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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
Das Restaurant

 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 41,0 : 5 = 8,2
 
 8,2 Kochkappen  
 Essen 8,5  
 Trinken 8,0  
 Service 8,5  
 Ambiente 8,0  
 Preis-Leistung 8,0  

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Essen & Trinken

Ein Küchenchef, der seine Gäste ernst nimmt

Im Rommersheimer Restaurant »Zum Gläsernen Trinkhorn« geht man auf ungewöhnliche Weise auf Vorschläge und Wünsche ein / Bereicherung für rheinhessische Gastronomie

Wo liegt Rommersheim? Die Frage ist berechtigt. Antwort: Rommersheim ist ein Stadtteil von Wörrstadt, südwestlich der Kernstadt. Das Örtchen mit seinen rund 730 Einwohnern schmiegt sich malerisch in eine Senke, und mittendrin findet man das Restaurant »Zum Gläsernen Trinkhorn«. Ein merkwürdiger wie klangvoller Name, der auf einen archäologischen Fund aus fränkischer Zeit zurückgeht. Die Atmosphäre im Innern ist rustikal, mit viel Holz und Naturstein. Gleichwohl wurde das urige Ambiente mit schicken, historisch anmutenden Kerzenlampen, einem großen Spiegel und blütenweißen Stofftischdecken geschmackvoll kombiniert. Kurzum: Hier ist gut sein.

Seit etwa einem halben Jahr wird das Restaurant von Markus Lettau und seiner Lebensgefährtin Alina Fath geleitet. Er ist Chef in der Küche, sie organisiert den Service. Obwohl noch jung, haben beide in der Gastronomie reichlich Erfahrung gesammelt. Kennen lernten sie sich bei der Arbeit im »Goldenen Engel« in Flonheim, der ja wahrlich eine gute kulinarische Adresse ist.


Kompetente Freundlichkeit

Was uns sofort positiv stimmt, ist die kompetente Freundlichkeit der Bedienung. Wir haben den Eindruck, mit unseren Wünschen ernst genommen zu werden, und spüren zugleich einen angenehm dezenten Humor, der uns durch den Abend begleitet. Das Amuse gueule, das uns serviert wird, bietet einen eindrucksvollen Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird. Ziegenkäse mit Thymian und Honig, schwarze Oliven, toskanisches Olivenöl und zwei verschiedene Sorten Brot zum Einstieg bekommt man keineswegs überall - schon gar nicht von dieser Qualität. Anschließend wird als Gruß aus der Küche sogar noch ein Rotkohlschaum-Süppchen aufgetragen, das pikant gewürzt ist und uns außerordentlich gut schmeckt.

Mister X bleibt zur Vorspeise direkt bei der Schaumsuppe, die allerdings diesmal vom Spargel stammt. In ihr schwimmt perfekt angerichtet ein Wachtelspiegelei, das mein immerwährender Begleiter als »sehr fein und mit zartem, braunem Rand« beschreibt. »Dieses Süppchen präsentiert sich elegant und leicht, mit dezenter Würze«, kommentiert er des Weiteren. Die Spargel-Charakteristik sei im Übrigen deutlich wahrnehmbar. 8,50 Euro kostet das kleine Gericht.

Ich widme mich derweil meinen Tramezzini (eigentlich müsste es Tramezzino heißen, weil nur ein Stück) mit Gar­nelen-Tatar, Rucola und Limonenschmand sowie einer Kirschtomate (12,50 Euro). Die norditalienische Variante des Sandwiches wurde in diesem Falle neu interpretiert: Das Weißbrot ist ein dünnes, rundes, leicht angebräuntes Scheibchen, das das Meeresfrüchte-Tatar lediglich optisch ein wenig abdeckt. Auf alle Fälle ist das kleine Türmchen gut gewürzt und pfiffig dargeboten.


Tipp: Seeteufel statt Red Snapper

Als Hauptgang hat Mister X ein Filet vom Red Snapper mit Rote-Bete-Risotto und gebratenem Mangold zu 26,50 Euro bestellt. Dieses Ensemble ist wundervoll anzuschauen und wäre gerade auch farblich ein Knaller, wirkte der leicht angebratene Fisch auf dem leuchtenden Grün des Gemüses und dem glänzenden Rot des Risottos nicht ein bisschen dunkel und fad. Geschmacklich aber gibt es nichts auszusetzen, und der Snapper ist - obwohl artbedingt von festem Fleisch - aufgrund des schönen inneren Rosatons perfekt gegart.

Da ich eher zu einem vegetarischen Hautgericht tendiere, bekomme ich gebackene Avocado mit gratiniertem Ziegenkäse und geschmorten Kirschtomaten (17,50 Euro). Auch hier macht sich wieder eine angenehme Feinheit im Geschmack bemerkbar, wobei die Avocado-Spalten etwas kräftiger gewürzt sein dürften. Im Anschluss an diesen Genussabend führt Mister X noch ein kurzes, wohltuendes Gespräch mit Küchenchef Markus Lettau, von dem wir gleich im Fazit berichten.

| Lou Kull


FAZIT:

Das Restaurant »Zum Gläsernen Trinkhorn« in Rommersheim ist ein echter Gewinn für die rheinhessische Gastronomie-Landschaft. ier wird mit Liebe fürs Detail gekocht, das Können der Küche und die verwendeten Materialien rechtfertigen die Preisgestaltung. Und: Man geht auf den Gast in ungewohnter Weise ein. Nachdem Mister X dem Küchenchef noch am Tisch vorgeschlagen hatte, aus optischen Gründen und wegen der Zartheit des Fleisches den fadfarbigen Red Snapper gegen weißen Seeteufel auszutauschen, setzte Markus Lettau diesen Vorschlag postwendend um und schickte keine zwei Tage nach unserem Besuch das entsprechende Fotomotiv in die Redaktion des MAINZERs. Alle Achtung, so etwas hatten wir bis dato noch nicht erlebt. Der Service im »gläsernen Trinkhorn« ist ebenfalls ungewöhnlich gut, das Interieur des Restaurants erfreut darüber hinaus. Auch die Weinkarte, die relativ klein gehalten und gut zusammengestellt ist, findet unsere Anerkennung. An dem Abend unseres Besuchs probierten wir ausschließlich trockene Weine, darunter den 2016er Sauvignon blanc vom Rollanderhof in Saulheim (5,20 Euro für 0,2), den 2015er Silvaner von Gottwald in Lörzweiler (4,60 Euro) und den 2016er Riesling des Appenheimer Weinguts Knewitz (5,20 Euro). Alle drei überzeugten, lediglich den 2014er Merlot vom Rollanderhof (6,60 Euro), den wir zum Schluss verkosteten, empfanden wir als wenig trinkanimierend.

Zum Gläsernen Trinkhorn
Kegelbahnstraße 3
55286 Wörrstadt-Rommersheim
Tel. 0 67 32 / 600 58 09
service@zum-trinkhorn.de
www.zum-trinkhorn.de

Öffnungszeiten
(Mai bis September):
Mi und Do 18 bis 22 Uhr
Fr bis So 12 bis 22 Uhr
(bis 18 Uhr kleine Mittagskarte, Kaffee und Kuchen)
Mo und Di Ruhetag, an allen
Sonn- und Feiertagen geöffnet