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Sport

Für die »Herzensache«

800 Kilometer auf dem Jakobsweg


Christine Sell Für die »Herzenssache«: 800 Kilometer auf dem Jakobsweg Und sie tut es schon wieder … Nach ihren »Ausflügen« in die marokkanische Sahara zum Marathon des Sables und nach Kalifornien zum Badwater-Marathon quer durch das Death Valley (vgl. MAINZER Nr. 164 & 180) plant die Mainzer Ultra-Marathon Läuferin Christine Sell ihr nächstes Abenteuer. Noch im August will sie den spanischen Teil des Jakobswegs hinter sich bringen.
fragezeichen Frau Sell, mit dem Begriff ‘spanischer Jakobsweg’ kann vielleicht nicht jeder etwas anfangen. Was genau hat es damit auf sich?

Sell: »Der spanische Jakobsweg beginnt in St. Jean-Pied-de-Port, führt bis zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela und war früher ein Ablassweg. Das heißt, man hat seine Sünden erlassen bekommen, wenn man die Strecke abgelaufen ist. Heute wird er von Pilgern genutzt.«

fragezeichenDas Ganze einmal in Zahlen ausgedrückt - Wie weit müsste ich laufen, um meine Sünden erlassen zu bekommen?

Sell: »Circa 800 Kilometer.«

Christine Sell
fragezeichen Jetzt war ein Sündenerlass für Sie ja wohl nicht der Grund, diese Mörderstrecke bewältigen zu wollen. Was also steckt dahinter?

Sell: Die Idee gibt’s im Prinzip schon lange und eigentlich war angedacht, sogar von Mainz aus loszulaufen. Aber wer hat schon sechs Wochen frei (lacht). Aber Spaß beiseite. Zum einen reizt mich natürlich die sportliche Herausforderung. Auf der anderen Seite aber ist das Langstreckenlaufen für mich DIE Gelegenheit, den Kopf frei zu kriegen, zur Ruhe zu kommen und die Natur zu genießen. Und warum gerade den Jakobsweg? Keine Ahnung, das hat sicherlich irgendwo auch spirituelle Gründe, etwas Vergangenes wieder aufleben lassen. Außerdem hat mich die Idee der innerlichen Reinigung fasziniert.«

fragezeichenWie genau soll der Trip ablaufen?


Sell: »Wir haben so an zehn bis zwölf Tagesetappen gedacht, an denen wir jeweils etwa zehn bis 16 Stunden unterwegs sein wollen. Wobei das auch vom körperlichen Zustand jedes Einzelnen abhängt.«

fragezeichenSie sprechen von ‘Wir’. D. h., sie laufen nicht allein?


Sell: »Nein, ich werde von Edgar Kluge und Roland Kuprat - zwei langjährigen Lauffreunden - begleitet. Von denen sollte übrigens keiner ausfallen, denn die Daten, wie ihre und mein Körper auf die Anstrengungen reagieren, brauche ich für mein Studium. Dabei unterstützt mich übrigens auch die Uni Mainz, auf diesem Weg einmal Danke schön.«

fragezeichenUnterstützung ist ein gutes Stichwort. Der Lauf ist für einen guten Zweck gedacht - was steckt dahinter?

Sell: »Wir wollen so versuchen, an Gelder für die Initiative »Herzenssache - Kinder in Not in Deutschland« zu kommen. Damit werden hauptsächlich Jungs und Mädels aus sozial schwachen Familien unterstützt. Das Thema wird übrigens noch immer tabuisiert, obwohl die Zahl der Betroffenen ständig ansteigt. Ein Punkt, der mich gewaltig ärgert.«

fragezeichenUnd? Wie erfolgreich waren Sie bis jetzt?


Christine Sell Sell: »Obwohl wir bislang bereits Dutzende Firmen abgeklappert haben, sind mit dem Sportladen ‘Wildwechsel’ als Ausstatter und dem ‘eventagent-mainz’ als Co-Sponsor erst zwei Unternehmen bereit, uns zu unterstützen. Aber entmutigen lassen kommt nicht in Frage. Notfalls werden wir hinterher eben eine Diashow auf die Beine stellen und dann diese Einnahmen spenden.«

fragezeichenWenn jetzt jemand dieses Interview liest und sich denkt ‘Tolle Idee’ da springe ich als Sponsor ein’, wie kommt er an Sie ran und was kann er als Gegenleistung erwarten?

Sell: »Mich zu erreichen ist kein Problem. Einfach nur kurz eine E-Mail an die Adresse info @runningexperience.de (in einem Wort!) schicken. Als Gegenleistung kann ich kostenlose Gesundheitsseminare oder firmeninterne Sportkurse anbieten. Außerdem wird das Sponsorenlogo natürlich auf unsere Laufklamotten gedruckt und der Sponsorenname bei der Diashow hinterher genannt. Und eins kann ich vielleicht auch gleich mal klarstellen: Wir Sportler benötigen keine Riesensumme. Wir sind nur zu dritt, übernachten in Pilgerherbergen und fahren mit einem Kleinbus zum Startpunkt - von daher kann sich jeder ausrechnen, was das kostet.«

Wir drücken die Daumen und danke, Frau Sell, für das Gespräch.

Mario Bast