Lüftchen? Den neuen Wein, die rheinhessischen Tapas, das kühle Bier? Wo treffen wir uns für zwei Stündchen (oder länger?) a deux, wohin gehen wir mit der Familie essen und auf welcher Terrasse diskutieren wir mit unseren Freunden die aktuelle politische Lage (und/oder natürlich auch umgekehrt)?

Wie schön, dass uns dafür zurzeit täglich wieder eine Stunde mehr zur Verfügung steht! Und damit habe ich mich jetzt natürlich geoutet (und gebe dabei nicht unbedingt die oft zitierte Meinung der Redaktion wieder): Ja, ich bin ein Anhänger der sogenannten Sommerzeit – und wenn man sich mehrheitlich gegen den saisonalen Wechsel ausspricht – dann von »12 Monaten Sommer«.

Das passt, wenn man abends regelmäßig arbeiten muss und sich die Morgenstunden freier gestalten lassen. Es macht einfach mehr Spaß, wenn man die gastronomische Vielfalt von Stadt und Land bei Sonnenlicht besuchen und begutachten kann. Und ja, natürlich weiß ich auch, dass der Tag nicht plötzlich 25 Stunden hat – nur mein Feierabend ist angenehm gestreckt.

Klimawandel Positiv?

Und noch ein zweites Phänomen (oder besser: Problem) macht sich bemerkbar, wenn ich ein freies Plätzchen auf der Terrasse gefunden und den Schweiß abgewischt habe: Auch der Klimawandel spielt in meinen Feierabend rein. Natürlich gibt es ihn! Wer es nicht glauben will und lieber mit konstruierten Statistiken argumentiert möge einmal Winzer und Landwirte fragen. »Die Natur« stellt neue Herausforderungen und wir müssen reagieren – so auch die Weinbauern: Neue Rebsorten schlagen an, andere entfalten sich bei einer angepassten Vinifizierung in ungeahnte Richtungen.

Es wäre jedoch blanker Zynismus, hier nur die uns zunächst positiv erscheinenden Seiten anzusprechen: Wenn es so weiter geht, werden zwar bald neue Weinbauregionen (in Nordeuropa) entstehen – gleichzeitig trocknen andere Gebiete (z.B. in Spanien) aber völlig aus. Und was bei uns primär ökonomische Auswirkungen hat ist in anderen Erdteilen lebensbedrohend. Vielleicht gibt uns die eine Stunde »mehr« auch etwas Zeit, über solche Zusammenhänge nachzudenken.

Kreativ und erfinderisch

Übrigens: Vereinzelt könnte der Eindruck entstehen, dass die Rheinhessen ausschließlich Wein oder doch zumindest Schorlen (»Gespritzte«) trinken. Es ist mehr als nur Chronistenpflicht darauf hinzuweisen, dass die Getränkekarten in unserer Region mehr und mehr einheimische (Craft-) Biere, Säfte und Limonaden aufweisen. Wir sind ein kreatives Völkchen. Daher: Klemmen Sie sich den MAINZER unter den Arm und steuern Sie eine Terrasse an, solange noch ein Platz frei ist. Und dann können sie in Ruhe bei einem Glas Ihrer Wahl unser informatives Magazin weiterlesen. Viel Spaß dabei.

| MDL




gourmet

Harald Wohlfahrt: Der Dirigent in der Küche

Ein Lieblingsgericht hat Harald Wohlfahrt nicht. Aber eine klare Koch-Philosophie. Und ein gutes Händchen für Koch-Talente.

Die Staffelübergabe von Philipp Stein an Daniele Tortomasi im Gourmetrestaurant Favorite war der Anlass für den sternedekorierten Koch, Mainz zu besuchen. Harald Wohlfahrt ist, laut eigenem Bekunden seit Jahren bestens bekannt mit der Hoteliers-Familie Barth, und hatte seinen ehemaligen Schützling aus der Schwarzwaldstube in der Traube Tonbach als den geeigneten Nachfolger für Philipp Stein empfohlen.

Daniele Tortomasi, 24 Jahre jung, ist gewillt in die Fußstapfen seines ehemaligen Mentors zu treten: Harald Wohlfahrt wurde für seine Koch-Philosophie und seine Koch-Leistung 25 Mal, von 1993 bis 2017, mit drei Michelin-Sternen gewürdigt.

DER MAINZER traf den Sternekoch in der Favorite zum Gespräch, um zu erkunden, wie eine solche Leistung gelingen kann.

harald wohlfahrt

Harald Wohlfahrt vergleicht seine Kochkunst mit der Musikkunst: Hier wie dort müsse aus dem Vorhandenen das Beste immer wieder neu komponiert werden. Wobei »das Vorhandene« in der Kochkunst von Wohlfahrt in erster Linie, Produkte aus der Natur sind. Im Frühjahr lasse z.B. ein blühender Mandelbaum an Mandelaroma denken – und die Gedanken kreisten um dessen möglichen Einsatz. In diesem Geschmacks-Denken müssten gewohnte Zusammenstellungen überprüft und hinterfragt werden, um Neues kreieren zu können. Diese »Koch-Philosophie« beruhe auf der Schulung des Geistes, Unbekanntes auszuprobieren und Bekanntes nicht instinktiv abzulehnen. Letzteres verdeutlicht Wohlfahrt am Beispiel von Aromen, wie Kümmel. Menschen, die Kümmel nicht mögen, werden eine Speise, in der dieses Gewürz verwendet wird, nicht probieren wollen.

Bedauerlich, nennt das Wohlfahrt, denn sie blockieren sich selbst, lassen sich eine, womöglich neue, Genusserfahrung entgehen. Zu dieser Philosophie passt Wohlfahrts Feststellung, er kenne kein Lieblingsgericht, er genieße alles.

Wiederum vergleichbar der Musikkunst interpretiert Wohlfahrt die Teamleistung eines »Küchen-Orchesters«: Der Dirigent als Küchenchef, der Routineaufgaben abgibt, aber Teamchef bleibt und seine Interpretation der Speisen mit seinem Team solange übt, bis es zu einem rundum harmonischen Geschmackserlebnis führt.

| SoS




Restaurant Elder

»Elder«: Auf einem guten, kreativen Weg

Das Restaurant »Elder« in Gau-Algesheim bietet weit überdurchschnittliche, mutige Küche in einer insgesamt florierenden rheinhessischen Gastronomie-Landschaft.

Der Marktplatz von Gau-Algesheim ist malerisch. Mit etwas Glück erhaschen Autofahrer hier sogar eine Parkmöglichkeit – so wie wir kürzlich an einem kühlen Spätwinterabend. Zum Restau­rant »Elder« sind es nur ein paar Schritte übers Pflaster und eine kleine Treppe hinan. Große Fensterfronten eröffnen von drinnen den Blick auf das Leben im Ortskern.

Das Ambiente ist modern und klar, etwas kühl, aber nicht ungemütlich. Unser Besuch beginnt mit einer netten Überraschung: Als Amuse gueule wird jedem am Tisch eine Geflügelleberpraline gereicht, die aufgrund ihrer geschmacklichen Feinheit bezüglich der weiteren Speisen einiges erhoffen lässt.

Mister X startet mit Roastbeef, das mit Meerrettich-Mousse und einem kleinen Salatbouquet garniert ist (9,40 Euro). »Der Salat ist schön frisch, die Mousse schmeckt sehr fein, und das Fleisch ist wie gemalt«, resümiert mein immerwährender Begleiter in aller Kürze und voller Lob. Unser Begleiter nimmt als Vorspeise die Zitronengras-Chilisuppe mit gebratener Kokosgarnele zu 5,90 Euro. Das Fleisch des Meerestiers schildert er als »wunderbar saftig«, die Panade drumrum ist für ihn allerdings »ziemlich matschig«.

Mir bringt die freundliche wie auskunftsfreudige männliche Servicekraft die Kartoffelsuppe mit Zwetschgenklößchen (5,30 Euro). Erfreulich ist der absolut authentische Erdapfel-Geschmack, die Kloßschale präsentiert sich extrem fest und ist mit der Löffelkante schwer zu durchdringen, die Pflaume hält sich geschmacklich zurück. Gleichwohl ergibt sich ein recht ansprechendes Ensemble, das Erinnerungen an die althergebrachte regionale Speisenkombination aus Kartoffelsupp und Quetschekuche aufkommen lässt. Zum Entrée bekommt der Gast übrigens drei frische Scheiben Weißbrot in einer Keramikschale.

