Achim Beierlorzer

Achim Beierlorzer: Vom Lehrerpult zur Trainerbank

Auch in der laufenden Saison steckt der 1. FSV Mainz 05 offensichtlich wieder im Abstiegskampf. Die Verantwortlichen beschlossen daher frühzeitig einen Trainerwechsel. Achim Beierlorzer löste den zuletzt etwas glücklosen Sandro Schwarz ab. Der MAINZER stellt den neuen Cheftrainer vor:

Achim Beyerlorzer

Achim Beierlorzer

Am 10. November 2019, der FSV Mainz 05 hatte zwei Tage zuvor nach dem 0:8 in Leipzig auch sein Heimspiel gegen Union 2:3 verloren, trennte sich der Verein von seinem bisherigen Trainer Sandro Schwarz. Kurz danach konnte der Vorstand bereits seinen Nachfolger im Amt vorstellen: Achim Beierlorzer. Der gebürtige Franke war gerade vom ebenfalls abstiegsbedrohten 1. FC Köln entlassen worden.

Der »neue Besen« kehrte zunächst sehr gut: Im ersten Spiel unter Beierlorzer gewann Mainz in Hoffenheim 5:1 – das gleiche Team war noch am Spieltag zuvor mit einem 2:1 Sieg in Köln »mitverantwortlich« für seine dortige Entlassung. Am nächsten Wochenende folgte ein 2:1 Heimsieg im historischen Derby gegen die Eintracht aus Frankfurt. Danach setzte allerdings wieder Mainzer Tristesse ein – unterbrochen durch ein grandioses und hoffnungsweckendes 0:5 in Bremen. Anfang Februar, wenige Tage vor dem wichtigen Sieg in Berlin, besuchte Achim Beierlorzer unsere Redaktion und unterhielt sich mit unserem Sportredakteur Dr. Matthias Dietz-Lenssen:


MAINZER: Herr Beierlorzer, sie haben eine abwechslungsreiche Karriere als Spieler und Trainer im Amateurbereich hinter sich. Einer der Höhepunkte war sicherlich ihr einziges Tor im DFB-Pokal – erinnern Sie sich noch daran?

Achim Beierlorzer: Selbstverständlich. Das war das Tor gegen Borussia Dortmund. Wir haben das Spiel schließlich 3: 1 gewonnen. Obwohl Sie schon sehr früh einen Spieler durch eine Rote Karte verloren haben. Entsprechend intensiv haben wir hinterher auch gefeiert. Ich werde auch heute noch in Franken oft auf dieses Tor angesprochen, wenn ich auf alte Fürth-Fans treffe.

Sie waren Gymnasiallehrer für Mathematik und Sport, haben sich dann aber freistellen lassen, als Leipzig rief. Bei Red Bull waren sie in verschiedenen Trainerpositionen aktiv (U 17, U19, Interims-Coach, Co-Trainer) bis Sie zum Zweitligaaufsteiger SSV Jahn Regensburg wechselten. Haben Sie einen dieser Schritte je bereut?
Nein! Absolut nicht. Am Anfang meiner Trainerlaufbahn habe ich den Trainer-Job parallel zu meiner Tätigkeit als Oberstudienrat am Gymnasium gemacht. Irgendwann einmal eine Profi-Mannschaft zu trainieren war damals noch weit weg. Schließlich ergab sich die Möglichkeit in Leipzig hauptberuflich als Fußball-Lehrer zu arbeiten. Als dann nach einigen Jahren das Angebot kam, in Regensburg Cheftrainer zu werden, habe ich gerne angenommen.

Also war auch der Wechsel nach Köln keine Frage?
Wenn man schließlich die Chance bekommt einen Bundesliga-Verein zu trainieren, ist das natürlich toll. Köln war dann absolut eine neue Herausforderung.

Wie hat eigentlich Ihre Familie auf den Wechsel in den Profifußball und in den verschiedenen Trainerämtern reagiert?
Ich habe alle Wechsel mit meiner Familie vorher besprochen – ohne ihr Einverständnis und ihre Unterstützung hätte ich keinen Vertrag unterzeichnet.

Dann haben wir also Glück gehabt, dass sich ihre Familie auch mit Mainz anfreunden konnte – denn Köln war ja dann nur ein kurzes Intermezzo. Dürfen wir etwas über die Hintergründe dieses praktisch übergangslosen Wechsels erfahren?
Ich kenne Rouven Schröder seit unseren gemeinsamen Jahren bei der SpVgg Greuther-Fürth. Wir standen daher in den letzten Jahren immer mal wieder in Kontakt mit­einander. Am Mittwoch nach der Entlas­sung von Sandro Schwarz – den ich übrigens sehr schätze, rief dann Rouven an. Ich habe die Mannschaft von Mainz natürlich auch im­mer genau beobachtet. Der klare Weg des Vereins hat mich sehr beeindruckt; die Spielweise gefiel mir. Also habe ich mit Freude zugesagt.

