Feuerwehr und Musik: zwei Leidenschaften, die einen Großteil von Lavinia Hantelmanns Leben bestimmen und die sich gut ineinander fügen. Die 27-Jährige fand ihre eigenen Wege zur Feuerwehr und in die Musikwissenschaft.

Die Musik: Im Elternhaus spielte Musik keine besondere Rolle. Das Interesse weckte der »theoriefixierte« Musiklehrer in der Schule, der viel über die Kontexte erzählte, in denen Musik entsteht. Lavinia Hantelmann fand das spannend. Seit 2014 studiert sie Musikwissenschaft, mittlerweile im Masterstudiengang und sie spielt Cello im Uni-Orchester. Während der vorangegangenen Ausbildung zur Bibliotheksassistentin in Frankfurt fand sie 2012 in Mainz eine Wohnung. Als »Wahlmainzerin« fühlt sie sich total wohl – und will gar nicht mehr weg.

Die Feuerwehr: Beim »Tag der Offenen Tür« der Berufsfeuerwehr in Offenbach am Main, wo Lavinia Hantelmann ihre Kindheit verbrachte, sprang der Funke über. »Dort gibt es für die Jugendfeuerwehr ein eigenes Auto, wir sind ins Zeltlager gefahren, es war alles aufregend und spannend«, erinnert sie sich. Mit zwölf Jahren trat sie in die Jugendfeuerwehr ein, mit 16 Jahren wechselte sie in die Freiwillige Feuerwehr (FF). Von ihren vier Geschwistern engagieren sich zwei bis heute an ihrem jeweiligen Wohnort in der FF.

Alarmstichworte

In Mainz wurde sie zuerst Mitglied bei der FF-Laubenheim. Seitdem sie in Kastel wohnt, ist sie bei der FF-Mainz-Stadt aktiv. Deren Standort ist die Feuerwache 2 in der Neustadt, neben der Berufsfeuerwehr. »Es ist eine Verpflichtung, klar, wir absolvieren mindestens 40 Übungsstunden im Jahr, machen Fortbildungen, müssen gesundheitlich fit sein und bei Einsätzen zur Verfügung stehen.« Aber auch das Privatleben werde akzeptiert, es sei kein Problem, wenn man mal bei einem Einsatz nicht dabei sein könne.

Acht-Minuten-RAdius

»Wenn mein Piepser losgeht, signalisieren die Alarmstichworte, wie viele Leute, voraussichtlich, gebraucht werden. Bin ich außerhalb des acht-Minuten-Radius von der Wache entfernt, muss ich abschätzen, ob ich mich auf den Weg mache oder nicht. Dabei hilft mir auch die Kommunikation mit den Anderen, zumal in der Stadt bei vielen Einsätzen die Berufsfeuerwehr schneller ist und ausreicht. Es gibt aber Alarmstichworte, die signalisieren, hier sind Alle gefragt, egal wie lange es dauert, bis wir in der Wache eintreffen, dann müssen auch Alle da sein.«

Auf dem Land, erinnert sich Lavinia Hantelmann an ihre Jugendjahre im Odenwald, sieht das ganz anders aus. »Da bin ich selbst während des Schulunterrichts zum Einsatz gefahren, obwohl die Schule weit weg war vom Gerätehaus und wir waren da manchmal nur zu Dritt.« Zehn Jahre Einsatz für die und in der Freiwilligen Feuerwehr gehen in Fleisch und Blut über: »Ich ordne abends meine Kleidungsstücke so an, dass ich blitzschnell hineingelange und mein Fahrrad ist auch immer startklar.«

Und wie ist das so als Frau bei der Feuerwehr? Klar sei, Mädels und Frauen müssen genauso viel leisten, wie die Männer. »Die Ausrüstung, die Geräte, das alles wiegt einiges und die Einsätze sind körperlich anstrengend und psychisch nicht immer einfach zu verarbeiten.« Feuerwehrleute lernen auch mit dem Tod umzugehen und unangenehme Bilder zu verarbeiten. Trainiert werden sie zudem darauf, im Einsatz keine Panik aufkommen zu lassen. »Die Übungen finden unter sehr realistischen Bedingungen statt, mit Rauch und Hitze, in engen Räumen. Dann gebietet uns der Spruch ‚Stehe still und sammele Dich‘ Einhalt, um den Überblick zu behalten.«

Engagement

Dass Musikwissenschaft und Feuerwehr für sie gut zusammenpassen, erklärt Lavinia Hantelmann so: »Im Studium bin ich mit geistigen Dingen beschäftigt, bei der Feuerwehr geht es um strategisches und lösungsorientiertes Denken, auch handwerkliche Fähigkeiten sind gefragt.« Außerdem gefällt ihr, dass sich bei der Feuerwehr Menschen aller Altersstufen und aus unterschiedlichen Berufen für die Gesellschaft engagieren.

| SoS

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