»Uriger Gewölbekeller im Herzen der Altstadt«
Zu viel Lärm im Bitschkeller?
Den Bitschkeller kann man als eine Institution der Mainzer Fastnacht bezeichnen. Hunderte Narren zieht es am 11.11. und zwischen Altweiber-Donnerstag und Fastnachtdienstag in das Gewölbe aus dem frühen 19. Jahrhundert in der Rochusstraße. »Auch viele Mainzer Persönlichkeiten kommen regelmäßig zur Fastnacht hierher, weil man hier in gemütlicher Atmosphäre feiern kann«, sagt die Veranstalterin Yvonne de Prato. Doch ob sie den Keller auch in diesem Jahr wieder für die Narren öffnen kann, ist unklar. Denn das Gewerbeaufsichtsamt prüft, ob es die jährlich anfallende Sonderkonzession für die tollen Tage ausstellen kann. Es geht um den Lärm, den die Feiern verursachen.
Schon im vergangenen Jahr konnte der Bitschkeller nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung über die Fastnachtstage geöffnet werden. Für andere private Veranstaltungen vermietete Yvonne de Prato nicht mehr. Auch die Silvesterfeier für Karnevalisten, die sonst in dem Kellergewölbe stattfindet, entfiel. Der Grund: Das Bauamt der Stadt lässt den Keller nicht mehr als Veranstaltungsraum zu. »Es gab stets erhebliche Beschwerden von Anwohnern über den Lärm«, sagt Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr. Zudem seien viele Veranstaltungen, zu denen der Keller vermietet wurde, nicht genehmigt gewesen. Das Bauamt erklärte Yvonne de Prato in einer ersten Nutzungsunterlassung, dass der Lärm, der von den Feiern im Keller ausgeht, nicht mit den vom Stadtrat beschlossenen Sanierungszielen für die Altstadt vereinbar sei. Schließlich sei eines der Hauptziele, die Wohnfunktion der Altstadt zu stärken.
Seit den 1960er Jahren war der Bitschkeller Anlaufstelle für die Mainzer am Samstagvormittag. Der Küfer Phillip Bitsch organisierte dort regelmäßig ein Marktfrühstück mit Frühschoppen. 1971 veranstaltete Bitsch zum ersten Mal auch Fastnachtsfeiern in dem Gewölbe. »Philipp Bitsch war ein Freund von Jockel Fuchs und auch von meinem Vater Herbert Hoffmann«, erzählt Yvonne de Prato. Ende der 1970er Jahre übergab Bitsch die Feiern an Herbert Hoffmann, nach seinem Tod 1981 machten vorübergehend zwei Winzer aus Rheinhessen weiter. In den 1990er Jahren wurde das Marktfrühstück im Bitschkeller eingestellt und auf den Marktplatz verlagert. Im Jahr 2000 übernahm Yvonne de Prato die Fastnachtsfeiern.
Brauchtumspflege

Im vergangenen Jahr kurz vor Fastnacht begann dann ihr Gang durch die Institutionen. Nachdem sich Nachbarn über den Lärm beschwert hatten, teilte ihr das Bauamt zunächst mit, dass sie den Keller nicht mehr nutzen dürfe. Das Amt stufte den Keller zunächst als Schank- und Speisewirtschaft ein - dafür halte sie nicht die geforderten Parkplätze vor. Außerdem dürften in dem Quartier neben den drei dort schon vorhandenen Gaststätten - dem Weinhaus Bluhm, dem Altstadt-Café und dem Brauhaus Zum Goldstein - keine weiteren Gaststätten zugelassen werden. Yvonne de Prato argumentierte, dass die Fastnacht als Brauchtumspflege einzustufen sei und dass sich diese ohnehin auf dann nur noch sechs Tage im Jahr beschränke.
Dann forderte das Bauamt diverse Gutachten ein, vom Lärmschutz über Brandschutzbestimmungen und Notausgängen bis zur Lüftung. Bis Anfang Januar ließ Yvonne de Prato alle geforderten Überprüfungen durchführen und reichte die Gutachten beim Bauamt ein. Auch das Lärmschutzgutachten, das die Musiklautstärke misst. Doch ein- und ausgehende Besucher und vor der Tür stehende Raucher machen ebenfalls Lärm. Das ist zum einen bei einem Gutachten schwer zu messen, zum anderen kaum zu unterbinden. Yvonne de Prato bestreitet nicht, dass bei den Feiern Lärm nach draußen dringt. Insbesondere in der Wohnung direkt über dem Keller sei es laut. Doch mit der Mieterin, die dort wohne, habe man sich geeinigt. »Wir geben ihr die Termine durch, dann übernachtet sie an diesen Tagen woanders«, berichtet de Prato. Es sei hauptsächlich ein einziger anderer Anwohner, der sich beschwere. Stadtsprecher Peterhanwahr sagt: »Auch der einzelne Anwohner hat Rechte.«
Kurioserweise wird (zumindest bis Redaktionsschluss) der Bitschkeller auf der Internetseite der Stadt Mainz unter »Veranstaltungsräume in Mainz« noch immer als »uriger Gewölbekeller im Herzen der Altstadt« aufgeführt. Dass sie den Bitschkeller trotzdem nicht mehr als Veranstaltungsort an andere vermieten kann, damit hat sich Yvonne de Prato abgefunden. Doch die traditionellen Fastnachtsfeiern und Silvester für Karnevalisten will sie weiter anbieten. »Ich will diese Tradition auch noch irgendwann an meine Tochter weitergeben können«, erklärt sie. Erst einmal bangt sie um die Sonderkonzession für dieses Jahr. Stadtsprecher Peterhanwahr warnt: »Aus einer jährlich immer wieder neu ausgestellten Sonderkonzession lassen sich keine Rechte ableiten.« Die Fans des Fastnachtfeierns im Bitschkeller werden aber bestimmt nachschauen, ob die Türen offen sind.
Alice Gundlach