»Gebratene Entenbrust mit Trauben-Birnen-Chutney, Spinat und Gremoulata-Risotto« heißt die Hauptspeise, die 17,90 Euro kostet und Mister X nun serviert wird. Auch beim Genuss dieses Gerichts stellt sich Freude ein: »Das Fleisch ist perfekt gebraten, die Konsistenz des Risottos einwandfrei. Der Spinat passt ausgezeichnet zur Gesamtkreation, und das Chutney präsentiert sich angenehm fruchtig.«

Schnitzelpanade leider zu dunkel

Nicht ganz so euphorisch äußert sich unser Vis-à-vis. Die Panade seines Wiener Schnitzels, das in Form zweier großer Kalbfleischstücke auftritt, ist offensichtlich zu dunkel geraten. Die beiliegenden Bratkartoffeln seien »ein wenig labberig«. Das Fleisch selbst wird als qualitativ gut geschildert. Insgesamt sei aber zuviel Salz im Spiel. Positiv, so unser Tischgenosse, schlage die originale Wiener-SchnitzeI-Garnitur mit Zitonenscheibe und Kaper in der gerollten Sardelle zu Buche. Darüber hinaus gefiel der »liebevoll zusammengestellte Salat« mit (unter anderem) Chicorée, Eichblatt, Radieschen, Gurke und Frühlingszwiebeln. Berechnet werden für dieses Schnitzelgericht 18,20 Euro.

An meiner Roten Meerbarbe zu 14,60 Euro gibt es wahrlich nichts auszusetzen. Der Fischgeschmack ist fein, der der hellen Sauce, die perfekt mit den Linguini harmoniert, dezent würzig. Ich bin uneingeschränkt zufrieden.

Drei durchweg probierenswerte Desserts

Da wir drei an diesem Abend ganz überwiegend erfreut sind von der dargebotenen Küchenleistung, wollen wir auch noch erfahren, wie es das Restaurant »Elder« mit den Desserts hält. Mokkaparfait (mit Mandarinenschaum und Grand-Marnier-Praline, 6,60 Euro), Nougat-Crème-Brûlée (mit Rotweinkirschen, 6,20 Euro) und das Schokoladenküchlein (mit Vanillesauce und Gewürzorangen, 6,50 Euro) versüßen uns im wahren Wortsinn den Abschied vom »Elder«. Die vermeintlichen Schwächen, die wir bei den Nachspeisen festgestellt haben, bewegen sich im µ-Bereich.

| LOU KULL

ESSEN8,0
TRINKEN7,5
SERVICE8,0
AMBIENTE7,5
PREIS/LEISTUNG8,5
GESAMT39,5 : 5 = 7,9 KAPPEN

FAZIT

Das »Elder« wäre vor 20 Jahren eine Sensation gewesen, damals, als Rheinhessen noch gastronomische Diaspora war. Heute, in einer qualitativ florierenden Gastronomie-Landschaft, ist das Restaurant ein Ort mutiger, kreativer Küche, die mit Überlegung geleitet wird und zweifellos zu den oberen 25 Prozent gehört. Allein die letzte Brillanz fehlt den Speisen bisweilen, was Geschäftsführer und Küchenchef Martin Holler aufgrund seiner akribischen Arbeit und seiner Begeisterung fürs kulinarische Details mit ziemlicher Sicherheit korrigieren wird. Als unaufdringlich und sachkundig haben wir den Service wahrgenommen.

Die Weinkarte ist mit Bedacht zusammengestellt und bezieht bewusst Weingüter aus der näheren Umgebung mit ein. Sehr gut gefielen uns zwei Weine vom Weingut Fleischmann, das fast in Sichtweite vom »Elder« liegt: der 2016er Chardonnay S tro­-cken (4,80 Euro für 0,2) und der 2015er halbtrockene Dornfelder aus der Gau-Algesheimer Abtei (4,30 Euro). Erstaunlich zeigte sich zudem der 2017er Sauvignon blanc trocken vom Gau-Algesheimer Johannisberg aus dem Weingut St. Quirinus-Hof (4,90 Euro). Im »Elder« bekommt man viel Gutes für sein Geld.

Restaurant Elder
Marktplatz 2
55435 Gau-Algesheim
Tel. 0 67 25 / 307 72 27
Fax 0 67 25 / 307 72 26
info@restaurant-elder.de
www.restaurant-elder.de
Öffnungszeiten:
Mo und Mi bis Sa 16.30 bis 23 Uhr
So 11 bis 14.30 und 16.30 bis 22 Uhr
Di Ruhetag



gut leben am morstein

GUT LEBEN am Morstein: Hohe Erwartungen nicht erfüllt

Das »GUT LEBEN am Morstein« in Westhofen bietet als Gesamtkunstwerk Herausragendes, die Restaurantleistung hat uns jedoch nicht vollends überzeugt.

Unsere Vorfreude ist groß. Schließlich ist das »GUT LEBEN am Morstein« wo wir heute essen gehen, erst jüngst hochkarätig ausgezeichnet worden. Beim nationalen Best of Wine Tourism Award gewann das Westhofener Gesamtkunstwerk gleich in den beiden Kategorien Kunst & Kultur sowie Weingastronomie. Kurz darauf wurde das Unternehmen beim Jahrestreffen des weltweiten Netzwerks Great Wine Capitals im australischen Adelaide in der erstgenannten Rubrik auch zum internationalen Sieger gekürt. So weit, so gut.

Im Parterre der wunderschönen alten Villa, »Schlösschen am Morstein« genannt, werden wir vornehm reserviert empfangen und danach in die erste Etage geführt. In einem relativ kleinen Raum mit Salon-Atmosphäre des 19. Jahrhunderts ist ein Tisch für uns reserviert. Dieser ist schön eingedeckt, es macht Freude, an ihm Platz zu nehmen. Schwere Mustertapeten, elegante Stores, ein schöner alter Schrank und edle helle Sessel schaffen ein anhei­melndes Ambiente.

Riesenportion Feldsalat

Mister X entscheidet sich für das dreigängige Herbstmenü zu 46 Euro. Position eins ist der Feldsalat mit Wildkräutern, gebratenen Pfifferlingen, gepuffter Hirse und eingelegten Kürbiswürfelchen. »Darüber hinaus erkenne ich in dieser Riesenportion auch Wal- und Haselnuss sowie diverse Kerne«, kommentiert X. Offensichtlich ist er mit der Vorspeise zufrieden. Unser Begleiter wählt als Entrée die gegrillten Riesengarnelen mit Chili-Mayonnaise (17 Euro). Nach seinem Dafürhalten zeigen die – teilweise – lauwarmen Meerestiere wenig Geschmack, dafür gebärde sich die scharfe Mayonnaise umso dominanter. Der geschmorte Spaghetti-Kürbis, der das Gericht ergänzt, ist kalt. Insgesamt sei die Speise, wie unser Tischnachbar berichtet, »blass«.

Der erste Gang meines dreiteiligen »Rheinhessenmenüs« beinhaltet »Portulak-Steckrüben ›Jacobsmuscheln‹«, was immer damit gemeint sein soll. Jedenfalls ist das Menü (44 Euro) als vegetarisch angekündigt. Drumherum liegt eine Garnitur aus Portulak-Gemüse, Feldsalat, Kapuzinerkresse und Trüffeldressing. Gaumen und Zunge erkennen die Steckrüben als solche gut, eine Trüffelanmutung lässt sich diesem Arrangement jedoch kaum entlocken. Die Portion ist winzig und kostet als Solo-Vorspeise 18 Euro.

Kritikwürdiges Gratin

Mein immerwährender Begleiter beschäftigt sich nun mit Suprême und Keule von der Freilandente. Als Beilagen gibt es Holunderrotkraut und Rosmarin-Kartoffelgratin. »Die Brust ist butterzart, die Haut der Keule nicht kross. Die Maronen, die ich auf dem Teller entdecke, machen keinen frischen Eindruck, was auch für das Gratin gilt. Es ist lauwarm, hat keinen Biss, zudem fehlen Gewürze«, fällt X’ Beurteilung nicht gerade schmeichelhaft aus.

Viel Süße in den Desserts

Sein Rumpsteak empfindet unser Vis-à-vis als »ordentlich, aber nicht begeisternd«. Das Fleisch sei zart, allerdings kein besonderes Stück. Lob ernten die Süßkartoffel-Pommes, die »außen knackig und innen fluffig« seien. Der beiliegende Mais gebe sich süßlich, die Guacamole (ein Dip aus Avocado) lockere das Gericht durch eine angenehme Säure auf. Preis dieser Speise: 26 Euro. So extrem leicht der erste Gang meines Menüs war, so mächtig kommt der Hauptgang daher: »Schneeball ›Blue Hubbard‹ Kürbisrisotto mit weißen Zwiebeln und Kürbisjus«. Summa summarum harmoniert alles gut miteinander, es ergibt sich ein rundes Geschmacksbild.

