Viele Themen bewegen die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt Mainz. Die Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke, Baustellen in verschiedenen Stadtteilen, die Zukunft des Gutenberg-Museums, die Entwicklung der Ludwigsstraße, die Schiffsanleger im Zollhafen, die Deponie in Weisenau, die Klärschlammverbrennungsanlage in Mombach, das drohende Dieselfahrverbot, die Verbesserung der Radwege, die Schaffung weiteren Wohnraums, die Sanierung des Rathauses und der Bürgerhäuser, der Umbau der Rheingoldhalle, der Ausbau des Mainzer Rings, die Verbesserung des ÖPNV, der Mangel an Parkplätzen in der großen Langgasse und der Umbau des Münsterplatzes.

Das mag alles wichtig sein und hin und wieder sind der Ärger und die Aufregung auch nachvollziehbar. Aber sind viele dieser »Aufreger« nicht irgendwie auch sogenannte Luxusprobleme? Wir leben in einem Zeitalter eines übersteigerten Individualismus. Spürbar ist auch in unserer Stadt eine steigende Unzufriedenheit, nicht nur auf alle »Regierenden«, viele fühlen sich nicht mehr repräsentiert sondern ausgeschlossen und machtlos. Das alles führt zu Wut und manchmal zu Gewalt.

Die Ursache liegt meiner Meinung nach bei all den Themen, die sich um soziale Fragen drehen. Die Sozialstruktur unserer Stadt verändert sich und damit die Zahl der »Verlierer« und »Gewinner«. Seltsamer Weise aber scheinen soziale Themen in unserer Stadt außerhalb der Weihnachtszeit keine Konjunktur zu haben. Wer in Mainz wäre eigentlich geeignet oder anders gefragt, zuständig, für diejenigen, die existentielleren Probleme als Schiffsanleger und Gutenberg-Museum haben?

Dafür gibt es bei der Stadt einen Sozialdezernenten. Wer kennt den Namen? Wenige, nur Insider. Er heißt Dr. Eckart Lensch. Unser Lokalblatt beschreibt ihn als besonnen und eher geräuschlos. Man liest sehr selten etwas von ihm, öffentliche Auftritte sind sehr spärlich und selbst zur Weihnachtszeit taucht er in der Presse nur wenig bis gar nicht auf. Mainz hatte in der Vergangenheit eindrucksvolle Sozial- und Jugenddezernenten: Karl Delorme, Willi Abts, Michael Ebling und Kurt Merkator, Politiker, die präsent waren und sich nicht scheuten, auf diejenigen zuzugehen, die nicht immer im Licht stehen.

Lensch hat nun fast zweieinhalb Jahre Einarbeitungszeit hinter sich und viele fragen sich, ob seine Ernennung wirklich eine gute Entscheidung war. Es wird Zeit, dass er Fahrt aufnimmt und vielleicht könnte er damit auch seiner Partei, der SPD helfen, die in Sachen »Soziales« viel an Glaubwürdigkeit verloren hat.

| Mogunzius

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