Das »Chez Maman« in der Mainzer Holzstraße bietet gute Materialqualität, geschmackliche Feinheit und optische Schönheit – allerdings bisweilen zum hohen Preis.

Wir sind zu Fuß unterwegs und biegen von der Rheinstraße nach rechts in die Holzstraße ab. Nach wenigen Metern stehen wir vor dem »Chez Maman«, da wo früher die Inschrift »Zum Römerschiff« prangte. Die Veränderung hat dem Etablissement gutgetan. Die neue Einrichtung wirkt modern, geradlinig, einladend. Auf optischen Schnickschnack haben die neuen Gastronominnen Kerstin Schey und Jeannette Kraushaar, die das »Chez Maman« seit Mitte September vergangenen Jahres betreiben, verzichtet. Aus den Lautsprechern dringt dezente, wohltemperierte Musik unterschiedlicher Stilrichtungen ins Ohr.

Sogleich werden wir freundlich willkommen geheißen. Bedient werden wir zunächst von einer jungen Frau, die schnell zugibt, den ersten Abend hier zu arbeiten und noch nicht so recht sattelfest bei der Beantwortung von Detailfragen zu sein. Das wirkt sympathisch, und nach kurzer Rücksprache mit der Wirtin übernimmt diese unsere Betreuung. Wir kommen zügig mit ihr ins Gespräch und stellen Sachkunde bezüglich Wein und Speisen fest.

Als Gruß aus der Küche erhalten wird Rote-Bete-Butter mit Weißbrotachteln. Wir erfahren, dass das verwendete Getreide im Elsass gemahlen wird und das Backwerk danach in Luxemburg entsteht. Dieses Amuse gueule ist zweifelsohne ungewöhnlich und schmeckt ausgezeichnet.

Stimmiges Carpaccio von der Roten Bete

Mister X bleibt bei der Knolle und nimmt als Vorspeise das Carpaccio von der Roten Bete mit gerösteten Walnüssen und Rucola – das Gericht ist auf der Karte als vegan angekündigt – zu 7 Euro. »Dieses Ensemble ist stimmig. Das etwas säuerliche Dressing am Salat nimmt dem Gemüse die Schwere. Und alles sieht sehr hübsch aus«, formuliert mein immerwährender Begleiter gewohnt virtuos. Mit dem letzten Satz deutet er etwas an, das sich während des Abends durchweg fortsetzt: Alle unsere Speisen sind optisch sehr ansprechend angerichtet.
Ich bin mit meiner kleinen Tarte flambée mit Roquefort, Birne, Walnüssen und Thymian (7 Euro) ebenfalls ausgesprochen zufrieden, was nicht zuletzt am deutlichen Geschmack nach frischem Thymian liegt.

Als Hauptgang kommt bei Mister X gebackene Kartoffel mit Sauerrahm, Pistou – jener pestoähnlichen provonzalischen Sauce – und geräuchertem Biolachs auf den Tisch. Granatapfelkerne und etwas Eichblattsalat vervollständigen dieses 15-Euro-Gericht. X lobt besonders die geschmackliche Qualität der Kartoffel, empfindet die zwei Lachsscheibchen auf dem Teller jedoch als etwas spartanisch.

Goldig kleine Frikadelle mit köstlichem Stampf

Meine Hauptspeise »Saftige Frikadelle vom Weiderind / Fingermöhren / Pastinakenstampf« zu 18 Euro erschreckt mich beim ersten Anblick durch die Kleinheit des Fleischpflanzerls. Ohne Vorspeise wird von diesem Gericht kaum jemand satt werden, denke ich bei mir. Gleichwohl erweist sich das Arrangement als wohlschmeckende Komposition. Das Fleisch ist von hervorragender Qualität, die etwas süßliche Anmutung des Stampfs passt sehr gut zum Charakter des Gemüses.

Zur Abrundung des Abends nehmen wir eine Zitronentartelette mit Baisertopping (7 Euro). Auch hier stellt sich geschmackliche Zufriedenheit ein. Allerdings ist der Teig sehr fest, und zum wahren Genuss hätten wir uns das Ganze in warm gewünscht.

| LOU KULL

ESSEN8,0
TRINKEN8,0
SERVICE8,0
AMBIENTE7,5
PREIS/LEISTUNG7,5
GESAMT39,0 : 5 = 7,8 KAPPEN

FAZIT

Das »Chez Maman« ist zweifellos eine Entdeckung in der Mainzer Gastronomielandschaft. Bezüglich des Namens sollte sich der Gast allerdings nicht auf die Erwartung französischer Küche festlegen. Zwar schaffen die beiden Gastronominnen mit dem Restaurant-Namen und den in der Speisekarte vorangestellten französischen Bezeichnungen eine entsprechende Anmutung, gleichwohl würden wir die Küche eher als modern mit regionalen wie internationalen Anklängen nennen. Die Atmosphäre des Gastraums ist freundlich und optisch angenehm reduziert. Den Service empfanden wir bei unserem Besuch als unaufdringlich-verbindlich, die Beratung bei Wein und Speisen klang kenntnisreich.

Die Qualität des verwendeten Materials ist offensichtlich hoch, optisch und geschmacklich macht das Essen im »Chez Maman« Freude. Jedoch bewerten wir die aufgerufenen Preise zumindest teilweise als zu hoch, siehe die Kartoffel mit Sauerrahm und die Frikadelle. Die Weinkarte ist ein mit Bedacht zusammengestelltes Potpourri aus hochwertigen deutschen und französischen Weinen und Sekten. Wir nahmen zum Essen den Giro blanc aus Sauvignon blanc, Scheurebe und Rivaner von Kühling-Gillot (0,1/0,2 zu 3,50/6 Euro), den Sauvignon blanc vom württembergischen Weingut Graf Neipperg (3,75/6,50) sowie den Grauen Burgunder von Baumberger (Nahe, 3,25/5,50).

Chez Maman
Holzstraße 19
55116 Mainz
Tel. 0 61 31 / 945 36 30
hallo@chezmaman.de
www.facebook.com/chezmamanmainz
Öffnungszeiten:
Do bis Sa 18 bis 23 Uhr
So bis Mi Ruhetage
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