Der Goetheplatz als Herzstück der Mainzer Neustadt
Erfrischend gelebte Integration
Riesig, abenteuerlich und attraktiv - so präsentiert sich der Goetheplatz in der Mainzer Neustadt. Wer in den warmen Monaten eine Abkühlung sucht,
aber nicht ins Schwimmbad gehen möchte, der ist hier genau richtig. Denn der Goetheplatz hat mit seinem Wasserspielplatz ein erfrischendes
Alleinstellungsmerkmal. Wechselnde Wasserfontänen und eine Elefantenrutsche in ein kniehohes Becken machen das Spielen für Kinder auf dem Platz
zu einem großen Abenteuer. Wellenförmige Objekte laufen ins Wasser, ovale »Kissen« laden zum Sitzen im kühlen Nass ein. Außer den Wasserspielen
hat der Platz noch einiges mehr zu bieten. Ein großer Abenteuerspielplatz ist in eine Art Fluss- oder Sumpflandschaft durch Stämme und Stangen aus
Robinienholz eingebunden. »Dieser Bereich stieß bei einigen Erwachsenen durch die hohen Stämme zunächst auf Unverständnis. Aber die Kinder nahmen
den Spielplatz sehr gut an«, weiß Bernd Quick, Quartiermanager in der Neustadt. Die Kinder können von Insel zu Insel klettern oder sich auf Floße
oder Baumstämme retten. Der weiche Sandboden animiert zum Burgenbauen. Neben Klettergerüsten aus Hartgummi und einem Baumhaus gibt es eine Rutsche,
zwei Schaukeln und sogar zwei Babyschaukeln. Rundherum sind Sitzmöglichkeiten angelegt, auf denen sich die Eltern ausruhen können und gleichzeitig
ihre Kinder im Blick haben.
Direkt gegenüber dem Spielplatz haben die sogenannten »G-Worker« (das G steht für Goetheplatz) ihren Sitz. »Es handelt sich dabei um ein gewalt-
und suchtpräventives Projekt«, erklärt Eva Jährling, Pädagogik-Studentin und Honorarkraft. Mit drei weiteren Mitarbeitern arbeitet sie mit
Jugendlichen zusammen. Diese wiederum betreuen kleinere Kinder auf dem Platz. Zwei Mal pro Woche (donnerstags von 16-19 Uhr und samstags von 15-18 Uhr)
können sie für drei Stunden Spielgeräte wie Bälle, Seile, Stelzen oder ein Trampolin ausleihen. Dabei lernen die Jugendlichen Verantwortung für andere
zu übernehmen. »Die Jugendlichen sind auf uns zugekommen und haben gesagt, dass sie was machen wollen«, erinnert sich Silke Maurer, ebenfalls
Quartiermanagerin in der Neustadt. Seit 2009 besteht nun das Projekt und wird seitdem positiv angenommen.
Als Belohnung für die ehrenamtliche
Mitarbeit der Jugendlichen verreist die Gruppe ein Mal im Jahr. Der »G-Worker« Daniele Mancuso ist Schüler und von Anfang an dabei: »Es macht
Spaß mit den Kindern zu arbeiten!« Quartiermanager Quick findet: »Auf dem Goetheplatz wird Integration gemacht und gelebt.« Das sieht man
beispielsweise an den verschiedenen Nationalitäten, die hier zusammen kommen oder den rundum barrierefreien Zugängen, die auch mobilitätseingeschränkten
Menschen den Zugang ermöglichen. Insgesamt fünf Kitas, ein Altenheim und ein Rollschuhverein befinden sich rund um den Goetheplatz. Eine
großzügig angelegte Wiese lädt zum Picknick ein. Eine umzäunte Fläche kann zum Rollschuhlaufen oder Inlineskaten genutzt werden. Der sogenannte
»Grüne Finger« ist ein angelegtes Blumenbeet, das in Richtung Hindenburgplatz zeigt und Besuchern Raum zum Ausruhen geben soll. »Wir befinden uns
hier in einem der ärmsten Stadtbezirke von Mainz. Daher ist der Platz auch genau am richtigen Ort«, erklärt Quick.
In neuem Glanz
Nicht umsonst wird der Goetheplatz als das Herzstück der Mainzer Neustadt bezeichnet. Auch früher war der Platz bereits großflächig und zentral angelegt.
Der Name des Goetheplatzes ist erstmals 1899 belegt. Offiziell benannt wurde er 1908 nach dem Dichter, Staatsmann und Naturforscher Johann Wolfgang v.
Goethe (1749-1832). Goethe reiste mehrmals nach Mainz, beschrieb unter anderem die Belagerung von Mainz 1793 und lieferte eine Beschreibung und
Zeichnung des »Eichelsteins«. Früher bildete der Goetheplatz das Zentrum der Neustadt. Seinen repräsentativen Charakter erhielt der Platz durch die
Alice-Kaserne, am Platz des heutigen Polizeipräsidiums, im Hintergrund. Durch großzügige Bepflanzungen auf dem Platz wurde er immer mehr zu einer
Art »Volkspark«. Zwar wurde auf dem Goetheplatz in den 1970er Jahren ein Wasserspielplatz angelegt, dieser verkam allerdings immer mehr und musste
saniert werden. Die im Jahr 2003 begonnenen Bauarbeiten im Rahmen des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt, konnten 2005 fertig gestellt werden und
ließen den Goetheplatz in neuem Glanz erstrahlen. Wie immer gab es eine große Bürgerbeteiligung zu den Wünschen und Ideen der neuen Platzgestaltung.
Insbesondere Kinder und Jugendliche gaben Anregungen zu den Spielgeräten und dem Wasserspielplatz.
Einbezogen wurden die Ergebnisse von Befragungen
des Jugendamtes aus dem Neustadt-Projekt, dem Neustadtzentrum, den Schulen in der Neustadt sowie dem Kinderhaus der Evangelischen Paulusgemeinde.
So kam es, dass viele Kinder nach der Einweihung des neuen Wasserspielplatzes eine Wasserrutsche forderten, die zeitnah nachgebaut werden konnte.
Wenn in den Wintermonaten das Wasser abgelassen wird, kann der Bereich als Spielfläche weiterhin zum Klettern genutzt werden.