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Stefan Hofmann: »In den Verein musste wieder Ruhe rein«

Knapp ein Jahr nach seiner Wahl zum Vereins- und Vorstandsvorsitzenden des 1. FSV Mainz 05 war Stefan Hofmann zu Gast beim MAINZER und stellte sich den Fragen unseres Sport-Redakteurs.

Herr Hofmann, Sie wurden vor einem knappen Jahr auf der Mitgliederversammlung – obwohl von vielen eher als »Außenseiter« eingeschätzt – bereits im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit zum neuen Vereins- und Vorstandsvorsitzenden gewählt. Hatten Sie mit einem solchen Ergebnis wirklich gerechnet?
Stefan Hofmann: Ich hatte mir realistische Chancen ausgerechnet – und da ich Sportler bin, wollte ich natürlich auch gewinnen, wenn ich antrete. Trotzdem war die schnelle Entscheidung im 1. Wahlgang auch für mich eine große Überraschung.

Und was hat Sie so sicher gemacht, dass Sie überhaupt gewinnen könnten – Sie hatten ja »schwere Kaliber« als Gegenkandidaten gehabt?
Ich habe vor der Wahl mit vielen Fans gesprochen und Veranstaltungen besucht. Das Feedback, dass ich dort bekommen habe, war sehr positiv. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass viele meiner Unterstützer mit mir so etwas wie einen Neuanfang verbunden haben. Überraschend war allerdings schon, dass ich trotz meiner langjährigen Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum relativ unbekannt war.

Ihr Vorgänger Harald Strutz war in den Medien ständig präsent, um sie selbst ist es eher ruhig. Ein Strategiewechsel?
Das hat nichts mit Strategie zu tun. Der Verein hat sich 2017 eine neue Satzung gegeben – die Strukturen wurden entscheidend verändert und den Bedingungen des modernen Profi-Fußballs angepasst. Die Rolle des Präsidenten, wie sie Harald Strutz ausgefüllt hat, ist mit der des heutigen Vorsitzenden nicht mehr vergleichbar. Ich bin stärker auch auf das operative Geschäft konzentriert und muss nicht der Lautsprecher nach außen sein. Es gibt allerdings schon Themen, zu denen sich der Vereins- und Vorstandsvorsitzende zu äußern hat.

Was haben Sie als Ihre Hauptaufgabe im ersten Amtsjahr angesehen und wie sind sie dieses Thema angegangen?
Das war ganz klar: In den Verein musste wieder Ruhe rein. Wir mussten nach innen und außen mit einer Stimme sprechen – nur so konnten wir letztendlich eine Basis für den Sport und somit auch für den Klassenerhalt schaffen. Es hatte sich leider nur allzu deutlich gezeigt, dass die unklaren Strukturen und Turbulenzen in diesem Zeitraum [unter dem kurzzeitigen Vorsitzenden und direktem Hofmann-Vorgänger Johannes Kaluza] auch direkte Auswirkungen auf die Stabilität im sportlichen Bereich und damit auf die Leistungsfähigkeit der Spieler hatten. Als die Ruhe kam, war auch die Leistung wieder da.

Nun ist aber in vielen Vereinen der Vorsitzende oder auch der Trainer eine schillernde Figur, die das Medieninteresse auf sich zieht (und damit von den Spielern etwas weg). In Mainz überwiegt die Sachlichkeit. Einen vor der Kamera wetternden Vorsitzenden sieht man nie, einen lauter werdenden Trainer auch nur ganz, ganz selten. Provokant gefragt: Kann man sich das in unserem »Medien-Zeitalter« überhaupt noch leisten? Ist der FSV für eine bestimmte Mediengruppe überhaupt noch interessant?
Sie haben insoweit Recht: Wir halten in Mainz nichts von überzogenen Selbstinszenierungen. Das ist aber nicht neu: Haben Sie früher einmal Christian Heidel vor den Kameras rumpoltern gesehen? Und auch Harald Strutz wirkte nach außen immer meist ruhig und sachlich.
Das bedeutet nun aber nicht, dass wir emotionslos sind. Ich bin manchmal froh, dass ich nicht mit einer Kamera auf der Haupttribüne beobachtet werde. Und auch unser Trainer ist alles andere als leidenschaftslos. Es kommt schon mal vor, dass er sich mit dem vierten Offiziellen anlegt. Grundsätzlich ist es für ihn aber wichtiger, den Spielern klare Signale zu geben, statt den Schauspieler an der Seitenlinie zu mimen.

Das letzte Heimspiel (gegen Hannover 96) hat viele Fragen aufgeworfen. Was halten Sie zum Beispiel von dem Videobeweis?
Videobeweis und auch Torlinientechnik sind aus meiner Sicht grundsätzlich wichtige Hilfsmittel, um ein Spiel gerechter zu gestalten. Allerdings ruft ihre Umsetzung, gerade beim Videobeweis, deutlich nach einer Überarbeitung: Es muss einfach schneller gehen. Und bei der Frage »Hand« oder »nicht Hand« kann der Videobeweis in der aktuellen Handhabung nicht immer weiterhelfen.

