Carolin Holzer hat ein Wohnprojekt in Gang gesetzt und die Gründung der Genossenschaft »Z.WO.« initiiert. Wenn alles gut geht, werden auf dem Heilig-Kreuz-Areal 40 Wohnungen für gemeinschaftliches Wohnen entstehen.

»Zusammen Wohnen« ist das Schlüsselwort für das Projekt, das Carolin Holzer seit drei Jahren gemeinsam mit ihrem Mann vorantreibt. »Zusammen« heißt, Menschen verschiedenen Alters, mit mehr und mit weniger Geld, unterschiedlichster Herkunft und Familienstand. So in etwa ist Carolin Holzer selbst groß geworden in Coburg. Die Großeltern der 34-Jährigen leben auf einem Bauernhof. Dort trafen Carolin und ihr Bruder regelmäßig mit 15 Cousinen und Cousins, Urgroßeltern, Tanten und Onkeln zusammen. Hier hat sie verinnerlicht, über Vater, Mutter und Geschwister hinaus zu denken und zu leben.

Einen entscheidenden Anstoß für ihren Sinn von Gemeinschaft, Solidarität und Miteinander erhielt sie durch ein tragisches Ereignis: der Bauernhof ihrer Großeltern brannte ab. »Daraufhin baute die ganze Verwandtschaft den Hof gemeinsam wieder auf – denke ich an diese Gemeinschaftsaktion, bekomme ich noch 24 Jahre später Gänsehaut.« Ihr Opa, der 35 Jahre in der Kommunalpolitik aktiv war, habe ihr außerdem vorgelebt, dass, was man hat, einsetzen soll für diejenigen, die das nicht haben. Auf dem Hof der Großeltern wurden Asylbewerber beschäftigt und Jahrespraktikanten aus Brasilien.

Nach Mainz kam Carolin Holzer 2007, um an der Uni Sprachwissenschaften zu studieren. Das war dann doch nicht ihr Ding, sie sattelte um auf Kommunikationsdesign in Wiesbaden. Nach dem Studium und zwei Jahren in Berlin wollte sie mit Ehemann und der zwischenzeitlich geborenen Tochter zurück nach Mainz und suchte eine Wohnung – ohne Erfolg. »Was es an Häusern und Wohnungen gibt, wollten wir so nicht haben und schon gar nicht für das viele Geld. Wir hätten zu viele Abstriche machen und einen Verlust an Lebensqualität hinnehmen müssen. Die Familie wurde in Kastel, nahe der »Housing Area« fündig. Hier unternahmen Carolin Holzer und ihr Mann vor drei Jahren die ersten Schritte in Richtung gemeinsames Wohnprojekt. Sie schrieben ein Quartiersentwicklungskonzept für die Konversionsfläche »Housing Area« in Kastel, erklärten es u.a. auf dem Spielplatz anderen Eltern und fanden so Mitstreiter. 2015 gründeten sie den BiQKK »Bürgerinitiierte Quartiersentwicklung Kastel Kostheim e.V.«. Das erforderliche Wissen und die Erfahrungen, einen solchen Prozess zu initiieren und zu begleiten, bringt Carolin Holzer aus ihrem Berufsleben mit. Sie arbeitet als Consultant für Dialogprozesse, berät z.B. Kommunen in Bürgerbeteiligungsverfahren.

Aus der BiQKK heraus entsteht derzeit die Genossenschaft »Z.WO. Zusammen Wohnen«, die sich mit ihrem Wohnprojekt im Mainzer Heilig-Kreuz-Areal bewirbt. Hier steht mit dem Baufeld 11 eine Baufläche zur Verfügung, die aus der freien Vermarktung herausgenommen und für Baugemeinschaften zu einem Festpreis reserviert ist. Bis Oktober dürfte die Entscheidung gefallen sein, ob Z.WO. dort bauen kann. 2020, so hofft Carolin Holzer, könnten die geplanten 40 Wohnungen bezugsfertig sein. Als Projektmanagerin ist sie 1,5 Tage pro Woche für das Projekt aktiv, gegen Entgelt.

Work-Live-Circle

»Wir wollen nicht nur Raum für Wohnen und gemeinsame Aktivitäten für uns schaffen, sondern wir arbeiten daraufhin, gemeinschaftliche Wohnprojekte als ganz normale Wohn-Option zu etablieren – neben Eigenheim und Mieten.« Klappt es mit der Realisierung im Heilig-Kreuz-Areal hat Z.WO. auch ein Anschauungsobjekt – für Nachahmer. »Wir sind ganz normale Menschen – was manche, die uns kennenlernen überrascht, weil sie uns in einer ‚sehr alternativen Ecke‘ verorten.« Angesprochen auf das Thema Freizeit lacht Carolin Holzer, die mit ihrem Mann mittlerweile zwei Kinder großzieht nur und sagt: »Z.WO.« Außerdem: »Bei mir greift alles ineinander, Arbeit und Freizeit, ich sehe mein Leben als ein work-live-circle.«

| SoS

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