Mein Dessert – weiße Schokoladenmousse mit leicht geliertem Quittensüppchen und Wachol­dereis – ist schön anzusehen, aber nicht recht austariert. Die Mousse empfinde ich als speckig und griesig, das Quittensüppchen ist extrem süß, das Eis wohlschmeckend, aber ein bisschen klebrig. Mister X schildert seine Zimtmousse als »gut«, die dazu ge­reichten Haselnuss-Crumbles als »nichtssagend« und das Prei­selbeereis als etwas zu süß. Der Abend geht atmosphärisch zu Ende, wie wir empfangen wurden: vornehm reserviert.

| LOU KULL

ESSEN7,5
TRINKEN8,5
SERVICE7,0
AMBIENTE9,0
PREIS/LEISTUNG6,5
GESAMT38,5 : 5 = 7,7 KAPPEN

FAZIT

Das »GUT LEBEN am Morstein« ist ein außergewöhnliches Ensemble, zu dem außer dem Restaurant auch kuschelige Hotelzimmer (»Gemächer«), großzügige Tagungs- und Veranstaltungsräume sowie ein pittoreskes Gewölbe für eine hochkarätige, lebendige Kulturszene und ein prächtiger Garten gehören. Unternehmer Stefan Spies hat hier Großartiges geleistet. Die hochgelobte und -ausgezeichnete Gastronomie des Hauses hat uns allerdings ein wenig enttäuscht. Mehrere Speisen zeigten, wie geschildert, Schwächen und wurden dem selbstgesetzten Anspruch des Hauses nicht gerecht. Das Preis-Genuss-Verhältnis ist diesbezüglich in Schieflage.

Der Service, den wir erlebten, war neutral gastfreundlich. Ein Lächeln haben wir von keiner der drei uns bedienenden Kräfte geerntet. Auch an Aufmerksamkeit mangelte es. Ein Gruß aus der Küche wurde uns nicht serviert. Dafür kam zur Vorspeise ein kleines Körbchen mit winzigen Weiß- und Graubrotscheiben, die schnell gegessen waren, auf den Tisch. Danach, ob wir noch Brot wünschen, wurden wir nicht gefragt. Die Flaschenweinkarte wurde uns gar nicht erst angeboten. Apropos: Das Weintableau gehört zweifellos zu den Stärken des Morsteinschen Gastronomiebetriebs.

GUT LEBEN am Morstein
Mainzer Straße 8-10
67593 Westhofen
Tel. 0 62 44 / 919 86 60
gutleben@am-morstein.de
www.am-morstein.de
Öffnungszeiten:
Mi bis Sa ab 18 Uhr, So ab 12 Uhr
Mo und Di Ruhetag
jeden ersten Sonntag im Monat,
10 bis 15 Uhr, Brunch



1809_restauranttest-eulenschaenke-aussen

Eulenschänke: Ländlicher Genuss bei Wüstenklima

Ein Besuch der »Eulenschänke« im idyllischen Selztal bei Großwinternheim entspannt selbst an den heißesten Tagen dieses Extremsommers. Die Küche arbeitet unprätentiös hochklassig.

Es ist einer jener – anscheinend niemals enden wollenden – heißen Sommertage des Jahres 2018, als wir auf staubiger Piste die Eulenmühle erreichen. Wir steigen aus in eine Gluthitze, wie sie wohl am Rand einer afrikanischen oder asiatischen Wüste herrschen muss. Vom Parkplatz sind es nur wenige Meter zum Eingang der »Eulenschänke«, deren rustikal gestalteter Gastraum unter den gegebenen klimatischen Bedingungen keineswegs kühler ist als die schattige Terrasse mit Sonnensegeln und gehobener Biergartenbestuhlung. Wir entscheiden uns für die Freiluftvariante. Hier weht bisweilen ein erfrischender Wind, der an diesem Tag von den stei­len Weinbergen kommt, über denen das Anwesen des Weinguts Schloss Westerhaus thront.

Gurken-Kaltschale: kühl, leicht, kräutrig

Die Speisekarte ist übersichtlich und sinnvoll strukturiert. Das deutet auf eine gut geführte Küche hin. Als Amuse gueule wird uns ein Körbchen serviert, das Grau- und Weißbrot sowie ein kleines Glastöpchen mit Kräuterquark enthält. Der Pfiff des Graubrots liegt in seinem leichten Kümmelgeschmack, der Quark ist köstlich würzig. Mister X ist angesichts der Hitze fixiert auf Kühles und Leichtes. Demgemäß wählt er zum Entrée die Gurken-Kaltschale mit Graved Lachs zu 7,50 Euro. »Durch den Dill schmeckt diese Komposition schön kräutrig, der ganz klein geschnittene Lachs und die knackig gerösteten Ciabatta-Croûtons sorgen des Weiteren dafür, dass eine sehr feine Speise entsteht«, lobt mein immerwährender Begleiter.

Ich entscheide mich für die »Stapelei« (11 Euro), die auf der Karte mit der Information »ohne fiese Inhaltsstoffe« und als »hausgemachte Herr Kächele Maul­täschle mit Fleisch« avisiert ist. Die aufeinander getürmten Bestandteile dieser Speise, zu der auch hausgemachter Kartoffelsalat, »Knusperspeck« und Schmorzwiebeln gehören, erfreuen mich aufs Höchste, nicht zuletzt da alles im allerbesten Sinne wie bei Muttern schmeckt.

Nordsee-Matjes: Besser geht’s kaum

Konsequenterweise nimmt X als Hauptgang die Nordsee-Matjes nach Hausfrauen-Art in Sahnesauce mit roten Zwiebeln und kleinen Pellkartoffeln (12,50 Euro). Schon bei den ersten Bissen erkenne ich wohlgefällige Züge auf seinem Gesicht. Wie Mister X mir mitteilt, sagt ihm außer dem Kerngericht, das mit Dill verfeinert ist, auch die hübsche Salatgarnitur zu, auf der eine Haube aus Kapuzinerkresse sitzt. »Summa summarum gesprochen, kann man Matjes kaum besser zubereiten. Der Fisch ist angenehm zart und nicht versalzen«, kommentiert mein Vis-à-vis.

Landschnitzel: saftig mit perfekter Panade

Derweil befasse ich mich mit dem »Landschnitzel Wiener Art« (18 Euro), das mit einem Gewicht von 200 Gramm angegeben ist. Daraus ergeben sich zwei ordentlich große, schön dünn geklopfte, saftige Fleischstücke, die von einer perfekten, leicht buttrigen Panade umgeben sind. Der Kartoffel-Gurken-Salat und die Preiselbeeren bilden einen ausgezeichneten geschmacklichen Rahmen. Freuen darf sich der Gast auch darüber, dass Küchenchef Mariusz Sylburski gerne Fleisch vom Schwäbisch-Hällischen Bio-Landschwein aus regionaler Zucht für seine Gerichte wählt. So wird denn dieser wüstenheiße rheinhessische Sommertag des Abends doch noch zu einem Genuss, der uns rundum zufrieden den Heimweg antreten lässt.

| LOU KULL

ESSEN8,0
TRINKEN8,0
SERVICE8,0
AMBIENTE8,0
PREIS/LEISTUNG8,0
GESAMT40 : 5 = 8,0 KAPPEN

FAZIT

Die »Eulenschänke« spielt den kulinarischen Part in dem ländlichen Ensemble der Eulenmühle. Reiter jeglichen Alters und Seminaristen auf dem Weg zu neuen Lebenserkenntnissen finden hier den für sie passenden Ort genauso wie Liebhaber gehoben-solider Küche. Die Umgebung des historischen Anwesens könnte schöner nicht sein: Im Westen plätschert die Selz vorüber, von ihrem Talgrund aus ziehen sich die steilen Weinberge hinauf bis zum landmarkenartig wirkenden Schloss Westerhaus. Die Küche der »Eulenschänke« erfreut durch intelligente Speisekarten-Gestaltung, gute regionale Zutaten, hand­werkliche Solidität und makellosen Geschmack der Gerichte. Küchenchef Mariusz Sylburski variiert sein Angebot ständig und offeriert auch spontan Gerichte, die nicht auf der Karte stehen. So vermerkte die Schiefertafel an dem Tag, als wir die »Eulenschänke« besuchten, Kumato-Tomaten mit Pecorino-Käse zu 8,50 Euro und Scampi am Spieß mit Wildkräutersalat und Thunfisch-Dressing (10,50 Euro). Darüber hinaus fanden wir eine Weinkarte vor, in der Gewächse von Weingütern verzeichnet sind, die in Ingelheim und nächster Umgebung zu den besten gehören: Dautermann, Schloss Westerhaus, Arndt F. Werner, Hamm, Eichhof, Merl, Singer-Fischer. Wir probierten und empfehlen: Sauvignon blanc trocken 2016 vom Weingut Merl (0,2 für 5,50 Euro, perfekt zur Gurken-Kaltschale) und den 16er Weißen Burgunder trocken von Schloss Westerhaus (5 Euro, ideal zur »Stapelei« und zum Landschnitzel Wiener Art). Der Service zeigte sich angenehm entspannt, freundlich und kompetent. Dass wir bei unserer Bewertung in allen Leistungskategorien eine glatte 8,0 geben, spricht für sich.