Die ersten Spieltage unter Achim Beierlorzer haben sicherlich nicht nur die Fans ins Schwitzen gebracht. Da wirft sich immer wieder die Frage auf: Warum spielen wir nicht immer so wie in Bremen – warum sind immer wieder deutlich schwächere Auftritte dabei?
Einige Begegnungen sind unglücklich gelaufen. Zum Beispiel das Spiel gegen Leverkusen, das hätten wir eigentlich nicht verlieren dürfen. Wir waren keineswegs das schwächere Team. Die einzige richtig schlechte Halbzeit haben wir auswärts in Augsburg gespielt und folglich dort auch zu Recht verloren. Man muss natürlich sehen, dass wir eine junge Mannschaft haben; da gehören Leistungsschwankungen eben auch dazu.
Der FSV bezeichnet sich selbst als »Aus- und Weiterbildungsverein«. Genau! Und man muss mit den jungen Spielern Geduld haben. Vielen fehlt noch der letzte »Feinschliff«. Und das ist eine der Aufgaben von mir und meinem Team.

Werden diese jungen Spieler manchmal nicht etwas überfordert? Einerseits will man, dass die Mannschaft mehr kämpft, dass sich der Adrenalinspiegel immer im Maximalbereich bewegt, andererseits schreien die Medien auf, wenn ein so unter größter Spannung stehender Spieler – ich denke jetzt an Kunde Malong – dem Trainer bei der Auswechslung den Handschlag verweigert?
Sicherlich gab es auf diese Geschichte einige Reaktionen in der Presse. Die Spieler wissen aber ganz genau, dass Profifußball ein öffentlichkeitswirksames Geschäft ist. Sie haben Vorbildfunktion. Wer das nicht beachtet muss mit Konsequenzen rechnen. Kunde hat das auch völlig eingesehen und sich unmittelbar danach bei mir entschuldigt.

In der Winterpause wurde das Sanktionsverhalten der Schiedsrichter verschärft. Es hagelt gelbe und rote Karten – auch gegen Torleute, die sich vor einem Elfmeter bewegen und Trainer, die einen gegnerischen Spieler beruhigen wollen. Ist das der richtige Weg?
Grundsätzlich Ja. Ich glaube auch, dass sich das Verhalten der Spieler auf dem Platz durch die neue Regelauslegung schon verändert hat. Sie sind weniger aggressiv. Andererseits halte ich den Zeitpunkt für nicht ideal – man kann nicht mitten in der Saison plötzlich neue Richtlinien aufstellen. Das kann im Extrem-fall sogar zu einer Wettbewerbsverzerrung führen.

Und wie kommen Sie mit dem umstrittenen Video-Beweis zurecht?
Die Einrichtung halte ich grundsätzlich für gut – nicht aber die Art und Weise, wie man damit umgeht – im Sport und in den Medien. Die jetzige Form ist sicherlich noch verbesserungswürdig.

Ein anderes Thema: Sie sind jetzt schon seit einigen Wochen in Mainz. Hatten sie schon Zeit sich in der Stadt und Umgebung umzuschauen. Haben sie vielleicht schon einen Lieblingsplatz entdeckt?
Achim Beierlorzer: Nein, dazu gab es leider noch nicht ausreichend Gelegenheit. In den ersten Wochen stand erst einmal die Mannschaft im Mittelpunkt. Ich freue mich aber schon, wenn ich in den nächsten Monaten, gemeinsam mit meiner Frau, die Stadt erkunden kann. Dazu werden dann mit Sicherheit auch längere Radtouren am Rhein entlang zählen.

Können Sie denn noch unerkannt durch die Stadt gehen?
Achim Beierlorzer: Nein, ich werde schon vielerorts erkannt – aber das ist ja nichts Negatives.

Von Alaaf nach Helau – Sie sind von einer Karnevalshochburg in eine Fastnachtshochburg gewechselt. Was hält der Mainzer Trainer eigentlich vom närrischen Treiben?
Auch bei uns zu Hause in Franken gibt es Straßen- und Saalfastnacht. In Köln war ich nur außerhalb der Kampagne aktiv – also freue ich mich umso mehr auf die Mainzer Fastnacht. Es ging ja schon los: Von der Sitzung des Vereins war ich wirklich begeistert – eine ganz tolle Veranstaltung.

