Er ist einer von drei Maledos, textet und singt mit Dieter Scheffler »mir sin de Kall« und hat 2015 die Mombacher Bohnegard mit ins Leben gerufen: Uwe Ferger. Ein ganz normaler Mombacher Bub.

Er hat kein Fastnachtsgen geerbt und ob er seine Leidenschaft und sein Können weitervererbt hat, ist noch nicht ganz klar. Uwe Ferger ist in seiner Familie eine singuläre Erscheinung, bis auf weiteres. Denn sein Sohn, gerade 18 Jahre alt geworden, könnte sich zu einem Fastnachts-Spätzünder entwickeln, wie Uwe Ferger selbst einer war. Erst als über 30-Jähriger fand Uwe Ferger allmählich den Weg in die Fastnacht – in Mombach. Bei den Mombacher Bohnebeitel hat er Mitte der 90er Jahre angefangen zu »lernen«: zuerst als Büttenschieber, dann als Kellner fürs Komitee.
»Schuld« an diesen ehrenamtlichen Aushilfsaktivitäten hatte Uwe Fergers Schwiegervater, Ludwig Metzger, ein Bohnebeitel-Urgestein. 2001 stand Uwe Ferger dann erstmals als Maledo auf der Bühne: er könne doch Gitarre spielen, hatte ihn Robert Bartsch, einer der ehemaligen Maledos, gefragt – und schon war er dabei.

Maledos oder »Kall un Kall«?

Uwe Ferger ist in diesem Oktober 51 Jahre alt geworden, im ehemaligen Mombacher Rochus-Krankenhaus geboren, er ging in Mombach in die Pestalozzi-Schule, dann ins Schloss Gymnasium, machte in einem Mainzer Sanitärunternehmen eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann. In dessen Nachfolgeunternehmen – mit Sitz in Mombach – ist er längst Niederlassungsleiter. Gewohnt hat er schon immer – in Mombach. Länger verlässt er den Mainzer Stadtteil nur, wenn er in Urlaub fährt. Den verbringt die Familie in Bayern und in Holland. Wandern und Radfahren sind dann angesagt, Uwe Ferger sagt von sich, er sei ein Draußen-Mensch: Laufen und Mountainbike-Radeln stehen auf seinem Alltags-Fitness-Programm.

Schlüpft Uwe Ferger lieber in die Maledos-Rolle oder singt er lieber »mir sin de Kall«? Er ziert sich ein wenig, kann (oder mag?) sich nicht entscheiden. Dann sagt er: »Mir macht beides Spaß. Kall un Kall das ist mehr Klamauk, die Maledos sind eher politisch.« In beiden Rollen versteht es Ferger, einen stoischen Gesichtsausdruck in seinem Gesicht einzufrieren – meistens jedenfalls. Er erinnert sich an Auftritte, da kam ihm vor lauter Prusten kein Ton mehr über die Lippen. Die Texte für die Lieder fallen Uwe Ferger übrigens ein, wenn er mit Hugo, dem »eigensinnigen und lustigen Familienmops«, in der Gemarkung unterwegs ist.
Uwe Ferger verbringt weniger Zeit mit den Maledos und mit Kall un Kall, als vermutet: »Da wir Bohnebeitel-Eigengewächse sind und nicht durch die Saalfastnacht tingeln, haben wir nur zwölf Auftritte während der Kampagne, dazu den einen und anderen ‚Freundschafts-Auftritt‘ und wir proben in der Regel einmal die Woche.«

Bleibt also noch Zeit – um eine Mombacher Fastnachtsgarde zu gründen. Diese Geschichte geht so: 2014 verewigten Uwe Ferger und Hubertus Held ihren Beschluss, eine Fastnachts-Garde zu gründen, auf einem Bierdeckel und ein Jahr später erblickte die Bohnegard das Licht der Mombacher Fastnachtswelt. Heute gibt es 98 Gardemitglieder, davon 34 Frauen. Das jüngste Mitglied ist elf Jahre alt, das Älteste 66.

Am Ball bleiben

Die Gründung einer neuen Fastnachtsgarde war in Mainz immer eine heikle Sache, aber Uwe Ferger gelang es, die Bohnegard so zu etablieren, dass andere Mainzer Gardisten nicht missgünstig wurden. »Es gibt keine Konkurrenz und wir haben uns auch nicht aufgrund von Unstimmigkeiten von einer bestehenden Garde abgespalten«, sagt Ferger. »Könnten Sie sich vorstellen, Herr Ferger, mal ein Jahr auszusetzen, nicht mitzumachen bei der Fastnacht?« Die Antwort kommt prompt: »Nein! Lieber nicht! So wie sich das z.B. in der Garde entwickelt, 90-95 Prozent der Mitglieder sind zu Freunden geworden – da möchte ich schon am Ball bleiben.«

| SoS

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