Eulenschänke Eulenmühle
55218 Ingelheim-Großwinternheim
Tel. 0 61 30 / 554 93 90
info@eulenschaenke.com
www.eulenschaenke.com
Öffnungszeiten:
Di bis Fr 16-22 Uhr, Sa 14-22 Uhr, So und feiertags 12-22 Uhr, Küche jeweils bis 21 Uhr
Montag Ruhetag, 3. bis 10. September Betriebsferien

 

 




Schlößchen am Mäuseturm

Schlößchen am Mäuseturm: Durchdachte Küche, die Freude macht

Im Binger »Schlößchen am Mäuseturm« präsentiert André Choquet eine übersichtliche, klar strukturierte Speisekarte, deren einzelne Gerichte bis ins kleinste Detail feinjustiert sind.

Dieser Frühsommer-Abend hat es in sich. Von der Terrasse des »Schlößchens am Mäuseturm« im Stadtteil Bingerbrück aus genießen wir den grandiosen Blick hinüber zum Rüdesheimer Berg, während eine steife Brise durchs Rheintal weht und wie von Geisterhand ein Weinglas auf unserem Tisch um mehrere Zentimeter zur Seite versetzt. Spürbar bringt der Wind kühlere Temperaturen als in den Vortagen mit sich. Da wir diese außergewöhnliche Atmosphäre nicht missen möchten, suchen und finden wir ein weniger umtostes Plätzchen an einer Hauswand und sind damit sehr zufrieden. Die Erzeugnisse aus Küche und Keller, die wir in der Folge zu uns nehmen, steigern unser Wohlbefinden und unsere Freude weiter.

Als Gruß aus der Küche wird uns selbstzubereiteter Spundekäs’ mit selbstgebackenem Roggen-Sauerteig-Brot serviert. Die filigrane Sprossengemüse-Garnitur auf dem roséfarbenen Frischkäse deutet bereits darauf hin, dass in der hiesigen Küche Wert aufs Detail gelegt wird. Nach diesem gut gelungenen Auftakt widmet sich Mister X der geräucherten Paprikasuppe zu 6,20 Euro, die optisch attraktiv in einem Glas im Glas serviert wird. Selten habe ich in seinen Gesichtszügen eine derartige Wohlgefälligkeit entdeckt, als er diese Vorspeise mit den Worten »sehr intensiv, leicht und schaumig« beschreibt.

Büffelmozzarella mit Ochsenherztomaten

Unser junger Begleiter staunt derweil über seinen Teller mit in Kräuteröl mariniertem Büffelmozzarella, der von Ochsenherztomaten und Basilikumpesto umgeben ist (13,20 Euro). Den Käse empfindet er als »fest, mit leichter Sahnigkeit und feiner Würze«. Das Pesto mit Pinienkernstückchen schmeckt ihm ebenfalls ausgezeichnet, da die Basilikumnote sehr deutlich zum Vorschein kommt. Meine Tiroler Schinkenplatte mit Essiggemüse (8,50 Euro) macht Lust auf weitere kulinarische Erlebnisse. Der geräucherte Schinken mit perfekt abgestimmter Salzigkeit, die kleinen Tomatenhälften, das extrem fein gehackte Schnittlauch, die knackigen Gürkchen und das besagte hausgebackene Brot verdichten sich zu dem Eindruck, dass bodenständige Küche etwas Wunderbares sein kann.
Als Hauptspeise wählt Mister X das kleine argentinische Rumpsteak mit gedünsteten Zwiebeln und selbstgemachter Kräuterbutter. In der 150-Gramm-Fleischvariante ergibt sich ein Preis von 13 Euro, zusammen mit den feinen grünen Bohnen, die X als Extra nimmt, stehen unter dem Strich 16 Euro. »Das Fleisch ist perfekt gegart und ausgesprochen schmackhaft, die Zwiebeln, die in der Tat Schalotten sind, und die Böhnchen umrahmen es brillant«, heißt das Fazit meines immerwährenden Begleiters.

Sensationelle Bratkartoffeln

Unser Tischnachbar hat sich für die Wildbratwurst aus dem Binger Wald mit Bratkartoffeln und Senf zu 12,60 Euro entschieden. Allein das Aussehen der Speise entzückt ihn. Die beiden Würste ruhen auf einem stattlichen Bett wundervoll zart angebräunter Bratkartoffeln, die – wie mein Vis-à-vis sagt – nicht besser schmecken könnten. Die Wurst sei ganz mager, hervorragend gewürzt und lasse einen feinen Wildgeschmack erkennen.

Auch ich bekomme das, was mich aufs Höchste erfreut: »Verschiedene Waldpilze mit Weißwein-Risotto und gehobeltem Parmesan« (12,70 Euro). Das sehr ordentlich dimensionierte Reisgericht ist unglaublich saftig und zeigt eine leichte Zitronigkeit, die wohl zuvorderst vom Weißwein herrührt. Die megafein geschnittenen Gemüseanteile sind bissfest, insgesamt ist eine schöne Würzigkeit festzustellen.

Abgerundet wird X’ Essen im »Schlößchen am Mäuseturm« von einer Sorbet-Variation aus Zitrone, Minze und Buttermilch (natürlich selbstgemacht, 6,30 Euro). Unser Mitgenießer und ich nehmen die kleinen Quarkknödel, die mit frischer, nicht zu süßer Erdbeere und selbigem Saft gefüllt sind und eine Haube aus leicht salzigen Nussbröseln tragen. Vanille-Eis und einige Heidelbeerchen vervollständigen diesen Genuss, den es für 8,20 Euro gibt.

| LOU KULL

ESSEN9,0
TRINKEN9,0
SERVICE8,0
AMBIENTE7,5
PREIS/LEISTUNG8,5
GESAMT42 : 5 = 8,4 KAPPEN

FAZIT

Das »Schlößchen am Mäuseturm« von André Choquet, der herausragende Küchenleistungen bringt, ist zweifelsohne ein Edelstein in der Binger Gastronomie. Wir haben es – wenn überhaupt – extrem selten erlebt, dass sich klassische, bodenständige Küche derart feinstabgestimmt präsentieren lässt. Auch in Kleinigkeiten beim Service spürt man, dass man sich in einem Haus befindet, in dem der Gast allererste Priorität hat. Die Terrasse bietet großartige Ausblicke, die Gaststube wirkt ein wenig dunkel und durch das altbackene Interieur zu bieder. Das Angebot an offenen Weinen im Schlößchen ist ungewöhnlich breit und qualitativ hochwertig. Wir probierten den 2017er Riesling QbA trocken von Knewitz in Appenheim (0,2 Liter zu 3,30 Euro), den 17er Chardonnay Gutswein trocken vom selben Wein­gut (4,70 Euro), den Weißburgunder QbA trocken aus dem Gau-Algesheimer Johannisberg des Weinguts Weber (wiederum 2017, 4 Euro) sowie die 2016er »Graue Eminenz«, eine Grauer Burgunder Spätlese trocken vom Klosterweingut Jakobsberg (3,90). Die Flaschenweinkarte ist eine mittlere Sensation mit hochkarätigen Kreszenzen aus diversen deutschen Anbaugebieten, aus Österreich, Frankreich und Italien. Wer Choquets Küche am Schlößchen-Standort genießen möchte, sollte sich ein wenig sputen. Der Gastronom zieht nach fünf Jahren in diesem Haus zum Jahresbeginn 2019 an die Binger Rheinpromenade, wo er qualitativ sogar noch eine Schippe drauflegen möchte, wie er sagt.

Schlößchen am Mäuseturm
Stromberger Straße 28 A
55411 Bingen am Rhein
Tel. 0 67 21 / 366 99
info@schloesschen-am-maeuseturm.com
www.schloesschen-am-maeuseturm.com
Öffnungszeiten:
Mi bis Sa 17 bis 23 Uhr
(warme Küche bis 21 Uhr)
So 12 bis 14 Uhr und 17 bis 21.30 Uhr (warme Küche bis 20.30 Uhr)
Mo und Di Ruhetag



Neros

Nero’s Steak & Meeresfrüchte: Ordentliche Kost bei grandiosem Ausblick

»Nero’s Steak & Meeresfrüchte« brilliert mit einzigartiger Lage hoch über Oppenheim. Die Küche wirkt bemüht, wobei die probierten Speisen nicht zum Überschwang verführten.

Als wir auf der bewaldeten Höhe oberhalb der Oppenheimer Altstadt an diesem April-Abend ankommen, ist der Himmel verhangen und es nieselt leicht. Dennoch erkennen wir sehr schnell, dass wir ein wahres Schmuck­kästchen entdeckt haben. Durch die großen Panoramafenster von »Nero’s Steak und Meeresfrüchte« schauen wir auf eine grandiose Rheinlandschaft und die malerische ehemalige Freie Reichsstadt. Wir können uns vorstellen, wie sich dieser Blick bei klarem, sonnigem Wetter darstellt – zumal wenn man draußen auf der großen Terrasse sitzen kann. Der hiesige Gastronom heißt Nero Hodzic, das Restaurant in der Landkronhalle hat er anno 2014 übernommen. Die Burgruine Landskron ist lediglich einen guten Steinwurf entfernt, ein gepflegter Weinberg reicht fast bis ans Gasthaus heran.