Kann man überhaupt noch eindeutig definieren, was »Handspiel« ist?
Das ist sicherlich ein Problem. Die Regel muss klarer und transparenter gefasst werden. Die augenblickliche Situation ist in der Tat unbefriedigend. Ich kann die Verärgerung und Verunsicherung bei den Zuschauern – aber auch bei den Spielern – gut nachvollziehen.

Einige Medien sprachen von »Rauchentwicklung im Gästeblock«, andere von »Hannoveraner Pyro-Idioten«. Nicht nur Stadionsprecher Klaus Haffner erkannte, dass im Gästeblock etwas passieren würde, als sich eine Gruppe unter einem Großbanner versteckte. Die Hannoveraner Verantwortlichen wichen später der Frage aus, ob man zu diesem Zeitpunkt auf die eigenen Fans noch hätte einwirken können. Die Spielunterbrechung wird entsprechende Strafen nach sich ziehen. Nur: Wie kann man so etwas vermeiden?
Wir folgen bei den Eingangskontrollen unserem zertifizierten Sicherheitskonzept, sie sind sehr gründlich und der Veranstaltung im Sinne der Durchführbarkeit angemessen. Andererseits finden gut organisierte Gruppen immer wieder die Möglichkeit, verbotene Pyros, Pyrotechnik und Rauchbomben in ein Stadion zu bringen und dort auch zu zünden. Wer auf den Überwachungsvideos erkannt wird muss mit entsprechenden Sanktionen rechnen und auch damit, dass er in Regress genommen wird. Von Strafverschärfungen oder Pauschalstrafen in diesem Bereich halte ich allerdings nichts – sie sind in meinen Augen nicht zielführend. Viel wichtiger finde ich, dass wir den Gesprächsfaden zu den Fans nicht verlieren. Wir müssen mit ihnen weiterreden, denn eine Lösung dieses Problems wird nur unter Beteiligung der Fans möglich sein. Inwieweit die ungefährlichere, in Skandinavien bereits getestete »Kalte Pyro-Technik« ein Weg sein kann, muss sich erst noch zeigen.

Wie geht es mit Mainz 05 weiter? Sind wir noch der Karnevalsverein? Wie lange sind wir überhaupt noch ein Verein im juristischen Sinn?
Sie sprechen da zwei wichtige Themen an. Zunächst: Die Idee des »Karnevalsvereins« wurde von den Fans geboren und von Mainz 05 zunächst eher passiv mitgetragen. Erst jetzt greifen wir dieses Thema, verbunden mit einer selbstironischen Art, auch aktiv auf und arbeiten damit. Ich erinnere an die Kampagne »Egal, unser Traum lebt!« vor dieser Saison. Sie wurde von den Fans und den Medien sehr positiv aufgenommen und begleitet.

Zum vereinsrechtlichen Aspekt: Wir sehen keinen zwingenden Grund dafür, unsere Fußballabteilung auszugliedern und haben zum Thema ein Rechtsgutachten veranlasst, das unsere Position unterstützt. Für unsere Erlöse im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zahlen wir auch genauso viel Steuern. Wir hoffen daher auf eine pragmatische Entscheidung des Mainzer Amtsgerichts, das sich aktuell mit dieser Frage beschäftigt. Niemand hat einen Vor- oder Nachteil, wenn wir weiterhin ein Verein bleiben. Unsere Mitglieder sehen für sich und unseren Verein darin aber einen starken ideellen Wert.

Und für Mainz 05 ist immens wichtig, dass der Verein in Ruhe und klaren Strukturen arbeiten kann. Eine neue Diskussion über Strukturen würde wieder unnötige Unruhe bringen.

Die Kommerzialisierung des europä­ischen Profi-Fußballs geht weiter: Montagsspiele, »Auseinanderzerrung« der Spieltage, ein neuer europäischer Wettbewerb. Viele Fans sind sauer. Muss das alles sein?
Grundsätzlich gilt: Rund die Hälfte unserer Einnahmen stammen aus der TV-Vermarktung. Da müssen wir als Bundesligist auch Kompromisse eingehen. Wie vor Jahrzehnten neun parallele Spiele anzusetzen, ist daher Utopie. Wir sehen die Frage differenziert, denn es gibt Fans, denen die Spiele an Freitagabenden unter Flutlicht auch gefallen – wichtig ist, den Samstag als Kernspieltag zu bewahren. Die Einführung der Montagsspiele war der Versuch einer Entlastung für die Europa-League-Teilnehmer. Sie funktionieren für die Fans allerdings nicht, daher verzichtet die Bundesliga ab der nächsten Rechteperiode wieder darauf. Insgesamt müssen wir allerdings wachsam sein, der Fußball darf durch die Vermarktung nichts an Attraktivität einbüßen. Letztlich ist das eine Gratwanderung.

