Magdalena Ramb ist Mitbegründerin und Geschäftsführerin von WA(H)L e.V.. Im Mittelpunkt ihres Lebens wie ihrer Arbeit stehen Menschen mit Beeinträchtigungen.

Schon als Jugendliche erlebte Magdalena Ramb, Kinder haben nicht wirklich einen Platz in der Gesellschaft und Menschen mit Beeinträchtigungen werden nicht wirklich gehört. Sie erkannte soziale Unterschiede, die für das Leben von Menschen entscheidend sind und entwickelte das Bedürfnis, ihren eigenen Beitrag zu leisten, damit Menschen mit Beeinträchtigungen selbstbestimmt und in Würde leben können. In ihrem Elternhaus, so sagt die 58-Jährige heute, waren Zusammenhalt und Fürsorge selbstverständlich.

Magdalena Ramb ist 1959 in Rumänien geboren, die Familie, den Banater Schwaben zugehörig, kam 1964 nach Deutschland. Sie studierte in Trier Pädagogik, 1981 wechselte sie an die Uni in Mainz, weil hier der Schwerpunkt Sonderpädagogik gelehrt wurde. Während des Studiums arbeitete Magdalena Ramb im Behindertensportverband.

Als die Lebenshilfe Rheinland-Pfalz 1985 die Wohnstätte »Grete-Kersten-Haus« eröffnete, übernahm Magdalena Ramb dort eine Gruppenleitung. Nach zehnjähriger Arbeit für die Lebenshilfe begann sie sich anders zu orientieren. Eine Reihe von Zufällen brachte sie mit Menschen zusammen, die ein Wohnprojekt auf dem Layenhof gründen wollten. Zu den Prinzipien des »Vereins für gemeinschaftliches Wohnen« zählt die gegenseitige Unterstützung der Bewohner/-innen im Alltag, die wiederum Voraussetzung für die Arbeit von WA(H)L ist.
Auf dieser Grundlage gründete Magdalena Ramb gemeinsam mit Angehörigen, interessierten Menschen und Betroffenen den Verein WA(H)L e.V..

»Wir haben unser Konzept des Betreuten Wohnens bewusst auf die ‚ganz normale‘ Unterstützung der Umgebung, also auf Nachbarschaftshilfe, ausgerichtet, die wir durch gezielte Begleitung, dort wo es nötig ist, ergänzen«, erläutert Magdalena Ramb.

Leben und Abeiten sind eins

1995 gegründet, startete WA(H)L e.V. auf dem Layenhof mit zwei Wohnungen für insgesamt sieben Menschen mit Beeinträchtigungen, mittlerweile unterstützt der Verein »WohnenArbeiten(Hilfe zum)Leben« mehr als 50 Menschen mit Beeinträchtigung im Mainzer Stadtgebiet, die in Wohngemeinschaften, als Paar oder alleine in der eigenen Wohnung leben. Außerdem ist WA(H)L Träger für das »Schnupperwohnen«, das Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen vierwöchiges Probewohnen ermöglicht.

Magdalena Ramb zog mit ihrem Mann und den drei Kindern in das Wohnprojekt Layenhof, sie lebt auch heute noch dort in unmittelbarer Nachbarschaft zu ihren Klienten. »Ich kann mir das nicht anders vorstellen, denn Leben und Arbeiten sind für mich eins, ich unterscheide nicht zwischen Arbeit hier und Freizeit dort.«
Sie erkennt dieses Miteinander als essentiell für das Funktionieren der Gesellschaft. Gleichzeitig ist der Geschäftsführerin bewusst, dass das Konzept von WA(H)L keine Blaupause ist für das Miteinander von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung: »Das ist ein Prozess, der sich entwickelt, der von den Menschen getragen wird, die an ihm teilnehmen, sich einbringen, die sich verändern und damit auch den Prozess selbst verändern.«

Da Magdalena Ramb zwischen Arbeit und Freizeit nicht differenziert und sie bewusst im Layenhof Wohnprojekt lebt und mitwirkt, verbringt sie auch jene Zeit, die nicht ihren Aufgaben als Geschäftsführerin von WA(H)L e.V. zugeordnet sind, an dem Ort, wo sich ein Großteil ihres Arbeitslebens abspielt: auf dem Layenhof. Von hier aus hat sie es nicht weit zum Walken und Spazieren gehen im Wald, hier genießt sie entspannende Stunden mit Freunden und Nachbarn auf der Gemeinschaftswiese des Wohnprojekts. Natürlich begegnen ihr hier auch manche ihrer Klienten: »Die wissen, dass ich nicht qua Amt rund um die Uhr für sie ansprechbar sein kann und akzeptieren das auch so.«

| SoS

 

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