






Pizzalieferdienste im Vergleich
Wenn der Pizzamann zweimal klingelt
Samstagabend, der Kühlschrank
gibt keine anständige Mahlzeit
mehr her, und das Tiefkühlfach
ist auch geplündert. Was nun? Jeder hat irgendwann einmal in seinem Leben vor einer solchen Situation gestanden, und wer keine
Lust hat Essen zu gehen, greift
zwangsläufig zum Telefon und bestellt sich des Deutschen liebstes
Lieferprodukt: eine Pizza. Ob aus
Hunger, aus Faulheit, aus Gewohnheit oder mit Freunden zum
Fußball, eine Pizza zur Tür gebracht zu bekommen, ist ein gerne
in Anspruch genommener Luxus,
vor allem unter den Jüngeren.
Aber kaum ist der Telefonhörer in
der Hand, kommt die Kardinalfrage: Wo bestelle ich?
Dieses Problems hat sich in
diesem Monat DER MAINZER
angenommen und präsentiert den
Test der Mainzer Pizza Lieferdienste!
Im Oktober trafen sich im Büro
des MAINZERs sorgfältig ausgewählte Personen aus Mainz und
allesamt Pizzafreunde: Guiseppe
Dato, Inhaber des Incontro, Al
Cortile und des Pizza Pepe in der
Augustinerstraße
in Mainz als fachkundiger Pizza-Fachmann,
Günther Jertz, Geschäftsführer
der Industrie- und Handelskammer, Melita Soost, Leiterin des
Haus Burgund, Katja Mailahn,
Inhaberin des Privatrestaurants
und der Kochschule »Fachwerk
Im Eulengarten« in Vendersheim, Ewald Dietrich, Geschäftsführer des Mainzer
Unterhauses, Thomas
Jung, Inhaber des Möbelgeschäfts Jung und Achim Weitzel, Geschäftsführer des
Saturn Mainz.
Aus der großen Masse an Lieferdiensten in Mainz haben wir
für den Anfang eine zufällige Auswahl von zwölf Diensten getroffen
und werden demnächst die anderen testen. Wir bestellten zum
besseren Vergleichen nur normalgroße Salamipizzen für Punkt
18 Uhr: drei Lieferdienste kamen
zu früh, einer genau Punkt 18 Uhr,
drei bis zu zehn Minuten, weitere
drei bis zu 20 Minuten und zwei sogar eine halbe Stunde zu spät. Die Pizzen wurde
blitzschnell fotografiert, vermessen und mit einer
Ziffer anonymisiert. Die Juroren sahen pro Pizza nur
eine Ziffer, die Herkunft der Pizzen waren somit den
Juroren unbekannt.
Von unseren zwölf bestellten Pizzen waren nur
zwei so groß wie beschrieben, immerhin eine
sogar größer als angegeben. Die Preise lagen
zwischen 5-10 ?, erhöht durch den manchmal
verlangten Mindestbestellwert. Unsere Bewertungskriterien waren Aussehen, Geruch und
Geschmack. Es ist eine erstaunliche Erkenntnis,
dass nur vier Pizzen eine Wertung erhalten haben,
bei der man sagen kann: »Hier würde ich noch einmal bestellen«. Nach hitzigen Diskussionen und
viel verspeister Pizza sind unsere Juroren also zu
folgendem Ergebnis gelangt:
Unser Sieger ist Pizzeria Roma (Große Langgasse 6, Tel: 06131 600 77 44, 10 ? Mindestbestellwert). Die Pizza wurde pünktlich geliefert und
überzeugte im ersten Eindruck durch Aussehen
und Geruch. Geschmacklich glänzte sie mit einer
überaus würzigen Tomatensauce die definitiv
einiges an Oregano gesehen hat - sie gewann
somit souverän.
Nur knapp geschlagen auf dem zweiten Platz:
La Bella Heimservice (Kurfürstenstr. 12, Tel: 06131
14 31 589, 8 ? Mindestbestellwert). Die Pizza wurde zehn Minuten zu früh geliefert, war genau so
groß wie beworben und überzeugte hauptsächlich
mit einer ansehnlichen Optik und einem schön
aufgegangenen Hefeteig, war aber sehr käselastig.
Unser dritter Platz geht an Baba (Weintorstr. 6,
Tel: 06131 4985083, 10 ? Mindestbestellwert aber
für 6 ? geliefert). Die Pizza kam 27 Minuten zu spät
und war zwei Zentimeter kleiner als beworben, hat
aber durch guten Geschmack und einen guten Teig
den schlechten Einstieg wettgemacht und sich sogar unter den besten Drei platziert.
Wir gratulieren den Gewinnern sehr herzlich und wünschen unseren Lesern
viel Spaß und guten Appetit
bei der nächsten
Bestellung.
Qualität und Preis
Um eine Pizza zu einem konkurrenzfähigen Preis anbieten zu können, müssen beinahe zwangsläufig
bei der Qualität der Produkte Abstriche in Kauf genommen werden.
Immer wieder tauchen in den Medien Debatten über den sog. »Analogkäse« auf, der im Grunde nichts
anderes als in Käseform gebrachtes
Fett und Eiweiß ist. Formfleischvorderschinken sind gepresste Fleischreste, und Vorsicht ist auch bei Salami angebracht, die mit einer kleinen Ziffer markiert ist, die darauf
verweist, dass Farbstoff enthalten
ist.
Diese Salami ist oft im Grunde
nur Fett, das eingefärbt wie eine
Wurstscheibe aussieht und sich
beim Backprozess soweit auflöst,
dass die Pizza entweder in Fett
schwimmt oder extra viel Käse benötigt wird, um das überschüssige
Fett aufzusaugen. Diese Maßnahmen sehen leider viele Betriebe als
notwendig an, um einen Preis veranschlagen zu können, um auf dem
Markt zu bestehen. Wir als Verbraucher sollten daher nicht so vermessen sein und für unsere paar
Euro eine Top-Qualität erwarten.
Aber allzu schlecht ist auch nicht
attraktiv. Zu dem günstigen Preis
kommen die Fahrtkosten hinzu und
ein neues Problem.
Jeder Betrieb
wird vom Gesundheitsamt kontrolliert, aber wer kontrolliert die
Autos, in denen die Pizzen geliefert
werden?
Wer garantiert dem Verbraucher, dass nicht im selben Auto
ein paar Stunden vorher beispielsweise ein Hund mitgefahren ist?
Viele Pizzadienste verwenden
private Autos zum Ausliefern ihrer
Pizzen.
Und eine Pizza mit krossem Boden
an die Tür gebracht zu bekommen,
ist beinahe unmöglich, da die
dampfend heiße Pizza selbst dafür
sorgt, dass ihr Boden bei der Ankunft durchweicht ist. Abgesehen
davon, dass es eine kleine Kunst
ist, den Hefeteig richtig »gehen«
zu lassen und ihn nicht zu »töten«.
Wem diese Pseudo-Schreckensszenarien nichts ausmachen, muss
sich nur noch damit abfinden, dass
nur bei wenigen Lieferdiensten
wirklich nur eine Pizza bestellt werden kann. Manche Pizza-Lieferan-
ten fordern einen Mindestbestellwert, der meist deutlich über dem
Preis einer einfachen Pizza liegt,
sodass ein Getränk oder eine weitere Speise mitbestellt werden
müssen.