Sexueller Missbrauch und sexuelle Belästigung auf der einen Seite, journalistische Professio­nalität und politische Macht auf der anderen: Zu erleben im Kammerspiel »Unter Verschluss« von Pere Riera im »Glashaus« des Mainzer Staatstheater.

Die Atmosphäre im Glashaus, dem von Mainzer/-innen gerne als »Handkäs« titulierten Glasdachs des Mainzer Staatstheaters ist sehr intim. Publikum und Schauspieler sind einander ganz nah – eine Nähe, die jede Geste, jedes Minenspiel der drei Schauspieler/-innen genauestens verfolgen lässt.

Die renommierte Journalistin Sílvia Utgés (Andrea Quirbach) will den Präsidenten des Landes (Murat Yeginer ) in einem Live-Fernsehinterview mit Material konfrontieren, das diesen des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. In der Vorbesprechung muss sich Utgés gegen die Belästigungen des Pressesprechers (Nicolas Fethi Türksever) behaupten. Außerdem wird ihr telefonisch mitgeteilt, ihre 14-jährige Tochter sei beim Verkauf von Drogen auf dem Schulhof erwischt worden. Selbstverständlich bieten ihr der Präsident und sein Pressesprecher an, diese Angelegenheit »zu regeln« – welche »Gegenleistung« sie dafür erwarten, bleibt unausgesprochen, liegt aber auf der Hand.

Der Druck, den Utgés auszuhalten hat, ist in dieser Atmosphäre fast mit Händen zu greifen. Sie kämpft sich selbst mit Argumenten in ihre professionelle Haltung zurück und zieht das Interview durch. Regisseur Leonardo Raab und Dramaturgin Carmen Bach stellten im Pressegespräch klar, die Entscheidung, dieses Kammerspiel aufzuführen, sei lange vor den Weinstein-Enthüllungen gefallen. Der Fokus des Stücks liege auf der Achterbahnfahrt, auf der sich die Journalistin befindet. Sie müsse, von zwei Männern auf unterschiedliche Weise bedrängt, entscheiden, ob ihr in dieser Situation die Enthüllung des Skandals oder der Schutz ihrer Tochter wichtiger ist.

In den 70 Minuten spielen Quirbach, Yeginer und Türksever diese Demonstration männlicher Überheblichkeit intensiv und nachvollziehbar. Deutlich werden die Strukturen von Skandalen und die Frage, wie sehr wir uns von Medien lenken lassen, steht im Raum.

| SoS

Die nächsten Aufführungstermine: 26. und 28. Januar 2018
www.staatastheater-mainz.de
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