Kaum zu glauben aber wahr: Es passierte im Jahr 2020 vieles, was gar nichts mit der Virus-Geschichte zu tun hatte und was (hoffentlich) länger wirkt, als die Pandemie.

Aschenbecher für die Kippen

Im Rahmen der Aktion »RheinKippen« wurden in sieben Städten entlang des Rheins rund 800.000 Kippen gesammelt, auch die Mainzer-/innen bückten sich am 12. September 2020 beim RhineClineUp und lasen die Giftbolzen entlang des Mainzer Rheinufers eifrig auf. Bekannt ist, dass viele Kippen auf dem Boden landen, weil gerade kein Aschenbecher in Armlänge erreichbar ist. Der Kippenmüll gelangt über die Gullys ins Abwasser, was der Umwelt gar nicht guttut. In einem einzigen Zigarettenstummel sind u.a. nachweisbar: Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd und Nikotin. Es dauert 15 Jahre, bis sich ein Zigarettenfilter komplett zersetzt. »Eine Kippe vergiftet bis zu 40 Liter Wasser und gehört daher auf keinen Fall in die Kanalisation«, so Katrin Eder (Die Grünen). Die Mainzer Umweltdezernentin kündigte an, dass an 250 vorhandenen Abfalleimern in der Stadt Aschenbecher angebracht werden und zwar separat ohne Kontakt zu den Abfällen. Damit die Rauchenden die neuen Aschenbecher auch wahrnehmen sind sie mit einem farbigen Hinweis gekennzeichnet: »Kippen gehören hier rein!«

Neue Radabstellanlagen am Hauptbahnhof

Imposant sieht sie aus, die Radabstellanlage auf der Südseite des Mainzer Hauptbahnhofs, Richtung Alicebrücke. Etwa 500 neue Abstellplätze wurden hier geschaffen. Im Rahmen der Bike & Ride-Offensive soll sie »der großen Nachfrage nach sicheren und zeitgemäßen Radabstellmöglichkeiten am Hauptbahnhof gerecht werden«, meint Katrin Eder, die auch Verkehrsdezernentin in Mainz ist. Die Anlage besteht aus Doppelstockparkern. In der oberen Reihe lassen sich Fahrräder mithilfe einer Gasdruckfeder einstellen. Für das sichere Anschließen können die Räder an den jeweils montierten Bügeln angeschlossen werden. Wie das Einstellen funktioniert, erklären Piktogramme auf der Abstellanlage.

An Gleis 13, auf der östlichen Seite des Mainzer Hauptbahnhofes, befindet sich ebenfalls eine neue Doppelstockanlage für Fahrräder. Deren Besonderheit: die 240 Abstellplätze sind überdacht. Im Rahmen der »Bike & Ride – Offensive« sollen weitere Fahrradabstellplätze im demnächst fertiggestellten Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof West entstehen, sowie am Bahnhof Römisches Theater und am Bahnhof Laubenheim. Es wäre toll, wenn die schönen Radabstellanlagen auch von denjenigen genutzt würden, die ihre
Fahrräder auf dem Bahnhofsvorlatz abstellen.  Zu den Gleisen kommt man so schneller und die paar Schritte mehr in die Bahnhofshalle sind echt verkraftbar.

Eingehaust: Der Drususstein

Den Besuchern/-innen des Open Ohr-Festivals in Mainz ist der Drususstein auf jeden Fall ein Begriff. Im Programm des Festivals findet er sich regelmäßig als Ortsangabe für Lesungen und musikalische Darbietungen. Kein Wunder, das auch als Eichelstein bekannte Denkmal auf dem Zitadellen-Gelände fällt schon ob seiner eigenartigen Form auf. Dass der Drususstein als bedeutendstes Baudenkmal aus römischer Zeit in Mainz gilt, ist vermutlich nicht allen so wirklich bekannt, dass er schon lange vor sich hin bröckelt, war aber nicht zu übersehen. Das römische Erbe in Mainz zu erhalten stellt sich immer wieder als schwierige Aufgabe heraus. Werden Gelder zur Sanierung oder Erhaltung von Denkmälern im Etat der hoch verschuldeten Stadt Mainz eingestellt, gelten diese »freiwilligen Leistungen« der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion oft als verzichtbar und werden nicht genehmigt.

