Auf ein Neues! Die Mainzer/-innen dürfen noch einmal wählen: Michael Ebling oder Nino Haase. Am 10. November 2019 fällt die Entscheidung der, wer ab April 2020 die Amtskette des Oberbürgermeisters trägt.

Der zurückliegende OB-Wahlkampf war engagiert und inhaltlich attraktiv, moderat in der verbalen und zwischenmenschlichen Auseinandersetzung. Das ist in deutschen Landen nicht mehr selbstverständlich. Ob eine pointiertere Zuspitzung von Inhalten mehr Wähler an die Urnen gelockt hätte? Die Wahlbeteiligung – ich bin enttäuscht! Ich hätte gewettet, sie werde wesentlich höher ausfallen als die 45,8%, die im ersten Wahlgang erreicht wurden. Das sind nur drei Prozent mehr als 2012. Damals war keine Frau am Start, kein Parteiloser und kein Linker. Allein dieses Kandidaten/-innen-Tableau hätte doch mehr Menschen verleiten können, zu wählen.

Tabea Rößner versuchte am Wahlabend ihre Parteifreunde/-innen aufzumuntern. Sie habe einiges erreicht und bleibe den Mainzer Grünen erhalten. 22,5% der Wahlberechtigten hatten am Wahlsonntag für die Grüne gestimmt. Zu wenige, um Rößner in die Stichwahl zu bringen. Selbst in der Mainzer Neustadt, eine Grünen-Hochburg, kam Rößner nur auf 32,4% und erreichte damit 5,2 % weniger, als Amtsinhaber Michael Ebling. Der SPD-Mann geht als klarer Sieger des ersten Wahlgangs mit 41% am 10. November in die Stichwahl. Sein Konkurrent ist der parteilose Nino Haase, der am 27.10.19 32,4% erreichte – fast zehn Prozent mehr als Tabea Rößner.

Oberbürgermeisterwahl in den Stadtteilen

In Drais lag Haase mit 45,2 % weit vor Amtsinhaber Ebling mit 36,1%. Drais gilt als Hochburg der CDU, die Haase ursprünglich als »ihren Kandidaten« präsentierten; ähnlich in Hechtsheim, hier stimmten 41,4 % für Haase, 38,8% für Ebling.

Auch in Marienborn lag Haase gegenüber Ebling vorne: mit 41,6% gegenüber 39,5%. Hier ist Claudius Moseler Ortsvorsteher. Seine Partei, die ÖDP, unterstützt Haase ebenso, wie die FWG. Haase muss im zweiten Wahlgang alle potenziellen CDU-, ÖDP- und FWG-Wähler/-innen mobilisieren und dazu noch möglichst viele aus dem Lager der Grünen. Die könnten das Zünglein an der Waage spielen. Sprechen Sie eine Wahlempfehlung aus? Für welchen der beiden Männer? Mit Amtsinhaber Ebling haben sie gelernt umzugehen. Mit seiner Partei, der SPD, wollen sie nach der Stichwahl Koalitionsverhandlungen aufnehmen.

Ebling ist genauso wie Haase auf die Stimmen der grünen Klientel angewiesen, beide müssen etwas »anbieten«: Eine andere Verkehrspolitik z.B., Radverkehr und ÖPNV fördern, den motorisierten Individualverkehr in der Innenstadt zurückdrängen. Die CDU-Wähler/-innen finden das bestimmt toll und die SPD bricht in lautes Hurra-Schreien aus – oder auch nicht. 2012 lag die Wahlbeteiligung in der Stichwahl bei nur 34,3 %. Ich wette nicht darauf, dass sie 2019 höher ausfällt.

| SoS

Die o.g. Zahlen stammen aus dem »vorläufigen Ergebnis« vom 27.10.19

 

 

OB-Wahl: Neues Stadtoberhaupt in Mainz gesucht

 

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