Gastronomie Terrassen Mainz Altstadt

Gastronomie: Mainz sitzt draußen

In Mainz ist noch viel Potential vorhanden – auch für die schon vorhandene Außen-Gastronomie. Gerade jetzt wünscht man sich durch die Terrassen noch etwas mehr südländisches Flair und Gelassenheit.

Wenn es ein besonderes Lebensgefühl der Mainzer und Rheinhessen gibt, dann ist es eng mit Essen und Trinken verbunden. Wer in unserer Region wohnt geht meist gerne aus, genießt dabei die Natur oder beobachtet das Treiben um sich herum: Terrassen, Gärten, Straßentische und Höfe sind dabei bevorzugte Ziele – solange es das Wetter zulässt.

Man fühlt sich oft – zumindest ansatzweise – an das Leben in Frankreich erinnert. Auch hier, besonders im Süden des Landes, gehören Straßencafés und -restaurants zum joie de vivre dazu. Ob ein schneller mittäglicher Besuch im Bistro oder ein mehrgängiges ausführliches Abendessen – man nimmt am liebsten an einem Tisch an der Straße oder in einer der engen Seitengasse Platz.

Hier beginnen dann allerdings die Unterschiede: Wer einmal in den frühen Abendstunden durch Vieux Bordeaux, die Altstadt von Bordeaux, spaziert ist, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus: Ab 19 Uhr werden aus leeren Gassen plötzlich große kulinarische Eventflächen bei denen es kaum noch ein Durchkommen gibt. Man sucht sich am Besten einen freien Tisch, solange noch möglich, und macht mit. Drei Stunden später erinnert nichts mehr an den Spaß: Die Gassen sind wieder leer.

Parkplatz oder Gastronomie

Wieder zurück in Deutschland, zum Beispiel in der Mainzer Altstadt, fragt man sich schnell, während man einen freien Tisch sucht: Hier ist noch so viel Platz – warum werden (beispielsweise in der Augustiner- oder Grebenstraße) nicht mehr Tische aufgestellt?
Es ist klar, dass dann der eine oder andere Parkplatz wegfallen würde, aber wäre es das nicht wert? Natürlich werden auch andere Gründe genannt – so zum Beispiel die Anfahrtsmöglichkeit für Rettungsdienste. Aber ist das wirklich in allen Fällen so? Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass man in Frankreich damit Probleme hat.

Auch klar: es wird immer den einen oder anderen Nachbar geben, der sich durch Stühlerücken, Gläserklingen und fröhliche Gespräche um 21 Uhr gestört fühlt. Allerdings sollten dies Geräusche sein, die zu einer Altstadt dazugehören und nicht einfach vor Gericht weggeklagt werden können. Es gibt genug Stadtteile, in denen man die Ruhe genießen kann. Wer im Zentrum der Stadt leben möchte dürfte sich eigentlich nicht beschweren, wenn das Leben auch pulsiert. Wohlgemerkt: Wir sprechen hier nicht von grölenden Junggesellenabschieden und anderen Leuten, die in der »Happy Hour« bereits zu heftig zugeschlagen haben.

Eine Chance für die Wirte

COVID-19 verändert gerade unser Leben. Der Virus zeigt uns, was plötzlich nicht mehr geht und was »unter außergewöhnlichen Umständen« möglich sein kann. Der Lockdown hat viele Restaurants, Weinstuben und Kneipen in Existenznöte gebracht. Ein Mosaiksteinchen in den daraufhin angelaufenen Hilfsprogrammen war die Freigabe weiterer Plätze für die Außen-Gastronomie. Man hat von Seiten der Rettungsdienste keine Proteste gehört – also wäre das doch ein Konzept für die Zukunft. Ein­heimische und Touristen wollen in diesen Wochen und Monaten mehr als je zuvor wieder »draußen sitzen« und ihren Feierabend oder Urlaub genießen und die neue Praxis zeigt: Es geht. Warum sollte man das neue Konzept dann zeitlich begrenzen? Die Corona-bedingten Umsatzein­bußen sind sicherlich nicht bis zum Auslauftermin dieser Sonderregelung ausgeglichen. Wird man auf eine Verlängerung hoffen dürfen?

Unterstützen – solange es noch möglich ist

Es gibt in Mainz und Rheinhessen die unterschiedlichsten Arten von Gastronomie, von der kleinen Straußwirtschaft bis hin zum Gourmetrestaurant. Sie alle prägen das Gesicht unserer Region und sind unterschiedlich stark von dieser Entwicklung betroffen. Ein Blick in die Presse zeigt, dass es bereits zu ersten Schließungen und Verkäufen gekommen ist. Allgemein wird vermutet, dass die große Welle erst im oder nach dem Herbst einsetzen wird. Lautstarke Partys auf öffentlichen Plätzen, zum Teil mit Randale-Potential, sind dabei keine akzeptable Alternative.
Wen man heute – bewusst oder leichtsinnig – an vorgeschriebenen Orten keine Maske trägt und damit ein Ansteigen der Pandemie-Werte zumindest billigend in Kauf nimmt, handelt man nicht nur fahrlässig, sondern trägt auch seinen Teil dazu bei, dass Strukturen einer jahrzehntelang gewachsenen Freizeit- und Wohlfühlkultur zerstört werden.

Wer heute auf den Besuch von Gaststätten und Weinstuben verzichtet, weil ihm »das mit den Masken und Desinfizieren« zu umständlich ist, darf sich nicht wundern, wenn am Ende der Pandemie die Zahl der Leerstände angewachsen ist und seine vorher so geliebten Ausgehziele dauerhaft geschlossen bleiben.

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Die Terrassensaison ist eröffnet!




Mogunzius Rheinufer Krise Outdoor-Fitness Verschwörung

Mogunzius & sein Mainz: Nachtwächter gesucht

Seit Beginn der Corona-Pandemie stellen sich Psychologen, Philosophen und Soziologen die Frage, wie sich die Gesellschaft nach der Pandemie verändern wird, was wir gelernt haben, wie wir unser Verhalten ändern, ob sich Rücksichtnahme und Respekt als Werte wieder stärker durchsetzen usw. Eine Antwort kann man, meiner Meinung nach, heute schon geben: die Menschen haben die öffentlichen Plätze neu entdeckt und nutzen sie in einer Intensität, die diese Stadt bisher noch nicht gekannt hat. Das gilt für Wege und Flächen am Rhein, vom Winterhafen bis zum Zollhafen und alle Plätze, die eine Aufenthaltsqualität haben, wie Feldbergplatz, Gartenfeldplatz, Goethepark u.a.