Das Interieur im Restaurant ist geprägt von hellen Holztischen, an denen cremefarbige Hochlehnerstühle stehen. Ein riesiger Spiegel mit historisch anmutendem Rahmen ziert die Wand an einem Treppenaufgang, Holzbalken und Stahlseile verlaufen unterhalb der Decke. Grünpflanzen, die in den 60er und 70er Jahren en vogue waren, sind an den Fensterfronten platziert. Für große Gesellschaften steht auch noch ein Obergeschoss zur Verfügung.

Steaksoße und Baguette als Gruß des Hauses

Mister X beginnt mit der »fruchtigen Tomatensuppe« inklusive Sahneklecks zu 4,50 Euro, die er relativ leidenschaftslos löffelt. Auf Nachfrage teilt er mit, dass die Suppe warm sei und Tomatenstückchen enthalte. Unser Begleiter nimmt den »Starter 1«, Knoblauchbrot mit Sour Cream und Steaksoße (4,20 Euro). Das Ganze ist reichlich portioniert, das Brot saftig, nicht kross und an einigen wenigen Stellen leicht angebrannt. Die Sour Cream wird vom Esser als in der Tat säuerlich und ein wenig körnig geschildert, die Steaksoße – die übrigens als Gruß des Hauses auch bereits vorweg mit Baguette gereicht worden war – ist kalt und beeindruckt aromatisch nicht sonderlich.

Ich hingegen bin mit meinem »Starter 2« sehr zufrieden. Er setzt sich zusammen aus Baguette, Aglio olio sowie Oliven und Peperoni, die von einer feinen Säuerlichkeit und angenehmem Knoblauchgeschmack umgeben sind. Der Höhepunkt aber ist die Knoblauch-Mayonnaise in einem kleinen Schälchen, die ausgesprochen köstlich schmeckt und einen zu immer weiterem Dippen verführt. 3,80 Euro kostet diese preiswerte Vorspeise.

Mister X hat als Hauptgang Bife de Lomo, das Filetstück vom Angusrind, zubereitet auf dem Lavagrill, gewählt (200 Gramm, 18,50 Euro). Als Beilagen nimmt er Pommes frites (2,50 Euro) und einen gemischten Salat vom Buffet (3,90 Euro), den man nachholen kann, so oft man es wünscht. Das Steak ist auf den Punkt gegart, wie es X bestellt hat, medium mit einem Hauch Richtung rare. Die Pommes sind ausgezeichnet – schlank und knackig mit dem exakt richtigen Salzgehalt. Auf dem Salatteller, den sich Mister X zusammengestellt hat, befinden sich Blattsalat, Rote Bete, rote und grüne Bohnen sowie Karottenraspeln, das Dressing wurde auf Joghurtbasis hergestellt.

Farbenfroher Fischteller mit Kurkuma-Reis

Ich widme mich derweil dem gemischten Fischteller »à la Chef« (18,90 Euro), der, pittoresk und farbenfroh angerichtet, eine Augenweide ist. Das Stück Seeteufel am Grätengerüst schmeckt fein, der Lachs und die (bereits geschälten) Garnelen präsentieren sich ordentlich, der sehr reichliche gelbe Kurkuma-Reis erinnert an ein ausgesprochen saftiges oberitalienisches Risotto, das Paprika-Fenchel-Gemüse ist knackig.

Der junge Mann, der mit uns am Tisch sitzt, ist mit seiner Hauptspeise alles andere als glücklich. Das mit Hirtenkäse gefüllte Hacksteak (mit Bratkartoffeln und Salat für 14,50 Euro) ist riesig, schmeckt außer Salz nach kaum etwas, offenbart beim Kauen harte Stückchen, sieht aus wie zusammengepresst und wird von einer hellen Soße umbrodelt. Da vermisst man die locker-fluffige Frikadelle, wie sie bei Muttern auf den Tisch kam. Schade, dieses Gericht ist ein echter Wermutstropfen.

| Lou Kull

ESSEN7,0
TRINKEN6,0
SERVICE6,5
AMBIENTE8,0
PREIS/LEISTUNG6,5
GESAMT34 : 5 = 6,8 KAPPEN

FAZIT

»Nero’s Steak und Meeresfrüchte« vermittelt mehrere, durchaus widersprüchliche Eindrücke: Das Essen ist großteils gut, verführt aber nicht zum Überschwang. Als echter negativer – und deutlich zu teurer – Ausreißer schlug bei unserem Besuch das Hacksteak mit Hirtenkäse zu
Buche, das nicht wirklich appetitlich angerichtet war und fad schmeckte. Gefragt haben wir uns, warum im Namen des Restaurants neben Steak auch auf Meeresfrüchte hingewiesen wird, obwohl außer dem gemischten Fischteller und der Vorspeise »Garnelen in Knoblauch-Brot« (9,90 Euro) auf der Speisekarte fast nur Fleischiges vorkommt. Mal sehen, ob die auf der Internetseite des »Nero’s« angekündigte Aktualisierung der Karte diesbezüglich etwas ändert. Die vier Weine – drei rheinhessische und ein Pfälzer –, die wir probiert haben, schmecken derart antiquiert, dass man sich in die 80er Jahre oder in noch frühere Zeiten zurückversetzt fühlt. Und dafür sind sie mit Preisen zwischen 4,50 und 5,50 Euro (0,2 Liter) ziemlich teuer. Die Servicekraft empfanden wir als sehr freundlich und bemüht, dabei aber wenig professionell. Aus alledem ergibt sich ein mäßiges Preis-Leistungs-Verhältnis, das auch nicht von der wundervollen Lage des Restaurants herausgerissen wird.

Nero’s Steak & Meeresfrüchte
Dalbergerstr. 49
55276 Oppenheim
Tel. 0 61 33 / 57 37 26
Fax 0 61 33 / 57 96 69
neros-restaurant@gmx.de
www.neros-restaurant-oppenheim.de
Öffnungszeiten:
Fr 17 bis 21 Uhr
Sa und So 11.30 bis 20 Uhr
Weitere Zeiten telefonisch erfragen



1804restauranttest-madro

MA:DORO: Herzhaft-raffiniert, fernab von Ikebana

Das MA:DORO in der Mainzer Neustadt bietet dank seines wagemutigen Chefs kraftvolle Küche mit einer ganz eigenen, hochinteressanten Handschrift und beachtlichen Portionen.

Früher war in dem Eckhaus eine Metzgerei, die viele Mainzer noch kennen. Heute befindet sich hier in der Neustädter Leibnizstraße das MA:DORO. Was spanisch klingt, erweist sich als Restaurant ganz eigener Art, wie den folgenden Schilderungen zu entnehmen sein wird. Auf den ersten Blick überrascht der Gastraum in der Tat. Assoziationen an die Studentenkneipe der 70er Jahre werden wach. Es sind keine kostspieligen Materialien verbaut, das Ganze hat Pfiff. Die Theke ist mit silbrig schimmernden Metallplatten verkleidet, die auch in einer Schlosserei vorkommen könnten. Sattes Grün und kräftiges Rot sind die vorherrschenden Wandfarben. Von der Decke hängen zylindrische Lampen, deren Stromkabel in Heizungsrohren münden. Die Konsistenz der Tischplatten unter dem dunklen Lack erinnert an gepresste Tischlereiabfälle, die Stühle an die Nierentisch-Ära der Fünfziger. An einer Wand hängen Stofftaschen mit allerlei Gesellschaftsspielen zum Zeitvertreib. Auf einem Schild ist zu lesen: »Download the Beutel with your hands, put it on the Disch, and let the Spiel begin.« Je später der Abend, je mehr es draußen dunkelt, und je milder das Licht im MA:DORO wird, desto stärker verschwimmen die optischen Eindrücke zu einem anheimelnden Gefühl, das man gar nicht mehr missen möchte.

Handkäs ganz besonderer Art

Als Starter nehme ich den Handkäs »Auf meine Art«, also die von Koch und Restaurant-Chef Dominik Römer. Diese Vorspeise für 3,50 Euro verblüfft mich. Der Käse ist flach und rund und kein bisschen schmierig. Das liegt – wie wir auf Nachfrage erfahren – daran, dass er lufttrocken reifte und nicht zwecks Fermentierung eingelegt wurde. Dazu werden in kleinen Porzellanschälchen Zwiebeln und Marinade gereicht, die beide geschmacklich sehr mild daherkommen. Alles zusammen ergibt ein bisher nicht gekanntes, köstliches Handkäs-Erlebnis, zumal in Verbindung mit dem wunderbar kräftigen Schwarzbrot. Dominik Römer bezieht den Handkäs übrigens aus einer alteingesessenen Manufaktur in Groß-Gerau.

