Auch der blaue Beckenboden im Taubertsbergbad in Mainz. Er hat ausgedient und wird ausgetauscht, gegen ein Edelstahlbecken. Das hält länger, ist leichter sauber zu halten – und es ist viel langweiliger.

Beim »Bahnenziehen« im Taubertsbergbad, wenn beim Brust-Kraulen der Kopf immer schön in Verlängerung der Wirbelsäule mit dem Gesicht nach unten im Wasser liegt, kann es sehr interessant sein, den Beckenboden zu beobachten. Manchmal lenkt es davon ab, dass irgendwo im Körper ein Teil nicht richtig funktioniert und schmerzt. Oder der Blick auf die Uhr signalisiert: schon wieder zu langsam, also schon wieder die Wunschzeit nicht erreicht.

Bevor in dem einen wie dem anderen Fall der Frust die Laune verdirbt, kann sich selbige schlagartig in gut verwandeln, wenn die Augen den Mustern auf dem Beckenboden folgen. Hervorgerufen durch die Sonnenstrahlen, die sich in der Wasseroberfläche brechen. Ständig entstehen neue Bilder, immer wieder von den Schatten der Schwimmenden verändert. Damit lässt sich das Gehirn gut ins Reich des Nicht-Denken-Müssens befördern. Also, es ließ sich befördern, denn der blaue Beckenboden ist Geschichte und in einem Edelstahlbecken funktionieren solche Farb-Wasser-Reflektionen nicht, der Farbkontrast fehlt.

50-Meter-Schwimmerbecken im Freibad

Klar haben die Mainzer Stadtbad GmbH, eine Tochter der Mainzer Stadtwerke AG als Taubertsbergbad-Betreiber  gute Gründe das 50-Meter-Schwimmerbecken im Freibad umzubauen. Ab der kommenden Freibad-Saison wird es in dem dann als »Mehrzweckbecken« gestalteten großen Becken einen Nichtschwimmer-Bereich mit ansteigender Wassertiefe geben. Der endet an einer Edelstahlwand, mitten im Becken und wird aufgehübscht mit einem Brodelberg (ein sprudelnder Springbrunnen) und Wasserliegen. Hier kann sich vergnügen, wer nicht schwimmen will (oder kann). Auf der anderen Seite der Edelstahlwand stehen den Schwimmer/-innen sechs Bahnen a 25 Meter zur Verfügung, die auch für Schwimmwettbewerbe genutzt werden können. Und die Bahnenzieher/-innen, die so gerne möglichst lange am Stück schwimmen? Für die gibt es zwei durchgehende, 50 Meter lange Bahnen. Insgesamt wird das große Becken weniger tief sein, was die Betriebskosten senken soll.

Direkt am Beckenrand werden Container aufgebaut, mit Umkleiden, Duschen und Schließfächern. Im Winter wird das alles überdacht: Eine Traglufthalle sichert Schwimmunterricht und Vereinssport in der kalten Jahreszeit. Beheizt wird die Halle mit Fernwärme – das ist billiger als Öl und besser fürs Klima. Außerdem ist die Mainzer Fernwärme GmbH ebenfalls ein Tochterunternehmen der Mainzer Stadtwerke AG.

Damit auch die Langstrecken-Schwimmer/-innen ein bisschen Abwechslung haben – weil Kacheln gibt es keine mehr zu zählen und die Farb-Wasser-Spiele sind ebenfalls passé – könnten auf dem Edelstahlbeckenboden vielleicht ein paar blaue Bilder aufgemalt werden? | SoS

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