»Eine Fabel, die man Simpeln und Kindern aufbindet…« Bald ist wieder Ostern, das Fest der Mythen und Gebräuche. Früher drehte sich außerhalb der christlichen Liturgie (fast) alles um den Osterhasen – doch der kann das schon lange nicht mehr alleine bewältigen.

Zu den vielen unerforschten Gestalten der abendländischen Kultur zählt sicherlich auch der Osterhase. Jenes scheue Nagetier, das – fast schon dem Weihnachtsmann gleich – in nur einer Nacht Millionen von Nestchen füllt und Ostergeschenk-Szenarien mehr oder weniger geschmackvoll dekoriert. Schon seit dem 17. Jahrhundert als zuverlässiger Lieferdienst für bunte Eier bekannt ist er der direkte Leidtragende einer Entwicklung, die sich in den letzten Jahren immer deutlicher abzeichnet: Das Ostergeschenk-Geschäft.

Ergötzten sich die Kinder früher im Wettkampf »Wer wird Ostereierkönig?«, sprich: wer sammelt am meisten Eier ein, hat sich heute das mehr oder weniger kleine Ostergeschenk zu einem festen Bestandteil des Nestes entwickelt. Kein Wunder, wenn Meister Lampe immer häufiger über Rückenbeschwerden klagt.

Kuckuck, Storch und Himmelshenne

Warum eigentlich ein Hase? Es existieren doch sicherlich kräftigere Tiere denen man die österlichen Lasten aufbürden könnte. Es gibt sie ja auch: Fuchs, Storch, Kuckuck, Hahn und Himmelshenne, Kranich und Eiervogel – ja sogar das Osterlamm, der Nikolaus und der »liebe Gott« persönlich (Südostschlesien) werden in verschiedenen Regionen für die bunten Eier verantwortlich gemacht. Und in der Eifel und einigen Orten der Mosel sind es die Kirchenglocken, die aus Rom zurückkehren. (Was sie da gemacht haben ist eine andere Geschichte.) Doch in der Folklore konnten sie sich alle ebenso wenig durchsetzen wie als Thementräger im Einzelhandel – da muss es einfach der Hase sein. Völlig unklar ist, warum es das scheue Hoppeltier sein muss. Es gibt verschiedene Theorien und Hypothesen die vom Fruchtbarkeitssymbol (der ständig aktive und mit Nachkommen satt gesegnete Rammler) bis zu diversen Aspekten der christlichen Ikonographie (»Dreihasenbild«) reichen.

Bunnies oder Bilbies?

Sicher ist eigentlich nur, dass »der Osterhase« seinen Ursprung in Mitteleuropa, im deutschsprachigen Raum und den angrenzenden Regionen, hat und von den Auswanderern in andere Länder und Erdteile mitgenommen wurde. Dort konnte es dann zu leichten Mutationen kommen. So lädt der Präsident der USA etwa an Ostersonntag ausgewählte Kinder und Eltern zum »Easter Egg Roll” in das Weiße Haus ein, während man in anderen Städten zur bunt bis schrägen Osterparade geht.

Und Down Under in Australien gibt es statt dem »Easter Bunny«, wie der Osterhase im englischsprachigen Raum oft genannt wird, das »Easter Bilby«. Ein Bilby, genauer: rabbit-bandicoot und auf gut deutsch »Großer Kaninchennasenbeutler« ist ein stämmig gebautes Beuteltier mit langgezogener Schnauze, das vom Aussterben bedroht ist. Zumindest eine Mitschuld am Verschwinden dieses Tieres hat das »Bunny« (Kaninchen), das sich wegen seiner sprichwörtlichen Fruchtbarkeit und dem Fehlen »natürlicher Feinde« explosionsartig in diesem Teil der Welt ausgebreitet hat.

Die bewusste australische Familie kann seit einigen Jahrzehnten statt Schokoladenosterhasen auch Schokoladenbilbies kaufen. Sie schmecken genauso gut und mit einem Teil des Erlöses werden Schutzprogramme für die Großen Kaninchennasenbeutler finanziert. Übrigens: Alleine in Deutschland werden jährlich rund 200 Millionen Schoko-Osterhasen produziert.

Und was kommt in die Röhre?

Der sonntägliche Osterbrunch wird immer beliebter: Ausschlafen, Eier verstecken, Kinder suchen lassen und dabei schon Mal mit einem Glas Winzersekt auf die Feiertage anstoßen. Danach können die Eier verzehrt und der selbstgemachte Eierlikör getrunken werden. Ob mit grüner Sauce, als Teufelsei oder klassisch mit Senf ist egal – Hauptsache es wird vorher getitscht. Dazu gibt es Salate, Fingerfood und andere Kleinigkeiten. Alternativ kann natürlich auch der Osterbraten serviert werden, der in anderen Familien, als Höhepunkt der Feiertage, pünktlich um 12 Uhr auf den Tisch kommt. Klassiker sind hierbei der unverwüstliche Schweinebraten, der jetzt gerade eine Renaissance erleben soll obwohl er aus der bürgerlichen Küche eigentlich nie verschwunden war. Kitz, Lamm und Hase (Undank ist der Welten Lohn) sind gern gesehene Alternativen.
Typisch österlich ist auch der »Osterschinken« der in der Osternacht, inzwischen aber immer öfter auch schon am Nachmittag des Karsamstags Hauptbestandteil des Weihekörbchens ist in dem man in Süddeutschland und Österreich Lebensmittel segnen lässt.

| MDL

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