Polizeipräsident Reiner Hamm sagte im MAINZER-Interview in der Juli-2019-Ausgabe, »die personelle Talsohle liegt hinter uns.« Ingo Schütte, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, ist anderer Meinung.

»Es gibt in Rheinland-Pfalz immer noch zu wenige Polizisten. Das hohe Niveau polizeilicher Arbeit kann nur aufgrund der Motivation und der Kollegialität gehalten werden«, so der Hauptkommissar. Seit Jahren arbeiteten viele Kollegen/-innen am Limit, Personallücken der Polizei würden durch Zusatzschichten gestopft. »Erst in zwei, drei Jahren werden wir eine deutliche Entlastung spüren. Vorausgesetzt es gelingt auch weiterhin pro Jahr 500 neu ausgebildete Polizeibeamten/-innen in den Dienst zu entlassen.«

Bei den Anwärter/-innen müsse mit einer Abbruchquote von 10-15 % gerechnet werden. Weshalb von den 580 Anwärter/-innen, die die Ausbildung in der Regel beginnen, nicht alle in den Dienststellen ankämen.

Die hohen Einstellungszahlen seien schon aufgrund der vielen Polizisten/-innen, die in den Ruhestand gehen, erforderlich. »Vor 40 Jahren, zu Zeiten der RAF, wurden viele Polizisten/-innen eingestellt, die scheiden nun aus. Gleichzeitig erfordert aber die aktuelle Sicherheitslage infolge von Ereignissen, wie dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz, eine entsprechende Personal-Aufstockung.«

Derzeit, so Schütte, seien 8.850 Vollzeit-Äquivalente (40-Stunden-Woche) im Einsatz. Die Landesregierung wolle bis zum Ende der Legislaturperiode 9.160 Vollzeit-Äquivalente erreichen. Die GdP fordere 10.000 um die Belastung der einzelnen Beamten/-innen zu reduzieren. Einfach sei es nicht, genügend junge Menschen dazu zu bewegen, in Rheinland-Pfalz Polizistin oder Polizist zu werden, meint der rheinland-pfälzische GdP-Vertreter. »Im Rhein-Main-Gebiet befinden wir uns in direkter Konkurrenz zu den Arbeitgebern Bundeskriminalamt und der hessischen Polizei. Beide bieten eine höhere Bezahlung an.« Auch für die Polizeiarbeit unerlässliche Fachkräfte, wie IT-Ermittler und Cyberanalysten, seien schwer zu finden. Deren Eingruppierung in untere und mittlere Gehaltsgruppen sei nicht attraktiv. Gleichzeitig die Nachfrage nach solchen Fachkräften groß.

| SoS

 

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