Der Gartenfeldplatz in der Neustadt
Ein typischer Stadtplatz für Jung und Alt
Vor gut zwei Jahren, im Februar 2009 wurde der neugestaltete Gartenfeldplatz offiziell eingeweiht. Auf Wunsch und mit intensiver
Beteiligung vieler Anwohner gelang die Neugestaltung im Rahmen des Projektes »Soziale Stadt in der Neustadt«.
Eingerahmt von großen Altbauhäusern liegt der Gartenfeldplatz zwischen Nackstraße und Gartenfeldstraße im südöstlichen Teil der Mainzer Neustadt.
Als einer der ersten Mainzer Plätze der Gründerzeit wurde er zu Beginn des
20. Jahrhunderts fertig gestellt und 1901 benannt. Seinen Namen erhielt der Platz aufgrund des Gartenfeldes, einem sehr tief gelegenen
Gelände und ursprünglichen Rheinbett, welches verlandete und ständig durch Hochwasser bedroht war. Im 15. Jahrhundert wurde es erstmals
erwähnt. Das Gartenfeld war die Versorgungsstelle der Stadt mit Obst und Gemüse.
Die Festungsanlagen und der Rhein hinderten die Stadt Mainz flächenmäßig zu wachsen. Aufgrund der steigenden Einwohnerzahlen wies Mainz um
1870 eine fast drei Mal so große Bevölkerungsdichte auf wie beispielsweise die Städte Frankfurt am Main und Berlin. Das Gartenfeld durfte
jedoch nur mit Fachwerkhäusern bebaut werden. Im Falle eines Krieges mussten die Bauwerke schnell abgerissen werden, um freies Schussfeld
zu schaffen. Aufgrund der Entwicklung von Geschützen bedurfte es allerdings gegen Mitte des 19. Jahrhunderts keiner Gräben und Wälle mehr,
verschiedene Pläne wurden vorgelegt, um der großen Enge in der Stadt entgegenzuwirken.
Nach dem Tod des Mainzer Stadtbaumeisters Joseph Laské 1863 wurde eine Stelle für einen Bewerber mit Kreisbaumeisterexamen ausgeschrieben.
Unter den 14 Kandidaten war auch Eduard Wilhelm Christian Kreyßig, ein deutscher Architekt, Stadtplaner und Tiefbauspezialist aus Eichelsachsen
in Hessen, der 1864 gewählt wurde. 1868 legte Kreyßig eine Denkschrift vor, in der er vorschlug die Festungsumwallung nach Norden zu verschieben
und so eine Bebauung des Gartenfeldes zu ermöglichen. Die Neustadt entstand. Um jedoch grüne Flächen zu erhalten, wurde der heutige Gartenfeldplatz
von der Bebauung ausgenommen. Auf der Südseite stand ein Kiosk, an dem man Süßigkeiten und Erfrischungen kaufen konnte. Nach einem längeren
Kuraufenthalt 1893 wurde Kreyßig 1896 vorzeitig und bei vollem Gehalt pensioniert und starb am
11. März 1897. Er wurde auf dem Hauptfriedhof begraben. 1904 wurde ein Kreyßig-Denkmal errichtet, jedoch stellte man nach dem Zweiten
Weltkrieg nur noch die von Nikolaus Lipp angefertigte Büste Kreyßigs auf. Sie kann auf der Grünfläche in der Mitte der Kaiserstraße,
zwischen dem Stadthaus und der Christuskirche bewundert werden. Im nordwestlichen Teil der Neustadt wurde 1898 auch eine Straße nach Kreyßig
benannt.
Dem Platz ein neues Gesicht geben
Der heutige Gartenfeldplatz hat mit seinen Ursprüngen nur noch wenig zu tun. Er dient nicht mehr als Versorgungsstelle, sondern ist vielmehr
Aufenthaltsort für Jung und Alt. In den 1960er Jahren wurde der Gartenfeldplatz erstmals gestaltet und als Sitzecke und Bolzplatz genutzt.
In der Mitte befand sich eine Grünfläche, auf der sich zeitweise ein Biergarten befand. Außerdem stach ein Trafogebäude hervor. Jedoch
verkam der Gartenfeldplatz immer mehr zu einem stark verschmutzten Bereich, der nicht mehr zum Verweilen einlud.
In den 1990er Jahren versuchte man ihn zu verschönern, was sich jedoch aus finanziellen Gründen nicht umsetzen ließ.
Im Jahr 2006 konnte der Platz in das Programm »Soziale Stadt« aufgenommen und 2008 verwirklicht werden. Die Stadt Mainz gestaltete den
Gartenfeldplatz auf Wunsch und mit Beteiligung vieler Anwohner im Rahmen des Projektes »Soziale Stadt in der Neustadt« um. Dabei wurden
auch Kindertagesstätten und Schulen einbezogen, damit die Kinder und Jugendlichen den Spielplatzbereich und die Spielgeräte nach ihren
Wünschen planen konnten.
Der Platz wurde in zwei Hälften aufgeteilt. Es entstanden ein Sitzbereich mit zahlreichen Bänken und ein Spielplatzbereich, der etwas tiefer
angelegt wurde. Hier befinden sich zahlreiche Spielgeräte: zwei Schaukeln, ein Klettergerüst mit Rutsche, ein Kreisel und ein Sandkasten.
Das Trafogebäude ist verschwunden. Die Station wurde teilversenkt, mit Holz umkleidet und dient heute als zusätzliche Sitzgelegenheit.
Wer den Gartenfeldplatz betritt fühlt sich aufgrund der umliegenden Häuserbebauung, der Umzäunung entlang der Längsseite des Platzes und der
historisch gestalteten Straßenlaternen zeitlich zurückversetzt. Zerstört wird dieser Eindruck jedoch durch die Parkplätze, die sich rund um
den Gartenfeldplatz befinden und die aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens eigentlich immer belegt sind.
Zurzeit ist der Boden mit der Frucht der Gleditschie, der sogenannten Lederhülsenfrucht, bedeckt. Im Sommer spenden die großen Bäume Schatten und laden zu einer Pause auf dem Platz ein. Doch auch in den kalten Wintermonaten ist der Gartenfeldplatz gut besucht. Spielende Kinder, Familien und Spaziergänger halten sich hier gerne auf.
Stefanie Gundel