Es bedarf in solchen Fällen eines forcierten Engagements von Bürger/-innen z.B. in der Initiative Römisches Mainz, die im Einklang mit der Expertise der Landesarchäologie nicht nachlassen, um den Verfall des römischen Erbes aufzuhalten. Tatsächlich konnten Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) und Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) 2018 den Start umfangreicher Sanierungsarbeiten am Drususstein verkünden, die damals auf 880.000 Euro veranschlagt wurden und zwei Jahre andauern sollten. Nun, Ende 2020 ist die Konservierung des Mauerwerks größtenteils abgeschlossen, der noch junge Mörtel besonders am »römischen Sockel« muss über den Winter vor Auffeuchtung und Frost geschützt werden, weshalb eine Einhausung als Winterschutz angebracht wurde. Im Frühjahr soll die Umfeldgestaltung des Drusussteins beginnen. So die Corona-Pandemie es zulässt, werden sich beim 2021er Open Ohr an Pfingsten manche Open Ohr-Veteranen beim Anblick des »neuen« Drususstein die Augen reiben.

Fast fertig: Die Große Langgasse

2018 an Aschermittwoch begann der Umbau der Großen Langgasse, nur zwei Jahre später, im Dezember 2020 stand sie vor der Fertigstellung. Im Umfeld dieser Baumaßnahme wurden auch die Kötherhof-, Emmerans-, und Dominikanerstraße saniert und neugestaltet, es entstanden mit dem Gisela Thews-Platz und dem Maria Einsmann-Platz zwei neue Plätze. Auch vor der ehemaligen katholischen Kirche St. Emmeran ist in Richtung Kardinal Volk-Platz und Römerpassage der Bürgersteig so verbreitert worden, dass er wie ein Boulevard wirkt. Hier müssen Poller zur Straße hin dafür sorgen, dass sich Fahrzeuge nicht widerrechtlich breit machen.

Bis auf weiteres beeinträchtigt das harmonische Gesamtbild der Großen Langgasse noch die private Baustelle in der ehemaligen Residenzpassage und der Platz vor der Wohnbau-Liegenschaft in der Großen Langgasse mit Baucontainern passt so gar nicht ins Bild.

Für viele Einzelhandelsgeschäfte war insbesondere der erste Teil der Baumaßnahme zwischen Ludwigs- und Emmeransstraße eine harte Geduldsprobe, die einige um die Existenz bangen ließ und andere zur Geschäftsaufgabe zwangen. Nach der Fertigstellung fallen auch bei winterlichem Schmuddelwetter viele Details der neu geschaffenen Aufenthaltsqualität ins Auge, wie vergrößerte Bauscheiben, Sitzgelegenheiten und breite Bürgersteige durchgängig barrierefrei abgesenkt, die zum Flanieren animieren. Der Fahrzeug- und Radverkehr wird mit Tempo 20 – 30, Verkehrskreiseln, Radabstellanlagen, kostenpflichtigen Parkplätzen, Ladezonen und verkehrsberuhigten Bereichen mit absolutem Parkverbot auf den Plätzen gesteuert. Im Vergleich zur »alten« Großen Langgasse stehen zwischen 50 und 60 Parkplätze weniger zur Verfügung. Die Parkhäuser Am Kronberger Hof und Proviantmagazin sind in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen. Einschließlich Baunebenkosten und Nebenleistungen (inkl. Kanal­sanierungen und Erneuerung von Leitungen der Mainzer Netze) belaufen sich die Baukosten für die Gesamtmaßnahme auf insgesamt 7,4 Mio. Euro. Aus dem Programm »Aktive Stadtzentren” steuern Land und Bund einen Zuschuss in Höhe von ca. 3,3 Mio. Euro bei.

Eine »kurze« Verzögerung von bislang vier Wochen ist bei der Baumaßnahme Münsterplatz eingetreten. Die Sanierung der Kleinen Langgasse, die zu dieser Baumaßnahme zählt, ist aber abgeschlossen, die schmale Straße ist in zwei Richtungen befahrbar, so dass die direkte Ein- und Ausfahrt ins Parkhaus Proviantmagazin gewährleistet ist. Auf der rechten Seite in Richtung Große Langgasse ist der Gehweg schön breit, Zufußgehende haben genügend Platz (was vor der Umgestaltung nicht der Fall war). Bis Mai 2021 soll die Baumaßnahme Münsterplatz und Schillerstraße komplett abgeschlossen sein.

Münsterplatz: Neuer Investor?

Ob es der Stadtverwaltung bis dahin gelingt einen neuen Investor für das Bauprojekt Münsterplatz/Große Bleiche 1 zu finden? Für die Notbebauung aus der Nachkriegszeit wird seit Jahren eine städtebauliche Lösung gesucht. Zuletzt war 2019 in einem gemeinsamen Wettbewerb mit dem Investor eine »Insula Verde« angedacht, die eine Platzwand zum neu gestalteten Münsterplatz bilden sollte. Dem Vernehmen nach hat der Investor aufgrund der Corona-bedingt schwierigen wirtschaftlichen Situation von dem Projekt Abstand genommen.

| SoS

 

Die Straßenbahn ist attraktiver als der Bus

 

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