Es ist eine Grundregel des Verhaltens im Straßenverkehr: der Schulterblick über die linke oder die rechte Schulter nach hinten.

Es könnte ja ein Mensch auf der einen oder anderen Seite an einem vorbeilaufen, vorbeiradeln oder vorbeirollern. Sogar überholendende Autos im Totenwinkel des Außenspielgels werden so gesehen.

Neulich, in einer der ruhigeren Seitstraßen der Oberstadt, war ein Fahrschulwagen mit Lehrer und Schüler unterwegs. Einparken üben war angesagt. Der junge Mann hatte danach vermutlich einen Krampf in der Nackenmuskulatur, so oft machte er den Schulterblick. Vor allem beim Ausparken schien er nicht genug kriegen zu können vom Blick über die linke Schulter.

Mich beruhigen solche Beobachtungen. Ich denke mir, der wird mit Entgegennahme des Führerscheins und den ersten Fahrübungen ohne Lehrer an der Seite den Schulterblick bestimmt nicht vergessen.

Die ältere Frau vor mir auf dem Fahrrad streckt den Arm links raus und zieht in die Mitte der Fahrbahn. Ohne einen Blick nach hinten zu werfen. Ich wollte sie überholen, aber meine innere Stimme sagte: Vorsicht. Ich blieb hinter ihr, der Zusammenstoß blieb aus. Ähnlich sorglos sind die Radfahrenden, die über Fußgängerwege fahren – ohne rechts oder links zu schauen. Immer im Vertrauen darauf, dass die Autos anhalten. Sie gefährden sich selbst – und nötigen die Autofahrenden. Muss das immer wieder erklärt werden? Erwachsenen Menschen?

»Entschuldigen Sie, warum fahren Sie mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig?« »Da kam gerade ein Auto, es erschien mir sicherer auf dem Bürgersteig zu fahren.« Die Frau hätte natürlich auch anhalten können, mit ihrem Fahrrad. Das sieht sie aber nicht ein. Sie will auch nicht verstehen, dass der teilweise rot bemalte Bürgersteig KEIN Fahrradweg ist. Rote Farbe signalisiert ihr, hier darf ich radeln.

Wir unterhalten uns eine Weile über Verkehrsschilder und deren Sinn und Zweck. Auch über solche, die Radfahrenden gelten. Erschreckend empfinde ich in diesen Dialogen die Erkenntnis, die Leute wissen meist wirklich nicht, was sie tun, bzw. was sie nicht tun dürften. Sie begreifen auch nicht, dass und wie sie andere mit ihrem Verhalten gefährden. Schlimm ist das.

Vergessen die Menschen alles, was sie in der Fahrschule gelernt haben? Klar, es gäbe ja »Instanzen«, die sie daran erinnern könnten. Da fällt mir der Polizist ein, der mir anlässlich einer Verkehrskontrolle erklärte, es sei einzig Sache der Polizei, Verkehrsteilnehmer/-innen über ihre Pflichten aufzuklären. Den Satz habe ich damals nicht verstanden und verstehe ihn heute nicht. In vielen Fällen wird von den Bürger/-innen Zivilcourage eingefordert. Hinschauen, statt Wegschauen. Wieso soll ich dann wegschauen, wenn Verkehrsteilnehmer/-innen mich und andere gefährden, in dem sie Verkehrsregeln missachten?

| SoS

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