Was gibt es im Moment für die Meenzer zu knoddern (für Auswärtige und Eingereiste: vor sich hin brummeln, unterdrückte Äußerungen des Unwillens)?

Natürlich die Baustellen. Im Vordergrund steht die Große Langgasse. Meiner Meinung nach völlig zu Unrecht. Sie ist lange angekündigt und mit den Einzelhändlern besprochen worden. Das scheint gut gelaufen zu sein, denn unsere örtlichen Journalisten haben große Mühe, Kritik von den Geschäftsinhabern auf den Schreibblock zu bekommen.

Ein anderer Aufreger ist das Marktfrühstück und der Weinstand am Rhein. Da stehen doch samstags einige Tausend, vorwiegend junge Leute vor dem Gutenberg-Museum und trinken Wein. Als wenn das nicht genug wäre, setzt sich das an den Wochenenden auch noch am Rhein fort…. Manch einer ärgert sich bestimmt darüber, dass er gegen den Bibelturm war, eine schöne große Baustelle hätte die Weinnasen bestimmt vertrieben.

Ich glaube mittlerweile, eine solche Diskussion gibt es nur in Mainz. Jede andere Stadt würde sich über die Belebung der Innenstadt freuen. Du meine Güte, was haben wir die letzten Jahre in Sachen Innenstadt alles über uns ergehen lassen müssen. Im Jahre 2015 hat der Stadtrat das Integrierte Entwicklungskonzept Innenstadt Mainz beschlossen. Dieses soll Strategien für eine zukunftsfähige und nachhaltige Entwicklung für die Innenstadt sowie konkrete Planungsvorschläge und verbindliche Prioritäten für die spätere Umsetzung aufzeigen.

Im Jahre 2017 musste die Stadt einspringen als deutlich wurde, dass die Einzelhändler und Gastronomen der Innenstadt nicht in der Lage waren über ihren Verein, Mainz Citymanagement, die professionelle Arbeit eines Citymanagers zu organisieren.

Und nun warten die Menschen nicht auf Professor Kunibert Wachten, der einen Handlungsrahmen für die strukturelle Entwicklung der Innenstadt für die nächsten zehn bis 15 Jahre entwickeln will und auch nicht auf die noch nicht vorhandenen Ideen des jungen, dynamischen Citymanagers, sondern bevölkern einfach die Innenstadt und trinken unter freiem Himmel Wein.

Das ist eine Frechheit, zumindest hätte dies mit den Bürgerinitiativen Ludwigsstraße und Bibelturm besprochen und in einem breiten Bürgerbeteiligungsprozess incl. Workshops, Arbeitsgruppen, wissenschaftlicher Begleitung und Moderation von Katrin Eder und selbstverständlich Marianne Grosse breit diskutiert werden müssen. Entschuldigung, natürlich auch unter Einbeziehung von Lars Reichow, dem City Management, MainzPlus und den Mainzer Stadtwerken (wegen der Wasserversorgung). Dann hätte es noch eine Bürgerbefragung mit anschließender Abstimmung geben müssen. Wo kommen wir hin, wenn Tausende die Innenstadt der Welthauptstadt des Weins bevölkern nur um Wein zu trinken. Frechheit !

 

| Mogunzius

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