Es war wohl kaum Zufall, dass die Wahlplakate an der Abfahrt der Theodor-Heuss-Brücke so nebeneinander platziert wurden: Schwarz-Gelb gegen Rot-Grün. Die Wähler-/innen haben anders entschieden.

 

Für die Wähler/-innen war der Wahlkampf, also die Friede-Freude-Eierkuchen-Inszenierung, mühsam. Es galt herauszufinden, welche Partei was vielleicht vorhat und eventuell umsetzt, wenn sie in der neuen Regierung eine Rolle spielen kann oder darf.
Wichtig war, genau Hinzuhören, um die Aussagen von den Kandidat/-innen vor Ort NICHT als bare Münze zu nehmen. Bei einer Bundestagswahl ist entscheidend, was die Mehrheit der jeweiligen Partei bundespolitisch will. Selbst wenn die Mainzer Direktkandidaten für den Bundestag auf diversen Podien miteinander kuschelten. Dabei Aussagen machten, die stellenweise so nah beieinander sind, dass sich die interessierte Wählerin anschließend fragte: Wen soll ich von denen jetzt wählen, wenn ich dies und das will und dies und das nicht will?

Zum Glück gab es, um klarer zu sehen, wo die Kreuze hingehören, den Wahlomat. Mein Ergebnis des Klicktest war so eindeutig, dass die Entscheidung auf der Hand gelegen hätte. Aber, dazu hätte ich mich aus allen aktuellen Umfragen ausklinken müssen. Die zeigten, dass die »passenden« Parteien kaum Chancen hatten, sich durchzusetzen.

Es blieb die taktische Wahloption. Angenommen, ich wähle x und y, denen fehlen aber noch ein paar Sitze im Bundestag, mit welcher Partei würden die dann eventuell koalieren?

Es gab keine klaren Aussagen dazu. Eindeutig war allenfalls, dass die AFD so klein wie möglich gehalten werden soll – was bekanntlich misslang. Eindeutig war auch, dass die anderen Parteien mit deren völkisch-national-rassistischem Gedankengut möglichst wenig in Berührung kommen wollten. Das misslang ebenfalls. Jetzt ist der Bundestag die Bühne, auf der die Auseinandersetzung stattfinden muss.

Es gibt vermutlich nicht viele Menschen, die Lust und Zeit haben sich vor einer Wahl mit Spitzfindigkeiten a la: »Wer könnte eventuell mit wem koalieren und, viel wichtiger noch, welche Partei wird welche Positionen über Bord werfen müssen, wenn sie mit welcher anderen Partei koaliert?«, auseinandersetzen wollen. Einfacher ist es den eindeutig plakativen Parolen zu glauben, die wochenlang unser Stadtbild
prägten.

Ich finde solche Schlagworte passen gut in WhatsApp-Gruppen und in Twitter-Meldungen. Aber damit kann man den Bürger-/innen nicht ERKLÄREN, welche politische Richtung verfolgt werden soll oder warum Sachentscheidungen nötig sind.
Es scheint unendlich schwer zu sein, eine klare Haltung zu zeigen und so zu formulieren, dass sie verstanden wird. Gleichzeitig ehrlich zu sagen, liebe Mitbürger/-innen, wir leben in einer Demokratie. Die lebt mit und von Kompromissen. Da kann es kein entweder/oder geben.

| SoS

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