Fair produzierte und gehandelte Kleidung sowie Nahrungsmittel sind längst im Internet und vielen Geschäften erhältlich. Wie aber sieht es hier aus: Faire Elektrogeräte?

Ob Kaffee, Schokolade oder T-Shirts – das Angebot an Lebensmitteln und Kleidung, die unter fairen Bedingungen produziert und gehandelt werden, ist in den letzten Jahren zusehends gewachsen. Darüber hinaus gibt es für diese Konsumgüter immer mehr Siegel und Zertifizierungen. Im Gegensatz dazu sind faire und als solche erkennbare Smartphones, Computer, TV-Monitore und ähnliche Elektrogeräte eher Mangelware. Allerdings las­-sen sich auch bei diesen Produkten ausbeuterische Verhältnisse in Herstellung und Handel finden.

Andere Wege gehen

Doch es gibt in der Elektrobranche inzwischen vereinzelt Unternehmen, die versuchen, einen anderen Weg bei der Fertigung ihrer Geräte zu gehen. Etwa die beiden Smartphone-Hersteller Fairphone und SHIFT.

Die niederländische Firma und das hessische Startup ersetzen, sofern es geht, Konfliktrohstoffe durch alternative Rohstoffe und verwenden Recycling-Materialien. Zudem achten sie in den chinesischen Produktionsfabriken auf faire Arbeitsbedingungen. Fair­phone regelt dies durch enge Zusammenarbeit mit dem Auftragsfertiger, SHIFT hingegen legt die Vorschriften für seine eigene Manufaktur fest. Des Weiteren reduzieren die lange Haltbarkeit und die kostengünstigen sowie eigenen Reparaturmöglichkeiten ihrer Smartphones und die Rücknahme alter Geräte den Elektromüll.

Auch NagerIT setzt auf faire Arbeitsverhältnisse bei der Herstellung seiner Computermäuse und lässt Lötarbeiten und Montage in einer Integrationswerkstatt in Deutschland vornehmen. Die Bauteile der Mäuse werden laut Firmen-Website, »soweit möglich, regional oder aus Ländern mit sehr guten Sozial- und Umweltstandards« bezogen oder sie bestehen aus »möglichst vielen recycelten« Metallen.

Repaircafé in Mainz

Auch wenn diese Unternehmen Möglichkeiten aufzeigen, mit neuen Konzepten den Elektroschrott zu verringern, der jedes Jahr in Deutschland in großen Mengen entsteht, sorgen ein übersteigertes Konsumverhalten mit dem Wunsch, stets das neueste Elektrogerät, insbesondere Smartphone zu besitzen für wachsende Berge an wertvollem Rohstoffmülls. Dazu trägt auch die so genannte geplante Obsoleszenz bei. Hierunter wird der gezielte Einbau von Schwachstellen in Elektrogeräten durch die Hersteller verstanden, die zu einem verkürzten Lebenszyklus der Produkte führen. Meist sind die Geräte so verbaut oder günstig, dass eine Reparatur für Verbraucher nicht lohnenswert erscheint und sie weggeworfen werden.

Doch es geht auch anders: Das Repaircafé in Mainz etwa setzt Elektrogeräte aller Art wieder in Stand und gibt fachliche Anleitung beim Selberreparieren vor Ort, spezielle »Handyläden« beheben kleine Defekte und der Mainzer Umweltladen nimmt kleine Elektrogeräte an, die er zum Recyceln an verschiedene Organisationen weitergibt. Verbraucher, die von vorneherein gebrauchte Elektronik bevorzugen, werden auf Webportalen wie Asgoodasnew.de, Rebuy.de und reset.org fündig.

Aktiv werden und informieren

Konsumenten haben letztendlich zahlreiche Möglichkeiten, mehr über die menschenunwürdige Fertigungen von Elektrogeräten zu erfahren und ihre ausrangierten Geräte nachhaltig zu entsorgen. Aber auch das Einfordern von Informationen über soziale und ökologische Kriterien und intransparente Handels- und Produktionswege direkt beim Hersteller könnte ein Umdenken in der Branche anstoßen.

| KH

www.fairtrade-deutschland.de/produkte-de/gold.html
www.responsiblemining.net
www.tcocertified.de/tco-certified
www.fairloetet.de
www.repaircafemainz.de

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