Als weitere Vorspeise wird an unserem Tisch der »Kleine Brotsalat« (6,20 Euro) serviert, der tatsächlich recht groß dimensioniert ist. Weißkraut, Rübchen, Frühlingszwiebeln, karamellisierte Kürbiskerne, Nüsse, grüne und schwarze Oliven sowie geröstete Brotwürfel sind die augenscheinlichsten Zutaten. Diese Komposition schmeckt ausgesprochen kräftig und dank des wohlaustarierten Pestos nicht zu sauer. Mister X widmet sich derweil seiner Gelben Gewürz-Linsensuppe mit fermentiertem Kraut und Feldsalat zu 5,90 Euro. »Dies ist gewiss keine gewöhnliche Linsensuppe. Allein die karamellisierten Erdnüsse, der Rucola und der Spinat sind Zutaten, die man in dieser Verbindung nicht kennt. À la bonne heure!«

Ungewöhnlich zartes Kassler

X fährt fort mit dem Kassler vom Landschwein »aus der Pann« (18,50 Euro), das in der Pfanne aufgetragen wird. Vereint ist das in Würfel geschnittene Fleisch mit mediterranem Gemüse und gebackenen Kartoffeln, obenauf liegt ein adrett anzuschauendes Spiegelei. Mister X: »Das Fleisch ist wirklich ungewöhnlich, extrem zart und sehr schmackhaft.« Ich sehe meinem immerwährenden Begleiter die schiere Freude über dieses Gericht an. Unsere heutige Erst-Begleiterin hat die geräucherte Wisperforelle mit Pfefferwurst, Blumenkohl und Roter Bete zu 17,80 Euro gewählt. Insgesamt kommt ihr dieses Ensemble ein wenig zu salzig vor, was X nach einer kleinen Speiseprobe nicht bestätigt.

Der neben mir sitzende Erst-Begleiter und ich haben als Hauptspeise das »Grande Finale« (14,50 Euro) ausgeguckt. Hierbei handelt es sich um Spaghetti, die vor den Augen der Gäste am Tisch im großen Parmesanlaib den letzten geschmacklichen Schliff erhalten. Feiner Speck, junger Knoblauch – zwölf Zehen für zwei Portionen – und zarte Salbeiblätter begleiten das Duett aus selbst hergestellten Nudeln und einer mächtigen Parmesanhaube. Fazit: köstlich. Ebendieser Eindruck hält sich noch lange, nachdem wir das MA:DORO verlassen haben.

| Lou Kull

ESSEN8,5
TRINKEN8,5
SERVICE7,5
AMBIENTE7,5
PREIS/LEISTUNG8,5
GESAMT40,5 : 5 = 8,1 KAPPEN

FAZIT

Das MA:DORO (wie der Name entstanden ist, erfährt man am besten im persönlichen Gespräch mit dem Restaurant-Chef) ist eine Bereicherung für die Mainzer Gastronomie-Landschaft. Dominik Römer, der in mehreren Küchen­brigaden renommierter Häuser gearbeitet hat, zeigt mit seiner Küche, dass man gegen den Strom schwimmen und doch zahlreiche Geschmäcker erreichen kann. Er kocht mutig, mit eigenem Stil und dem Willen, gut und deutlich zu würzen. Die Portionen stellen absolut zufrieden, ohne dass sie übermäßig wirken.

Reservierung ist auf jeden Fall anzuraten, da im MA:DORO nur sieben Tische stehen. Als wir dawaren, warteten sogar einige Fans auf der Straße, um einen Tisch zu bekommen. In Sachen Wein ist Dominik Römer ebenfalls sehr gut aufgestellt. Die jeweils vier bis fünf Weine von Gröhl, Braunewell und Hiestand decken ein breites Spektrum an passenden Essensbegleitern ab, zudem hat der Chef gerade mit dem Pinot noir und dem Portugieser des pfälzischen Weinguts Stern einen guten Griff gemacht.

MA:DORO
Leibnizstraße 34
55118 Mainz
Tel. 0 61 31 / 492 92 70
d.roemer@madoro.de
www.madoro.de
Öffnungszeiten:
Mo bis Sa 17.30 Uhr bis 23.30 Uhr
So (u. Mo, wenn Kochschule) Ruhetag



Genusswerkstatt Menges

Genusswerkstatt Menges: Kulinarische Puppenstube in Flomborn

Die »Genusswerkstatt Menges« hat ein überzeugendes Konzept, das den Gast mit wirklich handgemachtenSpeisen erfreuen soll. Bisweilen fehlt allerdings der begeisternde Pfiff.

Flomborn gehört zu den kleineren und wenig bekannten rheinhessischen Orten, hat dafür jedoch auf dem Genusssektor Beachtliches vorzuweisen. Einige sehr respektable Weingüter haben hier ihren Sitz, Michel-Pfann­e­becker, Bernhard-Räder und Stauffer sind wohl die bekanntesten. Auch auf gastronomischem Gebiet kann sich die 1.000-Einwohner-Gemeinde sehen lassen. Dafür sorgen Jutta und Armin Menges mit ihrer »Genusswerkstatt« in der Langgasse, die zugleich Haupt- und Durchgangsstraße ist. Nach Flomborn gelangt man von Mainz aus über A 63/A 61 und die Ausfahrt Gundersheim südlich von Alzey. Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung.

Die »Genusswerkstatt« gibt es seit 2013. Im Restaurantbetrieb sind die Aufgaben klar verteilt: Jutta Menges widmet sich dem Service, Armin ist für die Küche verantwortlich. Darüber hinaus befassen sich beide sehr engagiert mit hochwertigen, natürlichen Zutaten, die sie von Erzeugern aus der Region erhalten oder selbst herstellen. Ihr eigenes Brot und die wunderbaren Kräuter und Blüten aus ihrem Garten finden in der Küche der »Genusswerkstatt« reichlich Verwendung. Menges’ Internetshop offeriert Liköre und Sirup, Kaffee, Essige, Gewürze und Würzmischungen, kaltgepresste Öle und Öl aus Mehlsaat.

Der Gastraum hat – gerade in den kälteren Monaten – etwas von einer kuschelig-warmen Puppenstube. Alles wirkt rustikal-gemütlich, die wenigen Tische sind eher klein gehalten. Wer es besonders anheimelnd mag, nimmt an dem großen, alten Kachelofen Platz, der für eine wohlige Temperatur sorgt.

Verheißungsvolles Entrée

Vorweg serviert uns Frau Menges eine Rillette vom Bio-Huhn sowie Tomaten-Kokos-Creme mit dem bereits erwähnten selbstgebackenen Brot. Beides ist hübsch angerichtet und erfreut mit feinem Geschmack. Mister X wählt danach die Kartoffelsuppe mit gerösteter Blutwurst zu 5,80 Euro. »Die Suppe präsentiert sich schaumig-cremig und erhält ihre Würzigkeit durch die kleinen, dünnen Blutwurstscheibchen, die schön angebraten sind«, kommentiert der Meister.

Unsere Begleiterin speist »Carpaccio vom Reh mit Trüffelöl an Salatbukett« (12,50 Euro), bei dem sie einen ausgeprägten Wildgeschmack feststellt. Allerdings merkt sie an, dass das Trüffelöl kaum wahrnehmbar sei. Das Salatdressing gefällt ihr gut. Ich habe mich derweil für den Feldsalat mit Datteln, Nüssen und Feigenbalsam-Essig entschieden. Insgesamt wirkt dieses Arrangement knackig und frisch, das Dressing trägt eine individuelle Handschrift.

X widmet sich nun der Entenkeule mit Kartoffelknödel und Rotkraut, die 19,80 Euro kostet. Geschmacklich sei das Fleisch gut, merkt mein immerwährender Begleiter an. Allerdings ist es ihm zu trocken. Gleichwohl lobt er die knusprige Kruste. Die Dame an unserem Tisch lässt sich die Spinatknödel mit Kräuterseitlingen – das sind sehr feine Gourmetpilze – und Salatteller (14,80 Euro) munden. Mit drei Knödeln ist die Portion stattlich. Ihre Konsistenz wird als angenehm empfunden. In Verbindung mit der leicht nussigen Soße spricht unser Vis-à-vis von Cremigkeit und Schlotzigkeit.

Ausdrucksstarker Sauerbraten

Sauerbraten vom Damwild mit Kartoffelklößen und Kohlröschen – so heißt auf der Speisekarte mein Hauptgericht, das mit 19,80 Euro berechnet wird. Es macht seinem Namen mit ausdrucksstarker Säuerlichkeit alle Ehre. Allein das Fleisch ist recht trocken, sodass man die üppig dazu gereichte Soße auch unbedingt braucht.

