Erfrischendes und Nachdenkliches zur Terrassensaison

Restaurant oder Club, Straußwirtschaft oder Biergarten, Lounge oder Beach: Das gastronomische Freiluft-Angebot in unserer Region expandiert qualitativ wie quantitativ von Jahr zu Jahr und stellt uns immer wieder vor die gleiche Frage: »Wo gehen wir denn heute Abend hin?« In welcher Location genießen wir heute die Abendsonne und das frische Lüftchen? Den neuen Wein, die rheinhessischen Tapas, das kühle Bier? Wo treffen wir uns für zwei Stündchen (oder länger?) a deux, wohin gehen wir mit der Familie essen und auf welcher Terrasse diskutieren wir mit unseren Freunden die aktuelle politische Lage (und/oder natürlich auch umgekehrt)?

Wie schön, dass uns dafür zurzeit täglich wieder eine Stunde mehr zur Verfügung steht! Und damit habe ich mich jetzt natürlich geoutet (und gebe dabei nicht unbedingt die oft zitierte Meinung der Redaktion wieder): Ja, ich bin ein Anhänger der sogenannten Sommerzeit – und wenn man sich mehrheitlich gegen den saisonalen Wechsel ausspricht – dann von »12 Monaten Sommer«.

Das passt, wenn man abends regelmäßig arbeiten muss und sich die Morgenstunden freier gestalten lassen. Es macht einfach mehr Spaß, wenn man die gastronomische Vielfalt von Stadt und Land bei Sonnenlicht besuchen und begutachten kann. Und ja, natürlich weiß ich auch, dass der Tag nicht plötzlich 25 Stunden hat – nur mein Feierabend ist angenehm gestreckt.

Klimawandel Positiv?

Und noch ein zweites Phänomen (oder besser: Problem) macht sich bemerkbar, wenn ich ein freies Plätzchen auf der Terrasse gefunden und den Schweiß abgewischt habe: Auch der Klimawandel spielt in meinen Feierabend rein. Natürlich gibt es ihn! Wer es nicht glauben will und lieber mit konstruierten Statistiken argumentiert möge einmal Winzer und Landwirte fragen. »Die Natur« stellt neue Herausforderungen und wir müssen reagieren – so auch die Weinbauern: Neue Rebsorten schlagen an, andere entfalten sich bei einer angepassten Vinifizierung in ungeahnte Richtungen.

Es wäre jedoch blanker Zynismus, hier nur die uns zunächst positiv erscheinenden Seiten anzusprechen: Wenn es so weiter geht, werden zwar bald neue Weinbauregionen (in Nordeuropa) entstehen – gleichzeitig trocknen andere Gebiete (z.B. in Spanien) aber völlig aus. Und was bei uns primär ökonomische Auswirkungen hat ist in anderen Erdteilen lebensbedrohend. Vielleicht gibt uns die eine Stunde »mehr« auch etwas Zeit, über solche Zusammenhänge nachzudenken.

Kreativ und erfinderisch

Übrigens: Vereinzelt könnte der Eindruck entstehen, dass die Rheinhessen ausschließlich Wein oder doch zumindest Schorlen (»Gespritzte«) trinken. Es ist mehr als nur Chronistenpflicht darauf hinzuweisen, dass die Getränkekarten in unserer Region mehr und mehr einheimische (Craft-) Biere, Säfte und Limonaden aufweisen. Wir sind ein kreatives Völkchen. Daher: Klemmen Sie sich den MAINZER unter den Arm und steuern Sie eine Terrasse an, solange noch ein Platz frei ist. Und dann können sie in Ruhe bei einem Glas Ihrer Wahl unser informatives Magazin weiterlesen. Viel Spaß dabei.

| MDL

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