»Unser Verein gehört den Mitgliedern« Detlev Höhne, Aufsichtsrats­vorsitzender des 1. FSV Mainz 05, im Gespräch mit dem MAINZER.

Im September 2017 verabschiedete sich Detlev Höhne als Vorstandsvorsitzender der Mainzer Stadtwerke in den Ruhestand – wenige Wochen zuvor wurde er auf einer turbulenten Mitgliederversammlung in den Aufsichtsrat des 1. FSV Mainz 05 und noch am gleichen Tag zu dessen Vorsitzenden gewählt. Es war, wie er rückblickend feststellt, ein »wildes Jahr«!

MAINZER: Herr Höhne, Sie sind seit September 2017 im »Ruhestand« – in den Medien aber präsent wie zuvor. Haben Sie damit gerechnet, als Sie das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden bei Mainz 05 übernommen haben – oder: Warum tun Sie sich das an?

Detlev Höhne

Detlev Höhne

D. Höhne: Der ehemalige Vorstand hat mich vor ca. 2 Jahren gebeten, dem Verein bei der Entwicklung zeitgemäßer Strukturen zu beraten. Als es jetzt darum ging, diese neuen Konzepte, an denen ich mitgearbeitet habe, in die Praxis umzusetzen, war es für mich selbstverständlich auch diesen Schritt bei meinem Verein mitzugehen.

Mainz 05 hat jetzt seit rund einem Jahr einen Aufsichtsrat. Nicht alle Fans kennen genau die Funktionen dieses neuen Gremiums. Wen beaufsichtigen Sie und wen beraten Sie eigentlich?

D. Höhne: Wir sind die Kontrollinstanz des Vorstandes, also des Vereins- und Vorstandsvorsitzenden Stefan Hofmann, des Sportvorstands Rouven Schröder und des kaufmännischen Vorstands Jan Lehmann. Wir beraten ihn in allen wichtigen Fragen, genehmigen den Wirtschaftsplan, größere Investitionsvorhaben und beschließen über die Entlastung. Rechte, die die Mitgliederversammlung an uns abgegeben hat.

Der FSV Mainz 05 ist ein sogenannter »Ausbildungsverein«, der junge erfolgsversprechende Spieler sucht, die bei dem Verein den Feinschliff bekommen und dann mit einem gehörigen Aufschlag verkauft werden müssen: Die aktuellsten Beispiele: Yoshinori Muto und Abdou Diallo. Aber auch die besten bei uns ausgebildeten Nachwuchskräfte, zuletzt Suat Serdar, verlassen den Verein. Das ist gut für den Jahresabschluss – aber nicht unbedingt für die Stabilität des Teams. Gibt es keine Alternativen?

D. Höhne: Früher hatte ein Profiverein feste Achsen, die lange Jahre die Mannschaft prägten. Die Zeit dieser »Ikonen« und »Legenden« im klassischen Sinne ist vorbei wie ein Blick in die immer umfangreicheren Transferlisten zeigt. Ein Niko Bungert, der seit 2008 unserem Verein angehört, ist im Fußballgeschäft heutzutage sicher eine Ausnahme.

Dies hängt auch mit der Erwartungshaltung vieler Fans zusammen, die einer Mannschaft kaum Zeit für eine systematische Entwicklung zugestehen. Man soll immer mit Top-Spielern Top-Ergebnisse erzielen. Spielt man dann auch noch in mehreren Wettbewerben parallel, ist an eine klassische Stammelf kaum noch zu denken. Dazu kommt der Wunsch von Spielern, sich in ihrer Karriere wirtschaftlich und sportlich maximal entwickeln zu wollen – wenn sie dazu bei anderen Vereinen bessere Möglichkeiten sehen, ist ein Wechsel ein nachvollziehbarer Schritt.
Mainz 05 gehört zu den Teams die nicht nur auf dem Transfermarkt aktiv sind, sondern auch selbst Spieler aufbauen. Die Durchlässigkeit zwischen NLZ und Profis ist hoch und es macht uns stolz zu sehen, dass bislang in nahezu jeder Saison Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen bei den Profis auf sich aufmerksam machen konnten.

Blick zurück: Die letzte Saison ist nicht so gelaufen wie erhofft – dabei war das Spielerpotential doch eigentlich sehr vielversprechend. Lag es an den Umstrukturierungen, dem doppelten Wechsel an der Vereinsspitze? Oder was ist suboptimal gelaufen?

D. Höhne: Ja, das war wirklich ein wildes Jahr, nicht nur im sportlichen Bereich. Die neuen Gremien hatten keine Anlaufzeit. Dazu kam ein deutliches Kommunikationsmanko auf verschiedenen Ebenen. Hier galt es in vielen Treffen Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Ich gestehe auch, dass ich die starke Medienpräsenz unterschätzt habe.

Man hört von dem neuen Vorsitzenden Stefan Hofmann relativ wenig – besonders im Vergleich zu seinem Vorgänger.

D. Höhne: Stefan Hofmann ist ein absoluter Glücksfall für den Verein. Er strahlt die dringend notwendige Ruhe aus. Seine Medienpräsenz hat er bewusst zurückgeschraubt, um sich voll auf die anstehenden Aufgaben zu konzentrieren und mehr Zeit für den Dialog mit den Fan-Clubs zu haben, die er seit Monaten regelmäßig besucht.

Was fehlt in ihren Augen noch aktuell beim FSV – wo sehen sie Nachholbedarf, wo gibt es Optimierungsmöglichkeiten?

D. Höhne: Wir waren einmal die »Isländer der Bundesliga« – die Fans der anderen Teams haben uns sympathisch gefunden und uns jeden Punkt gegönnt. Diesen Status müssen wir wieder erreichen. Fan-Begegnungen sollen kein Ärgernis, sondern ein Erlebnis werden.
Das wichtigste Zukunftsthema ist unsere räumliche Weiterentwicklung – drei verschiedene Standorte sind suboptimal. Unser nächster Schritt wird sein, das Für und Wider eines Kaufs der OPEL ARENA von der Stadt Mainz abzuwägen.

Bleibt denn da noch genügend Geld für neue Spieler?

D. Höhne: Natürlich – es ist doch klar, dass zunächst in die Mannschaft investiert werden muss – aber ein gesunder wirtschaftlicher Hintergrund sowie eine gute Infrastruktur ist für die Zukunft des Vereins ebenfalls wichtig.

Wo steht Mainz am Ende der Saison 2018/19?

D. Höhne: Realistisch gesehen ist Mainz eine Mannschaft, die auch aufgrund unserer begrenzten finanziellen Möglichkeiten in der zweiten Tabellenhälfte anzusiedeln ist. Wenn alles gut läuft kann auch einmal mehr drin sein.

Herr Höhne, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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