Die Liste der Denkmäler, die sich in Mainz befinden ist lang. Zwei, die eine ganz besondere Bedeutung haben, ringen auch ganz besonders um Aufmerksamkeit und um Geld: Das Römische Bühnentheater und die Mainzer Zitadelle.

Die beiden Baudenkmäler liegen nahe beieinander, kämpfen mit ähnlichen Schwierigkeiten und erfreuen sich der Sorge durch Ehrenamtliche, organisiert in den Vereinen Initiative Zitadelle Mainz (IZM) und Initiative Römisches Mainz (IRM).

Was leisen diejenigen, die ihre Freizeit der Erhaltung dieser Denkmäler widmen? Mit Zweien, die seit Jahren wissen, welche Herausforderungen die Ehrenamtlichen zu meistern haben, erörterte DER MAINZER diese Frage: Mit Dr. Hans Marg, Vorsitzender der IRM und Kay-Uwe Schreiber, Vorsitzender der IZM.

»Wir sind der Stachel im Fleisch der Stadt, geht es um das römische Erbe.«

Dr. Hans Marg, Vorsitzender Initiative Römisches Mainz (IRM)

Die Stadt rühme sich ihrer römischen Vergangenheit, aber sie tue zu wenig dafür, sie zu erhalten, stellt Hans Marg fest: »Aber, die schlimmen Zeiten sind vorbei. Nun gehen wir gemeinsam in die richtige Richtung.« Die IRM wisse, es falle der Stadt nicht leicht, Gelder locker zu machen. Alle römischen Altertümer gehören der Stadt Mainz, deren Erhaltung im Etat der Stadt Mainz als »freiwillige Leistung« eingestellt werden müssen. Nachdem das Theater Ende der 1990er Jahre freigelegt, 2006 sogar der Süd-Bahnhof in »Bahnhof Römisches Theater« umbenannt worden war, sei acht Jahre lang nichts mehr geschehen. Bis der Verfall derart sichtbar wurde, dass sich der OB und die Dezernentin der Sache annahmen und Gelder zur Verfügung gestellt wurden, um unter Leitung der Gebäudewirtschaft Mainz (GWM) Mauerreste und Pfeilerstümpfe zu konservieren.

»Wir arbeiten zweigleisig. Einerseits müssen nach und nach alle freigelegten Steine konserviert werden, um sie vor dem Verfall zu schützen. Das kostet Geld. Andererseits müssen wir ein langfristig angelegtes Nutzungskonzept erarbeiten. Das kostet Zeit.« Immerhin sei das Bühnentheater zu einem Projekt der Stadt geworden, bilanziert Marg. Und benennt als »sichtbare Zeichen« die Konservierungsarbeiten. Ebenso die »Einhausung« im Winter als Witterungsschutz. Weitere »sichtbare« Zeichen seien: Fachsymposien, um sich über Konservierungsmethoden zu informieren und über Präsentationsmöglichkeiten. Darin eingebettet sei ein mehrstufiger Bürgerdialog, um Anregungen aus der Bevölkerung aufzunehmen.

Alle Ergebnisse sollen in die Ausschreibung für einen Wettbewerb münden.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Wie lange das dauern wird, kann Marg nicht sagen, aber Qualität gehe vor Zeit, die IRM baue auf ein zukunftsfähiges Konzept. Der IRM-Vorsitzende hält ein städtebauliches Konzept für wünschenswert, in das als »römische Linie« das Museum für Antike Schiffahrt und das neue Römisch-Germanische Zentralmuseum an der Neutorschule, das römische Bühnentheater und der Drususstein eingebettet sind. Das Isis-Heiligtum in der Römerpassage und die Römersteine in Zahlbach seien räumlich zu weit davon entfernt. »Erst wenn wir ein Nutzungskonzept erarbeitet haben, das mit der Stadt abgesprochen, von den politischen Gremien abgesegnet wurde, können wir gezielt um Unterstützung werben: Alle, ob Institutionen wie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die rheinland-pfälzische Landesregierung oder private Sponsoren wollen ein Konzept sehen, bevor sie bereit sind, Geld zu investieren.«

In der Zwischenzeit will die IRM durch möglichst viele Veranstaltungen im Theater auf selbiges aufmerksam machen. Allerdings besteht aus Sicherheitsgründen derzeit noch ein Betretungsverbot. Nur das untere Halbrund darf über einen eigenen Zugang betreten werden, wenn IRM- Mitarbeitende dabei sind. »Wir sprechen derzeit mit der Stadt, ob wir mit ihr einen Nutzungsvertrag abschließen. Damit sich potenzielle Veranstalter/-innen, die das Bühnentheater nutzen wollen, direkt an uns wenden können«, berichtet Marg. Und er weist darauf hin, dass die IRM bereits hauptamtlich das Isis- und Mater Magna Heiligtum betreut, was viele Ressourcen bindet.

»Wir führen dennoch auch Gruppen, die sich anmelden gerne durch das Römische Bühnentheater.« Davon abgesehen ist das Theater am 8. September 2019, dem Tag des offenen Denkmals zugänglich. Angeboten werden Führungen und Präsentationen zur Geschichte und Bedeutung des Theaters.