Man hört, dass Sie an diesem Abend einen hervorragenden Caesar abgegeben haben. Wird man den und die die Mannschaft am Rosenmontagszug sehen?
Selbstverständlich – wir sind auf dem Wagen und fahren mit. Das gehört doch einfach dazu.

Rheinhessen ist eine Weingegend. Sind Sie auch ein Weintrinker? Und haben sie schon etwas von dem berühmten Mainzer Marktfrühstück gehört?
Als Franke schätze ich natürlich einen guten Rotwein, von dem es ja auch hier viele gibt. Als ich nach Mainz kam, war die Saison des Marktfrühstücks schon abgelaufen. Man hat mir aber schon davon erzählt.

Zurück zur Bundesliga: Wie schätzen Sie die Saison ein – und wer sind für Sie die größten Überraschungen?
Es ist mit Sicherheit eine spannende Saison wie der Blick auf die Tabellenspitze und das Tabellenende zeigt. Zu den positiven Überraschungen zähle ich persönlich die Mannschaften aus Leipzig, Gladbach und Freiburg. Prognosen auf den Ausgang sind in diesem Jahr besonders schwer.

Ich frage trotzdem: Wo befinden sich die Mainzer nach dem 34. Spieltag.
Wir werden mit Sicherheit nicht absteigen.

Herr Beierlorzer, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen und der Mannschaft viel Erfolg.

| MDL

 

Mainz 05: Interview mit Sandro Schwarz




Hasekaste

Hasekaste: Solide Köstlichkeiten am Stadion

Der »Hasekaste« an der OPEL ARENA bietet eine handwerklich erstaunliche Küche, die man so in einer Fußball-Fankneipe nicht unbedingt erwartet / Mister X genießt »Weltklasse-Rumpsteak«.

Dieser Frühsommer-Freitagmittag hat es in sich. Kaum haben wir an einem Tisch im Freien vor der 05-Fankneipe »Hasekaste« platzgenommen, braut sich am Horizont etwas beeindruckend Düsteres zusammen. Die Taunushöhen verschwinden hinter einer grauschwarzen Wand, die schweren Landregen und vielleicht sogar Hagel verheißt. Wir hoffen, dass uns der Schutt erspart bleibt, so lange wir die Speisen des Hauses probieren, was bis auf wenige Minuten auch gelingen wird.

Wir sitzen mit dem Rücken zur OPEL ARENA, wo die 05er manch spektakulären Erfolg für sich
verbucht haben. Der Blick schweift über viel freies Land, die Weite wirkt sich angenehm aufs Gemüt aus. Zum allgemeinen Wohlbefinden trägt auch die unaufdringliche, offensichtlich echte Freundlichkeit des Servicepersonals bei.

Der »Hasekaste« ist eine Institution, schon seit den Tagen am Bruchweg und seit 2011 am neuen Stadion auf dem platten Land. Genauso bekannt und beliebt ist der Chef Milan Stojanov, der mit seinem Team immer wieder mal auch einen balkanischen Genuss-Akzent setzt. Unter den Fans legendär sind die hiesige Brat- und die Feuerwurst vom Holzkohlegrill.

Wunderbar saftige Bruschetta

Mister X nimmt zuerst einen Vorspeisesalat zu 4,50 Euro, der diverse Salate der Saison in sich vereint und ihm nicht zuletzt aufgrund des gut austarierten Dressings zusagt. Unser Begleiter hat Bruchetta alla Toscana mit gewürfelten Strauchtomaten, Knoblauch, Speck und Olivenpaté (6,90 Euro) gewählt. Auf meinem Teller liegt Bruschetta e Tonno mit Thunfischcreme, Kapern und Rucola (6,50 Euro). Bei uns beiden hat die Freude mehrere Gründe: Zum einen erhalten wir statt der avisierten drei Baguettescheiben jeweils vier Teile, und beide Geschmacksversionen überzeugen durch eine wunderbare Saftigkeit bei gleichzeitiger Festigkeit des Weißbrots sowie eine feine wiewohl deutliche Würze.

Weiter geht es für Mister X mit Rumpsteak vom argentinischen Rind mit Kräuterbutterschaum, Bratkartoffeln und Saisongemüse zu 25,50 Euro. Ich nehme den Kommentar des Meisters vorweg: »Dies ist das beste Rumpsteak, das ich seit langem außer Haus gegessen habe. Weltklasse!« Das Fleisch ist circa vier Zentimeter stark und auf den Punkt medium gebraten. Knuspriges Dörrfleisch trägt zum positiven Geschmacks­erlebnis außerdem bei.

