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Mogunzius: Unverhofft kommt oft

Die Stadtverwaltung Mainz wird vom Stadtvorstand geleitet. Dieser bestand aus dem Oberbürgermeister (Michael Ebling, SPD), dem Bürgermeister (Günter Beck, Grüne) und vier Beigeordneten (Katrin Eder Grüne, Marianne Grosse, SPD, Dr. Eckhart Lensch, SPD und Christopher Sitte, FDP).

Die CDU hat seit sieben Jahren keine(n) Vertreter(in) im Stadtvorstand. Hätte sie auch weiterhin nicht, wenn bei der Wahl am 21.11. 2018 nicht erstaunliches passiert wäre: Herr Sitte hat zwei Tage vor der Wahl erklärt, dass er seine Bewerbung nicht mehr aufrechterhält. Für die CDU wurde Manuela Matz ins Rennen geschickt, mit ihrer Wahl hat niemand gerechnet, weder ihre Partei noch sie selbst. Nun ist also die CDU im Stadtvorstand vertreten, mit einer Frau, die das politische Mainz nicht kennt und die auch bisher in der Kommunalpolitik nicht in Erscheinung getreten ist. Ob das gut oder schlecht ist – man wird sehen…

Ein Blick hinter die Kulissen ist spannender als das von Christopher Sitte provozierte Wahler­gebnis. Herr Sitte sagt, er habe kurzfristig ein Angebot erhalten, zu einem Frankfurter Finanzdienstleister zu wechseln. Jetzt wollen wir nur hoffen, dass der Personalchef dieses Unternehmens nicht Mitglied der Mainzer CDU ist. Es ist kein Geheimnis, dass Herr Sitte seit Jahren darauf wartet, dass ihn der »politische Ruf« ereilt. Nur hat keiner gerufen. Nach der Landtagswahl 2016 wäre er »an der Reihe gewesen«, der FDP-Staatssekretärsposten ging jedoch an einen unbekannten Pfälzer Juristen, man sagt, Sitte hätte weder auf der long- noch auf der short-list gestanden. Ob das Gerücht stimmt, dass es in der FDP-Ratsfraktion Abweichler gab, die ihren Parteifreund am 21.11.18 auf keinen Fall gewählt hätten, weiß man nicht…. Auf jeden Fall ist die Mainzer FDP in einer Schockstarre, bei Facebook findet sich kein Kommentar, weder unter »FDP Mainz« noch bei »FDP Stadtratsfraktion«. Nur ein Video von Sitte, wie er fast nicht aus einem Baustellenaufzug kommt.

Ist die CDU jetzt glücklich? »Wir sind Wirtschaftsdezernentin«, titelt jemand in Facebook bei »CDU Mainz«, ganze 62 Likes und 13 Kommentare zum Wahlergebnis von Frau Matz zeugen nicht von Euphorie. Das liegt vielleicht daran, dass einige langjährige CDU-Ratsmitglieder auch gerne in den Stadtvorstand gerückt wären, hätten sie doch bloß gewusst, dass Herr Sitte nicht antritt. Nun wird ausgerechnet »Mrs. Unknown« da sitzen und die Altgedienten gucken in die Röhre.

Einen Vorteil hat die Ratsentscheidung, wir Wähler/-innen müssen uns beim Kommunalwahlkampf nächstes Jahr nicht wieder die Dauerschleife der CDU anhören, die da lautet: »Oh wie ungerecht, wir sind nicht im Stadtvorstand …«

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