Ihre Geduld ist endlich, aber ihre guten Umgangsformen legt Amelie Döres nicht ab, wenn sie Verkehrsteilnehmer/-innen bittet, ihr Auto nicht auf dem Radweg abzustellen. Überzeugungsarbeit, insbesondere auf politischer Ebene ist Alltag für die stellvertretende Landes- und Kreisvorsitzende des ADFC.

»Ich fahre Fahrrad seit ich laufen kann.« Radeln und Laufen sind zwei Fixpunkte im Leben von Amelie Döres. Auf dem Fahrrad bewegt sie sich fort und transportiert so ziemlich alles; auf ihren Füßen wandernd erkundet sie Landschaften von Rheinhessen und Rheingau bis Südtirol. Fahrradfahren spielt außerdem eine politische Rolle in ihrem Leben. Viel freie Zeit widmet sie dem Radverkehr, um ihm mehr Raum im Verkehrsgeschehen zu verschaffen. Aufgewachsen ist Amelie Döres in einer Umgebung, in der Radfahren nichts Alltägliches war, in der Grenzregion Deutschland/Luxemburg, in Echternacherbrück. »Entweder man hatte ein Auto oder man konnte viele Dinge nicht wahrnehmen.« Trotzdem bedeutete für sie das Fahrrad von Anfang an ein Stück Freiheit.

Amelie Döres will etwas bewegen

In Trier machte Amelie Döres Abitur, studierte dort BWL, Schwerpunkt Geld- und Kreditfinanzierung. Sie schloss als Diplom-Kauffrau ab und setzte noch eine Zusatzausbildung Betriebliches Ausbildungswesen drauf. 2001 kam sie aus beruflichen Gründen nach Mainz. »Ich habe ein Ehrenamt in einem Bereich gesucht, mit dem ich mich gerne beschäftige, der mich interessiert und in dem ich etwas bewegen kann.« Die Entscheidung fiel 2015 auf den Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club. Zur stellvertretenden Landesvorsitzenden in Rheinland-Pfalz wurde sie 2018 gewählt und 2019, nach vier Jahren als Beisitzerin, zur stellvertretenden Kreisvorsitzenden Mainz/­Rheinhessen.

Langsam in die Gänge kommen

Acht bis zehn Stunden pro Woche samt ganztägigen Weiterbildungsmaßnahmen an manchen Wochenenden widmet Amelie Döres der Radpolitik. Ihr Hauptthema: Stadtradeln in Mainz und Umgebung, die Vernetzung mit den Stadtradelnden in Stadeken-Elsheim und in Ingelheim. Sie pflegt die Webseite des ADFC-Kreisverbands, schafft Verbindungen zu ADFC’lern in Wiesbaden und Rheingau-Taunus, kommuniziert mit den Kommunalpolitiker/-innen, informiert über Gremiensitzungen, in denen Fahrradfahren eine Rolle spielt. »Die Stadt Mainz kommt langsam in die Gänge«, stellt sie fest. Mehr Fahrradbügel, mehr Aufstellflächen an den Ampeln – aber: »Wir brauchen eine sichere Radverkehrsinfrastruktur, um Menschen, die sich noch nicht trauen, zum Radfahren zu bewegen.«

Ein paar Piktogramme auf der Straße reichten nicht aus, um die Radpolitik nach vorne zu bringen, für die gleichberechtigte Teilhabe von Fahrradfahrenden am Verkehr brauche es eine Imagekampagne. Als Alltagsradlerin stört es sie am meisten, wenn Autofahrende sie bedrängen. Es mangele außerdem an Rücksichtnahme, wenn sich Radler/-innen in den fließenden Verkehr einfädeln wollen. Gefragt nach einem Wunsch für den Mainzer Radverkehr nennt Amelie Döres einen durchgängigen Radweg von Laubenheim bis Mombach – ohne »Buckelpiste« und ohne Umwege.

Auf Neues einlassen

Amelie Döres kennt den Straßenverkehr auch aus der motorisierten Vierradperspektive. Ein fast 50 Jahre alter Mercedes-Oldtimer dient ihr als Fahrzeug, will sie weiter weg wohnende Bekannte besuchen. Vollzeitarbeitsalltag, zeitintensives ehrenamtliches Engagement und aktive Freizeitgestaltung: wie ist das alles miteinander zu vereinbaren? Sie habe gelernt, zielgerichtet und effektiv zu arbeiten und sich selbst gut zu strukturieren, meint Amelie Döres. Dazu gehöre auch die Bereitschaft, sich immer wieder aufs Neue mit Neuem auseinanderzusetzen. Als im Bekanntenkreis ein Mensch an Leukämie erkrankte, ließ sie sich ohne zu zögern bei der Stefan Morsch-Stiftung in Birkenfeld für die Stammzellenspende typisieren. Im vergangenen Jahr hat sie erstmals Stammzellen und kürzlich Leukozyten gespendet.

| SoS

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