Kaum ist der Himmel blau und die Nacht lau, gibt es kein Halten mehr. Tausende sind unterwegs und besetzen die Orte. Das beginnt zumeist friedlich zwischen 19 und 20 Uhr, da werden Bierkästen geschleppt, Unmengen von Pizzakartons, Weinflaschen, Gläser, Decken und Kissen. Da zu dieser Zeit noch viele Kinder mit den Eltern nach Entspannung suchen, bietet sich ein friedliches Bild. Das ändert sich ab 22 Uhr nach und nach. Die Stimmung wird lauter und es beginnt die Zeit der Glasscherben. Ab 24 Uhr kommt das Publikum, das bereits in den Kneipen vorgeglüht hat und die Geräuschkulisse steigt erneut an. Zwischen 0 und 2 Uhr wird das Rheinufer mit gemieteten Luxusautos, leicht zu erkennen an den Kennzeichen M und Wi, angefahren. Motor darf nicht ausgehen, Selfies und Gejohle und ab zum nächsten Hotspot. Die Clubgänger sind im Moment besonders arm dran, daher trifft sich die Szene Outdoor ab 2 Uhr und hält natürlich durch bis 5 oder 6 Uhr, Ehrensache. Das alles nicht nur freitags, samstags und sonntags sondern auch »unter der Woche«. Ist ja kein Problem, es findet am nächsten Tag keine Vorlesung statt und im Home Office kann man auch mal länger schlafen.

Völlig in Vergessenheit gerät dabei, dass in der Stadt auch Menschen wohnen, die irgendwann schlafen wollen. Nun will ich kein Spießbürger sein und darauf hinweisen, dass die gesetzliche Nachtruhe um 22 Uhr beginnt. Ich denke jedoch, ab 24 Uhr sollte jeder in unserer Stadt das Recht haben, bei offenem Fenster zu schlafen und keine Testosteronschreie ertragen müssen.

Nun soll demnächst ein Nachtbürgermeister versuchen das Miteinander von Nachtschwärmern, Anwohnern, Clubtreibenden, Kneipiers und Verwaltung zu verbessern. Schöne Idee. Dann sollte man vielleicht auch gleich über Nachtwächter nachdenken. Immerhin haben die über 700 Jahre in unseren Städten, auch in Mainz, für Ruhe und Ordnung gesorgt. Nachtwächter sind durch die Gassen und Straßen gelaufen und haben Menschen angesprochen. Diese Vorgehensweise ist bestimmt wirkungsvoller als die des Ordnungsamtes, die, bei Hinweisen auf Ruhestörung, mit dem Auto angefahren kommen, seltsamerweise beim Verlassen Ihres fahrbaren Untersatzes keinen Lärm vernehmen können und nach mahnenden Worten wieder davonbrausen.

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Mogunzius & sein Mainz: Outdoor-Fitness in Mainz




MVG Fahrpläne Bus Bahn

MVG Fahrpläne: Stufenweise Rückkehr zum normalen Fahrplan

Weitere MVG Fahrpläne aufgrund der dynamischen Lage der Corona-Pandemie geändert / Busse statt Bahnen von und nach Finthen ab Sonntag

Fahrplanänderungen der Mainzer Mobilität zum 20. Juni und 4. Juli

Die Mainzer Mobilität informiert, dass der Fahrplan in den kommenden Wochen mit Lockerung der Maßnahmen rund um die Corona-Pandemie stufenweise weiter normalisiert wird.

Änderungen ab Samstag, 20. Juni 2020

Aufgrund der gestiegenen Nachfrage kommt es bereits ab Samstag, 20. Juni, zu Anpassungen in den Fahrplänen der Linien 58, 61, 62, 63, 67, 69 und 78 sowie bei den Nachtlinien 90 und 91.

Linie 58: Die Linie fährt montags bis freitags von ca. 6 bis 9 und ca. 13 bis 19 Uhr wieder von/bis Finthen. Ab der Haltestelle Isaac-Fulda-Allee finden nachmittags wieder alle regulären Abfahrten statt. Samstags wird der Betrieb erst am 4. Juli wieder aufgenommen.

Linie 61: Die Abfahrten 7:13, 7:43 und 8:13 Uhr ab Am Polygon werden durch zeitgleiche Abfahrten der Linie 63 ersetzt.

Linie 62: Die in der Zwischenzeit eingesetzten Zusatzfahrten zwischen Hauptbahnhof und Universitätsmedizin werden teilweise von der Linie 69 übernommen.

Linie 63: Die Linie 63 ist ab Montag, 22. Juni, montags bis freitags wieder nach dem normalen Fahrplan unterwegs. Samstags wird der Betrieb ab dem 4. Juli wieder aufgenommen.

Linie 67: Im Vorgriff auf die vollständige Betriebsaufnahme am 6. Juli und in Ergänzung zur Linie 69 können nachmittags zwei zusätzliche Fahrten von Hechtsheim zum Hauptbahnhof eingerichtet werden.

Linie 69: Die Linie wird montags bis freitags in den Zeiten von ca. 6 bis 9 und ca. 13 bis 19 Uhr über die Birkenstraße hinaus von/bis Hauptbahnhof verlängert. Der in dieser Zeit größtenteils erforderliche Umstieg an der Birkenstraße in die Straßenbahnen entfällt hierdurch.

Linie 78: Die Linie ist ab Samstag, 20. Juni 2020, samstags wieder nach dem regulären Fahrplan im Einsatz.

Nachtverkehr: Zu Zeiten mit hoher Nachfrage kommen ab 20. Juni abends Verstärkerbusse als Linie 90E zwischen Schillerplatz und Albert-Stohr-Straße sowie als Linie 91E zwischen Hauptbahnhof und Kisselberg zum Einsatz, die wenige Minuten vor den planmäßigen Abfahrten der Nachtlinien eingesetzt werden.

MVG Fahrpläne: Ab Samstag, 4. Juli 2020 – normaler Fahrplan auf nahezu allen Linien

Ab Samstag, 4. Juli, fahren die meisten Linien täglich wieder nach den normalen Zeiten, wie sie auf den Aushangfahrplänen angegeben sind.

Dadurch sind beispielsweise die Linien 55 (bisher nur innerhalb von Rheinhessen), 67 und 74 wieder vollständig im Einsatz.

