Studieren und den Lebensunterhalt finanzieren
Stipendien als Finanzspritze
Studieren könnte so schön sein,
wäre da nicht der schnöde Mammon. Rund 760 Euro muss ein Student laut einer Studie des Deutschen Studentenwerks im Monat
aufbringen, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. In Mainz
sind es vor allem die relativ hohen
Mietpreise, die den hiesigen Studierenden ein Loch in die Geldbörse reißen: Durchschnittlich
330 Euro monatlich müssen hier
für die Unterkunft eingeplant werden, errechnete eine im Juli veröffentlichte Studie des Geografischen Instituts der Uni Mainz.
Für viele der rund 40.000 Mainzer
Studierenden stellt sich hinsichtlich dieser Zahlen die Frage nach
einer ausreichenden Studienfinanzierung.
Christian Wölfelschneider von
der studentischen Initiative »Arbeiterkind.de« sind diese Sorgen
bekannt: »Bei Arbeiterkind versuchen wir alle möglichen Fragen,
die das Studium betreffen zu beantworten. Die nach der Finanzierung kommt dabei immer wieder
auf.« Der Politik- und Geschichtsstudent spricht aus eigener Erfahrung: »Zur Zeit finanziere ich mein
Studium durch zwei Nebenjobs.
Allerdings bewerbe ich mich auch
gerade um ein Stipendium.« Auf
diese Idee habe ihn seine Freundin
gebracht, die bereits Stipendiatin ist. Etwas abschreckend fand er
anfangs allerdings die große Anzahl verschiedener Stipendienmöglichkeiten: »Es ist sehr zeitintensiv herauszufinden, was es
überhaupt gibt und welches Stipendium für einen selbst in Frage
kommt«, erinnert sich Wölfelschneider.
Ein erster Überblick zeigt, dass
sowohl die Parteien als auch die
Kirchen über verwandte Stiftungen verfügen, die Stipendien an
begabte und engagierte Studierende vergeben. »Es gibt zum Beispiel die CDU nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, die SPD nahe Friedrich-Ebert-Stiftung oder das Cusanuswerk, das der katholischen Kirche nahe steht«, meint Wölfelschneider. Daneben verfügen auch
Grüne und FDP mit Heinrich-Böll-
bzw. Friedrich-Naumann-Stiftung
über parteinahe Institutionen.
Bewerben kann sich grundsätzlich
jeder Student, »allerdings sollte
man sich schon mit der jeweiligen
Partei oder Institution identifizieren können«, sagt Wölfelschneider.
Wem hier die Wahl schwer fällt,
kann sich auch bei einer der beiden parteiunabhängigen, großen
Stiftungen, der Studienstiftung
des deutschen Volkes oder der
Stiftung der deutschen Wirtschaft
bewerben.
Sehr gute Noten und Engagement

Das Bewerbungsverfahren ist
von Stiftung zu Stiftung unterschiedlich, die meisten verlangen jedoch neben Zeugnissen einen
Lebenslauf und ein Motivationsschreiben. Einige möchten darüber hinaus ein Empfehlungsschreiben vom Dozenten. Vor der Bewerbung ein Gespräch mit seinem Dozenten oder einem der Ansprechpartner der Stiftungen an der Uni
Mainz zu suchen, sei generell hilfreich, empfiehlt Wölfelschneider.
Er selbst hat sich um ein Stipendium der Stiftung der deutschen
Wirtschaft beworben.
Würde ihm
ein solches Stipendium zugesprochen, erhielte er einen festen Betrag von 150 Euro im Monat, der
jedem Stipendiaten zusteht. Darüber hinaus könnte er noch bis zu
600 Euro monatlich an Unterstützung kassieren. Dieser zweite Betrag richtet sich ähnlich wie das
BaföG nach der finanziellen Lage
der Eltern und den festen Ausgaben des Studierenden. »Diese Art
der Finanzierung ist bei den großen Stiftungen eigentlich überall
gleich«, ergänzt Wölfelschneider.
Ein wenig anders verhält es
sich bei dem seit Sommer 2011 zu
vergebenden Deutschlandstipendium. Dieses wird zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von den Universitäten, bzw. ihren Sponsoren
finanziert und vergibt pauschal
300 Euro an seine Stipendiaten.
Zum Sommersemester 2011 hat
die Uni Mainz auf diese Weise bereits 100 Stipendien vergeben.
Das
Bewerbungsverfahren läuft über
die Fachbereiche, die ein erstes
Ranking möglicher Stipendiaten
erstellen und dieses an die Förderabteilung der Uni weitergeben.
Ähnlich läuft das Auswahlverfahren auch bei der Vergabe sogenannter Förderstipendien der Stipendienstiftung Rheinland Pfalz.
Diese Zuschüsse werden ausschließlich für das Verfassen von
Abschlussarbeiten vergeben und
beschränken sich auf einen Förderzeitraum von maximal sechs
Monaten.
Voraussetzung für eine Bewerbung sind aber in jedem Fall sehr
gute Noten und soziales Engagement. Wie wichtig letzteres ist, unterstreicht auch Wölfelschneider:
»Gute Noten sind zwar wichtig,
aber ein Ehrenamt kann oft den
Ausschlag geben.«
Für ihn heißt es jetzt Daumen
drücken: Im November entscheidet sich, ob er ein Stipendium erhält. Doch egal wie die Entscheidung ausfallen mag, Wölfelschneider nimmt es sportlich: »Ich denke
es ist auf jeden Fall eine gute Erfahrung, sich um ein Stipendium
zu bewerben, und sei es nur um zu
testen, wie weit man kommt.«
Infos: Die Initiative Arbeiterkind.de
ist eine gemeinnützige Initiative mit
bundesweit über 3.000 ehrenamtlichen Mentoren in 80 Ortsgruppen,
die Schülerinnen und Schüler aus Familien, in denen noch niemand oder
kaum jemand studiert hat, zum Studium ermutigt und sie vom Studieneinstieg bis zum erfolgreichen Studienabschluss unterstützt. Auch an der
Mainzer Uni gibt es Arbeiterkind.de
(mainz@arbeiterkind.de). Quelle und
weitere Infos: www.arbeiterkind.de.
An jedem ersten Montag im Monat
findet um 19 Uhr ein Stammtisch im
Lomo statt.
Infos Stipendien: www.stipendienlotse.de, www.deutschland-stipendium.de;
Infos Stiftungen und Ansprechpartner an der Uni Mainz:
www.uni-mainz.de/studium/163_DEU_HTML.php#L_Begabtenstipendien