Kunst, Religion und Musik:
Drei Impulse für eine Beziehung

Keter ist das hebräische Wort für Tora-Krone, und eine solch aus dem 19. Jahrhundert ist im Mainzer Landesmuseum ausgestellt. Doch was hat dieser antike Schmuck einer jüdischen Schriftrolle mit dem Komponisten Marc Ravel oder gar mit der evangelischen Kirche zu tun? Sehr viel, zumindest in der Veranstaltungsreihe beziehungsWeise des Museums, die im Mai startete. Kunstwerke aus verschiedenen Jahrhunderten werden dabei aus theologischen, musikalischen und kunsthistorischen Blickwinkeln betrachtet. »Ravel hat sich mit der jüdischen Musik beschäftigt als er einen Auftrag für ein Musikstück von einer jüdischen Sängerin erhalten hat.
Diese Erfahrung hat er in seine Kompositionen einfließen lassen«, erklärt Professor Benjamin Bergmann von der Hochschule für Musik die Verbindung zur Keter während Rainer Beier, Evangelischer Stadtkirchenpfarrer von Mainz, den Ablauf eines jüdischen Gottesdienstes beschreibt und Ursula Wallbrecher vom Landesmuseum in ihrem Vortrag den Bogen zur Judaica-Sammlung schlägt. Drei Referenten, drei unterschiedliche Fachgebiete, drei Sichtweisen. »Der Name beziehungsWeise ist ein wichtiges Element bei der Betrachtung jedes Kunstobjektes, es gibt eine Vielzahl an Bezügen, die hergestellt werden können«, erläutert Rainer Beier den Leitgedanken des Konzepts. »Wir wollen den Besuchern ganz besondere Impulse geben, indem wir sie mit unseren Gedanken und Informationen begleiten.«

»Den Menschen und den Mann«, will die Archäologin dann beim Picasso-Bild Homme assis, das einen Monat später im Focus von beziehungsWeise steht, »in den Blick nehmen« und zudem die Kunstsprache im Kubismus beschreiben. Stadtkirchenpfarrer Beier indes wird sich mit dem Künstler und mit dem Selbstbildnis, das jeder Mensch von sich hat, auseinandersetzen, während Bergmann auf die Persönlichkeitsspaltung bei einigen Komponisten wie bei Rodoin Schtschedrin hinweist und erneut von Meisterschülern musikalisch begleitet sein wird. So individuell wie die Beziehungen zwischen Betrachtern und Kunstobjekten sind, so frei sind die drei Referenten in der thematischen Gestaltungen ihrer 20-minütigen Vorträge, und auch bei der Objektauswahl geben sie sich keine Regeln.

KH
Infos:
5. Juni, 15 Uhr: Altartafel aus dem Mainzer Marienleben (um 1500),
Musik von Georg Philipp Telemann und Antonio Vivaldi
3. Juli, 15 Uhr: Pablo Picasso:
Homme assis (1970), Musik von Johann Sebastian Bach, Eugène Ysaye, Rodion Schtschedrin
Es gilt der Museumseintrittspreis
von 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro.
Landesmuseum Mainz
Telefon: 06131/ 28 57-0
Infoband: 06131/2857-225
www.landesmuseum-mainz.de
(unter »Aktuelles«)