Der Nachtverkehr beginnt wieder erst um 23 Uhr (in den Wochenendnächten erst um 1 Uhr). Sonntags starten die tagsüber fahrenden Linien wieder um 8 Uhr (bisher 13 Uhr). Weiterhin wird bereits am Freitag, 3. Juli, ab 21 Uhr wieder nach dem regulären Fahrplan gefahren, womit bereits in der Nacht vom 3. auf den 4. Juli der Abend- und durchgängige Nachtverkehr in vollem Umfang angeboten werden kann. Einschränkungen gibt es in den Nächten von 3. auf 4. und 4. auf 5. Juli dagegen noch auf den Linien 6 und N7.

Aufgrund der gleichzeitig startenden Sommerferien bittet die Mainzer Mobilität jedoch darum, die Ferienfahrpläne bzw. die Spalte „Mo.-Fr. (Ferien) zu beachten. Zudem kommt es aufgrund von Bauarbeiten in den Sommerferien zu mehreren Umleitungen und Ersatzverkehren.

MVG Fahrpläne: Linie 54 mit geändertem Linienweg in Kostheim

Ab Samstag, 4. Juli, erhält die Linie 54 in Kostheim dauerhaft einen geänderten Linienweg in Fahrtrichtung Innenstadt. Die Linie fährt künftig ab der Haltestelle Kostheim/Mainbrücke über die Haltestellen Winterstraße und Viktoriastraße (Haltebereich B in der Viktoriastraße) zur Haltestelle Hallgarter Straße. Die Haltestelle Luisenstraße entfällt hierdurch in dieser Fahrtrichtung.

Die aktualisierten Fahrpläne mit Gültigkeit ab 20. Juni werden bis zum Ende der Woche unter www.mainzer-mobilitaet.de/corona veröffentlicht. Auch die Fahrplanauskünfte sind entsprechend bis zum Ende dieser Woche aktualisiert.

Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter www.mainzer-mobilitaet.de sowie in der RMV-Mobilitäts-Beratung im Verkehrs Center Mainz unter 06131 – 12 77 77.




Mogunzius Rheinufer Krise Outdoor-Fitness Verschwörung

Mogunzius & sein Mainz: Outdoor-Fitness in Mainz

Zwischen Copacabana und Ipanema gibt es einen angesagten Outdoor Gym, Venice Beach in Los Angeles kennt jeder angesagte Poser. Der absolute Geheimtipp jedoch ist Mainz.

Vom Fort Malakoff bis zum Ende der Südmole im Zollhafen ist auf 3 km der größte Multi-Fitness-Outdoor-Bereich der Welt entstanden. Während insbesondere bei gutem Wetter die Rhein-Front schon immer an Wochenenden gut frequentiert war, hat die Corona-Krise quasi über Nacht einen Mega-Treffpunkt aller körper- und fitnessbetonten Menschen geschaffen.

Dieser neue Freizeit-Park belebt sich zwischen 5 und 7 Uhr in der Früh. Erst kommen die Läufer, viele offensichtlich schlecht gelaunt. Ein halbes Jahr auf den Mainz Marathon vorbereitet, die Kinder hatten schon Schilder gemalt (go Papi go), die Frau schon alle Freundinnen über die kommende Heldentat des Gatten informiert und die Eltern wollten auch anreisen – und jetzt, alles für die Katz.

Zwischen 7 und 8 Uhr tauchen auch die ersten Outdoor-Gym Gruppen auf. Tolles Outfit, Mädels Bauch-frei, Buben mit Testosteron-Shirts. Zur gleichen Zeit tauchen Rentnergruppen auf, die ihr E-Bike an diesen Gruppen im Zeitlupentempo vorbeischieben. Es liegt wohl weniger an schadhaften Akkus als wohl mehr am schönen Ausblick, den man ja nicht alle Tage mehr hat.

Zwischen 8 und 10 Uhr tauchen die »Mütter in Motion« auf. Kinderwagen an Kinderwagen walzen sie am Rheinufer entlang, mich erinnert dieser Anblick immer an große Pistenraupen. Dann kommen die Männer mit Home-Office und Nachwuchs. An der Schiebevorrichtung des Gefährts einen iPhone-Halter, Knopf im Ohr. Kind starrt auf Vater, Vater starrt auf iPhone. Wenn man in einigen Jahren kleinen Menschen begegnet, die einem nicht ins Gesicht schauen können…

Skater, Roller und Fahrräder übernehmen dann für einige Stunden das Revier, die Walker und Spaziergänger stauben sich derweil die Schuhe ein um den Spitzensportlern den geteerten Bereich des Ufers zu überlassen.

Nachmittags eröffnet eine Boxschule auf dem Hochbeet gegenüber dem kurfürstlichen Schloss, da freuen sich diesmal Rentnerinnen über die schönen Körper. Yoga, Tai Chi + Co. KG alles im Angebot. Zu guter Letzt tauchen dann noch Jugendgruppen auf, die zwischen 0 Uhr und 2 Uhr beweisen, dass man saufen, ungezügelt schreien und gleichzeitig Übungen auf dem minimalistischem Kinderspielplatz Südmole absolvieren kann.

Wer hat eigentlich behauptet, wir seien keine Sportstadt?

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Mogunzius & sein Mainz: In der Krise gut gemanagt

 




Mainz lokal , Holger Schué

Lokal statt global

Vieles anders, manches ungewohnt, aber das Leben geht weiter und die Ideen, die lokal im Mainzer Wirtschaftsleben umgesetzt werden, zeigen: Wir bieten dem Virus die Stirn.

Es hat vielleicht zehn Tage gedauert, bis die ersten Aktionen der Mainzer Einzelhändler/-innen und Gastronomen/-innen eingetrudelt sind. Alle mussten sich erst berappeln und klären, wie der Betrieb organisiert werden kann, ob und welche staatliche Unterstützung in Frage kommt und die Antragsformulare verstehen. Aber dann ging es los und es hat bis heute nicht mehr aufgehört. Meldungen von Gewerbetreibenden, Dienstleistenden, Händler/-innen, Gastronomen/-innen und Kunstschaffenden machen deutlich: Wir lassen uns von den Großen im Online-Handel nicht alles wegschnappen. Wenn der persönliche Kontakt mit der Kundschaft nicht möglich ist, dann müssen wir das eben digital organisieren. Zumindest teilweise. Denn die Auslieferung fand bei einigen weiterhin von Mensch zu Mensch statt. Der Cardabela-Buchladen in der Neustadt war einer der ersten, der bestellte Bücher bis vor die Haustür brachte und weiterhin bringt (www.cardabela.de).

