Eine Frau, keine gebürtige Mainzerin also auch nicht mit den Honoratioren der Mainzer Fastnacht verbandelt und einen Doktortitel – das klingt nicht gerade nach idealen Voraus­setzungen, um an vorderster Front einer Fastnachts-Garde zu stehen, oder?

Dr. Gabriele Ackermann schaut bei dieser Frage – ernst. Viel lieber lacht sie – herzlich. Geboren ist die 46-Jährige in Kandel, in der Südpfalz. Nach Mainz kam sie wegen des Studiums; wobei studieren hätte sie auch woanders können, aber Mainz liegt innerhalb eines »Abschlepp-Radius« von 150 KM. Die alten Autos, die sie damals fuhr, gaben öfter den Geist auf und mehr als 150 KM Abschleppen wollte sie ihrer Familie in Hagenbach nicht zumuten.

Studiert hat sie Geographie und VWL, jobbte nebenher bei einem Unternehmensberater, für den sie nach ihrem Diplom in Berlin arbeitete. 2010 wechselte sie innerhalb des Unternehmens nach Bonn: »Da war auch meine sportliche Hochphase.« Gabriele Ackermann fuhr Radrennen, was ihr großen Spaß machte aber: »Ich mag kein Blut an den Ellenbogen und ich gewinne nicht gern auf Kosten anderer, in dem ich riskiere, dass sie stürzen.«

Sie kam,sah und fing an zu schaffen

Das Rad als Sportgerät blieb bis heute, nur ist es jetzt ein Mountainbike mit dem sie am Wochenende durch die Hochheimer Weinberge fährt. Ach so, die Präsidentin einer Mainzer Fastnachtsgarde, deren Sitz auf der »ebsch Seit« ist, wohnt auch in Mainz-Kostheim.

2003 wechselte Gabriele Ackermann in die Mainzer Stadtverwaltung als Abteilungsleiterin Wirtschaft im Amt für Wirtschaft und Liegenschaften. Sie blieb bis 2010 und leitete dann für dreieinhalb Jahre die Public Affairs-Abteilung des Projektentwickler JUWI: »Das Thema Nachhaltigkeit liegt mir sehr am Herzen.« Ihre nebenberufliche Promotion beendete sie 2012 an der Mainzer Uni. Thema der Dissertation: »Erfolgskontrolle in der kommunalen Wirtschaftsförderung – Analyse und Modifikation einer fragwürdigen Forderung«. Anfang 2015 schließlich der Wechsel zu ihrem heutigen Arbeitgeber, der »einzigen umweltzertifizierten Krankenkasse Deutschlands«. Gabriele Ackermann ist Bereichsleiterin für das strategische Management: »Das mache ich gerne: Managen mit einer langfristigen Strategie.« Zwischendurch hielt sie Lehrvorträge an verschiedenen Hochschulen und war zeitweise kooptiertes Vorstandsmitglied der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz.

In die Fastnacht stieg sie erst 2015 ein, als Senkrechtstarterin mit andauerndem Höhenflug. Gabriele Ackermann sah die Uniform der Kostheimer Husaren und wollte genau die auch anziehen. Kein Problem. Mitglied in einem Fastnachtsvereine zu werden ist nicht schwer. Nur stand der »Carneval Club Rote Husaren« damals kurz vor dem Aus. Dem Verein war die Gemeinnützigkeit aberkannt worden. In Ackermann erwachte die »strategische Managerin«. Sie wurde als Präsidentin vorgeschlagen und gewählt, brachte in emsiger Fleißarbeit mit ihren Mitstreitern die Finanzen des Vereins in Ordnung, das Engagement auf Trab und packt überall an, wo es nötig ist. Nach gut zwei Jahren ist es geschafft: Der C.C.KRH kann sich wieder sehen lassen, nicht nur der schmucken Uniformen wegen. Am Neujahrstag demonstrierte der Verein mit der Narrenkette über den Rhein die Verbindung zur Fastnachts-Mutter Mainz und am 2. Februar wird der 66. Geburtstag gefeiert.

Interessenvertretung

Als logisch bezeichnet Gabriele Ackermann, dass sie von Anfang an auch in der sich seit 2015 formierenden Mainzer Fastnachts-Genossenschaft mitwirkt, als stellvertretende Vorstandsvorsitzende: »Ich bin die einzige im Vorstand die die Interessen der rechtsrheinischen und der kleinen Vereine vertritt.« Die Zeit, die nach der Arbeit und allen Aktivitäten für die Fastnacht noch übrig bleibt, verbringt sie am liebsten mit ihrem Ehemann. Außerdem wühlt sie in ihrem kleinen Gärtchen gerne in der Erde herum, oder entspannt beim »Hasenkino«, das die beiden Zwergkaninchen aufführen.

| SoS

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