Kinder für die Geschichte des Buchdrucks zu begeistern – eine spannende Aufgabe, die nicht nur viel Wissen sondern auch didaktische und pädagogische Kenntnisse voraussetzt. Gut, dass Kurt-Martin Friedrich von Beruf Lehrer ist.

Es ist ein zweigeteiltes Berufsleben, das Kurt-Martin Friedrich führt. 21 Stunden in der Woche arbeitet er im Gutenberg-Museum als Museumspädagoge. Dort verantwortet er mit seiner Kollegin die Abteilung des Druckladens, koordiniert die vielen Anfragen und den reibungslosen Ablauf mit den dazu erforderlichen Fachkräften, die aus einem heterogenen Kreis von Angestellten, Ehrenamtlichen, Honorarkräften, FSJ‘lern und Gästeführern der Stadt bestehen.

Außerdem erarbeiten sie die museums­pädagogischen Konzepte für die Kin­derführungen und die Familiensonntage, entwickeln in Absprache mit den Fachkuratoren Führungen für die Sonderausstellungen. »Sind Kinder die Adressaten, muss die Vermittlung bildhafter, fassbarer sein, ich habe dann zum Beispiel Ausstellungsstücke dabei, die in die Hand genommen werden können und die Kinder wollen selbst aktiv werden, weshalb wir die Kinder- und auch die Familienführungen wenn möglich mit Druckaktionen kombinieren«, sagt Kurt-Martin Friedrich.

Quereinsteiger

Der 38-Jährige ist auch Ansprechpartner für Besuche von Flüchtlingsgruppen, die das Museum kennenlernen wollen und für die individuelle Führungskonzepte angeboten werden. Nach Mainz kam Kurt-Martin Friedrich 2009 der Liebe wegen. An der Mainzer Uni hat er Kunstgeschichte, Theaterwissenschaften (Schwerpunkt Oper und Musiktheater) und deutsche Philologie studiert. Nebenbei arbeitete er damals beim Staatstheater Mainz als Einlasskontrolleur, die Praktika machte er am Wiesbadener Staatstheater und mit 25 Jahren hatte er sein Studium mit dem Magister abgeschlossen. »Ich wollte schnell fertig werden und Geld verdienen.« Das klappte zuerst in Heidelberg als Operndramaturg. »Eine erfüllende Arbeit, die aber kaum Raum lässt für Privates«, blickt er zurück. »Ich wollte meine Beziehung, meine Familie und Freunde nicht aufgeben und habe mich deshalb nach knapp drei Jahren entschieden, den Beruf zu wechseln.«

Nach einer kurzen Phase der Selbständigkeit stieß er auf die Möglichkeit, sich als Quereinsteiger zum Lehrer weiterbilden zu können. In Westerburg machte er sein Hauptschulreferendariat, danach das 2. Staatsexamen und fand eine Stelle an der IGS-Hechtsheim. Dort unterrichtet er seit 2010 Musik, Deutsch und Darstellendes Spiel. Als Leiter einer Theatergänger-AG besucht er mit den Schüler/-innen, die Lust dazu haben, zweimal im Monat eine Aufführung am Mainzer Staatstheater: »Es ist schön zu erleben, wenn sich die Kinder für kulturelle Inhalte interessieren.« Eine Haltung, die wunderbar zu seiner mu­seumspädagogischen Arbeit im Gutenberg Museum passt, in der er wiederum auf die didaktischen und pädagogischen Werkzeuge, die er als Lehrer erlernt hat, zurückgreift. Für die Arbeit dort ist Kurt-Martin Friedrich drei Wochentage von seinem Lehrerdeputat freigestellt: »Ich finde die Zweiteilung meines Berufslebens toll.«

Oper im Fitnessstudio

Kultur, in einem weitgefassten Sinne, ist für Kurt-Martin Friedrich beruflich wie privat Mittelpunkt des Lebens. Er besucht gerne Museen und Ausstellungen in Mainz, dem gesamten Rhein-Main-Gebiet und andernorts, Theater und Konzerte in der näheren und weiteren Umgebung. Das »Kulturgut« Mainzer Fastnacht habe sich ihm als gebürtigem Münchner allerdings noch nicht erschlossen, bekennt er.
Sportlichen Aktivitäten fühlt sich Kurt-Martin Friedrich aus gesundheitlichen Gründen verpflichtet, wobei er entdeckt hat, dass man dabei auch in aller Ruhe Musik hören kann. Die eine oder andere Passage einer Oper auf dem Laufband im Fitnessstudio, zum Beispiel.

| SoS

Familienführungen finden im Gutenberg Museum jeden Sonntag um 15 Uhr statt;
spezielle Führungen für Kinder ab 6 Jahre werden jeden 2. Samstag im Monat angeboten.

www.gutenberg-museum.de

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