»Denkmal- und Naturschutz zusammen denken.«

Kay-Uwe Schreiber, Vorsitzender der Initiative Zitadelle Mainz

Die Vorgeschichte der Zitadellen-Sanierung ist lang, sagt Kay-Uwe Schreiber und erinnert an die Auseinandersetzungen zwischen Denkmalschutz und Naturschutz in Mainzer Amtsstuben. 2017 wurden die Sanierungsarbeiten wieder aufgenommen. Nachdem 2015 die Schäden der weit ins Mauerwerk hineinreichenden Wurzeln eines Ahornbaums großflächig das Deckenschalen-Mauerwerk absprengten. Es bestand die Gefahr, dass Teile der Mauer hinabstürzten und die Sicherheit von Passanten/-innen gefährden. Damit wurde die Sanierung von einer »freiwilligen Leistung« zu einer Pflichtaufgabe: 15 Mio. Euro konnten in den Mainzer Etat eingestellt werden und unter Leitung der Gebäudewirtschaft Mainz (GWM) begannen die Sanierungsarbeiten.

Kay-Uwe Schreiber bezeichnet die Begleitung der Sanierungsarbeiten als die Hauptaufgabe der IZM. Sie zu gewährleisten erfordere stetige Absprachen und Verhandlungen mit den Beteiligten. Gleichzeitig müsse die Öffentlichkeit informiert werden, um die Bedeutung des Bauwerks nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und den Willen es zu erhalten, zu fördern. In diesem Jahr lässt sich die Mauersanierung entlang des Zitadellenweges gut verfolgen, auch an der Windmühlenstraße wird an einem Teilstück gearbeitet, ebenso gegenüber der Bastionsspitze Drusus an der Contrescarpe.

Zufrieden äußert sich Schreiber zur »Zitadellen-Bauhütte«, in der mehrere GWM-Mitarbeitende ausschließlich mit den Sanierungsarbeiten für die Zitadelle befasst seien. Der IZM-Vorsitzende begrüßt außerdem die zwischenzeitlich intensive Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten: Alle sechs Wochen würden in einer Koordinierungsrunde Vertreter/-innen der Ämter, des Landes, des Nabu und der IZM zusammen die anfallenden Aufgaben besprechen.

Zitadellenfest

Die Öffentlichkeit für das Festungsbauwerk auf dem Jakobsberg zu begeistern ist u.a. Ziel der regelmäßig stattfindenden Festivitäten auf der Zitadelle: Im Frühjahr, »Idyll im April«, »Kunst und Korinthen« im Dezember und jetzt im September das Zitadellenfest. Dabei kooperiert die IZM mit den auf der Zitadelle ansässigen Museen und Vereinen. Dem Stadthistorischen- und dem Garnisons-Museum, mit UNICEF, Armut und Gesundheit, der Kulturei und dem Zitadellencafé, die eigene Beiträge zum Programm beisteuern. Eingebunden sind zudem der Nabu mit einer Naturschutzfachlichen Grabenführung. Und die Initiative Römisches Mainz mit den Führungen durch das Römische Bühnentheater, dass das Zitadellenfest nun zum 16. Mal am Tag des offenen Denkmals (am 8. September 2019) stattfindet ist dabei Tradition. »Wir fühlen uns dazu verpflichtet«, sagt der IZM-Vorsitzende. Allerdings stelle die IZM das Fest unter ein eigenes Motto: »Spurensuche – neue Erkenntnisse aus der Bauforschung.«

Die Festungsstadt Mainz ließe sich  sicherlich noch besser darstellen. Auch in Verbindung mit dem römischen Erbe der Stadt. Das Potenzial auch touristisch besser vermarkten, ist Schreiber überzeugt. Zwar sei die Stadt Mainz Mitglied bei Forte Cultura, dem Europäischen Festungstourismus und Festungsmarketing Netzwerk e.V., aber die kulturhistorische Bedeutung der südlichen Altstadt, vom Museum für Antike Schiffahrt über das neue Römisch-Germanische Zentralmuseum, das Römische Bühnentheater und der Zitadelle bis zur St. Stephans Kirche berge noch viel Potenzial.

Kommentar

Die Arbeit und die Expertise der Ehrenamtler/-innen ist immens – glücklicherweise. Ohne ihren Einsatz wäre das Ziel, die Zitadelle und das Römische Bühnentheater für die Nachwelt zu erhalten und die Voraussetzungen für deren touristische Vermarktung zu schaffen, nicht zu erreichen.

Die beiden Denkmäler gehören der Stadt Mainz. Mainz ist hochverschuldet und hat kaum finanziellen Spielraum für solche »freiwilligen Leistungen«. So wird ein tiefwurzelnder Ahorn im Mauerwerk zum Glücksfall. Aus der »freiwilligen Leistung« eine Pflichtaufgabe, um Gefahren abzuwenden. Das bedeutet einige Millionen Euro, um die Zitadellen-Mauer zu sanieren. Zynisch ist das. Und Realität.

Die Vision, die herausragenden kulturhistorischen Erinnerungen in der südlichen Altstadt so zusammenzufassen, dass sie von Mainz-Besucher/-innen in einem Rutsch besucht und erkundet werden können, braucht einen langen Atem. Hoffentlich geht den Initiativen nicht die Luft aus.

| SoS

www.roemisches-mainz.de
www.zitadelle-mainz.de

 

Komplettsanierung – aber keine Vertreibung?

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