Ebenso Silke Müller und ihr Team von Erlesenes + Büchergilde – die sich außerdem herzlich bedanken für die ungeheure Unterstützung während der Ladenschließung. »Nach 30 erfolgreichen Tagen ‚Versandbuchhandlung’ ist das Team wieder vor Ort für Sie da und freut sich auf Ihren Besuch.« Der kostenfreie Lieferservice nach Hause oder an eine Wunschadresse könnte den­noch weiterhin genutzt werden (www.buechergilde-mainz.de).

Mainzer Online-Handel

Es dauerte nicht lange, da waren auch Schuhe und Hosen, Schreibwaren und Sportartikel, Schmuck und Spielzeug im Mainzer Online-Handel verfügbar – schön sortiert über die Branchenliste auf www.mainz.de sind sie es noch immer.

Alles konnte bei den Geschäften bestellt werden, vor deren verschlossenen Türen wir im analogen Leben standen. So wie die Kopfbedeckungen, die einerseits attraktive Hingucker sind und gleichzeitig für die länger werdenden Tage einen optimalen Sonnenschutz bieten. Solche »Modestatements für den Kopf« bietet das Huthaus am Dom nun wieder von Mensch zu Mensch nebst den passenden und ausgefallenen Asseccoires.

Seit der Lockerung am 20. April 2020 ist einkaufen zum Glück ja wieder in den Geschäften möglich – zusätzlich zur Online-Bestellung. Wie sehr sich manche darüber freuten signalisierte z.B. das »Wir sind wieder da!« von Moritz in der Klarastraße. Silvia Moritz schreibt: »Ganz schön aufregend unser 94stes Geschäftsjahr, so zwischendrin alleine mit all den Töpfen, Pfannen Messern und und und – aber ohne Sie. Wie schön, dass wir jetzt auch im Laden wieder für Sie da sein dürfen. Vielen Dank nochmals für Ihre Unterstützung während der letzten vier, fünf Wochen. Und damit wir im nächsten Jahr mit Ihnen zusammen unseren 95sten feiern können, bleiben Sie uns doch bitte weiterhin treu. Wir freuen uns auf Sie – Ihr Moritz-Team in der Mainzer Klarastraße 5. www.moritz-mainz.de«.

Lassen Sie es sich lokal schmecken

Essen, also fertige Gerichte nach Hause bestellen oder abholen, ist eigentlich nichts Besonderes, das gab es in »Vor-Corona-Zeiten« schon. Über Eintönigkeit lässt sich hier schon lange nicht mehr klagen, mittlerweile sind sogar Menüs mit Nachtisch zu haben. Dirk Maus hat einen »liebevoll« restaurierten Citroen HY zum »Foodtruck« umgebaut und bietet auf seinem Heidesheimer Sandhof wechselnde Gericht »to go« an www.dirk-maus.de.

Im »Hahnenhof« (Wallau­str. 18, Mainz/Neustadt) ist abholen und Lieferung (über Lieferando) möglich. Im Mai und Juni stehen neben den Hahnenhof-Klassikern wie Grillhendl, Wiener Schnitzel vom Kalb, ofenfrischer Spießbraten, hausgemachte Salate und Suppen auch verschiedene Spargelgerichte auf der Speisekarte (www.hahnenhof-mainz.de). Abendspaziergänge bei dem schönen Frühlingswetter lassen sich gut kombinieren mit dem Besuch eines der Lieblingsrestaurants – allerdings nur um das zuvor bestellte Essen abzuholen – im »Madoro« in der Neustadt (hier gibt es auch Mittagstisch www.madoro.de), im »Olympia« in Gonsenheim (Lieferservice wird auch angeboten (www.olympia-mainz.de), im »Mediterraneo« in HaMü (www.mediterraneo-mainz.de) und im »Red Chilli« (www.redchilli-thai.de). Hier erfolgt die Hauslieferung über »Mainz Liefert«, ein gemeinsamer Lieferservice verschiedener Gastronomen in Mainz (www.mainz-liefert.de).

Was an dieser Esskultur nicht befriedigt ist die Abwesenheit von Menschen, die zum »normalen« Leben dazugehören. Freundinnen und Freunde, die nach wie vor besser draußen bleiben sollten. Apropos draußen: Auch auf Mainzer Plätzen und in den Grünanlagen wird gerne gespeist. Glück hat, wer eine freie Bank dafür findet.

Genießen Sie leckere Rebsäfte

Nun lebt der Mensch vom Essen nicht allein. Trinken ist auch nicht schlecht. Wein zum Beispiel. Auch hier mussten und müssen wir nicht darben. Manche Winzer und Weinhandlungen liefern bereits ab sechs Flaschen kostenlos nach Hause, z.B. das Weinkontor Kessler in der Altstadt (www.weinkontor-kessler.de) und die Vinothek Laurenz in der Neustadt (www.laurenz-mainz.de). Biertrinkende müssen sich derweil mit Flaschen arran­gieren. Z.B. mit einer auf der das Logo der eigenen Lieblings-Location aufgedruckt ist. Das ist jeden­falls die Idee der Eulchen-Brauerei, die das »Main­zer Rettungsbier« braut, ein neues Eulchen Kellerbier, welches exklusiv für diese Aktion eingebraut wurde und ab Anfang Mai lieferbar sein soll (www.eulchen-bier.de).

Weintrinkende können sich mittlerweile an virtuellen Weinproben laben. Z.B. veranstaltet die GWC (Great Wine Capital) am 9. Mai 2020 einen virtuellen Ausflug in drei Weingüter. Mit dabei sind das Weingut Meyerhof in Flonheim, das Weingut Schuck Sonnenhof in Schwabenheim und das Weingut Bretz in Bechtolsheim. Eine Stunde soll die virtuelle Verkostung samt ebensolchen Rundgängen durch die Weingüter dauern. Die Probe erfolgt über das System »Zoom«, die vier zu verkostenden Weine bekommen die Teilnehmenden vorab zum Preis von 29 Euro (inkl. Lieferung/Versand) zugestellt. Infos und Anmeldung bis zum 3. Mai 2020 unter www.campus-mainz.net.

