Große Langgasse

Große Langgasse: Das Miteinander will gelernt sein

Die Große Langgasse ist wieder in beide Richtungen befahrbar. Hier Tempo 30, dort Tempo 20, Kreisel, kostenpflichtige Parkplätze, Ladezonen, Parkverbot auf den Plätzen, Radstreifen in den Kreuzungsbereichen: Die Verkehrsteilnehmer/-innen müssen sich eingewöhnen.

Der gräulich-regnerische Dezember-Tag trägt nicht dazu bei, den neuen Charme der Großen Langgasse ins rechte Licht zu rücken. Wer die Umgestaltung verfolgt hat, weiß aber, dass der im letzten Jahr fertiggestellte Dr. Gisela Thews-Platz bei angenehmem Wetter ein belebter Anziehungspunkt geworden ist. Die Spielgeräte, die Bänke, die begrünten Beete  und die gastronomischen Angebote locken Menschen. Die Einzelhandelsgeschäfte, die während der Bauzeit ausgeharrt (und überlebt) haben, dürften vom Flanier-Ambiente profitieren. Auch der Platz an der Emmeransstraße ist fertiggestellt, die breiten Gehwege und Bänke unterstreichen die Absicht, hier sollen sich Menschen wohlfühlen.

Kostenpflichtiges Parken

Noch bevor die Große Langgasse am 9. Dezember 2019 offiziell für den Verkehr in zwei Fahrtrichtungen freigegeben wurde, haben die Autofahrenden die Straße wieder für sich entdeckt. Die Parkplätze sind morgens schon vor neun Uhr gut gefüllt. Die Plätze auch. Es ist das gleiche Bild, wie auf anderen Mainzer Plätzen auch: die Zufußgehenden schlängeln sich um die parkenden Autos herum. Wie viele von den Fahrzeugen eine Ausnahmegenehmigung haben und hier parken dürfen: Wer weiß das schon? Unter den Autofahrenden muss sich herum sprechen, dass entlang der Fahrbahnen nur parken darf, wer einen Parkschein erwirbt. Überhaupt wird das Miteinander aller Verkehrsteilnehmer/-innen noch zu üben sein.

Die Radstreifen, die an den beiden Kreuzungsbereichen in die Große Langgasse hinein- bzw. hinausführen und plötzlich enden: was hat es damit auf sich? Axel Strobach, Leiter des Stadtplanungsamtes erklärt, sie seien als Orientierung für die Radelnden gedacht. Ob Radelnde eine solche Orientierung brauchen, sei dahingestellt. Ob Autofahrende verstehen, dass am Ende der Radspur, die Zweiradfahrenden ohne Anzuhalten auf die Fahrspur wechseln, ist fraglich.

Die Tempo-20-Regelung, die zwischen Kreuzung Ludwigsstraße und Emmeransstraße gilt, dürfte für Autofahrende gewöhnungsbedürftig sein. Ebenso, dass in diesem Bereich das Überholen von Zweiradfahrenden schlicht unmöglich ist – außer, der Mittelstreifen wird überfahren, was aber zu vermeiden ist: der dient den Zufußgehenden als Hinweis, dass sie in diesem Abschnitt überall die Straße queren können.

Große Langgasse

Verkehrsüberwachung ist gefragt

Katrin Eder, Umwelt- und Verkehrsdezernentin, sagte die neuen „Instrumente“, die den Verkehr in der neuen Großen Langgasse regeln, seien für alle Beteiligten sicher gewöhnungsbedürftig, aber das werde sich schon alles einpendeln. Klar sei auch, dass die Verkehrsüberwachung hier besonders darauf zu achten habe, dass die Regeln eingehalten werden, dass besonders die schönen neuen Plätze nicht ständig von Fahrzeugen zugestellt werden.

Oberbürgermeister Michael Ebling freute sich über die „Punktladung“: Die Freigabe der Großen Langgasse für den Fahrzeugverkehr in beide Richtungen sei exakt im ursprünglich vorgesehen Zeitplan erfolgt – obwohl es im vergangenen Sommer zu Verzögerungen gekommen war.
In den kommenden Monaten sind weitere Arbeiten zu erledigen, so Ebling und Eder. Der Abschnitt zwischen Emmeransstraße und Große Bleiche ist noch fertigzustellen. Dort wird die private Baustelle in der ehemaligen Residenzpassage die Aufenthaltsqualität länger beeinträchtigen. Ebenso der Platz vor der Wohnbau-Liegenschaft, auf dem derzeit Baucontainer abgestellt sind.

Spannend wird, ob mit der Freigabe des Verkehrs in beide Richtungen  der motorisierte Individualverkehr in der Ludwigsstraße zurückgeht. Denn wer jetzt die Weißliliengasse in Richtung Große Bleiche/Neustadt  befahren  will „muss“ nicht mehr verkehrswidrig durch die Fußgängerzone Ludwigsstraße und die Bushaltestelle Höfchen fahren.

| SoS

 

Tabu für Radfahrende