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Sport - Nullfünfer
Christian Heidel blickt in die Zukunft:
»Ich bin recht optimistisch!«
Nach drei Jahren in der Beletage des deutschen Fußballs muss der FSV Mainz 05 in dieser Saison wieder kleinere Brötchen backen, die Gegner heißen nun wieder Hoffenheim, Koblenz und Jena, statt Bayern München, Schalke oder Bremen. Ein idealer Zeitpunkt für einen Um- und Aufbruch? Fragen mit denen sich DER MAINZER an 05-Manager Christian Heidel gewandt hat.
Für viele Experten ist die zweite Liga dieses Mal so stark wie noch nie. Teilen Sie diese Meinung?
Und: welche Rolle trauen Sie ihrer eigenen Mannschaft zu?
Heidel: »Man muss mit Prognosen etwas vorsichtig sein. Das hat man im letzten Jahr auch gesagt. Mit Köln, Freiburg, Lautern, 60 München. Komisch, die sind alle immer noch da. Von den Namen der Vereine her ist es fast eine Bundesliga 1b. Die Qualität wird sich zeigen. Wir haben eine ziemlich neue Mannschaft zusammenstellen müssen, die sich finden und einspielen muss. Ich bin aber schon recht optimistisch.«
Wenn es um neue Spieler ging, haben Sie früher immer gesagt: »Gestandene Profis können wir
uns nicht leisten, wir sind eher ein Ausbildungsverein.« Jetzt haben Sie gleich mehrere Kicker mit Erstligaerfahrung geholt, sogar einen Torschützenkönig aus dem Ausland. Wie erklärt sich das?
Heidel: »Es hat sich für uns nicht soviel geändert. Wir haben Spieler aus der ersten Liga geholt, die in Ihren Vereinen aus unterschiedlichen Gründen nicht regelmäßig gespielt haben und eine neue Herausforderung gesucht haben. Stammspieler aus der ersten Liga zu holen ist für uns wirtschaftlich nicht mög lich, egal ob wir in der ersten oder in der zweiten Liga spielen. Da sind die wirtschaftlichen Unterschiede einfach viel zu groß. Warum soll ein Stammspieler von Dortmund, Wolfsburg oder Hannover nach Mainz kommen? Wegen Fassenacht oder der tollen Atmosphäre im Stadion? Das ist naiv. Auch Andreasen und Zidan haben in Bremen nicht gespielt. Das haben viele vergessen. Für Spieler aus dem Ausland (außer aus den großen Ligen) ist auch die zweite deutsche Bundesliga ein Thema. Ihr Ruf ist sehr gut.«
Dass es nach dem Abstieg eine gewisse Zeit dauern würde, neue Spieler nach Mainz zu locken,
hätte eigentlich jedem klar sein müssen. Trotzdem war im Umfeld einiges Murren zu hören. Wie gehen Sie mit solchen Reaktionen um?
Heidel: »Das kenne ich, solange ich diesen Job hier mache. Also mehr als 15 Jahre. Wenn man mit unseren Möglichkeiten Erfolg haben will, muss man verschwiegen im Hintergrund arbeiten. Soll ich jeden Tag Interviews geben, was ich alles mache und mit wem ich spreche, um manchen Kritikern zu beweisen, dass wir nicht die Füße hochlegen? Jeder hat seinen Arbeitsstil. Ich habe meinen und muss und kann natürlich mit der Kritik auch umgehen. Das gehört dazu - auch, wenn man sich manchmal schon ärgert.«
Neben dem sportlichen Alltag dürfte Sie auch in diesem Jahr der geplante Stadionneubau auf Trab
halten. Finanzierung und Konzept sind soweit eingetütet, allein das Gelände rund um den Europakreisel konnte noch nicht vollends aufgekauft werden.
Was aber, wenn sich die jetzigen Besitzer weiter weigern und vielleicht sogar vor einem gerichtlichen Streit nicht zurückschrecken?
Heidel: »Ich vertraue hier den Verantwortlichen bei der Stadt, die halten die Problematik für lösbar. Natürlich muss man die Situation der Betroffenen berücksichtigen. Ich bin sicher, dass man in den wenigen Fällen aber Lösungen finden kann und wird.«
Manche Kritiker unken sogar, dass das neue Stadion in Liga zwei auf Dauer nicht zu finanzieren sei.
Käme so gesehen ein zeitlicher Aufschub nicht sogar zum richtigen Zeitpunkt?
Heidel: »Das sind dieselben Ahnungslosen, die den ersten Ausbau auf 15.000 Plätze nicht wollten, weil der Zuschauerschnitt damals bei knapp 5.000 lag. Ohne ein neues Stadion hat der Freizeitwert Fußball in der Stadt Mainz NULL Chancen. Das hat inzwischen auch der Kultverein St. Pauli gemerkt, der mit über 15.000 Zuschauern im Schnitt in der Regionalliga nach vielen Jahren wieder einmal aufgestiegen ist.«
Als das Bruchwegstadion ausgebaut wurde, hatte der damals damit beauftragte Architekt einen
Sechsstufenplan vorgelegt bis hin zum Komplettausbau am jetzigen Standort. Warum hat man davon nie wieder etwas gehört?
Heidel: »Weil dieser Plan Humbug war und weder finanzierbar noch realisierbar ist. Wir wären doch bescheuert, wenn wir diese Möglichkeit nicht nutzen würden, gäbe es sie wirklich.«
Ich nenne Ihnen zum Abschluss drei Thesen, warum der sofortige Wiederaufstieg Pflicht ist und sie
antworten. Also: Der sofortige Wiederaufstieg ist ein Muss, weil sonst Trainer Jürgen Klopp den Klub verlässt und das ganze Modell, Mainz 05’ zusammenbricht.
Heidel: »Das hat man mir auch 1997 erzählt. Nur hieß der Trainer da Wolfgang Frank. Jetzt hat der Verein drei Jahre Bundesliga hinter sich und ist schuldenfrei. Kloppo ist wichtig, gut, klasse! Aber es wird ein 05-Leben nach Kloppo geben - egal in welcher Liga. Auch wenn ich es nicht bräuchte. Hier bricht gar nichts zusammen.«
… weil sich der Verein
die Zweite Liga nicht länger
leisten kann.
Heidel: »Mit dem neuen Stadion wird der Verein sich die zweite Liga 20 Jahre leisten können, sollten die Verantwortlichen weiterhin wirtschaftlich seriös arbeiten.«
… sonst die
Fan-Euphorie
sofort verpufft?
Heidel: »Das entscheiden allein die Fans, die Mainzer. Wenn Sie so denken wie ich, wird die Fan-Euphorie nie verpuffen. Einmal Mainzer, immer Mainzer! Einmal 05er, immer 05er. Und das ist ernst gemeint. Ich glaube und hoffe, fast alle denken genauso.«
M. Bast