Lassen Sie sich lokal kulturell anregen

Der Kultursommer Rheinland-Pfalz findet in diesem Jahr im realen Leben leider gar nicht statt. Aber die Verantwortlichen haben eine Publikation erstellt, die, so schreiben sie, »ein wunderschön gestaltetes Lesebuch zu unseren Nachbarländern im Norden« geworden sei und eine Auswahl von Projekten zum Motto »Nordlichter« vorstelle. Man kann es auch Online lesen – als PDF oder zum Blättern. (www.kultursommer.de/home/kultursommer)

»Ein Bild mit Durchblick« ist eines der Angebote des Landesmuseums Mainz in diesen Zeiten sich auch innerhalb der eigenen vier Wände mit Interessantem und Wissenswertem zu beschäftigen. Es geht um eine Art Aneignung der Technik von Sigmar Polke. Sein Spiel mit der Durchsichtigkeit könne auch im kleinen Format zu Hause weiter geführt werden. Eine klare Anleitung, wie das funktionieren kann, folgt hier: www.mein-weg-ins-museum.de.

| SoS

 

Essen to go & Lieferdienste in der Corona-Krise




Corona Leave no one behind

Corona: Hurra, es gibt uns noch!

Corona: Erst war da die Schockstarre. Dann kam der Trotz. Irgendwie muss es weiter­gehen, so viel war klar. Dass es ganz anders weitergehen wird, ist auch klar.

Wie kommen wir als MAINZER durch die Corona-Krise? Im Moment funktioniert es einigermaßen, auch dank unserer treuen Kundschaft. Wie lange? Fragen Sie mal kleine und mittlere Unternehmen oder die Solo-Selbständigen. Achselzucken und der Blick gen Himmel sind beliebte Antworten.

Dort oben, im Himmel, herrscht Ruhe. Ab und an ist tatsächlich ein Flugzeug zu sehen. Die Initiative »Zukunft Rhein-Main« sieht die Corona-Pause als Chance, Strukturen zu verändern. Wer diese »Chance« durchsetzen soll, bleibt leider offen. Wenn unser Leben zurückkehrt zu dem, was wir bis zum Shutdown als normal angesehen haben, wird es nur darum gehen, allenthalben möglichst viel und schnell Geld zu verdienen. Obwohl der Kardiologe Prof. Thomas Münzel erneut in einer Studie nachgewiesen hat, dass Lärm, insbesondere nächtlicher Fluglärm krank macht.

Ruhe herrscht auch auf den Straßen. Allerdings nicht unbedingt an den Aufstellflächen für die Radler/-innen vor den Ampeln. Da kann es eng werden. Manchmal wird es deshalb auch laut. Abstand halten ist hier schwierig. Zumal manche der Frauen und Männer meinen, weil sie Rad fahren, müssen sie unbedingt die ersten sein und hinten anstellen komme für sie auf keinen Fall in Frage. Egozentriker/-innen fahren auch Rad.

Die hatte der ADFC sicher nicht auf dem Schirm, als er die Forderung formulierte, es müsse dafür gesorgt werden, dass auch die Radfahrenden Abstand halten können ohne dabei ins Hintertreffen zu geraten (www.adfc-rlp.de). Da weniger Autos unterwegs sind, ließe sich jetzt sogar ein alter Traum von Verkehrsdezernentin Katrin Eder gut umsetzen: Eine Fahrspur auf der Kaiserstraße in eine Radspur umwandeln.

Abstand halten ist das Gebot der Stunde und ein Akt, den es so lange zu üben gilt, bis er in Fleisch und Blut übergegangen ist. Dabei muss manchmal hart mit der anerzogenen Hilfsbereitschaft gerungen werden: Anderen die Tür aufhalten? Der Passantin, der die Einkaufstasche aus den Händen gerutscht ist, beim Einsammeln der Waren helfen? Schwierige Abwägungsfragen.

Überhaupt Hilfsbereitschaft. Wir erleben viele Aktionen, die Mut machen, die zeigen, Solidarität ist ein Begriff, der nicht nur bei den Demonstrationen am 1. Mai Konjunktur hat. Einkaufen für die Nachbarinnen, Spenden für Kulturschaffende, Mund-Nasen-Schutz nähen und verschenken….

Damit auch diejenigen nicht ganz aus dem Blick geraten, die andernorts unter miserablen Bedingungen mit dem Corona-Virus zurechtkommen sollen, braucht es Denkzettel auf Mainzer Parkbänken, wie auf dem Foto zu sehen: »Leave no one behind«. Mitmachen ist einfach: www.leavenoonebehind2020.org.

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Der Corona-Virus hat uns fest im Griff




Mogunzius Rheinufer Krise Outdoor-Fitness Verschwörung

Mogunzius & sein Mainz: In der Krise gut gemanagt

In den letzten Jahren hat die Politik- und Parteienverdrossenheit stark zugenommen. Die Anzahl der Menschen, die sich in Parteien engagieren ist rückläufig. 1990 waren noch rund 2,3 Millionen Mitglied bei SPD, CDU, Grünen, FDP und Co. KG, 2016 nur noch 1,2 Millionen. In einer Befragung wurden Menschen in vielen Staaten gebeten, auf einer Skala von 1 bis 10 zu bewerten, wie wesentlich es für sie sei, in einer Demokratie zu leben. In den USA wählten 72 % die 10, in Europa 55 %. Bei den ab 1980 Geborenen votierten nur noch 45 % für den höchsten Wert.
Wer die Kommentare bei Facebook zu Politikentscheidungen liest, muss den Eindruck gewinnen, dass die Ablehnung noch viel höher ist. Durch die Corona-Krise ändert sich diese Stimmung.

Die Bürger erkennen, wie wichtig eine funktionierende Verwaltung auf Ebene der Stadt, des Landes und des Bundes ist. Alle diejenigen, die in der Vergangenheit bei Umfragen behauptet haben, Politiker seien unfähig, verstummen langsam. Zu Recht werden die Helden der Krise, die Ärzte und Pflegekräfte, gelobt und gefeiert. Ich möchte aber auch einmal den Blick auf diejenigen werfen, die die Krise in unserer Stadt und in unserem Bundesland managen müssen.

Ruhig in der Krise

Herr Oberbürgermeister Michael Ebling strahlt die Ruhe und Besonnenheit aus, die gerade in dieser Situation dringend notwendig ist. An seiner Seite die Mitglieder des Stadtvorstands, die auf eigene Profilierung verzichten und ansprechbar sind. Im Hintergrund die städtischen Ämter, die zum Teil erheblich dazu beitragen, dass wir wissen, welche Regeln gelten und auch auf die Einhaltung achten. Da ist in vorderster Linie das Rechts- und Ordnungsamt zu nennen.