Mein Gegenüber labt sich am Jägerschnitzel mit Tagliarini und Pilzrahmsoße. »Das Schweinefleisch ist von hervorragender Qualität, die Panade angenehm buttrig. Die leicht in Butter geschwenkten Nudeln kommen perfekt al dente daher, und in der Soße vermute ich ein wenig Wein. Die Pfifferlinge und Champignons vervollständigen den sehr positiven Gesamteindruck. Es wundert mich, dass dieses köstliche Gericht nur 12,90 Euro kostet«, höre ich ein weit überdurchschnittlich gutes Fazit.

Burger-Turm begeistert

Ich selbst freue mich über den 05er Burger aus 180 Gramm Rind- und Schweinefleisch mit Salatblatt, Tomate, Gurke, gegrilltem Bacon und scharfer Barbecue-Soße. Der Burger-Turm, in dem zwei Buletten übereinander geschichtet sind, wirkt extrem beeindruckend und regt sogleich zu der Fragestellung an, wie er am besten zu essen sei. Es bleibt nur, ihn auseinander zu nehmen, was sich wegen der intelligenten Lagenzusammenstellung der einzelnen Zutaten keineswegs nachteilig auf das Geschmackserlebnis auswirkt. Dieses Gericht brilliert unter anderem auch mit in Rotwein gedünsteten Zwiebeln, feinen Möhren-Scheibchen und makellosen Pommes frites. Das Ganze gibt es für 10,50 Euro!

Unser Mittagessen beenden wir im »Hasekaste«-Innern, da der Starkregen inzwischen auch Mainz und sein Umland erreicht hat. In dem großen Gastraum schnuppern wir Fußballatmosphäre, zu der unter anderem eine riesige Bildvergrößerung von einem der größten Momente in der 05er-Vereinsgeschichte beiträgt.

| Lou Kull

ESSEN8,0
TRINKEN7,0
SERVICE8,0
AMBIENTE8,0
PREIS/LEISTUNG9,0
GESAMT40 : 5 = 8,0 KAPPEN

FAZIT

Der »Hasekaste« an der OPEL ARENA bietet höchst schmackhafte Küche mit stattlichen Portionen, und dies zu sehr kommoden Preisen. Der hiesige kulinarische Standard dürfte weit über dem Durchschnitt der deutschen Fußball-Fankneipe liegen. Die Bedienung agiert unaufgeregt und wirkt auf natürliche Art freundlich. Der Gast, der im Freien sitzt, genießt einen ungewöhnlichen Blick auf das Mainzer Umland. Die Inneneinrichtung des »Hasekaste« ist eher nüchtern, stellt aber eine schöne optische Verbindung zur 05er-Geschichte her. Diverse Ausschankweine aus Rheinhessen und der balkanischen Heimat des Chefs ergeben ein ordentliches Angebot. Standardpreis: 4 Euro für das 02er Glas. Bei unserer Bewertung hätten wir gerne mehr als die 8,0 für das Essen gegeben, was unser Bewertungsschema mit dieser Obergrenze für gutbürgerliche Gastronomie jedoch leider nicht zulässt.

Hasekaste
OPEL ARENA
Eugen-Salomon-Straße 1
55128 Mainz
Tel. 0 61 31 / 37 55 04 83
www.hasekaste.de
Öffnungszeiten:
Mo bis So 11 bis 23 Uhr
warme Küche 12 bis 14.30 Uhr und 17 bis 21.30 Uhr
von Oktober bis April Di Ruhetag

 




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Mainz05: Zutiefst verstört?

Traurig, der öffentliche Ansehensverlust der 05er. Einst ein Vorzeigeverein in Deutschland, hat ihn die intrigante Realität eingeholt. Früher hat die halbe Stadt geweint, als der Aufstieg wieder mal nicht geklappt hat. Mittlerweile ist die Stimmung gekippt. Warum eigentlich?

