Was tun, wenn auf dem Spielplatz Drogen vertickt werden, die Musik auf dem Balkon nebenan den Schlaf raubt oder »Nachtschwärmer« Autos demolieren? Die Ordnungskräfte rufen! Und wenn die nicht kommen? DER MAINZER stellt Erfahrungen von Bürger/-innen anonymisiert dar.

Ein wenig ist er in die Jahre gekommen, der Spielplatz Badergasse. Rege genutzt wird er dennoch. Eltern mit ihren spielenden Kindern, ältere Menschen, die sich auf den Bänken ausruhen, Parkourläufer/-innen, die Sprünge üben. Und dann sind da noch diejenigen, die – vielleicht – Drogen verticken.

Der Spielplatz mit seinen beiden Eingängen, von der Badergasse und der Karthäuser Straße aus, ist umgeben von mehrstöckigen Häusern mit guten Sichtbeziehungen auf die Wellentäler, Holzzuber und Rinnen, mit denen die Gestaltung Bezug auf die im Mittelalter hier lebenden Bader und Barbiere nimmt. Gleichzeitig bietet der Platz für diejenigen, die sich auskennen in der Altstadt, eine willkommene Abkürzung, mit anderen Worten, hier sind fast immer Menschen unterwegs. Darunter auch solche, denen ungewöhnliches Verhalten anderer auffällt, die sich Gedanken machen, was da gerade passieren könnte und die ihre Beobachtungen manchmal an die Mainzer Ordnungskräfte weitergeben.

Im März 2017 berichtete die Polizei in einer Pressemeldung über den Verkauf von Haschisch auf dem Spielplatz. Danach, so erzählt es eine der Spaziergängerinnen (die ihren Namen nicht veröffentlicht sehen will) sei einige Monate Ruhe gewesen. Längst aber seien ihr und anderen wieder Grüppchen aufgefallen, die zusammenstehen und Tütchen mit undefinierbarem Inhalt »austauschen«. Der Gedanke, hier könnten Drogen die Besitzer wechseln, dränge sich auf. Gleichzeitig die Erkenntnis, das ist Sache der Polizei. In der Regel, so die Spaziergängerin, reagierten die Polizisten, wenn sie anrufe, bäten um Beschreibung des Sachverhalts und der Personen. Da die »Wache«, die Polizeiinspektion 1, quasi um die Ecke in der Weißliliengasse nicht weit ist, seien Streifenwagen meist schnell am Einsatzort. Allerdings komme es auch vor, dass alle Streifenwagen unterwegs sind. Dann hätten die vermutlichen Drogenverkäufer eben Glück gehabt.

Im verkehrssicheren Zustand

Der Spielplatz ist seit seiner Entstehung 2001 immer mal wieder in die Kritik geraten. Eltern beschwerten sich über Betrunkene und deren Hinterlassenschaften, Wohnsitzlose nutzten ihn als Schlafplatz. Zuletzt hatte im August 2018 die CDU-Altstadt von der Verwaltung wissen wollen, warum der Spielplatz nicht in einen kindergerechten Spielplatz ohne Verletzungsgefahr umgewandelt werde. Die Antwort lautete, der Spielplatz sei in einem verkehrssicheren Zustand und werde regelmäßig gesäubert.

Sicherlich ließe sich über die Gestaltung diskutieren, meint die Spaziergängerin. Wichtiger sei doch aber, dass sich auf dem Spielplatz keine alkoholisierten Menschen aufhielten und erst recht keine, die Drogen verkaufen und konsumieren. Wobei weder sie selbst, noch andere, die immer mal wieder die Polizei benachrichtigen, wirklich wissen, ob ihre Vermutungen zutreffen. Manchmal, so die Spaziergängerin, überlege sie, ob sie sich das alles nur einbilde und die Jugendlichen völlig zu Unrecht verdächtige. Denn eine Rückmeldung von der Polizei erhalte sie grundsätzlich nicht.

Unverständlich findet sie, warum das Gittertor an der Badergasse nicht wenigstens nach Einbruch der Dunkelheit abgeschlossen werde und warum die Polizei keine Fußstreifen einsetze, um hier nach dem Rechten zu schauen. Klar ist ihr, dass die Polizei nicht immer sofort kommen könne – die hätten ja auch noch anderes zu tun. Andererseits: es ist ein Spielplatz, auf dem hätten Drogen und Alkohol nichts zu suchen. Bislang hat die Spaziergängerin noch nicht darüber nachgedacht, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Ob das so bleibt, vermag sie derzeit nicht zu sagen.

| SoS

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