Auf Landesebene führt unsere Ministerpräsidentin, Malu Dreyer, die Geschäfte. Während einige Ministerpräsidenten ihre Öffentlichkeitsarbeit besonders wichtig nehmen, verzichtet »unsere Malu« darauf und findet damit viel Anerkennung. Die Finanzministerin, Doris Ahnen, hat für die vielen notleidenden Gastronomiebetriebe den richtigen Vorschlag entwickelt und auf Bundesebene durchgesetzt, eine Absenkung der Umsatzsteuer von 19 auf 7 % für mindestens ein Jahr.

Ich fühle mich gut vertreten. Natürlich wird man eines Tages, wieder viele finden, die im Nachhinein alles besser gemacht hätten. Die Staatsverdrossenheit wird wieder zunehmen. Gerade bei denjenigen, denen unser Staat kräftig unter die Arme gegriffen hat. Vielleicht bleibt aber noch für viele Jahre ein »Corona-Echo«, das uns immer daran erinnert, dass in der Krise unser Demokratiemodell funktioniert hat und wir auch ein wenig stolz darauf sein können.

| Mogunzius

 

Mogunzius & sein Mainz: Zwischen den Zeilen

 

 




Home Tasting

Home Tasting

Home Tasting: Computer und Internet ermöglichen uns in diesen außergewöhnlichen Zeiten nicht nur Home Office und Homeschooling. Mit ihrer Unterstützung – und ein wenig Kreativität – sind auch beliebte Freizeitvergnügen kontaktlos umsetzbar. Wie wäre es zum Beispiel mit einer »Weinprobe Online«?

Clevere Winzerinnen und Winzer der Region bieten hierzu bereits das Komplettpaket an – incl. Lieferung an die Haustür und einem festen Termin im Internet oder einem beliebig abrufbaren You-Tube Clip. Wem dieser nur in eine Richtung stattfindende Kontakt (Für die Spezialisten: OWC – »One-way Communication«) zu wenig ist und sich mit Freunden direkt über die Weine in seinem Glas austauschen möchte, sei ein individuelles und virtuelles Meeting empfohlen: ein Home Tasting.

Planungsphase

Vorab: Ein privates Home Tasting macht großen Spaß, man sollte aber trotz gern gelebter Spontanität vorab jemanden im Freundeskreis aussuchen, der das Tasting etwas koordiniert. Er oder sie legt zunächst einen Abendtermin fest und fragt dann im Freundeskreis herum, wer Lust und Zeit hat. (Die umgekehrte Reihenfolge kann zu nervenden Terminsuchen ausarten.) Ideal sind etwa 6 teilnehmende Paare. Bei einer größeren Zahl steigt die Anforderung an die »Chat-Disziplin« – spätestens nach der vierten Runde. Der Koordinator sollte die Art der Probe (horizontal/vertikal/weiß/ rot…) und die Internet-Konferenzplattform festlegen. Hier gibt es verschiedene Anbieter die man meist schon vom Home Office her kennt. Aber Achtung: Bei den Gratisanbietern gibt es meist nur ein zeitlich begrenztes Szenario – hier muss man sich gegebenenfalls zwischendurch neu einwählen. Die entsprechenden Links und Passwörter sollten rechtzeitig verteilt werden.

Nun zum Wein: Man besorgt sich am besten einheitliche kleine Flaschen (0,25 Liter, Schraubverschluss) und füllt in sie den Wein um. (Vorher besser noch einmal heiß spülen und abkühlen lassen). Besonders Kreative bekleben die Flaschen dann noch mit einem selbst entworfenen Etikett, das über den Inhalt der Flasche zunächst einmal nichts aussagen sollte. Spätestens am Vorabend sollte man dann die Flaschen verteilen. Es versteht sich von selbst, dass gerade in dieser Phase alle vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen und -abstände unbedingt eingehalten werden müssen!

Der Abend

Am festgelegten Termin sollte jeder aus der Runde die gleiche Menge Flaschen – mit den gleichen Inhalten – griffbereit am Laptop oder PC bzw. im nahen Kühlschrank stehen haben. (Bitte das Wasser und gegebenenfalls die Käsewürfel nicht vergessen!) Der Koordinator der Runde hat (als einziger) schon vorab ein paar Informationen über die Weine, um eine sinnvolle Probier-Reihenfolge festlegen zu können.

Rechtzeitiges Einloggen ist sinnvoll, um sich selbst noch in Ruhe ins »optimale Bild« setzen zu können: Sitzt die Frisur? Ziehe ich nicht besser ein anderes Hemd an? Ist das Bild hinter mir an der Wand zu frivol? Wieso hört und/oder sieht mich keiner?

Dann geht es los: Es wird probiert, geschlürft, berochen, kommentiert, nachgeschenkt und geraten. Knif­felig wird es, wenn die Spe­zialisten eher »untypische« Weine in die Runde gestellt haben: Da schmeckt dem einen der Weißburgunder von Kruger-Rumpf aber »sehr französisch«, dem Primitivo wird vorsichtig eine Nähe zu Zinfandel unterstellt, bis: »Was? Das ist die gleiche Rebsorte? Also ich hätte schwören können……« und dass der Lemberger im Glas ein echter Rheinhesse ist (Weingut Volker Eckert – Geiershölle) sorgt auch für Verwunderung. Da war der von uns eingebrachte Sauvignon Blanc (Weingut Eppelmann) fast schon zu typisch, um die Spezialisten ins Schwitzen zu bringen. Und unser Historiker überlegt immer noch, wieso Südafrika von den Vinologen zur »Neuen Welt« gerechnet wird, ob wohl es doch eigentlich… .

Übrigens

Sollte einer ihrer Mitstreiter im Laufe des immer fröhlicher werdenden Abends plötzlich langsam aus dem Bild nach unten rutschen muss das nicht unbedingt an den »Umdrehungen« der getesteten Rebsäfte liegen. Wahrscheinlich kippt nur der Bildschirm vom Laptop ein wenig ab.

Unser Fazit: Home Tasting ist die zweitbeste Möglichkeit Wein in lockerer Runde zu genießen – und in Zeiten von Corona konkurrenzlos. Außerdem: Über den Weg nach Hause muss man sich dabei auch keine Gedanken machen.

