Technologiezentrum Mainz
Günstige Büros und Unterstützung
Für manche ist die letzte Hoffnung und für andere ein Lebenstraum: ein eigenes Geschäft. Die Anzahl der Existenzgründungen nimmt
immer mehr zu. Vor allem auch, weil Bund, Länder und Gemeinden diesen manchmal furchtlosen Schritt in den vergangenen Jahren auf
vielen verschiedenen Wegen förderten: mit dem Existenzgründungszuschuss vom Arbeitsamt, dem Gründercoaching Deutschland für günstige
Beratungsstunden und subventionierten Seminaren.
In Mainz gibt es zusätzlich zu Geld und Hilfestellungen eine weitere Möglichkeit für Jungunternehmer, das Risiko einer Pleite zu minimieren:
Das Technologiezentrum Mainz. Im TZM haben Existenzgründer, die sich in technologischen und innovativen Bereichen selbstständig gemacht haben,
die Chance auf günstigen Arbeitsraum. Egal ob Internet oder pharmazeutische Forschung - hier bekommt man für relativ wenig Geld sein eigenes
Büro oder Labor. Natürlich zahlt man seine Miete, die wird allerdings aus öffentlichen Mitteln bezuschusst. »Wir wollen den Existenzgründern
nicht einen Batzen Geld zahlen und das war's. Wir unterstützen sie dabei, ihre Idee erfolgreich umsetzen zu können«, erklärt Konstanze Jutzi,
Geschäftsführerin des TZM und Amtsleiterin des Amtes für Wirtschaft und Liegenschaften.

Das Technologiezentrum Mainz hat zurzeit zwei Standorte: das Biotechnikum »An der Goldgrube« in der Freiligrathstraße und den fünften
Stock des Bonifaziusturms B. Die über 2000 Quadratmeter auf zwei Etagen in der Oberstadt teilen sich zwei Unternehmen, die vor allem
die Labors benötigen: Ganymed sucht nach neuen Wegen den Krebs zu bekämpfen und Galantos nach Mitteln gegen Alzheimer oder Demenz.
Im Bonifaziusturm dagegen geht es weniger um solch lebenswichtige Entdeckungen. Hier tummeln sich vor allem IT-Unternehmen, Ingenieure,
Elektrotechniker und Internet-Spezialisten. »Für so ein Technologiezentrum ist es wichtig, dass die Inhalte, die Branche passen. Nur so
können sich Cluster oder Schwärme wie zum Beispiel in Silicon Valley bilden«, träumt Jutzi. »So befruchten sich die einzelnen Unternehmen
gegenseitig und kommen wirklich weiter. Gleich und Gleich gesellt sich gern.«
Für so eine Schwarmbildung müssen allerdings einige Voraussetzungen geschaffen werden: von der leistungsfähigen Internetverbindung bis hin
zum funktionstüchtigen Staubsauger. »Das ist ja das Gute am TZM«, erläutert Christian Hoya, Mitgründer des Internet-Marktplatzes Vicampo
für Winzer und Weinkenner. »Hier war eigentlich schon alles eingerichtet und wir konnten sofort loslegen.« Auch Stefan Farnetani von mindscreen,
einer Firma für Konzeption, Gestaltung und technische Umsetzung von Internet- und Multimediaprojekten, weiß wie wichtig die richtige Infrastruktur
ist. »Ein schneller Internetzugang und genügend Platz sind für uns besonders wichtig.« Auch wenn der Platz im TZM inzwischen recht knapp wird.
»Wir haben im vergangenen Oktober mit drei Büros angefangen und sind jetzt bei fünf. Daran erkennt man, dass man im TZM auch die Möglichkeit
bekommt, sich weiter zu entwickeln. Die Flexibilität des Vermieters war für uns ein wichtiges Kriterium«, führt Stephan Linden von Vicampo aus.
»In einem Zeitraum von fünf Jahren kann man viel bewegen.«

Genau das ist auch die Zeit, die sich die Mieter im TZM breitmachen dürfen. »Wir wollen unseren Existenzgründern die Möglichkeit geben, ihr Geschäft aufzubauen. Aber wer in fünf Jahren die PS nicht auf die Straße bringt, der schafft es, mit wenigen Ausnahmen, nie«, weiß Jutzi. »Ich bin, was Gründungen angeht, ein Fan des amerikanischen Modells von ,Trail and Error'. Doch wenn es schief läuft, soll man nicht mit einem großen Haufen an Altlasten dastehen.« Deshalb versuchen die Geschäftsführerin und ihre Assistentin Marietta Sherlock auch immer, den Mietern bei Schwierigkeiten entgegenzukommen. »Die Mieter wissen, dass sie mit allen Sorgen und Nöten zu uns kommen können«, sagt Sherlock, die sich um den größten Teil des operativen Geschäfts des TZMs kümmert. »Selbst wenn viele wissen, worauf sie sich einlassen, kann es doch zu Problemen kommen.« Zur zusätzlichen Unterstützung bietet das TZM auch weitere Beratungen an. »Hauptsächlich zu den Themen Steuern und Marketing. Die beiden schwierigsten Felder für viele«, weiß Jutzi.

Für immer soll das TZM allerdings nicht im Bonifaziusturm bleiben. Die Büros sind auch nicht für alle ideal. Im Sommer zu heiß und »zum Computern«
zu hell. Aber vor allem könnte die Struktur noch verbessert werden. Konstanze Jutzi träumt von einem TZM-Neubau. »Wenn die Stadt Mainz auf diesem
Sektor in Steine investiert, investiert sie zugleich auch in Köpfe«, erklärt die Amtsleiterin. »So könnten wir nicht nur mehr Unternehmen Platz
bieten, sondern auch mehr anbieten, wie eine hohe Deckentraglast, einfach ausgestattete Laborräume, Kommunikationsinseln, .«
Eben ein kleines Silicon Valley für Mainz erschaffen.