Im muslimischen Fastenmonat Ramadan
Enthaltsam bis Sonnenuntergang

Seit den frühen Morgenstunden hat Abdullatif Hussein, Vorsitzender des Arab Nil-Rhein Vereins nichts gegessen. Jetzt ist es 21 Uhr und er schwärmt von kulinarischen Spezialitäten aus seiner Heimat, dem Jemen: »Man mischt Milch und Mehl zu einem festen Brei und gibt dann Honig hinzu. Das Ganze nennt sich Assid und wird traditionell im Ramadan zubereitet.« In Algerien und Marokko, erzählt er, wird hingegen viel Couscous gegessen: »Ganz früh am Morgen gerne mit Rosinen, Buttermilch und Zimt.« Gefüllte Teigtaschen seien hingegen ein traditionelles Essen in der Türkei. Er hält kurz inne und lacht: »Ich glaube, ich habe jetzt doch ein bisschen Hunger.«
Der islamische Fastenmonat Ramadan beginnt in diesem Jahr am 1. und endet am 30. August. Wie in vielen muslimischen Gemeinden in Mainz wird er auch im Arab Nil-Rhein Verein gemeinsam gefeiert. Doch was ist der Ramadan eigentlich genau und wie wird er begangen?
Ramadan ist zunächst der Name des neunten Monats im islamischen Kalender. Da es sich beim islamischen um einen Mondkalender handelt, verhält es sich mit dem Ramadan ähnlich wie mit dem christlichen Osterfest: Es verschiebt sich von Jahr zu Jahr.

Mehr Zeit für anderes
Maha ist Schülerin und besucht zurzeit die zehnte Klasse. Da die meisten Muslime in der Pubertät mit dem Fasten im Ramadan beginnen, befolgt auch sie die Regeln des Ramadan. Eigentlich sei das kein Problem, wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, sagt sie: »Schwierig ist es nur im Sportunterricht. Ansonsten hat man in der Schule einfach kein Essen dabei und hört auch irgendwann auf darüber nachzudenken.« Eigentlich gefalle ihr der Ramadan sogar ganz gut: »Man hat irgendwie mehr Zeit für andere Dinge wie zum Beispiel lesen.« Das bestätigt auch Abdullatif Hussein: »Anfangs ist es hart, zu arbeiten ohne zwischendurch zu essen. Allerdings ist man im Ramadan viel früher mit seiner Arbeit fertig, weil Mittagspausen und Kaffee- oder Teepausen wegfallen. Da kann man sich dann anderen Dingen widmen.«
Und so gehört zum Ramadan nicht nur der Verzicht auf Nahrung, sondern auch das Lesen des Koran und der Besuch der Moschee: »Der Ramadan wird von vielen Muslimen auch ,Monat des Korans' genannt, weil einige in der Zeit, in der sie eigentlich essen würden, im Koran lesen«, erzählt Abdullatif Hussein und schaut auf die Uhr.
Es ist 21.30 Uhr: Nicht mehr lange bis das Fastengebot für diesen Tag aufgehoben wird. Doch statt sich wahllos auf alles Essbare zu stürzen, wird das alltägliche Fastenbrechen traditionell mit Datteln und Milch begonnen: »Getrocknete Datteln sind sehr süß und enthalten viel Zucker. Wenn man den ganzen Tag nichts gegessen hat, muss man erst einmal dafür sorgen, dass der Blutzuckerspiegel wieder in Ordnung kommt. Deswegen isst man Datteln und trinkt Milch dazu«, meint Abdullatif. Im Anschluss steht das Nachtgebet an, das im Ramadan länger dauert als in den übrigen Monaten, erst danach kann das Schlemmen beginnen. Aus der Küche duftet es nach Gemüsesuppe, gegrilltem Hähnchen, Oliven, Tomaten und Gebäck. Nach und nach wird alles in den gemeinsamen Speisesaal getragen und restlos verputzt. Zur Tradition im Arab Nil-Rhein Verein gehört dabei, dass die Männer im Ramadan für die Essenszubereitung zuständig sind.
Katrin Henrich