Fast in jeder Kultur gibt es Gedenk- und Feiertage, die den Verstorbenen gewidmet sind: Familienangehörigen, Opfer von Kriegen und Terror oder ganz allgemein allen Toten. Ergänzend dazu hat sich in vielen Fällen ein spezielles Brauchtum entwickelt.

Newweling

Das Mainzer Allerseelenfest hat (weltweit) ein Alleinstellungsmerkmal. Nur hier gibt es die sogenannten Newwelinge: kegelförmige »Kerzen« die nur aus mit buntem Wachs überzogenen Dochten bestehen, meist um einen Stock gewickelt und dann auf die Gräber gestellt werden. Ein solcher Newweling wird bereits 1347 urkundlich erwähnt und im Jahr 1424 legte der Mainzer Patrizier Hamann zum Widder fest, »dass man vier nebelinge uff sine Grab legen soll uff aller seelen tag, und die bornen die meß us.«

Ich will dohin, wo Newweling duhn brenne!aus: Määnz bleibt Määnz; Text: Karl Schramm

Ob man den Namen mit »Kind des Nebels« übersetzen kann oder ob er sich auf einen unheimlichen Nibelung bezieht, der der Sage nach Mainz immer im November unsicher gemacht haben soll bis er mit einem Newweling gebannt wurde, ist umstritten. Auch die Nibelungen werden hier gerne ins Spiel gebracht, weil sich die Form der Kerze mit der sagenhaften Tarnkappe dieses Geschlechtes decken soll. Produziert werden die Newwelings heute nur noch von einem Unternehmen in der Stadt. Sie sind am 31. Oktober und 1. November an Ständen vor dem Hauptfriedhof, dem Mombacher Waldfriedhof und dem Gonsenheimer Friedhof erhältlich.

 

Haddekuchen

Einfacher ist es, einen Haddekuchen zu erwerben. Diese ursprünglich hessische Pfefferkuchenart, wurde früher in einigen Gegenden, darunter in Mainz, auch nur um Allerseelen vor den Friedhöfen verkauft, ist aber inzwischen in einigen Bäckereien das ganze Jahr über zu bekommen. In Frankfurt kann man sie auch gelegentlich bei den Brezelverkäufern erwerben, die durch Sachsenhausen ziehen. Der rautenförmige »Harte Kuchen« dient heute auch als Zutat für Lebkuchensoßen und Sauerbraten.

 

Soul-Cake

Bereits im Mittelalter kannte man in England kleine runde »Seelenkuchen«. Diese Soul-Cakes, wurden, meist mit einem Glas Wein zusammen, um Allerseelen vor die Haustüren gestellt. Der Hintergrund dieses Rituals ist heute nicht mehr klar. Einige Kulturwissenschaftler vermuten, dass es sich dabei um einen eher christlichen Brauch handelt: Die Bürger stellten in dieser für die Armen besonders harte Zeit Kuchen und Wein als »Milde Gaben« an die Straße und erwarteten im Gegenzug dafür, dass die Almosenempfänger, für die »armen Seelen« beteten.

A soul! a soul! a soul-cake! Please good Missis, a soul-cake!Volkslied, 1891 in der Grafschaft Chesire aufgezeichnet

Andere vermuten einen noch älteren Hintergrund: Man wollte mit den Lebensmitteln, nach keltischem Vorbild, die vorbeiziehenden »armen Seelen« mit einer Wegzehrung stärken.
Spätestens seit dem 19. Jahrhundert kennt man auch hier entsprechende Heischumzüge: Die Jugend des Dorfes zog jetzt singend von Tür zu Tür und bat um solche Kuchen (um den Wein wohl eher nicht).

Sie sind mit den Weihnachts-, Sylvester- und Karwochen-Umzügen in Mitteleuropa vergleichbar. Einige Wissenschaftler nehmen an, dass sich aus diesen Heischumzügen das »Trick or treat« des amerikanischen Halloween entwickelt hat.

 

RUHEWALD – Einzigartig in Rheinhessen

Im Ruhewald Rheinhessische Schweiz setzt sich der Kreislauf des Lebens im Einklang mit der Natur fort. Hier finden Sie Ruhestätten im naturbelassenen Wald, unter Eichen, Buchen und Douglasien. Der Ruhewald steht allen Menschen, unabhängig von ihrem Wohnort, für die Nutzung dieser alternativen Bestattungsform zur Verfügung.

Auf einem 6,78 Hektar großen Areal südwestlich der Ortsgemeinde Stein-Bockenheim finden die Besucherinnen und Besucher eine besondere Waldbegräbnisstätte. Die Grabpflege übernimmt die Natur. Durch das Bestattungskonzept können sich die Wälder für mindestens 100 Jahre ungestört weiterentwickeln. Vor diesem Hintergrund dient das Konzept auch dem Schutz des Waldes, eine weitgehend standortgerechte und naturnahe Baumartenzusammensetzung ist für die Waldbegräbnisstätte unabdingbar. Alle 14 Tage finden samstags allgemein zugängliche und kostenlose Führungen im Ruhewald-Rheinhessische-Schweiz statt.

Infos: www.ruhewald-rheinhessische-schweiz.de/ruhewald-fuehrungen.html

 

20 Jahre Grünewald und Baum

Vor 20 Jahren hatten wir die Vision, in unserem Haus das Abschiednehmen für Menschen anders zu gestalten. Wir haben in diesen Jahren viel erlebt. So viele verstorbene Menschen wurden uns anvertraut. So viele Angehörige haben bei uns geweint und gelacht, in unseren Räumen berührende Stunden verbracht. Wir sind dankbar und stolz zu einer festen Größe in Mainz geworden zu sein.

Dies wollen wir am 23. Und 24. November mit einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm feiern. An zwei Tagen laden wir Alt und Jung in unser Haus, beantworten Fragen, gewähren Einblicke, lassen uns von einer Brass-Band, humorvollen Beiträgen, gemeinsamen Singen und Erinnern und geistreichen Vorträgen bereichern. Feiern Sie mit uns – wir freuen uns auf Ihren Besuch.

| MDL

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