Wie schätzen Sie das Potential der Mannschaft in dieser Saison ein – wo stehen wir nach dem 34. Spieltag?
Wir haben eine junge, dynamische, lernwillige Mannschaft und einen ehrgeizigen Trainer mit großer Fachkompetenz. Das bietet eine tolle Basis. Ich hoffe auf viele weitere Mainz 05-typische, aufregende und umkämpfte Spiele und bin davon überzeugt, dass wir in dieser Saison früher unseren Klassenerhalt schaffen. Danach müssen wir uns nach oben keine Grenzen setzen. Jetzt müssen wir aber, das steckt für uns in jeder Saison, erst mal für unser Basisziel Klassenerhalt arbeiten.

Herr Hofmann, wir bedanken uns vielmals für das Gespräch.

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Heike Franke und Frauk Braun

Engagement für Senioren in Sportvereinen

Die Anzahl älterer Menschen, die in Sportvereinen aktiv sind, wächst. Der Sportbund Rheinhessen bildet daher Senioren aus, die als Berater in den Vereinen die Interessen der Altersgruppe vertreten.

 

Frauke Braun war schon immer sportlich, sagt sie von sich. Viele Jahre spielte sie im Handball Club Gonsenheim, in dem sie auch Zweite Vorsitzende war, bis sie dort ausschied. Seit 2011 ist sie Mitglied in der Turngemeinde 1861 Mainz-Gonsenheim (TGM) und dort auch Seniorenberaterin. Neben Museums- und Stadtparkführungen organisiert sie Gesundheitsvorträge, Krimilesungen, Filmvorstellungen und Radtouren. »Ich habe dieses Ehrenamt gerne übernommen. Es ist ein Geben und Nehmen. Die Senioren sind dankbar, dass wir die verschiedenen Termine anbieten«, sagt die 61-Jährige. »Zu den Freizeitaktivitäten kann jeder kommen, dafür muss man nicht Mitglied im TGM sein. Aber die Teilnahme daran kann vielleicht eine Anreiz sein, dann bei einer der vielen Sportgruppen mitzumachen.«

Die sechs bis acht Veranstaltungen pro Jahr kann Frauke Braun ohne Probleme gut alleine vorbereiten und durchführen, meint sie. In ihrem früheren Beruf als Arzthelferin hatte die Sportlerin oft mit älteren Menschen zu tun. »Ich habe aber gemerkt, dass diese Klientel manchmal nicht mehr richtig wahrgenommen wird.« Dies könne sie nun in ihrer Funktion ändern, weshalb ihr die Aufgaben beim TGM so viel Spaß machten.

Interessen bedienen

Mit über 20 Prozent verzeichnet der Verein einen relativ hohen Anteil an Senioren, ist damit aber längst keine Ausnahme mehr, denn ähnliche Zunahmen verzeichnen auch andere Vereine. Dass diese Altersgruppe auch »bedient werden muss«, liegt für Heike Franke vom Sportbund Rheinhessen und Leiterin des dortigen Seniorenbereichs auf der Hand. Älteren Mitgliedern lediglich ein Sportangebot zu unterbreiten, reiche längst nicht mehr aus. Gerade diese Menschen hätten ein Bedürfnis nach mehr Geselligkeit, bräuchten einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen und in ungezwungener Atmosphäre kommunizieren könnten, so Franke.

Seniorenberater stets gesucht

Ungefähr 130 Seniorenberater in Sportvereinen gibt es derzeit in Rheinhessen. »Die meisten sind Übungsleiter oder schon lange aktiv im Verein«, erzählt Heike Franke. Für das Ehrenamt bewerben können sich Personen jeden Alters, denn gesucht werden Interessierte für diese Position jederzeit, allerdings »eine gewisse Grundfitness und Offenheit sollte schon vorhanden sein«, betont sie. Zukünftige Berater sollten bereits Mitglied im Verein sein und sich gerne für ältere Menschen einsetzen. Lediglich eine einmalige kostenpflichtige Ausbildung an einem Wochenende mit verschiedenen Themen und Referenten müsste für die Ausübung des Ehrenamts absolviert werden.

Aufgabe selbst ausgestalten

Die Aufgaben beschreibt der Sportbund Rheinhessen wie folgt: »Die Seniorenberater sind Ansprechpartner, die Wünsche und Bedürfnisse erfragen und versuchen, sie im Verein umzusetzen, Impulsgeber, die neue Ideen entwickeln, um das sportliche und außersportliche Angebot zu erweitern, Organisatoren für Veranstaltungen, Ausflüge und Feste sowie Interessensvertreter. Die Referentin für Breitensport macht aber deutlich: »Dies sind nur grobe Vorgaben. Das Aufgabengebiet kann, wie an Frau Braun zu sehen ist, jeder Berater nach seinen Fähigkeiten und den Bedarfen im Verein selbst definieren.«     | KH

 

www.sportbund-rheinhessen.de