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Erntehelfer Gemüseanbau

Freiwillige ersetzen die Erntehelfer/-innen

Wie funktioniert der Gemüseanbau in Corona-Zeiten? Ohne die gewohnten Erntehelfer aus Osteuropa? Kai Reinheimer kann auf die Unterstützung von allen bauen.

Dreimal pro Woche verkauft der Gemüsehof Reinheimer seine Erzeugnisse auf dem Mainzer Wochenmarkt, in Ginsheim ist der Hofladen montags bis samstags geöffnet. »Es ist die härteste Zeit meines Lebens«, stellt Kai Reinheimer fest. Der 46-Jährige ist Chef des Gemüsehofs Reinheimer, 60-70 Kulturen baut er im Jahresverlauf an und vermarktet sie selbst. Als wir Mitte April miteinander telefonieren, plagen ihn außer der Trockenheit noch die Nachtfröste. Zwischen 1 und 2 Uhr nachts stehe er auf und schalte die Beregnungsanlage an: das 4 Grad »warme« Wasser hilft den jungen Pflanzen nicht zu erfrieren. Wie fast allen Landwirten und Gemüseanbauern in Deutschland fehlen auch den Ginsheimern Arbeitskräfte. Die festangestellten Vorarbeiter konnten nach dem Heimaturlaub nicht mehr rechtzeitig wieder einreisen. Die verbliebenen 14 Mitarbeiter/-innen schafften gemeinsam mit den elf Familienmitgliedern die Arbeit nicht, die im Frühjahr auf einem Gemüsehof anfällt.

Die Erntehelfer-Profis fehlen – also helfen 100 Freiwillige

In dieser Notlage machte Kai Reinheimer eine Erfahrung, die ihm, denkt er daran oder spricht er davon, noch immer Gänsehaut beschert. Über WhatsApp informierte er Freunde, Bekannte und Kundschaft, dass er nicht pflanzen und ernten kann, weil ihm die Leute fehlen. Binnen 24 Stunden standen 100 Freiwillige auf seinem Hof, um zu helfen.

In kürzester Zeit hatten alle zusammen das an Arbeit geschafft, was die Familie mit den Festangestellten allein nicht schaffen konnte. Das Wintergemüse komplett einbringen, Frühlingskulturen säen, pflanzen und ernten, was bereits gewachsen war. »Mir gibt diese Erfahrung ein gutes Gefühl, ich kann darauf vertrauen, dass in einem ähnlichen Notfall erneut genügend Menschen helfen würden.« Ob der wieder eintritt, ist Mitte April offen. Reinheimer hat gerade die Berichte über die aus Rumänien eingeflogenen Erntehelfer/-innen verfolgt. Und meint, er könne die Menschen unter Einhaltung der Abstandsregelungen auf seinem Hof nicht unterbringen. »Soll ich extra ein Containerdorf aufbauen, fernab von unserem Hof? Nein, das passt nicht zu uns!«

Wertschätzung: Ansporn, die Krise durchzustehen

Noch kommt Kai Reinheimer mit den zwölf Freiwilligen zurecht, die er mit seiner Familie zwei Wochen lang angelernt hat. Die Einarbeitung war, trotz des guten Willens der Ungeübten, ein organisatorischer Kraftakt für die Familie. Spargel stechen z.B. ist eine körperlich anstrengende Arbeit, an die die Neuen allmählich, stundenweise herangeführt wurden. Auch die Arbeitsabläufe auf einem Gemüsehof zu durchschauen, braucht einiges an Übung. Wo stehen welche Gerätschaften, wo sind welche Felder? Wächst hier Unkraut oder könnten es junge Salatpflanzen sein? Anlernen und in die Arbeit einweisen ist normalerweise Sache der Vorarbeiter. Diese fehlen, die Familienmitglieder sind gefragt. »Da braucht es starke Nerven, Humor hilft auch und die Reaktionen unserer Kundschaft, die bauen unheimlich auf. Es kommt sehr viel Wertschätzung für unsere Arbeit bei uns an, das tut gut und gleichzeitig ist es Ansporn, um schwierige Situationen durchzustehen«, sagt der Gemüsebauer.

Wird die Wertschätzung für die Arbeit in der Landwirtschaft von Dauer sein? Kai Reinheimer hält es für möglich. Auch aufgrund der Berichterstattung über die Sorgen und Nöte der Landwirte in Corona-Zeiten sei vielen bewusst geworden, was es bedeutet, Gemüse und Obst direkt von regionalen Erzeugern kaufen zu können, vielleicht würden auch mehr Menschen wieder häufiger selbst kochen?

»Wenn ich sauber rauskomme aus der Krise, dann werden wir das Geld, das wir mit den vielen Freiwilligen erwirtschaftet haben, für einen sozialen Zweck spenden«, hat Kai Reinheimer seinen Helfer/-innen versprochen. Außerdem steht noch ein Jubiläumsfest in diesem Jahr an: der Gemüsehof Reinheimer wird 100 Jahre alt. Wann das stattfinden kann, das steht allerdings noch in den Corona-Sternen.

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Verpackungsfrei: Einmal ohne, bitte

 




Wochenmarkt Mainz, Corona

Corona: Kopf hoch!

Der Mainzer Wochenmarkt als ein Stück »Normalität«; Baulärm als Musik in den Ohren; DER MAINZER als »Corona-Notausgabe«.

In Woche Eins des Corona-Ausnahmezustands ist Einkaufen auf dem Mainzer Wochenmarkt Labsal für die Seele. Einen kurzen Moment eintauchen in einen »Normalzustand«. Dieser wird spätestens beim Anblick der langen Schlangen vor den Ständen (auch hier ist Abstand zueinander angesagt) als nicht ganz so normal erkannt. Dass keine Waren mehr angefasst werden dürfen, versteht sich von selbst. Leider nicht für alle. Manche brauchen es schwarz auf gelb, als verbale Ansage noch dazu – und kapieren es dennoch nicht. Wie sagte eine Marktbeschickerin so schön: »Mit einem Mundschutz einkaufen gehen, aber alles andatschen – wo bleibt da der gesunde Menschenverstand?«

In diesen Zeiten fallen Pressemitteilungen, in denen Verkehrsbehinderungen angekündigt werden, auf: positiv! Da wird ein Baukran aufgebaut oder es werden Tiefbauarbeiten durchgeführt, um Leitungen zu verlegen – Baulärm, der wie Musik in den Ohren klingt und zeigt, hier können Menschen arbeiten, als tobte um uns herum nicht die Corona-Unübersichtlichkeit oder -Ignoranz.

