Noch einmal stand die Mitgliederversammlung geschlossen hinter Harald Strutz und wählte ihn, als Dank für seine Leistungen um den Verein, zum Ehrenpräsidenten.

Als der junge Jurist vor über 30 Jahren, im September 1988, die Präsidentschaft des damals gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegenen 1. FSV Mainz 05 übernommen hatte, gab es nicht wenige in der Stadt die ihn bemitleideten oder belächelten. Dass es kein leichtes Amt war, dürfte ihm nicht unbekannt gewesen sein: Sein Vater Walter Strutz war bereits von 1951 bis 1956 Präsident des FSV gewesen.

Es waren keine einfachen Jahre: Der Verein hatte in dieser Zeit in der Landeshauptstadt nur ein mittelmäßiges »Standing«, andere Sportarten waren wesentlich populärer. Nicht allzu viele Fans waren in der letzten Oberligasaison an den Bruchweg gepilgert um Begegnungen zwischen den Rotweißen und Viktoria Herxheim, Eintracht Kreuznach oder dem SSV Überherrn zu verfolgen.

Was dann jedoch folgte, war ein fast beispielloser Aufschwung. Jürgen Klopp brachte es in seiner Video-Botschaft anlässlich der Ehrungen von Harald Strutz und seinen langjährigen Mitstreitern auf den Punkt: »Dass der Verein dasteht wie ein Vorzeigeverein, haben sie zu verantworten.« Und der DEL-Ehrenvorsitzende Reinhard Rauball ergänzte: »Ihr alle wart die Baumeister des modernen FSV Mainz 05.« Und an seinen Kollegen gewandt: »Du hast es verdient.«

Von der Amateurklasse in die Europa League

Für den ehemaligen deutschen Juniorenmeister im Dreisprung, Harald Strutz, hatte 1988 eine steile Karriere begonnen: Er führte den Verein in die erste Liga – aber auch in die Herzen vieler Mainzer. In seiner Amtszeit wurde das Bruchwegstadion renoviert und – bei seinem Amtsantritt völlig undenkbar – eine neue zeitgemäße Arena gebaut.

Dies alles geschah, ohne von einem soliden Kurs abzuweichen. Der FSV entwickelte sich unter dem »Team Strutz« vom Provinzverein zu einem national wie international anerkannten Unternehmen. Durch einen langfristigen Vertrag mit dem Sportmarketing-Unternehmen Infront Sports & Media gelang Harald Strutz auch die wirtschaftliche Absicherung des FSV.

Wegen seiner sportlichen wie juristischen Fachkenntnisse und seinem ebenso soliden wie souveränen Auftreten wurde der Mainzer Präsident 1996 Mitglied des DFB-Vorstandes und 2001 Vizepräsident der DFL (Deutsche Fußball-Liga). Fast bis zum Schluss seiner Präsidentschaft in Mainz konnte er sich bei allen Entscheidungen auf ein Vorstandsteam verlassen, das geschlossen hinter ihm stand. Mit der Zahl seiner Erfolge wuchs auch die seiner Neider. Im Sommer 2017 teilte Harald Strutz mit, dass er für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Sein schillernder Nachfolger trat bereits nach 5 Monaten zurück.

Zwei Jahre später erfuhr Harald Strutz für seine Arbeit mehrere Auszeichnungen: Im August verabschiedete ihn Oberbürgermeister Michael Ebling nach zwanzigjähriger Mitgliedschaft aus dem Stadtrat und würdigte dabei besonders die zahlreichen Kontakte die er zwischen Sport und Politik geknüpft hatte. 2016 wurde er schon zum Ehrenangehörigen der DFL ernannt. Wenige Wochen nach der städtischen Ehrung erhielt er die Ehrenmitgliedschaft im DFB für seine »außerordentlichen Verdienste um den deutschen Fußballsport« und im Oktober wurde er zum Ehrenpräsidenten seines Vereins und seine Mitstreiter zu Ehrenmitgliedern gewählt, denn – so der heutige Präsident Stefan Hofmann: »Ohne sie wäre Mainz 05 nicht das, was der Verein heute darstellt«.

| MDL

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