Zum guten Schluss ergehen sich Mister X und unsere Begleiterin in der Dessertkarte. Himbeerparfait mit Schokoladensoße und Sahne (4,80 Euro) sowie Crème brûlée mit Blutorangensorbet (8,50 Euro) werden geordert. Beide Nachspeisen kommen bei den Genießern gut an, die meinen, die Charakteristik des Selbstgemachten unzweifelhaft zu erkennen.

| Lou Kull

ESSEN8,0
TRINKEN8,0
SERVICE8,0
AMBIENTE8,0
PREIS/LEISTUNG8,0
GESAMT40,5 : 5 = 8,0 KAPPEN

FAZIT

Die »Genusswerkstatt Menges« in Flomborn ist eine besuchenswerte Adresse. Bei Jutta und Armin Menges spürt man die Liebe zu guten Zutaten, zu Natürlichkeit und Unverfälschtem. Beide strahlen eine positive Lebenseinstellung aus, die auch im Service sehr angenehm zum Tragen kommt. Wir wünschen uns lediglich, dass Armin Menges in der Küche bisweilen etwas mutiger zu Werke geht. Alles ist untadelig zubereitet, jedoch fehlt mitunter der letzte Pfiff, der begeistert. Die ausdrucksstarke Würze ist es, die wir bei einigen Speisen vermissen. In Sachen Wein ist die »Genusswerkstatt« bestens aufgestellt. Ausgesprochen gut haben uns die 2015er Riesling Spätlese aus der Westhofener Steingrube (5,50 Euro/0,2 Liter) von Michel-Pfannebecker, der 2015er Barrique-Spätburgunder Flomborner Feuerberg aus dem Hause Bernhard-Räder (5,50 Euro) und vor allem der unglaublich feingliedrige 2016er Sauvignon blanc »Identität« (5,20 Euro) von Klaus Gallé aus Flonheim gefallen. Alle drei Weine sind trocken ausgebaut.

 

Genusswerkstatt Menges
Langgasse 55
55234 Flomborn
Tel. 0 67 35 / 269 70 04
info@genusswerkstatt-menges.de
www.restaurant.genusswerkstatt-menges.de
Öffnungszeiten:
Mi bis Sa ab 17 Uhr
Küche bis 22 Uhr
So bis Di Ruhetag



Turm

Der Turm: Gut gemachtes Ausflugslokal im Grünen

Der »Turm« in Budenheim entwickelt in mehrfacher Hinsicht Anziehungskraft. Unter den Gästen sind auch reichlich junge Leute. Das kulinarische Angebot spricht viele Geschmäcker an.

Die Lage ist in der Tat außergewöhnlich. Oberhalb von Budenheim thront das Anwesen im Lennebergwald, das schlicht und treffend »Turm« heißt. Der Gebäudekomplex wirkt mächtig und hat etwas von einer Trutzburg. Auf jeden Fall dürfte fast jeder, der zum ersten Mal des Ensembles ansichtig wird, beeindruckt sein. Entsprechendes Mobiliar im Freien deutet darauf hin, dass bei gutem Wetter hier einiges los ist. Man kann sich gut vorstellen, im Sommer hier in südländischem Flair des Abends zu chillen.

Als Mister X, eine Begleiterin und ich hier eintreffen, ist allerdings tiefer Winter. Also nehmen wir im Gastraum Platz, wo wir von einem laufenden, riesigen Fernseher über der Theke begrüßt werden. Die vorherrschenden Wandfarben würde ich als Beige, Oliv und Schlamm bezeichnen, insgesamt herrscht Holzoptik vor. Teilweise ist das Ambiente mit ganz hübschen historisch anmutenden Möbeln garniert.

Gelungenes Entrée mit Tomatensuppe

Mister X wählt zunächst die Tomatencremesuppe zu 4,60 Euro. »Diese Suppe ist gut und kräftig gewürzt, ja sie geht sogar in Richtung Schärfe. Darüber hinaus wurde sie sehr heiß serviert. Außer dem Sahnehäubchen nehme ich optisch und geschmacklich Zwiebel und Petersilie wahr. Die Portion ist reichlich bemessen. Insgesamt möchte ich von einem gelungenen Entrée sprechen«, kommentiert mein immerwährender Sozius.

Unsere Begleiterin widmet sich derweil dem karamellisierten Ziegenkäse mit Honig und Äpfeln auf einem Rucolabett (9,90 Euro). Auch diese Vorspeise ist sehr ordentlich dimensioniert, das große, runde Stück Käse will bewältigt sein. In puncto Geschmack hören wir von der Speisenden eine
positive Beurteilung. Was sie stört, sind die trockenen Rucolablätter.

Für mich wird Bruschetta aufgetragen. Dabei handelt es sich um drei Weißbrotscheiben, die ich als recht fest empfinde und die seitlich ein wenig angekokelt sind. Der Knoblauchschmelz obenauf mundet gleichwohl angenehm und ausdrucksstark würzig. Kostenpunkt: 5,90 Euro.

Weiter geht es für Mister X mit dem ordentlichen 180-Gramm-»Turmburger«, den er mit Bacon bestellt. Im Preis von 12,30 Euro sind Pommes frites, Krautsalat, Ketchup und Mayonnaise – die beiden letztgenannten Zutaten werden in kleinen Schälchen serviert – eingeschlossen. X schildert die Fleischqualität als gut und macht insgesamt ein zufriedenes Gesicht.

Gutes Zeugnis für den Veggie-Burger

Die Dame an unserem Tisch hat sich als Hauptspeise »Turm’s Veggie-Burger«, der auf der Speisekarte auch Veganern angepriesen wird, ausgesucht. In der gewählten Variante mit Käse kostet er 11,90 Euro. Das Burger-»Fleisch« ist sehr dunkel und lässt zunächst optisch keine Beurteilung seines Inhalts zu. Je weiter man ins Innere vordringt, desto klarer wird es, dass Erbsen und Möhren wesentliche Bestandteile der Speise sind. Geschmacklich stellt unsere Begleiterin ein gutes Zeugnis aus. Auch ihr werden in getrennten Schälchen Ketchup und Mayo serviert.

Ich habe mich für das »Wiener Kalbsschnitzel mit Preiselbeeren« (18,90 Euro) entschieden. Als Beilage, die im Preis inkludiert ist, wähle ich Pommes frites und bekomme zudem einen kleinen Salat. Das Fleisch ist gut, die Panade schön buttrig und wellig. Mit Pommes und Salat bin ich ebenfalls einverstanden. In der Zwischenzeit hat sich der Gastraum gut gefüllt. Eine größere Gruppe junger Leute nimmt Platz, und vom Nebentisch vernehmen wir spanische Laute. »Dieses Etablissement spricht offensichtlich ein breit gefächertes Publikum an. Ich habe den Eindruck, dass es bei unterschiedlichsten Gästen gut ankommt«, fasst Mister X in seiner unnachahmlich präzisen Art zusammen.

| Lou Kull

ESSEN6,5
TRINKEN7,5
SERVICE7,5
AMBIENTE7,0
PREIS/LEISTUNG7,0
GESAMT35,5 : 5 = 7,1 KAPPEN

FAZIT

Der Gastronom des »Turm« im Lennebergwald zwischen Gonsenheim und Budenheim verfolgt offensichtlich ein Konzept, das ein vielfältiges Publikum anspricht, und das scheint zu klappen. Die Küche liefert solide Leistungen ab, ohne kreativen Anspruch und offensichtlich mit dem Ziel, für diverse Geschmäcker etwas Passendes zu bieten. Insofern findet der Gast hier ein typisches, gut gemachtes Ausflugslokal vor. Die Location mitten im Wald hat etwas Besonderes, gerade bei gutem Wetter dürfte es hier richtig brummen. Im Getränkeangebot sind diverse hausgemachte »Turmlimonaden« unterschiedlichsten Fruchtgeschmacks, die alle 5,40 Euro je 0,5-Liter-Glas kosten. Zu erwähnen ist darüber hinaus ein breites Tee-Angebot. In der Weinkarte findet man renommierte Winzernamen wie Wasem, Keth und Thörle.

 

Turm Mainz
Im Wald 3
55257 Budenheim
Tel. 0 61 31 / 143 72 14
info@turmmainz.de
www.turmmainz.de
Öffnungszeiten:
Oktober bis April:
Mo bis Fr 17 bis 24 Uhr
Sa, So, feiertags 10 bis 24 Uhr
Mai bis September:
freitags bereits ab 11.30 Uhr



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CITADELLE: Liebevolles Kantinenessen

Die CITADELLE steht der Belegschaft der umliegenden Ämter zur Verfügung, bewirtet aber gerne auch private Gäste mit charmanter Gelassenheit in wohnlicher Atmosphäre.

Wohl jeder Mainzer weiß, wo die Zitadelle ist, war aber vielleicht noch nie oder selten dort oben, wo Kurfürst Johann Philipp von Schönborn im 17. Jahrhundert einen großen Gebäude- und Wehrkomplex als Teil der Stadtbefestigung errichten ließ. Hierher gelangt man zu Fuß oder per Fahrzeug über den Windmühlenberg, wo ein Denkmal an das 1. Nassauische Infanterieregiment Nr. 87 erinnert, das einst in der Stadt stationiert war. Mister X und ich wollen heute auf der erhabenen Höhe am Rande der Altstadt zu Mittag essen, und zwar in einem recht außergewöhnlichen Gastronomiebetrieb.

