Winzer-Connection
Weingut Haub
Rheinstraße 28
55296 Lörzweiler
Tel. 0 61 38 / 74 43
Fax 0 61 38 / 98 02 67
info@weingut-haub.de
www.weingut-haub.de

Jupp präsentiert die schönsten rheinhessischen Gewächse (Teil 176)
Haub: Authentisch, bodenständig, ökologisch

Ja, es zahlt sich schon aus, dass unser guter Jupp so umtriebig ist. Anfang November vergangenen Jahres sah er sich mal intensiv auf der »Slowfish« in Bremen um, einer wirklich
empfehlenswerten Messe für hochwertige Lebens- und Genussmittel. Unter den wenigen Weinerzeugern, die sich hier präsentierten, fiel ihm sofort, na klar, einer aus Rheinhessen auf.
Kurzum: Jupp war nicht faul, nahm sofort Kontakt auf, probierte den einen und anderen Tropfen und vereinbarte mit dem Chef des Weinguts Haub einen Besuchstermin am Betriebssitz in
Lörzweiler. Folgendes ist dabei herausgekommen:
Winzermeister Steffan Haub - ja, ihr lest richtig: mit Doppel-F - ist der angenehme Typ Öko-Winzer: bodenständig, landschafts- und leuteverbunden, authentisch, geschichts-
und gesundheitsbewusst, also eine prima Mischung. Schon um 1920 wurde von Steffans Ahn David Haub von Bodenheim aus der eigene Wein via
Flasche vermarktet. Der heutige Lörzweilerer Betrieb bewirtschaftet 20 Hektar Weinbaufläche, außerdem gehört ein Gästehaus dazu. Im Sommer wird die Straußwirtschaft geöffnet,
2012 rechtzeitig zur Fußball-EM im Juni - dann gibt's hier das Rundum-Wohlfühlerlebnis aus Public Viewing, Wein- und Speisengenuss. Um all die Dinge neben Weinbereitung und
-außenvermarktung sowie um vier Kinder und den Haushalt kümmert sich Steffans Frau Regina. Und Papa Karl-Heinz agiert als Allzweckwaffe.
Aus Russland zum FÖJ nach Lörzweiler
Besonders cool find' ich, dass der Winzer regelmäßig junge Leute zu einem Freiwilligen Ökologischen Jahr auf seinen Hof einlädt und ihnen hier eine Menge über und rund
um den Weinbau beibringt. Zurzeit absolviert eine wissbegierige Frau aus Russland diese Art Praktikum im Weingut Haub. Sie und ihr männlicher deutscher Kollege scheinen
mit Feuereifer bei der Sache zu sein.
So, dann wollen wir uns mal dem eigentlichen Anlass des Besuchs, den Weinen des Monats nämlich, widmen. Vorab kurz zur grundsätzlichen Systematik: Die hiesige interne Basis
stellen die Literweine dar, dann folgen in der Leistungspyramide die Stöffchen, die mit »Weingut Haub« etikettiert werden, und schließlich gelangen wir zur Spitze, die unter
»Hof an der Au« firmiert; dieser Begriff geht darauf zurück, dass die Straße, an der sich das Anwesen befindet, in früherer Zeit Augasse hieß.
Wohlan, wir beginnen mit einem »L«-Wein, gelangen dann zu drei »WH«-Weinen (bis dahin alle feinherb und von 2010) und enden schließlich bei drei »HadA«-Kreszenzen.
Geschmeidiger Selbstläufer im Liter
Der Literwein aus Silvaner und Müller-Thurgau (WdM 1, 12 Gramm Restzucker, 12%, 4 Euro) verdient nicht mehr und nicht weniger als das Prädikat
»Selbstläufer« - ein geschmeidiges Weinchen für nahezu jeden Sinneszustand.
WdM zwo ist ein Grauer
Burgunder Kabinett (11%, 4 Euro für 0,75), der mit 5 Gramm Restzucker bei geringer Säure
geschmacklich eher trocken daherkommt. Mein Eindruck: ein
klarer, ungeschminkter, archaischer Wein.
Mit dem WdM 3 gelang dem Winzer ein ungewöhnlich attraktiver Pinot Blanc, also Weißer Burgunder (11%), für den 5 Euro 50 absolut angemessen sind.
Dornfelder als Schnapper des Tableaus
Jetzt bitte mal genau hinlesen! Der Wein des Monats Numero vier hat mich sofort begeistert. Hierbei handelt es sich um einen Dornfelder, der so ganz anders auftritt als
seine üblichen Artgenossen. Von herrlich mittelroter Farbe ohne den hinlänglich bekannten lila Rand, bringt er wunderschöne Würzaromen von Tabak und geräuchertem Holz ins
und aus dem Glas, wohl auch, weil er etwas kürzer als die anderen Haub-Roten auf der Maische lag. Mit 5,50 Euro ist dieser 13-Prozenter der Schnapper auf unserem diesmonatigen
WdM-Tableau.
Regent & Pinot Noir gestalten in Eintracht den WdM 5 (2009, trocken, 13,5%, 11,80 Euro).
Der Spätburgunderanteil setzt
sich in dieser Mariage dezent, aber deutlich durch und nimmt dem Regent die raue Note. Ein
feiner Wein mit Kirsch- und Schokolade-Anmutung.
Feinherb auch für Trockentrinker
Bleiben uns noch zwei feinherbe weiße »HadA«-Stöffchen aus 2010, zunächst als WdM 6 der QbA-Gewürztraminer (12%, 17 Gramm Restzucker, 7 Euro), der seiner Rebsorte alle
Ehre macht und genau den richtigen, moderaten Süßegrad hat, den der GT braucht, um sich in idealer Weise zu entfalten. Die Bacchus-Spätlese schließlich
(WdM 7, 11%, 22 g RZ, 8,20 Euro) begeistert mit brillanter, keineswegs übertriebener Aromenfülle, die wohl auf mehrere Faktoren zurückgeht:
Dieser Wein stammt von fast 40-jährigen Rebstöcken, die aufgrund von Nichtschnitt in einer regelrechten Hecke stehen und kleine Beeren mit starken Schalen ausbilden.
Die sandige Löss-Lehm-Bodenformation erzeugt zudem einen gewissen rassigen Ton. Dieser Bacchus könnte auch, meine ich, eingefleischte Trockentrinker entzücken -
was für die meisten der feinherben Haub-Weine gilt.