Alexander Nerlich inszeniert »Hexenjagd« am Staatstheater Mainz.

Der Regisseur Alexander Nerlich stellte sich in der vergangenen Spielzeit mit »Kleiner Mann, was nun?« dem Mainzer Publikum vor. Diese Inszenierung kehrt im März 2020 auf die Bühne des Kleinen Hauses zurück. Am 7. Dezember 2019 feiert seine neue Arbeit am Staatstheater Mainz Premiere: »Hexenjagd« von Arthur Miller.

Alexander Nerlich, Jahrgang 1979, studierte an der Bayerischen Theaterakademie in München und ging danach als Regieassistent ans Theater Basel. Von 2007 bis 2009 war Nerlich Hausregisseur am Residenztheater München. Für seine Inszenierung von »Philotas« von G.E. Lessing erhielt er den Regiepreis der Bayerischen Theatertage. In den vergangenen Jahren inszenierte er zehn Stücke für das Hans Otto Theater Potsdam. Er arbeitete unter anderem am Theater Augsburg, am Volkstheater Wien, am Theater Heidelberg, am Staatstheater Darmstadt und am Theater St. Gallen. Viele dieser Arbeiten entstanden zusammen mit Bühnenbildner Wolfgang Menardi, Kostümbildnerin Žana Bošnjak, dem Musiker Malte Preuss und der Choreografin Cecilia Wretemark. Die Zusammenarbeit mit einer Choreografin ist ein prägendes Element von Nerlichs Regiehandschrift. Viele Szenen verdichten sich in einem choreografischen Ablauf, der neben dem Text eine weitere Erzählebene eröffnet und das Innere der Figuren und ihre Beziehungen sichtbar macht.

Dieses Team erarbeitet auch gemeinsam Arthur Millers »Hexenjagd« mit dem Mainzer Ensemble: Parris ist Pastor in Salem. Eines Nachts überrascht er die jungen Mädchen des Ortes, darunter seine Tochter, bei obszönen Tänzen im Wald. Für den Pastor steht fest, was der auswärtige Hexenspezialist Hale bestätigt: Es kann sich nur um Hexerei handeln. Dankbar für diese Ausrede, spielen die Mädchen mit, erklären sich für verhext und stoßen tödliche Beschimpfungen aus. Im wahnhaften Kampf gegen das Böse hat der Denunziant immer Recht: In Salem bricht eine Verfolgungshysterie aus, die ein Teil der Bevölkerung geschickt zum eigenen Vorteil zu nutzen weiß. Egoistische Interessen bestimmen die Anschuldigungen und Unschuldige finden sich im Gefängnis oder auf dem Scheiterhaufen wieder.

Vor dem Hintergrund der hysterischen Jagd auf Kommunisten in den 1950er Jahren in den USA schrieb Arthur Miller »Hexenjagd«. Wie steht es heute mit der Gültigkeit des Textes? Findet sich auch in unserer Gesellschaft ein entsprechender Nährboden für Verfolgungswahn und Massenhysterie, wenn wir glauben, gegen das Böse zu Felde zu ziehen?

»Hexenjagd« von Arthur Miller
Premiere am 7. Dezember, 19:30 Uhr
Staatstheater Mainz, Kleines Haus

 

Staatstheater: Zanaida

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