Die CITADELLE befindet sich etwas versteckt in einem his­torischen Langhaus in einer Ecke der Anlage direkt neben dem Stadthistorischen Museum. Getragen wird das Unterneh­men von der Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen gGmbH. Zum hiesigen Team gehören auch Menschen mit Handicap, die offensichtlich in die Tagesabläufe gut integriert sind.

Elegante Tapeten, passende Sesselbezüge

Beim Betreten des Gastraums spürt der Besucher sofort eine besondere Atmosphäre. Die Einrichtung ist modern, gleichwohl vermitteln Details wie elegant gemusterte Tapeten und dazu passende Bezugsstoffe auf den Sesseln sowie gelungen-dezente Farbkombinationen ein hei­meliges Gefühl, das Wohlbefinden signalisiert und zum Verweilen einlädt. Von 7.30 bis 12 Uhr werden diverse Frühstücke (5 bis 7,90 Euro) angeboten. In der Mittagszeit (12 bis 14 Uhr) gibt es von Montag bis Freitag jeweils zwei Drei-Gänge-Menüs (8,50 Euro).

Außerdem stehen »Meenzer Deggelscher« wie »Schiffscheboodsche« (Spundekäs-Trio klassisch, mit Safran und mit Wildkräuterpesto, 2,80 Euro) oder »Dabbesje« (Kartoffelplätzchen mit frischem Räucherlachs und Sahnemeerrettich, 4,60 Euro) auf dem Tableau. An Tagen mit längerer Öffnungszeit können ab 18 Uhr spanische Tapas (3,80 bis 6,30 Euro) genossen werden. Unbedingt erwähnt werden sollten auch die hausgemachten Kuchen, die in einer Vitrine appetitlich präsentiert werden und pro Portion zwischen 1,50 und 2,80 Euro kosten.

Schönes, rundes Geschmacksbild

Mister X und ich holen Essen und Getränke an der Theke ab, wo wir sehr freundlich bedient werden. Mein immerwährender Begleiter nimmt das Menü 2 mit Tagessuppe, Frischkäse-Gnocchi mit Bärlauchrahm und Salatteller sowie einem kleinen Dessert. »Die Blumenkohlsuppe zeigt sich sämig und cremig. Die Hauptspeise-Portion ist reichlich, die Sahnesoße angenehm mit Bärlauch gewürzt, insgesamt ergibt sich ein schönes rundes Geschmacksbild«, urteilt X, der danach auch von dem in einem kleinen Glas servierten Bananenquark mit Schokoraspeln angetan ist.
Ich wähle das andere Menü, dessen zentraler Bestandteil Rheinischer Sauerbraten mit Rotkohl und Semmelknödel ist. Das Fleisch, sehr reichlich dimensioniert, zerfällt in seine Fasern, wenn es mit Gabel oder Messer leicht berührt wird, innen ist es ein wenig trocken. Zusammen mit der dunklen Soße ergibt sich der typische Sauerbraten-Geschmack. Das Rotkraut ist mit Nelken und Lorbeerblatt hervorragend gewürzt. »Wenn ich um die Ecke wohnen würde, käme ich zur Mittagszeit öfter hierher. Für den Betrag, den die Menüs kosten, kann man zu Hause kaum kochen«, höre ich mein Gegenüber sagen. Schade, dass ich über die Taunushöhen anreisen muss…

| Lou Kull

ESSEN7,5
TRINKEN8,0
SERVICE7,5
AMBIENTE8,0
PREIS/LEISTUNG8,0
GESAMT39,0 : 5 = 7,8 KAPPEN

FAZIT

Die CITADELLE ist eine echte Entdeckung. Hier wird handwerklich gut und offensichtlich mit Liebe gekocht, das Ambiente ist modern und heimelig zugleich. Die Preise sind unschlagbar günstig, was sich mit der Gemeinnützigkeit des Betreibers erklären lässt, der sich nicht dem harten Wettbewerb des Privatgastromen stellen muss. Einerseits dient die
CITADELLE als eine Art Kantine für die Belegschaft der umliegenden Ämter und Einrichtungen. Andererseits ist auch jeder andere Gast willkommen – beide Klientele kommen hier im besten Sinne auf ihre Kosten. Auch bei den Getränken gibt es eine kleine, feine Auswahl mit rheinhessischen Weinen von Fleischer (Weingut der Stadt Mainz), Manz in Weinolsheim und des Weinguts der Lebenshilfe. Zudem sind zwei spanische Kreszenzen in der Karte aufgeführt. Als nichtalkoholische Getränke werden beispielsweise diverse Fritz-Limonaden und -Säfte offeriert.

 

CITADELLE
Bistro · Café · Restaurant
Am 87er Denkmal, 55131 Mainz
Tel. 01 76 / 84 81 34 47
citadelle@gpe-mainz.de
www.citadelle-mainz.de
Öffnungszeiten:
Mo bis Do 7.30 bis 17 Uhr, Fr 7.30 bis 23.30 Uhr
Sa 9 bis 23.30 Uhr, So 9 bis 18 Uhr
Kein Ruhetag



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Restaurant »Zum Goldstein«: Traditionelle Deutsche Küche mit frischen Ideen

Die Lokale und Restaurants, die noch traditionell deutsch kochen, sterben peu à peu aus, sagt Andreas Marx, Chefkoch und Mitinhaber des Restaurants »Zum Goldstein« im Herzen der Mainzer Altstadt.

Oft fehlen die Nachfolger, die ein Restaurant mit Deutscher Küche weiterführen möchten oder nicht können. Genau das beflügelte ihn, gemeinsam mit seiner Partnerin Laura Schiel, im Goldstein traditionell deutsch aber auch kess inspiriert zu kochen.

Im Goldstein wird alles haus- und selbstgemacht. Vorgefertigte Salatdressings aus dem Eimer sind bei Andreas Marx genau so verpöhnt wie Soßenmischungen aus der Tüte. Das gilt auch für Bratkartoffeln und Spätzle, wie für klassische Pürrées, original Raviolis oder Maultaschen. Alles echt, alles Handarbeit. Hier wird ein Schmorbraten noch gar geschmort und nicht technisch »schnellgeschmort«. Erst der Einsatz bewährter Garmethoden entwickelt die Aromen, die unserem Gaumen ein genussvolles Mahl garantieren.

Doch was für Fleisch gilt, zählt auch für Gemüse. Gefriergemüse geht gar nicht. Immer frisch aus der Region oder weiteren deutschen Landen, wird es aus dem saisonalen Angebot auf den Tisch gebracht. Spargel im Winter werden Sie daher so wenig auf der Speisekarte finden wie Schwarzwurzel im Sommer. Die Karte folgt den Jahrezeiten, deren Charakteristik auch auf die jeweiligen Stammgäste abfärbt.

Gerade jetzt, stehen Gänse und Wild im Menue. Zu Ostern der selbstgemachte Eierlikör und im Sommer frische Salate und Kalt/Warmkombinationen im Biergarten – beschattet von einer ausgewachsenen, gigantischen Platane. Zudem werden bei allen Gerichten Lebensmittelunverträglichkeiten berücksichtigt. So sind alle Speisen glutenfrei oder als Alternative auch vegan zubereitet.

Experimentell Originäres

Doch auch die »Junge Deutsche Küche« kommt nicht zu kurz. Aus Mut und Kreativität entstand in einem »Brainstorming« des gesamten Personals der »LIMburger«, einer deutschen Analogie zum Hamburger. Aber mit weit aus mehr Pfiff, als der Urahn aus den USA. Ebenso wie der »Wildburger« aus Hirsch- und Wildschweinhackfleich mit einem geheimnisvollen Etwas. Beliebt ist auch »Theos Handkäs‘«, dessen Zubereitung auch auf YouTube zu sehen ist. Kulinarische Überraschungen sind eben ein Charakterisitikum des Goldsteins.

Edle Tropfen aus deutschen Kellern und Keltern

Damit das Mahl auch richtig mundet, steht dem Gast das passende Getränkeangebot zur Wahl. Getreu der Leitlinie; alles Erzeugnisse junger deutscher Winzer, Bierbrauer und Brenner. Selbst beim Kaffee und den angebotenen Tees greift das Goldstein auf deutsche Hersteller zu. Leider schon ausverkauft sind die Plätze zur diesjährigen Fastnachtssaison, denn das Goldstein ist auch Fastnachtswirtschaft mit zünftigen Sitzungen.

| HJW

 

Restaurant Zum Goldstein
Kartäuserstr. 3 · 55116 Mainz
Tel. 06131 236 576 | www.zum-goldstein.de
Öffnungszeiten
Mo–Fr 17–23 Uhr | Sa u. So 12–23 Uhr