Stürzen ältere Menschen, sind meist Knochenbrüche die Folge. Forschungsziel der Mainzer Trauma-Stiftung ist es, die Behandlung dieser Verletzungen nach solchen Unfällen zu verbessern.

Die Behandlung von Knochenbrüchen bei älteren Patienten stellt eine besondere Herausforderung dar. »Nicht nur die komplexen Frakturen, sondern auch die Konstitution der Menschen machen schonendende Operationsmethoden, spezielle Instrumente und Implantate notwendig«, fasst Prof. Dr. Pol Maria Rommens seine langjährigen Erfahrungen und Beobachtungen zusammen. Er ist Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Mainz zusammen und Mitglied im Stiftungsbeirat der Mainzer Trauma-Stiftung.

»Die Zahl älterer Patientinnen und Patienten nimmt stetig zu. Daher müssen wir die medizinische Versorgung in unserem Fachbereich viel stärker an die Bedürfnisse dieser Menschen anpassen.« Dieses Ziel hat der Initiator und Gründungsstifter für die Mainzer Trauma-Stiftung formuliert, als diese 2016 ins Leben gerufen wurde. Sie fördert die medizinische Forschung auf dem Gebiet der Alterstraumatologie. Im Speziellen der Behandlung von Unfallverletzungen älterer Menschen, um deren Selbständigkeit und Lebensqualität nach einem Unfall bestmöglich zu erhalten.

Becken hat zentrale Bedeutung

Zu den häufigsten Knochenbrüchen bei älteren Menschen gehört inzwischen die Beckenringverletzung, das zeigen die Aufzeichnungen des Mainzer Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie. Da das Becken jedoch eine zentrale Stellung im Skelett einnimmt, beeinträchtigt diese Art von Verletzung unmittelbar die Mobilität. Damit auch die Selbstständigkeit der betroffenen Menschen. Das Bestreben sei es, so Rommens, mit der richtigen Therapie die Menschen so schnell wie möglich wieder beweglich zu kriegen, denn das Liegen und die Schonhaltung der Patienten führten zu weiteren Erkrankungen oder Komplikationen.

Patientin gibt Anstoß für Gründung der Mainzer Trauma-Stiftung

Die Idee für die Stiftungsgründung entwickelte Rommens vor vielen Jahren auch durch das Gespräch mit einer älteren Patientin, die mit einer Beckenfraktur und Oberschenkelhalsbruch auf seiner Station lag. »Nach der Operation fragte die Dame mich, ob es sinnvoll wäre, solch eine Verletzung noch in ihrem hohen Alter zu operieren und welche Alternativen es hätte geben können«, erzählt der Facharzt für Unfallchirurgie. Denn, eine übliche Operation samt der anstrengenden Anästhesie sei vor allem für hochaltrige Menschen eine enorme physische Belastung.

Behandlungsleitlinien sind erforderlich

Die Behandlungsform einer Fraktur sei daher immer eine Abwägung, erklärt der Mediziner. Leitlinien, anhand derer Ärzte entscheiden könnten, ob eine Operation bei einem älteren Menschen sinnvoll ist oder etwa ein anderes Verfahren angewandt werden sollte, seien daher dringend erforderlich. Über Forschungsprojekte, die die Mainzer Trauma-Stiftung finanziert, sollen diese entwickelt werden. In diesem Sinne untersuchen Mitarbeiter des Zentrums schon jetzt in Laboren das Altern von Knochen und Gelenken, werten Daten besonderer Verletzungsformen aus und analysieren Therapieformen.

Außerdem testen sie an Kunstknochen neue Operationstechniken und in biomechanischen Versuchen neue Verfahren zur Stabilisierung der Knochen nach einer Fraktur. Damit die Auswertungen und Erkenntnisse interdisziplinär weiterentwickelt werden können, sucht der Zentrumsdirektor auch den Austausch mit Kollegen weltweit. In diesem Sinne kam es bereits zu einer Kontaktaufnahme mit der Japanischen Gesellschaft für Frakturbehandlung, bei der das Mainzer Forschungsthema auf breite Resonanz stieß.

| KH

Mehr Informationen: www.foerdern-und-stiften.uni-mainz.de
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