Das »Nonno Luigi« schließt eine gastronomische Lücke mit Erfolg. Wer durch Mainz schlendert, kann hier rasch und gut italienisch essen oder auch ausgiebig genießen.

Die Lage ist großartig. Das kleine schlauchartige Restaurant liegt gegenüber dem Mainzer Dom direkt am Markt. Die Gäste können drinnen auf bunten Hockern oder weiß gestrichenen Bänken an hellbraunen Tischen sitzen und die kreativ-spartanische Einrichtung bewundern.
Auf einfachsten Hänge-Metall­regälchen stehen Zutaten, die man käuflich erwerben und mit nach Hause nehmen kann, eine schmale Lichtleiste zieht sich über die volle Restaurantlänge und alle Vorsprünge hinweg an der Decke entlang, und um eine Hammondorgel-Tastatur herum hat ein einfallsreicher Mensch einen – wiederum weiß gestrichenen – Holzkorpus gebaut, wodurch der Eindruck eines Saloon-Klaviers entsteht. Bei gutem Wetter kann man auch vor der Tür platznehmen.

Reichliche Bruschetta-Portion

Das Ambiente hat Klasse, ist durchdacht, auch wenn – oder gerade weil – es studentenbudenartig wirkt. Im Hintergrund wirbelt der Chef Pasquale Maiurano in der Küche, die vom Gastraum aus durch eine große Durchreiche gut zu sehen ist. Die Transparenz gehört offensichtlich zum Konzept, ebenso wie das Showartige, wenn plötzlich eine Stichflamme aus einem Käserad lodert.

Heute sind wir zu viert und können somit ausgiebig probieren. Zunächst lassen wir uns »Brus­­chetta x 3« servieren. Das sind drei große Scheiben gerösteten Weißbrots mit den drei unterschiedlichen Belägen gegrillte Aubergine, gegrillte Zucchini und Prosciutto crudo. Bei Letzterem handelt es sich um einen gesalzenen rohen Schinken aus der Keule. Dieses Arrangement kostet 7,50 Euro, ist aber derart dimensioniert, dass es als Entrée für uns vier allemal ausreicht. Sämtliche Zutaten sind geschmacklich gut, der verwendete Parmesan präsentiert sich fein und nussig.

Mister X widmet sich in der Folge der »Slow cooked Carbonara« zu 14 Euro, die ihn als ausgewiesenen Fan dieses italienischen Gerichts erfreut, wenn auch nicht restlos begeistert. Dazu ist ihm der verwendete Speck etwas zu fad, weil »nicht richtig angebraten«. Immerhin bewertet X das Ganze, zumal wegen der Verwendung reiner Sahne, als »schön schlotzig«. Zu den Spaghetti hat der Koch Guanciale (luftgetrockneten, nicht geräucherten Schweinenacken oder Schweinebacke) und Pecorino gewählt, obenauf ruht das slow cooked Eigelb, das der Speisende genüsslich mit allem anderen vermanscht.

Unser Begleiter nimmt das Angebot »Willkommen in Sila«, das auf Casarecce – dicke, längere, abgerundete Nudeln – beruht, mit Salsiccia, Fenchelsamen und Kirschtomate drapiert und mit Vino bianco zubereitet ist (12 Euro). Die kleinen Wurstbröckchen werden von unserem Mitverkoster als »sehr ausdrucksstark« beschrieben, die Kirschtomate als »ungewöhnlich aromatisch«. Insgesamt stellt sich bei ihm Zufriedenheit ein.

Diese wird bei der jungen Dame an unserem Tisch nicht vollends erreicht. An ihrem veganen Gericht »Pasta & Sugo« mit Casarecce, Basilikum und »kräftigem« Tomatensugo (7 Euro) sagt ihr ebendieses nicht so recht zu: »Die Tomatensoße ist ziemlich gut, aber in Italien schmeckt sie deutlich fruchtiger.« Basta. Gleichwohl wird die Würze der Speise mit ordentlich Oregano und Basilikumblatt gewürdigt, ja gelobt.

Ausgezeichnet: »Spargel goes Italy«

Mein saisonales »Menü« erfreut mich in genussbezogener und pekuniärer Hinsicht. Es kostet 12 Euro und bietet einen Softdrink nach Wahl – ich nehme fritz-kola zuckerfrei –, den Hauptgang »Spargel goes Italy«, bei dem Spaghetti kongenial mit geröstetem Marktspargel, Prosciutto crudo, Weißwein, Sahne und Petersilie kombiniert werden, sowie für danach einen Espresso.

Fast machen wir uns bereit zum Gehen, da fällt unser Blick auf die Dessertabteilung der Speisekarte. Da gibt es Erdbeereis mit halbierten Früchten und Balsamico, der mit der Pipette aufgetragen wird. Kurzum: Diese Kombination ist eine ungeahnte Offenbarung, die 4,50 Euro kostet. Das Gleiche wird für »Cocco nero« berechnet: »black coconut icecream« mit einem »shot of Baileys« und Amarettino-Kekskrümeln. Wohligen Gefühles ziehen wir von hinnen und genießen die letzten Sonnenstrahlen im Angesicht des Doms.

| LOU KULL

ESSEN8,0
TRINKEN6,5
SERVICE8,0
AMBIENTE7,5
PREIS/LEISTUNG8,0
GESAMT38 : 5 = 7,6 KAPPEN

FAZIT

Das »Nonno Luigi«, dessen Name dem Großvater des Restaurantchefs gewidmet ist, hat sich in noch nicht einmal einjähriger Bestandszeit in der Gastronomie am Mainzer Markt fest etabliert. Man könnte meinen, dass das Publikum auf ein derartiges Konzept regelrecht gewartet habe. Die Speisekarte ist angenehm übersichtlich, man schmeckt, dass frische Zutaten verwendet werden, sämtliche Nudeln werden im Haus gefertigt. Das hippe Ambiente spricht für Pfiff und Kreativität. Die Servicekraft, die uns bediente, zeigte sich kenntnisreich und auskunftsfreudig und verband dies mit einer charmanten Art. Bei den Getränken ist die alkoholfreie Abteilung positiv hervorzuheben, mit fritz-kola zuckerfrei (0,2 Liter für 2,50 Euro) und mehreren Bio-Schorlen, die ebenfalls 2,50 Euro kosten. Das Rothaus-Bier (0,33 für 2,80) dürfte manchen erfreuen, allein die Weinauswahl nimmt sich bescheiden aus. Der Vino bianco (0,1 für 2,50), den wir probierten, ist ein sehr schlichter 2016er Frascati, die offerierte Weinschorle »Wilde Susi« kommt als fertig gemixtes Flaschengetränk auf den Tisch (0,25 für 3). Darüber hinaus gibt es einen Prosecco Spumante brut DOC, immerhin aus der Prosecco-Metropole Valdobbiadene (0,1 für 4,50) und als Rosso einen Montepulciano d’Abruzzo 2016 (0,1 für 2,50).

Nonno Luigi
Die Pastamanufaktur
Markt 1
55116 Mainz
Tel. 0 61 31 / 487 94 18
info@nonno-luigi.de
www.facebook.com/NonnoLuigiMainz
Öffnungszeiten:
Mo bis Sa 11-20 Uhr
So Ruhetag
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