Sechs Monate Corona – und kein Ende in Sicht. Es wird immer ungemütlicher – nicht nur weil die Blätter fallen.

Dieser Text muss geschrieben werden, bevor am 28. Oktober 2020 in Berlin die Entscheidung über einen neuerlichen Lockdown verkündet wird. Auch ohne diese Entscheidung gibt es einiges, was die Einsicht in notwendige Corona-Maßnahmen erschwert.

Kontaktdatenerfassung: Ja, sie ist notwendig, also werden alle Angaben korrekt ausgefüllt. Nur: warum will der eine Wirt mein Geburtsdatum, der andere meine E-Mail-Adresse? Wieso gelingt es im hochindustrialisierten Deutschland nicht, ein einheitliches Kontaktdatenformular zu entwer­fen – und allen zur Verfügung zu stellen? Das könnte doch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag z.B. für alle seine Mitglieder machen. Dann müssten wir in ganz Deutschland die gleichen Angaben machen, die Hoteliers, Gastronomen/-innen und Veranstalter/-innen könnten ihre Quittungsblocks und was sonst noch so alles herhalten muss, damit die Gäste ihre Daten aufschreiben können, stecken lassen.

Abstandsregelungen: In dem einen Schwimm­bad darf nur eine Person in die Dusche, in dem anderen ballt sich im Duschraum ein kompletter Aqua-Fitness-Kurs – der wiederum in dem einen Schwimmbad gar nicht stattfinden dürfte. Klar, hier Stadt, dort Landkreis, verschiedene Bundesländer und dann noch private oder öffentliche Betreiber/-innen. Wie sollen willige Bürger/-innen bei diesem Durcheinander von der Notwendigkeit der jeweiligen Corona-Maßnahmen überzeugt werden?

Sicher ist sicher: Nirgendwo hingehen, ohne zuvor die Webseite studiert und möglichst fünf Minuten zuvor telefonisch nachgefragt zu haben – gut, wenn ein Mensch den Anruf entgegennimmt. Manche Dienstleistende schaffen es nicht, Veranstaltungen rechtzeitig von der Webseite zu streichen und die Mitarbeitenden sind in Kurzarbeit (oder gekündigt). Auch damit haben wir Geduld. Genauso wie mit Menschen, die die Infos an Eingangstüren nicht lesen. Wo z.B. steht »Zutritt nur für zwei Personen«, stehen dann halt vier Menschen im Geschäft. Lesen können war schon immer ein Vorteil – manche Menschen müssen es einfach nur wollen.

Corona-Maßnahmen in der Gastronomie

Unverhältnismäßigkeit: Es ist nicht mehr nachvollziehbar, warum Feiernde ihrem Vergnügen frönen, während gleichzeitig Gastrobetriebe und Kulturschaffende derart mit Auflagen zugeschüttet werden, dass ihnen die Luft zum Weitermachen wegbleibt. Wann merken die Politiker/-innen, dass ihre Appelle, wir sollen unser gesamtes Leben einschränken, nur fruchten, wenn sie den Realitätsverweigern/-innen konsequent Einhalt gebieten?

Die Chance, dass das Jahr 2020 in die Geschichte eingeht als das Jahr, in dem sich die Menschen schnell umgestellt, viel ausgehalten und bereitwillig zurückgesteckt haben, schwindet.

| SoS

 

Corona: As time goes by

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