Staatstheater Mainz, Andreas-Etter

Staatstheater Mainz: Vorhang zu

Die Theaterleitung des Staatstheater Mainz protestiert in einem Offenen Brief  gegen die Schließung des Theaters aufgrund der Corona-Verordnung vom 28. Oktober 2020.

“Vorhang zu und alle Fragen offen.” Mit dieser Zuspitzung beginnt der offene Brief der Theaterleitung an das “Liebe Publikum”. Die Theater zählten zu den sichersten Räumen des Landes, stellen die Unterzeichnenden fest.  Nachgewiesenermaßen habe sich kein Besucher und keine Besucherin in einem Theater- oder Opernhaus mit Covid19 angesteckt. Hochleistungsfähige Lüftungsanlagen und strengstens ausgestaltete Hygienekonzepte sorgten für ein im Wortsinne risikofreies Klima. Aber ausgerechnet die Theater werden nun geschlossen.

Kultur wird verhindert

“Wir, die Leitung des Staatstheater Mainz, protestieren gegen diese sinnlose Maßnahme.

Statt die wenigen gefahrlosen offenen Orte als Chance zu begreifen und den Menschen in einer Zeit der Einschränkungen, Sorgen und Fragen hier die Möglichkeit zu geben, sich nicht nur als Virenschleudern, sondern im Austausch miteinander als denkende und handelnde Individuen zu erleben, werden Theater grundlos verriegelt. Wird Kultur verhindert.

Wir sind uns unserer Verantwortung sehr bewusst. Der Verantwortung, mit höchster Ernsthaftigkeit und Wachsamkeit unsere Besucherinnen und Besucher sowie unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen. Aber eben auch unserer Verantwortung, den Diskurs unserer Gesellschaft zu ermöglichen und mitzugestalten. Dies können wir mindestens für die nächsten Wochen nicht mehr tun – und wer weiß, wie lange das so sein wird. Das schadet uns allen.”

Zunehmende Vereinsamung

Die Mainzer Theater-Macher/-innen hätten sich einen politischen Gestaltungswillen gewünscht, “der aktiv nach Möglichkeiten sucht, einer durch die strengen Kontaktbeschränkungen zunehmenden Vereinsamung alles entgegenzusetzen, was entgegengesetzt werden kann: wichtige Orte der Lebendigkeit als Rettungsinseln in einer Zeit, die jedem Einzelnen so viel abverlangt. Stattdessen wird in einem pauschalen Verhinderungsreflex, den wir kurzsichtig finden, diese kostbare Möglichkeit vertan.”
Wenn die Politik ihren eigenen Vorgaben nicht mehr traue, verliere sie an Glaubwürdigkeit und Maßnahmen erschienen willkürlich. “Das gesellschaftliche Klima verändert sich gerade merklich, die Akzeptanz für politisches Handeln schwindet. Wir hätten dem gern weiter etwas entgegengesetzt.”

Im Frühjar 2020 hätten alle noch weniger gewusst und die Gefahren nicht richtig einschätzen können. Das sei nun anders. Deshalb möchte die Theaterleitung diese politische Entscheidung, die Theater zu schließen, nicht mittragen. “Darum werden wir auch nicht mit virtuellen Formaten im Internet den analogen Phantomschmerz mildern. Liebes Publikum, wir freuen uns mit Ungeduld darauf, wieder für Sie zu spielen. Bitte bleiben Sie an unserer Seite.”

Markus Müller, Intendant
Hermann Bäumer, Generalmusikdirektor
Erik Raskopf, Geschäftsführender Theaterdirektor
Sonja Westerbeck,  Chefdramaturgin für Musiktheater
Gabriele Donà, Leiter des  Opernbetriebs
Jörg Vorhaben,  Chefdramaturg für Schauspiel
K.D. Schmid, Leitender Hausregisseur
Honne Dohrmann, Tanzdirektor
Clarissa Messer, Chefdisponentin
Annika Rink, Leiterin Theatervermittlung
Christoph Hill, Technischer Direktor
Sylvia Fritzinger Leiterin Kommunikation.
https://www.staatstheater-mainz.com.   

 

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