Eine Trainerlegende wurde in Mainz geboren. Aus der Not heraus, weil man kein Geld hatte, um einen neuen Trainer zu verpflichten – ein Spieler aus dem eigenen Kader musste den Job übernehmen. Alle zogen an einem Strang. Ein neues Stadion wurde gebaut. Vorher hatte Vereinspräsident Harald Strutz Christian Heidel als Manager verpflichtet, der den Job (und das Geld) gerne nahm, weil sein Autohaus gerade in einen Konkurs geschlittert war. Die Reputation, der sportliche Erfolg, die Arbeit und der Umsatz stiegen. Nachdem man zum wiederholten Male dem Manager das Einkommen erhöht hatte, war Strutz so weit, dass er einsehen musste, dass die Umsätze seiner Anwaltskanzlei um 80 % einbrachen. Da er 16 Jahre unentgeltlich alle juristischen Angelegenheiten für den Verein erledigte, kam er auf die Idee, sich den Verdienstausfall durch den Verein, den er vor dem Konkurs gerettet hatte und zum 100-Millionen-Unternehmen gemacht hatte, erstatten zu lassen. Deshalb gab es für ihn einen Dienstleistungsvertrag für alle juristischen Fragen (2004: 6.000 €, steigerte sich bis 2017 auf 14.000 € inklusive sämtlicher Büro- und Nebenkosten). Anmerkung: der frühere Vor­standsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, Heribert Bruchhagen, bekam 900.000 €, ohne Dienstleistungsvertrag! Für Repräsentationstermine, die Strutz wahrnehmen musste, gab es eine Aufwandsentschädigung. Das wurde im damaligen Vorstand besprochen und juristisch korrekt verabschiedet, aber leider nicht veröffentlicht. Was übrigens kein Bundesligaverein, außer Borussia Dortmund, veröffentlicht. Und die müssen sämtliche Zahlen als Aktiengesellschaft veröffentlichen.

Eine Kampagne gegen Strutz

Irgendwann war die Harmonie in der Führung gestört. Heidel fing an gegen Strutz zu arbeiten. Das blieb niemandem verborgen. Kurz nachdem Heidel nach Schalke gegangen war, entdeckte eine Mainzer Lokalzeitung Strutz als Opfer. Es wurde eine Kampagne (Kicker: Treibjagd) gegen Strutz und den Verein Mainz 05 gefahren, bis Strutz aus Rücksicht auf seine Familie entnervt die Reißleine zog und auf eine Wiederwahl verzichtete. Das gründete auf dem Vorwurf, er sei ein ehrenamtlicher Präsident und habe heimlich viel Geld erhalten. Strutz hat das nie gesagt, durfte aber bei der alten Vereinsstruktur für den 100-Millionen-Umsatz-Verein persönlich haften. Auch deshalb hatten er und der alte Vorstand die Änderung der Vereinsstruktur auf der Agenda. Das Ansehen von Mainz 05 blieb auf der Strecke.

Je mehr die Mainzer Lokalzeitung auf Strutz schoss, desto mehr lösten sich die Strukturen im Verein auf. Wegen mangelnder Autorität trauten sich immer mehr aus ihrer Deckung und versuchten sich durch Indiskretionen zu profilieren. Das erreichte sogar den alten Vorstand.
Die große Frage stellt sich: Was sollte die ganze Lokalzeitungs-Kampagne? Wer hat davon profitiert? Wem hat sie geschadet? Geschadet hat sie dem Verein ( siehe »Wutrede« von Sandro Schwarz) und vor allen Dingen Harald Strutz. Der Verein wirkt momentan zutiefst verstört. Der Gipfel der Scheinheiligkeit ist im Kommentar auf der Sportseite zu lesen, als der Sportredakteur der Lokalzeitung am 02.12.2017, schreibt: »der Verein muss endlich zur Ruhe kommen«.

Vom Brandstifter zum Biedermann

Der durchsichtige Versuch, vom Brandstifter zum Biedermann zu werden. Falls er sich selbst daran hält, kann der Verein bis zum Mai 2018 in Ruhe arbeiten und vielleicht noch den Abstieg vermeiden.

Der neue Aufsichtsrat sieht sich mit Fragen konfrontiert, an die er vor der Wahl überhaupt nicht gedacht hat. Dazu trug der unglückliche Übergangspräsident Kaluza viel bei. Schade ist nur, dass momentan keiner in den Führungsgremien von Mainz 05 ist, der den Verein mit aufgebaut hat. Der neue Kaufmännische Vorstand kennt wenigstens den Profifußball. Im Aufsichtsrat und den anderen Gremien gibt es niemanden, der auch nur einen kleinen Kontakt zum DFB und der DFL hat. Um das alte Sprichwort auszukramen »der Prophet gilt im eigenen Land nichts« hat man Strutz vom Hof gejagt. Der war bestens vernetzt und genießt außerhalb von Mainz im DFB und in der DFL höchstes Ansehen.

| WHO