Für Uniformen, Schmuck und Orden gilt:
Kampagne ist das ganze Jahr





»Es gibt in Mainz nichts Ernsteres als die Fastnacht.« Da sind
sich die beiden einig. Petra Wagner-Behrendt und Zeljka Hajek
müssen es wissen, denn diese beiden Frauen sorgen schon seit Jahren dafür, dass die Mainzer Narrenschar so schmuck ist, wie man
sie jedes Jahr in der fünften Jahreszeit bewundern kann. Wer in einem Karnevalsverein Mitglied ist
und/oder sogar Teil einer Garde,
der ist praktisch dazu verpflichtet,
während der Kampagne passend
angezogen und geschmückt zu
sein. Und das sind die Jobs von
Wagner-Behrendt und Hajek.
Als Nicht-Gardist kann man in
einer Fastnachts-Hochburg wie
Mainz ganz einfach dem Glauben
verfallen, dass es hier eine riesige
Narren-Industrie geben muss:
Hutmacher, Schneider, Schuster,.
Das ist aber nicht so - oder besser
gesagt, nicht mehr. Wer sich für
Fastnacht eindecken will und
muss, der sollte bundesweit suchen oder im Internet.
Edgar
Kalberlah, Vorsitzender der
Finther Freiherren und Freifrauen, weiß das
aus eigener Erfahrung. »So eine
Uniform zu schneidern ist ein
Haufen Arbeit, den viele kleinere
Betriebe nicht mehr leisten können«, erklärt er. »Und die, die es
einstmals konnten, die gibt es inzwischen nicht mehr. Nicht nur
wir vom Verein haben schwere
Nachwuchssorgen, auch im Handwerk ist das so. Viele der einstmals bekannten Geschäfte haben
inzwischen geschlossen oder verkaufen nur noch.«
Ins närrische Ausland
Denn die Meenzer Fastnacht ist
nicht nur eine ernste Sache, auch
eine zeitraubende. »Wer denkt,
dass unsere Saison nur vom 11.11.
bis Aschermittwoch geht, der irrt
sich. Wir sind eigentlich das ganze
Jahr damit beschäftigt, den Verein
und die Fastnacht voranzubringen.
Während der Kampagne sieht man
nur die Früchte der vorher geleisteten Arbeit.« Genau das gleiche
gilt für die Kostüme. Die werden heute zum größten Teil im
»närrischen Ausland« produziert,
zum Beispiel in Aschaffenburg.
Dort ist der Firmensitz des bekannten Uniformenherstellers Imhof, Seit 2009 »Imhof by asciburgia«. »Bei Gardeuniformen ist es
ganz besonders wichtig sich an
die Vorgaben zu halten«, erklärte
Hajek. »Wir haben etwa 2000 Kunden bundesweit und schneidern
im Jahr circa 400 Uniformen. 40
Prozent davon für Mainzer Garden.« Und es gibt für jede einzelne
Uniform ein Musterexemplar, das
haargenau vorgibt wie etwas aus-
zusehen hat. »Wir haben jedes
Jahr mehrere Termine in Mainz -
zum Beispiel bei der Prinzengarde,
Füsiliergarde, Burggrafengarde
des CCW oder den Hechtsheimer
Dragonern.
Dann ändern wir, reparieren oder schneidern neu. Natürlich hält sich so eine Uniform bei
guter Pflege relativ lange. Erst
letztens kam ein Herr mit einer 16
Jahre alten Jacke, die nur wieder
in Form gebracht werden musste.«
Da so eine Komplett-Montur ohne
Hut, Stiefel, Epauletten oder Fangschnüren schon mal 800 Euro kosten kann, muss sie auch etwas
aushalten. Alles in allem trägt so
mancher Gardist einen Wert von
2000 Euro mit sich rum.
Glänzendes Geklimper
Und das ohne Schmuck
und Orden. Die bekommt
man nämlich bei Petra Wagner-Behrendt in - man lese
und staune - Mainz-Hechtsheim. CIM ist eine der wenigen Firmen, die heute noch
aus Mainz für Mainz arbeiten.
»Es gibt allerdings noch einige Damen, die sich privat und
ehrenamtlich um die Uniformen
einzelner Garden kümmern«,
weiß das ehemalige Fastnachtsballett-Mädchen. Ihre Firma CIM,
Creatives aus Metall, sorgt dafür,
dass die Meenzer Fastnacht klimpert und glänzt. »Viele Vereine lassen bei uns ihre Kampagnen-Orden fertigen.
Und alles andere,
Zum 111. Rosenmontagszug
im Jahr 2012 hat sich Petra
Wagner-Behrend einen ganz
speziellen Orden ausgedacht,
auf dem fast alle Mainzer
Karnevalsvereine vereint sind.
was ein Narr so an Schmuck und
Beiwerk braucht.« Anstecknadeln,
Manschettenknopfe, Präsidenten-
oder Zeremonienstäbe, Amtsketten, Komitee-Orden, Pins, Ohrringe, Bettelarmbänder, vierfarbbunte Uhren, . »Es kann passieren, dass ich nachts eine Idee
habe und die am nächsten Tag
gleich umsetzten möchte.«
Wie
etwa das Handtäschchen mit Vereinslogo oder ihre neueste Idee:
Einen Orden mit den Logos aller
Mainzer Fastnachtsvereine und Zeichnungen der wichtigsten Figuren der Fastnacht. Auch wenn
es de facto kein wirklicher Orden
ist. »Ein Orden wird eigentlich verliehen, wir wollen unseren quasi
als Andenken verkaufen.« Und genau hier setzt er wieder ein, der
karnevalistische Ernst. Denn die
Firma CIM hat schon einmal einen
eigenen Orden herausgebracht -
zur Euroumstellung. Und sich damit nicht nur Freunde gemacht.
»Und das, obwohl unser Orden
2002 der meistverkaufte Fastnachtsartikel war.« Jetzt haben Petra Wagner-Behrendt, ihr Sohn Julius und seine Frau Simone wieder
einen neuen Orden in der Mache:
»Wir möchten damit allen ehrenamtlichen Fastnachtern zum 111.
Rosenmontagszug 2012 gratulieren und ihr Engagement in den
Vordergrund stellen.« So wird aus
Ernst dann doch wieder Spaß.
Selbst in der Meenzer Fassenacht.