»Anzeigen sind unsere Geschäftsbasis. Wenn Einzelhändler und Restaurants schließen, Veranstaltungen abgesagt werden, kommen leider keine Anzeigen mehr«, sagt Werner Horn, der MAINZER-Herausgeber. »Stornierungen haben wir zuhauf, was nachvollziehbar ist. Zum ersten Mal seit 30 Jahren erscheint im MAINZER kein Restauranttest, weil Sie, liebe Leserin, lieber Leser zurzeit nicht aufsuchen können, was wir getestet haben.«

Notausgabe

Aber sie erscheint die MAINZER-April 2020-Ausgabe. Wenn auch als abgespeckte »Corona-Notausgabe«. Werner Horn hofft, dass unter den Mainzern ein neuer Zusammenhalt entsteht, ein neues Bewusstsein: »Was nutzt der Sportwagen in der Garage, wenn man krank im Bett liegt?«
Umsätze gingen überall zurück, Unternehmen, Beschäftigte und Freiberufler würden in die Existenznot getrieben. »Kein Gast wird im September drei Gläser Wein mehr trinken, um den fehlenden Umsatz aus dem März und April auszugleichen«, ist er sicher und leider werde keine Firma im Hebst drei Anzeigen mehr aufgeben, um den Umsatz aus dem Frühjahr auszugleichen.

»Das heißt, nicht nur wir werden mit einem großen Minus umgehen müssen.« Es sei damit zu rechnen, dass einige Firmen die Krise nicht überstehen könnten: »Auch wir wissen nicht, wie es weitergeht. Derzeit kreisen unsere Gedanken um die Frage, WIE wir weitermachen und darum, welche Unterstützung wir unseren Anzeigenkunden anbieten können, damit deren Geschäft weiterläuft.« Ideen und Konzepte gebe es einige, die nun zu konkretisieren seien. »Auf jeden Fall«, meint der MAINZER-Herausgeber auch an die Adresse der MAINZER-Lesenden, »bleiben wir in Kontakt mit Ihnen.«

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Der Corona-Virus hat uns fest im Griff




Corona

Der Corona-Virus hat uns fest im Griff

Unser ganzes Leben steht Kopf. Freizeit, die plötzlich »anders» ausgefüllt werden muss, Kontakte mit Menschen auf ein Minimum runter gefahren. Aber das Leben geht weiter.

Was im Einzelnen durch den Corona Virus alles durcheinandergewirbelt wird, ist kaum noch darzustellen. Viel Verunsicherung herrscht allenthalben. Die Verbraucherzentrale hat eine Webseite zusammengestellt, auf der Schutzmaßnahmen, Tipps und Verbraucherrechte aufgelistet sind. Unter anderem geht es auch um Reisepläne. Für die meisten besonders bitter: In den Osterferien ist Reisen nicht angesagt und für die Sommerferien trauen sich die Wenigsten Pläne zu schmieden. Deutschland hat seine Grenzen für nicht notwendige Reisen geschlossen, in vielen Ländern gelten Einreiseverbote und auch im Inland gibt es Reisebeschränkungen.

Was wird aus der für die Osterferien gebuchten Ferienwohnung oder Pauschalreise in den Süden? Kann ich stornieren oder umbuchen? Erhalte ich eine Erstattung? Welche Rechte gelten, wenn die Reisen abgebrochen werden. Auch dazu informiert die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: Montags von 9 bis 13 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr in einer Telefonhotline unter (06131) 28 48 969. Oder rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche: www.verbraucherzentrale-rlp.de/corona

Fahrplanänderung

Die Mainzer Mobilität hat ihren Fahrplan angepasst und reagiert damit auf die zu erwartende deutlich geringere Nachfrage infolge der kompletten oder teilweisen Schließung vieler Geschäfte und Freizeiteinrichtungen. Aufgrund der dynamischen Lage kann es darüber hinaus in den nächsten Tagen und Wochen zu weiteren Anpassungen im Fahrplan kommen, über die die Mainzer Mobilität in ihren Medien laufend informieren wird. Die geänderten Fahrplantabellen finden Sie im Internet unter www.mainzer-mobilitaet.de/corona

Online geht – noch

So lange die Mitarbeitenden der Lieferdienste gesund bleiben, funktioniert auch der Online-Handel. Keine Sport- und Kulturveranstaltungen, kaum noch zwischenmenschliche Kontakte: was bleibt? WWW! Dabei lässt sich sogar für die Kultur etwas tun. Der »gutenberg-shop.de» steht mit 1000 exquisiten Geschenkideen rund um die Uhr und telefonisch (06131-90 60 110) Di-Fr, 9-13 Uhr zur Verfügung; zu allen Zeiten per Email unter info@gutenberg-shop.de.
Die Ladengeschäfte im Museum und am Markt bleiben zunächst bis zum 19. April 2020 geschlossen.

IHK erweitert Information­sangebot

Darf ich mein Geschäft noch öffnen? Wie kann ich die Liquidität meines Unternehmens sichern? Erhalte ich Kurzarbeitergeld? In welche Länder gibt es Exportverbote? Die Betriebe stehen durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus vor Umsatzausfällen, Lieferverzögerungen oder müssen besondere Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge für ihre Belegschaft treffen.

Die Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen bietet den Unternehmen ein ausgeweitetes Beratungsangebot: Hinweise zu Fördermitteln und Überbrückungshilfen, Links und IHK-Ansprechpartner für Rechts- Finanzierungs- und Exportfragen, ein Notfall-Handbuch für Unternehmen und vieles mehr.

Infos: www.rheinhessen.ihk24. de/corona, IHK-Hotline 06131 262-1000.

Langweilig? Nö!

Eine Frage, die sich tagtäglich neu stellt: was machen wir mit der freien Zeit? Keine Sport- und Weiterbildungskurse, kein Theater und Kino, Konzerte abgesagt, die Kneipen abends zu. Was geht? Radfahren, Joggen und Spazierengehen – so lange es keine Ausgangssperre gibt, geht das gut. Yoga-Übungen ohne Anleitung in der Wohnung probieren, das antrainierte Gymnastik-Programm durchziehen, die angehäuften Bücherstapel weg lesen, die Wohnung mal so richtig putzen, ausmisten, was schon lange auf der Todo-Lite steht, in den Mediatheken (oder auf Video) endlich mal das anschauen, was schon immer angeschaut werden sollte … Mal sehen, was uns noch so einfällt in den kommenden Wochen.

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