Er demonstriert, wozu diese Fläche genutzt werden könnte, wenn sie nicht zum Parkplatz für Autos bestimmt worden wäre: Der PARKing Day. An dem weltweiten Aktionstag werden triste in lebenswerte Flächen umgewandelt. Julia Fastner gehört zur Orga-Gruppe.

Es ist der vierte PARKing Day in Mainz, der am 21. September 2019 von 11 bis 18 Uhr sechs Parkplätze in der Neubrunnenstraße in einen kleinen Park verwandeln wird. Julia Fastner (Foto) ist erstmals dabei, als eine der Organisatoren/-innen. »Schon länger hatte ich das Gefühl, ich muss etwas machen, einen Beitrag leisten zur Klimapolitik und als mich ein Arbeitskollege fragte ob ich mitkommen wolle, sagte ich zu.« Mitkommen bedeutete in diesem Falle zu einem analogen Treffen der Orga-Gruppe, die sich sonst überwiegend digital austauscht. Zehn bis 15 Frauen und Männer, im Alter von 30 bis 80 Jahren organisieren den PARKing Day in Mainz. Darunter sind Mitstreiter/-innen von ADFC über BUND bis NABU und VCD, die ihre Kampagnenerfahrungen einbringen.
Die Mitarbeit beim PARKing Day ist für Julia Fastner eine praktische Konsequenz dessen, was ihr schon länger auffällt beim Radeln und Gehen durch die Stadt: wie viel Platz doch die Autos in Anspruch nehmen – vor allem solche, die stehen. Ein parkendes Auto »verbraucht« etwa zehn Quadratmeter Fläche und das im Durchschnitt 23 Stunden am Tag. So lange steht es. Zehn Quadratmeter öffentlicher Raum ließen sich für allerlei nutzen – für Pflanzen, für Spielplätze, für Sitzbänke.

»Ich will bestimmt niemandem das Autofahren verbieten, das muss jeder selbst entscheiden, aber wir wollen den Menschen vor Augen halten, was möglich wäre, wenn weniger Autos in der Stadt stehen und öffentliche Fläche beanspruchen würden.«

Geboren ist Julia Fastner 1983 in Mainz, in Bingen hat sie Abitur gemacht, und kehrte zum Studium (Publizistik, Biologie und Geographie) nach Mainz zurück. Hier arbeitet sie bei Jugendschutz.net, dem gemeinsamen Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet.

Der Rollrasen, …

… den braucht es, um dem grauen Stück Asphalt am PARKing Day einen grünen Anstrich zu verpassen. Dazu kommen Blumentöpfe und Grünpflanzen, Campingstühle und –tische, Decken, Spielsachen für die Kinder, Essen und Trinken und fertig ist der Mini-Park. Manche der Vorbeikommenden seien irritiert, wenn sie das fröhliche Treiben »mitten auf der Straße« erleben, weiß Julia Fastner. Manche würden sich auch beschweren, weil die Parkplätze wegfallen.

Sie selbst hat noch nie ein Auto besessen – es sei nicht nötig gewesen, obwohl sie »auf dem Dorf« gelebt hat, aber sie konnte das Auto der Eltern nutzen. »Und hier in der Stadt fahre ich Fahrrad oder gehe zu Fuß.« Falls doch mal ein Auto nötig sei, nimmt sie das Car Sharing-Angebot in Anspruch.

»Ich fände es schön, wenn die Innenstadt Autofrei wäre, wenn wir vom Individualverkehr weg kämen und ich denke, die Politik sollte sich darauf fokussieren.« Allerdings glaubt Julia Fastner nicht, dass das passieren wird – jedenfalls nicht in den nächsten fünf Jahren.

Vor Augen führen

Auch im Urlaub bevorzugt Julia Fastner mittlerweile das Rad, um z.B. den Radwanderweg entlang der Elbe zu erkunden. Hinter solchen Entscheidungen steckt eine Auseinandersetzung mit Klima- und Mobilitätsfragen und die Erkenntnis, was der eigene ökologische Fußabdruck bedeutet. »Früher wollte ich die Welt sehen, war oft in Südostasien unterwegs, bin also häufiger geflogen, bis mir allmählich klar wurde, welche Folgen das für unsere Welt hat und dass man nicht weit weg fliegen muss, um Abenteuer zu erleben.«

Irgendwie hofft die 35-Jährige, dass auch anderen das bewusst wird, und weiß zugleich, das sind alles Angelegenheiten, die muss jeder und jede selbst ausprobieren. Wobei es gut ist, wenn den Menschen immer wieder vor Augen geführt wird, wie es anders gehen könnte. Der PARKing Day ist ein solches Anschauungsprojekt.

| SoS

Mehr Informationen unter www.parking-day.de.

 

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